Weihnachtsandacht

Peter Hahne: Sollen wir uns das Schenken schenken?

Die Idee war gut. Einfach mal auf die Weihnachtsgeschenke un den damit verbundenen Stress verzichten. Doch es kam alles ganz anders.

Wir wollten´s wirklich mal versuchen und haben es uns ganz fest vorgenommen: Weihnachten ohne Geschenke! Denn alle Jahre wieder kommt, so sicher wie die Grippewelle im November, die Kauf-Epidemie im Dezember. Sollte man sich das Schenken nicht einfach mal schenken?

Was kann man sich damit nicht alles (er-)sparen! Die Hetze beim Einkaufen. Die Qual beim Aussuchen. Die Zweifel über die getroffene Wahl. Das Geldausgeben… Kurzum: Diesen ganzen Konsumterror nach der Melodie „Süßer die Kassen nie klingen als zu der Weihnachtszeit.“

Schluss mit dem nervtötenden „Stille Nacht“-Gedudel

Den Stress, getrieben vom nervtötenden „Stille Nacht“-Gedudel und geschoben vom Käuferstrom einfach anderen überlassen. Auch die sinnlos-oberflächlichen „S-Geschenke“ Socken, Schlips, Süßigkeiten. Nie wieder Beethovens Neunte, die schon viermal in der CD-Box steht! Vorbei mit diesen lästigen Pflicht-, Werbe-, Aus- und Umtauschgeschenken. Schluss damit, ein für allemal!

So hatten wir´s uns gedacht, es war beschlossene Sache: Diesmal ohne Geschenke. Die ganze Familie war einverstanden, damit unbelastet und ungestört vom Warencharakter zum wahren Charakter des Weihnachtsfestes zurückzukehren. Das Ergebnis: Eine völlig neue Lebensqualität in den eiligen Tagen vor dem Heiligen Abend.

Die Jagd nach Geschenken? Abgeblasen!

Fast mitleidig blickt man seinen stressgeplagten Mitmenschen nach, die paketbeladen über die Straße wanken, um in einem voll gequetschten Linienbus zu verschwinden.  Es kann ja so schön sein, leichten Herzens an den üppigen Schaufenster-Auslagen vorbei zu gehen, die einen nicht mehr reinlegen können. Abgeblasen die Jagd nach Geschenken, für die einem doch kaum einer richtig dankt.

Dann kam der 24. Dezember, ich werde es nie vergessen. Baum geschmückt, Christvesper besucht, Kerzen angezündet, Lieder gesungen, Weihnachtsgeschichte gelesen, vom Teller genascht, Augen gerieben, vom Donner gerührt…. Denn unter dem Tannenbaum lag ein breites Sortiment diverser Päckchen in verschiedenen Größen, weihnachtlich eingewickelt und golden verschnürt. Der Vorschlag totaler Geschenkeverweigerung war ein totaler Flop. Niemand aus der Familie hatte sich dran gehalten. Und das war auch gut so!

Nie wieder das Schenken schenken

Nie wieder will ich mir das Schenken schenken, das habe ich mir geschworen. Denn was wäre es, wenn Gott sich das Schenken geschenkt hätte? Dann gäbe es Jesus Christus nicht, keine Rettung, keine  Erlösung, keine Vergebung, nicht das Kind, das später als Mann einmal für Wahrheit und Weg, für Leben und Licht, für Heil und Hoffnung stehen sollte.

All das würde fehlen, und wir Menschen gingen immer noch im Dunkeln angstvoll in die Irre, weil kein leuchtende Stern über dieser Welt aufgegangen wäre mit der frohen Botschaft: „Fürchtet Euch nicht, denn Euch ist heute der Heiland geboren!“

Die Welt ohne Jesus, ohne den Mann, nach dem die Jahre gezählt werden? Unvorstellbar! Die Welt ohne das Geschenk Gottes aus der Ewigkeit, mit dem die Zeitenwende begann und die Liebe Hand und Fuß bekam? Unvorstellbar! Wenn Gott sich das Schenken geschenkt hätte, wären wir bettelarm.

Wer einmal an der Krippe war ...

Ohne die Botschaft „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“ wüssten wir bis heute nicht, dass die Ehrfurcht vor Gott und der Frieden dieser Welt und unseres Herzens wie die zwei Seiten einer Medaille sind. Wir wären immer noch auf der sehnsuchtsvollen Suche, hätten wir das Wort der Hirten und der Weisen von Bethlehem nicht: „Wir haben gefunden, gehört UND gesehen!“ Wer einmal an der Krippe war, geht als Beschenkter zurück in seinen Alltag

Wann also Schenken, wenn nicht zu Weihnachten? Weihnachten ist doch Geburtstag, ein echtes Familienfest. Schließlich bekommen wir Menschenkinder in Gott einen Vater und in Jesus Christus einen Bruder.

Wir feiern Weihnachten, weil Gott uns das größte Geschenk macht: Seinen Sohn,  den Heiland. Das ist sein Angebot, sein fleischgewordenes Wort, das nun auf Antwort wartet, die wir in Verantwortung geben müssen.

Wer sein Herz an Jesus verliert, hat das Leben gewonnen

Antworten können wir in doppelter Weise: Ihm unser Leben geben, wie wir es im Advent singen: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, mein´s Herzenstür dir offen ist….“ Und uns untereinander einen Abglanz dieses großen Geschenks schenken; Aneinander denken, füreinander danken.

Wer sein Herz an Jesus verliert, der hat das Leben gewonnen. Deshalb kann man gar nicht anders, als das seiner Umgebung  mitzuteilen. Das geschieht im konkreten Mit-Teilen, im Weitergeben und Schenken.

Nie wieder will ich mir dieses Schenken schenken. Ich will mir das Geben nicht nehmen lassen. Zur Lebensqualität gehört es, beschenkt zu werden und zu schenken. Weiß ich doch, dass jemand ganz besonders an mich denkt, sich Gedanken macht und sich für mich interessiert. Nur so lässt sich ein passendes Geschenk finden.

Jesus - das „passende“ Geschenk

Genauso wie Jesus Christus das „passende“ Geschenk Gottes war für eine friedlose, blutende Welt. Ein Zeichen, dass Gott sich für uns interessiert. Denn wer ein Kind zur Welt bringt, hat diese Welt noch nicht aufgegeben.

Wer Persönliches von Herzen schenkt, der wird nicht nur beachtet, er wird geachtet. Joachim Ringelnatz dichtet:

 

Schenke herzlich und frei. Schenke dabei,

was in dir wohnt

an Meinung, Geschmack und Humor,

sodass die eigene Freude zuvor

dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.

Sei eingedenk,

dass dein Geschenk

du selber bist.


Zum Thema:

Peter Hahne: Das Buch zum Weihnachtsfest

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Kommentare

Von sandro lehmann am .

Fantastisch diese Geschichte von Peter Hahne Gott hat uns das grösste Geschenk gegeben aller zeiten Ihm allein gebührt die Ehre

Von Marianne am .

Gegen das Schenken ist an sich nichts einzuwenden. Nur, die Art der Geschenke und das so oft praktizierte Zurueckgeben in dem Geldwert, den man im Jahr zuvor ungefaehr erhalten hat, das ist von Uebel. Und die Enttaeuschung, dass das Geschenk nicht genau mit der Vorstellung des Beschenkten uebereinstimmen koennte - nicht auszudenken. Ich freue mich ueber klitzekleine Kleinigkeiten, die wirklich mit Gefuehl und Liebe zusammengestellt sind. Statt Wunschzettel gibt es heute Bestelllisten. Auch mehr

Von Dr. med. Rolf L. am .

Ein wunderschöner Artikel über's Schenken und Beschenktwerden! Spannend zugleich! Sehr nachdenklich am Ende! Und einladend! Vielen Dank und Gottes Segen!

Von Jens P. am .

Lieber Peter Hahne,
Ihre Andacht hat gute Ansätze, aber leider auch einige Fehler. Es ist richtig, dass wir alle, die wir Jesus als Herrn angenommen haben, die (durch Gott) Beschenkten sind und das wir alle dieses Geschenk dankbar annehmen dürfen. Weshalb es aber richtig sein soll, dass ich einen bereits beschenkten ebenfalls beschenke, erschliesst sich mir nicht, für mich ist das einfach nur Kommerz. Ich kann mir gut vorstellen dass Gott, wenn er ein Fest in Saus und Braus gewollt hätte, für mehr

Von Josi am .

Meine 3 Enkelkinder 16-11-9 gehen in die Gemeinde, obwohl die Eltern nicht dort zu Hause sind.
Im Herbst vorigen Jahres habe ich gefragt, ob wir das Schenken nicht lassen sollen, weil ja eigentlich der Geburtstag von Jesus gefeiert wird, das ist unser größtes Geschenk. Und nicht wir sollten uns was schenken sondern unser Herz Jesus schenken. Sie waren damit einverstanden und es war trotzdem ein schönes Fest. Es ging mir hauptsächlich um das Schenken um jeden Preis, obwohl man nicht mal mehr mehr

Von Ulrike am .

Der Artikel ist gut. Vor Jahren haben wir es auch probiert ohne Geschenke zu feiern und haben auch laengst von grossen impossanten Gesten Abstand genommen. Aber ich freue mich noch stets ueber ein Geschenk und ganz speziell zum Christfest.

Von jeanette a.d. w. am .

Bei uns in Holland gibt es Geschenke zum Nikolausfest, am 5. Dezember. Dann kann man sich Zeit un Ruhe nehmen zum Christfest. Gott hat sein Sohn zu uns geschickt, das grösste Geschenk. Warum dann nur zu dieser Jahreszeit massenhaft Geschenke kaufen?? Bin froh mit unsere Tradition. Jeanette

Von Heidrun P. am .

Jeder hat andere Vorstellungen von Weihnachten und vom Schenken.
Und jeder Christ will Gott jedes Jahr ein Stück näher kommen, also irgend etwas besser als im vergangenen Jahr in Angriff nehmen.
Könnte man es sich nicht zur Aufgabe machen, die Geschenke schon vor dem Weihnachttrubel ohne Trubel zu besorgen, um sich dann in der Weihnachtstrubelzeit gelassen den wirklichen Dingen, welche die Adventszeit mit sich bringt, widmen zu können?
Heidi

Von brigitte s. am .

herzl. dank für diese auslegung - sie gibt dem schenken gleich eine andere bedeutung.

Von Hildegard W. am .

Der Artikel ist wertvoll für mich.Danke vielmal.


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