Gedanken zur Jahreslosung 2012

Asterix oder Idefix?

Wie gehen wir mit den unliebsamen Herausforderungen unseres Lebens um? Ein kleiner Hund erweist sich als großes Vorbild.

Asterix, der Gallier, gehört zu meiner Lieblingslektüre. Ein kleiner, gewitzter Mann, dem immer eine List einfällt, wenn es darum geht, die dummen römischen Besatzer zu besiegen, die den schönen gallischen Waldfrieden stören. Und wenn es mit List und Witz einmal nicht weitergeht, bekommt er einen Schluck von dem Wundertrank Marke Miraculix und wird super stark. Dann haut er ein paar Mal kräftig zu und schlägt die Römer in die Flucht.
Wäre das nicht schön, wenn wir so sein könnten wie Asterix? So wie er, schlagen wir uns doch alle ständig mit Römern herum! Nicht solchen mit Schwertern und Blechuniformen. Unsere Römer sind die lästigen Besatzer in unserem Leben: Probleme, die nicht weggehen, egal wie viel wir an ihnen arbeiten, Menschen, mit denen wir nicht zurechtkommen, egal wie viel Mühe wir uns geben. Der eine hat so einen Römer am Arbeitsplatz, dem er es nie recht machen kann.

Bitte mach mich stark, Jesus
Für andere ist der Besatzer ein altes Misstrauen in der Ehe, das sich nicht überwinden lässt. Für manche ist der Besatzer eine Wunde aus der Kindheit, die Verwandte aus Nachlässigkeit oder im Streit geschlagen haben, die immer wieder aufbricht. Für andere ist der Römer die Angst um den Arbeitsplatz, um Anerkennung bei Freunden, das bohrende Gefühl, nicht „gut“ genug zu sein. Für viele sind die Römer alte Wünsche, die in ihnen nagen. Etwas, das überhaupt nicht zu einem Leben als Christ passt und sie trotzdem nicht loslässt.

Diese Besatzer unseres Lebens machen uns mürbe und müde, weil das ganze Leben zur ständigen Auseinandersetzung mit ihnen zu werden scheint. Wie viel mehr Freude könnten wir haben, wie viel einfacher wäre das Leben, wenn wir mit ihnen so einfach fertig werden könnten wie Asterix, mit eigener Kraft und Wundertrank! Und so beten wir zu Jesus: „Bitte, mach mich stark, damit ich die Römer aus meinem Leben vertreiben kann!“

 

Verzichten, selbst zu kämpfenJesus kennt unsere Kämpfe, aber er antwortet ganz anders, als wir uns das vorstellen. Die Jahreslosung 2012 ist seine Antwort auf die Bitte des Apostels Paulus um mehr Kraft, die Paulus sich wünschte, um seine Römer zu vertreiben. „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ Diese Antwort ist Zusage und Herausforderung zugleich. Die Zusage ist: Meine Kraft ist mächtig! Gott ist stärker als alle Römer, die uns das Leben schwer machen.

 

Die Herausforderung ist: Nimm Deine Schwäche an und verzichte darauf, Deine Römer selbst besiegen zu wollen! Gott will, dass wir ihm vertrauen und den Kampf ihm überlassen. Gott möchte nicht, dass wir wie Asterix werden, sondern wie Idefix, der kleine Hund, der so gerne in die große Hand von Obelix krabbelt und sich dort voll Vertrauen auf die Kraft seines Herrn hin kuschelt.

Absurd, Gott nicht zu vertrauen
Das Problem ist, dass uns solches Vertrauen sehr schwer fällt, weil es ganz gegen unsere Natur ist, Gott den Kampf zu überlassen. Dann würde Er entscheiden, welcher Römer wann besiegt wird. Damit würden wir die Kontrolle abgeben über unser Leben, und das wollen wir nicht. Lieber selbst kämpfen ohne Aussicht auf Erfolg als Gott die Kontrolle über mein Leben zu überlassen! Wie oft denken wir so und überlassen damit die Kontrolle über unser Leben unsern Feinden, den Römern, anstatt Gott, der uns liebt? So auf den Punkt gebracht sieht man, wie absurd es ist, Gott nicht zu vertrauen.

Mit seiner Zusage, für uns mächtig zu sein, lädt Jesus uns ein, aus dieser Absurdität auszubrechen und das Richtige zu tun: Ihm unser Leben anzuvertrauen. Das Wagnis einzugehen, schwach zu sein, damit Er sich als stark erweisen kann. Nur so werden wir die lästigen Besatzer unseres Lebens los. Wie wäre es, wenn wir das Jahr 2012 nutzen, um zu lernen, wie Idefix zu sein?

 

Quelle: ANTENNE


Kommentare

Von G.-L. Weller am .

Sehr lebensnah und verständlich, sehr ermutigend und humorvoll****

Von Friedemann K. am .

Sehr originell, ansprechend und ermutigend diese Auslegung.

Von Martin A. am .

Sehr geehrter Herr Prof. von Hagen,
vielen Dank für Ihre Gedanken zur Jahreslosung, die ich übrigens sehr sympatisch finde.
Ich fühle schon zwei Extrempositionen heraus: Kämpfen einerseits und "nur" Gott zu vertrauen andererseits. Dass das Kämpfen eher weniger gesegnet ist, leuchtet mir ein. Handeln mit Gottes Segen scheint mir angemessen. Nur ... wo ziehe ich die Grenze zwischen dem Handeln, dem krampfhaften Handeln und dem Kämpfen?
Immer wieder - und ich ertappe mich gerade selbst bei mehr

Von Lilly am .

Vielen Dank für diese treffenden Zeilen. Ich erlebe seit einiger Zeit genau das und merke, wie unendlich liebevoll Gott mein Leben zum Guten verändert. Es lohnt sich, die Zweifel zu ignorieren, die Kontrolle aufzugeben und ihm voll und ganz zu vertrauen.

Von Carolina am .

Leer con detenimiento! Super :)

Von Rosemarie B. am .

Herzlichen Dank für diese wertvolle Auslegung.
Im Vertrauen liegt eine starke Kraft. Was mir aus unserer Neujahrspredigt sehr wichtig wurde ist:nicht ich soll Gott Vorschläge machen wie meine Probleme zu lösen sind sondern sie vertrauensvoll abgeben.
Wie Gott sich Leben vorstellt kann ich am Besten bei einer Liebesbeziehung mit IHM verstehen.Dabei ist mir ein verankert sein in Ihm wichtig.Tankstelle ist meine Stille Zeit.
Doch ich weiß mich auch in Zeiten des Zweifels von IHM geliebt.
Herzlich
Rosemarie B:

Von Gotthilf L. am .

Lieber Herr Prof. Jürgen von Hagen,
ich bin begeistert von der Aussagekraft Ihrer Zeilen und habe mir gleich eine Datei davon gemacht zur Weitergabe!
Achtung: Idefix ist auch in der sicheren großen Hand von Obelix trotzdem hellwach, um je nach Situation sich mit seinen Möglichkeiten auch mal einzusetzen...
In jeder Situation gilt das letzte Wort unseres Herrn: Ich bin bei euch alle Tage...!
Herzlichst
ein begeisterter erf-Newsletter-Leser Gotthilf L., Stuttgart

Von Heidrun am .

Danke für die lebensnahe Beleuchtung dieses Themas!
Ich denke, dass es auch ein großer Kampf ist, sich auf Gott zu verlassen - nämlich der Kampf gegen den Zweifel. Und wenn es uns gelingt, sich auf Gott zu verlassen, dann wird Gott seine Hilfe durch gute Eingebungen oder helfende "Engel" sicher nicht verwehren.

Von Alfred A. am .

Was heißt das denn: "die Kontrolle über sein Leben abgeben"? Was bedeutet es, den täglichen "Kampf Gott zu überlassen"?
Ich denke, dass ich trotzdem kämpfen muss und mich bemühen muss, das Leben zu bewältigen. So einfach alles Gott zu überlassen scheint mir da ein bisschen zu simpel zu sein. Erst einmal sollte ich mich selber bemühen und strampeln, und dabei oder dazu hilft mir Gott, hoffe ich.

Von Renate am .

Danke für diese anschauliche und einprägsame Auslegung!


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