Themenwoche Partnerschaft und Ehe

Gute Ehe, gemeinsamer Glaube?

Eigentlich klar, in einer christlichen Ehe sollte gemeinsames Bibellesen und Gebet dazugehören. Der Alltag zeigt: So einfach ist es nicht.

Es gab eine Sache, die war mir immer klar: Gemeinsames Gebet und Bibellesen gehören zu einer Ehe dazu wie tiefe Gespräche und körperliche Intimität.

Bis mich die Realität einholte. Der Wunsch nach geistlicher Gemeinschaft in unserer Ehe war zwar beiderseits vorhanden, blieb aber unerfüllt. Es klappte einfach nicht. Von meiner Seite aus habe ich anfangs zum Beispiel entsprechend meiner Prägung zaghaft versucht, beim Frühstück die Losungen oder ein Andachtsbuch zusammen zu lesen. Doch meinem Mann schien sich bei dieser „Pflichtübung“ nicht wohlzufühlen und so ließ ich es bleiben. Wir schafften es auch nicht, regelmäßig miteinander zu beten und selbst im Urlaub kam die Stille Zeit zu kurz. Was konstant vorhanden war, war das schlechte Gewissen, das tief in mir rumorte und mir immer wieder sagte, dass es eigentlich anders sein sollte.

Dazu kam, dass ich mir selbst unsicher war, ob gemeinsames Beten und Bibellesen wirklich einen solch positiven Einfluss auf eine Ehe hat, wie ich es immer gehört hatte. Nach dem Motto: The couple that prays together, stays together (Ein Paar, das zusammen betet, bleibt zusammen.). Woraus besteht er denn, der Segen, der auf gemeinsamem Gebet ruht? Ist uns Gott so näher als wenn wir nicht beten? Verbindet uns das auf irgendeine geheimnisvolle Weise?

Viele hilfreiche Impulse zum Thema finden Sie auf der Webseite www.kyria.com (in Englisch).

Manche dieser Fragen sind für mich immer noch offen. Die Vorbereitungen für diesen Artikel und eigene Erfahrungen haben mir jedoch dabei geholfen, gelassener an unser gemeinsames geistliches Leben heranzugehen. Vielleicht sind einige der Gedanken und Tipps aus diesem Prozess auch für Sie hilfreich.

Ketzerisch, aber richtig

Der folgende Gedanke ist für mich fast ketzerisch. Er bricht auf alle Fälle mit allem, was ich über eine gute Ehe gelernt habe. Und dennoch denke ich zwischenzeitlich, dass er richtig ist: Ein Paar muss nicht jeden Tag zusammen beten oder gemeinsam die Bibel lesen! Ehepaaren, denen das gelingt und die daraus wirklich Kraft für ihre Spiritualität und ihre Beziehung ziehen, sind zu beglückwünschen. Daneben steht aber das Erleben der Mehrzahl aller Paare, die das nicht schaffen – und trotzdem gemeinsam wachsen. Sowohl als Paar als auch in geistlicher Beziehung. Nebenbei bemerkt: Allein die tägliche Routine und die Regelmäßigkeit garantieren weder das eine noch das andere.

Nicht nur deswegen ist es wichtig, dass sich der gemeinsam gelebte Glaube nicht auf eine bestimmte Methode beschränkt. Wie gesagt: Es gibt Paare, für die ist die Andacht beim Frühstück und das gemeinsame Gebet vor dem Einschlafen genau das Richtige. Die sollen und dürfen dabei bleiben. Auf lange Sicht gesehen ist es auch gut, eine gewisse Regelmäßigkeit für diese Aktivitäten anzustreben. Aber sie steht nicht am Anfang.

Denn Paare und die einzelnen Partner sind unterschiedlich. Genauso wenig, wie es eine einzige Methode zum Bibellesen für alle Christen gibt, gibt es keine einzig gültige Methode, wie ein Paar seinen Glauben an Jesus gemeinsam leben kann. Susan Wise Bauer schlägt deshalb neben den klassischen Modellen wie gemeinsames Bibellesen und Gebet noch andere Möglichkeiten vor:

1. Sprechen Sie über das, was Sie geistlich bewegt. Vielleicht haben Sie kürzlich in der eigenen Stillen Zeit eine Entdeckung gemacht, die Sie bewegt. Warum nicht einfach darüber reden, wenn sich die Gelegenheit ergibt?

2. Wenn Sie und Ihr Partner gerne lesen, dann tauschen Sie doch einfach einmal geistliche Literatur aus. Oder lesen Sie sich Ihre Lieblingsstellen daraus vor – natürlich nur, wenn das den anderen nicht beim Schmökern stört…

3. Tauschen Sie Gebetsanliegen aus, aber beten Sie unabhängig voneinander. Lassen Sie Ihren Partner wissen, wofür Sie Gebetsunterstützung brauchen und teilen Sie ihm hinterher mit, was Sie in Bezug auf das Anliegen erlebt haben.

4. Übernehmen Sie gemeinsam eine Aufgabe in der Gemeinde, wie zum Beispiel die Mitarbeit im Lobpreis-Team.

Diese Dinge ermöglichen, dass Sie auf ungezwunge Art und Weise Ihren Glauben im Alltag miteinander teilen und darin wachsen. Wir haben als Ehepaar zum Beispiel entdeckt, dass es uns Spaß macht, wenn wir uns gegenseitig raten lassen, wo die jeweilige Tageslosung steht. Seit wir damit angefangen haben, greift mein Mann öfters beim Frühstück zum Losungsbuch. Sicher, das ist kein tiefgeistiges Bibelstudium. Aber es verbindet uns. Und manchmal bleibt doch ein Vers als Begleiter für den Tag hängen. Im Idealfall ergibt sich sogar ein weiterführendes Gespräch oder ein Gebet daraus.

Die geistliche Sprache des andern lernen

Aber nicht nur die Methode kann ein Stolperstein für den gemeinsamen Glauben sein. Die Partner selbst können sich zum Hindernis werden: Der langjährige Christ hat in der Regel ein größeres Bibelwissen als jemand, der erst vor kurzem Christ geworden ist. Das kann einschüchternd wirken. Umgekehrt hat der Frischbekehrte vielleicht eine Begeisterung für den Glauben, die dem alten Hasen das Gefühl gibt, völlig lau zu sein. Auch die Familienprägung und die Persönlichkeit spielen eine Rolle: War es in der Herkunftsfamilie üblich, über den Glauben zu reden oder war der einzige Kommentar dazu lediglich die sonntägliche Kritik an der Predigt? Fällt es Ihnen leicht, vor anderen zu beten oder finden Sie es sowieso schon schwer genug, über geistliche Dinge auch nur zu reden - vom Beten ganz zu schweigen?

Tim Sutherland spricht in diesem Zusammenhang von den unterschiedlichen geistlichen Sprachen, die wir sprechen. Dazu gehört auch, dass die einen Gott intensiv erleben, wenn sie alleine Zeit mit ihm verbringen, während andere seine Gegenwart besonders in einer Gruppe erleben. Es erschwert das gemeinsam geistliche Leben, wenn sich ein Paar dieser Unterschiede nicht bewusst ist oder die Unterschiede gar insgeheim bewertet werden („Meine Art zu glauben, ist besser als Deine“).

Wie bei den Fünf Sprachen der Liebe ist es auch bei den unterschiedlichen geistlichen Sprachen wichtig, die Sprache des Partners zu verstehen, zu akzeptieren und zu erlernen. Versuchen Sie nicht, Ihrem Partner Ihre Art der Beziehungspflege zu Gott überzustülpen. Finden Sie stattdessen heraus, wo die Stärken und Schwächen der jeweiligen Sprache liegen und wo Sie einander ergänzen können. Pflegen Sie Ihr eigene Ausdrucksfähigkeit, aber seien Sie auch offen für Neues. Vielleicht finden Sie auch eine Form, mit der Sie beide leben können?

Gott hat Sie als Paar auch zusammengestellt, damit Sie sich geistlich ergänzen und aneinander wachsen. Die Art, wie Ihr Partner Gott erlebt und ihm begegnet, zeigt Ihnen eine weitere Facette von Gottes großartigem Wesen und verhindert, dass Sie immer nur auf den altbekannten Pfaden vor sich hin trotten.

Blockaden ausräumen, nichts überstürzen

Was aber, wenn neue Herangehensweisen und gegenseitiges Verständnis keine Veränderung bringen? Ein wichtiger Schritt ist schon getan, wenn beide über die Nichtexistenz eines gemeinsamen geistlichen Lebens reden und es zugeben. Dann kann man gemeinsam nach Lösungen suchen. Diese sollten nicht zu hoch gegriffen sein, sondern sich wirklich im Alltag umsetzen lassen. Es klappt vielleicht eher, einmal im Vierteljahr gemeinsam einen besonderen Gottesdienst zu besuchen, mit dem Vorsatz, danach darüber zu reden, als jede Woche einmal gemeinsam die Bibel zu lesen. Wenn Sie anfangen möchten, gemeinsam zu beten, bieten sich dafür Anliegen an, die beiden auf dem Herzen liegen und eher unverfänglich sind – die eigenen Kinder zum Beispiel. Ist eine solche Aktion gemeinsam geplant worden, sollten sie dann allerdings auch beide Partner als verbindlich ansehen. Das bedeutet nicht, dass es jedes Mal und auf Anhieb klappt. Dran bleiben ist wichtig.

Tipp: TEAM.F bietet ein Set mit Fragekärtchen an, das wie dafür geschaffen ist, als Paar über den eigenen Glauben ins Gespräch zu kommen ("Unser Glaube"). Im Vordergrund steht dabei der Austausch über das eigene Erleben („Gott ist ein Vater. Welcher seiner guten Eigenschaften würdest du zurzeit gerne mehr erleben?“) und nicht das Wissen über biblische Inhalte. Auch die eigene Glaubensbiographie („Welche Person der Bibel hast du als Kind bewundert?“) und Zweifel werden aufgegriffen („In Welchem Bereich hast du am ehesten Glaubenszweifel?“)

Manchmal müssen auch erst Blockaden aus dem Weg geräumt werden, bevor Gespräche über geistliche Dinge möglich sind. Das kann bedeuten, dass man endlich einmal ausspricht, wo man selbst Fragen und Zweifel im Glauben oder an der Glaubens-Beziehung hat: „Warum sollte ich mir Dir gemeinsam beten, wenn ich doch nicht weiß, ob Gott meine Gebete hört?“ oder „Ich habe das Gefühl, Du nimmst mich nicht ernst, wenn ich meine Meinung zu einem Bibeltext sage. Das macht es mir schwer, darüber ins Gespräch zu kommen.“ Was im ersten Moment wie ein Rückschritt für den gemeinsamen Glauben aussieht, ist in Wirklichkeit der erste Schritt zu mehr geistlicher Intimität. Vorausgesetzt, beide Partner nehmen sich ernst und bieten sich gegenseitig den Schutzrahmen, über solche Dinge zu sprechen. Im Gespräch können dann Wege gefunden werden, wie diese Blockaden beseitigt werden können – vielleicht auch mit der Hilfe eines Pastors oder eines anderen Ehepaares.

Am schwierigsten ist die Situation sicherlich dann, wenn ein Partner sich mehr geistliche Gemeinschaft wünscht, der andere dieses Bedürfnis aber nicht teilt oder kein Christ ist. David Clarke gibt den Rat, in einem solchen Fall den Wunsch nach geistlicher Gemeinschaft immer wieder anzusprechen, die Sache aber nicht zu forcieren. Gut gemeinte Versuche, den Partner zum Beten oder zum Gottesdienstbesuch zu überreden oder ihn gar dazu zu zwingen, sind meistens zum Scheitern verurteilt und rufen nur eine noch größere Abneigung hervor. Sagen Sie Ihrem Partner in einer ruhigen Minute stattdessen, warum es Ihnen viel bedeuten würde, gemeinsam zu beten. Vielleicht ist er bereit, auf Ihren Wunsch einzugehen und Sie können gemeinsam nach Möglichkeiten suchen, wie Sie ihn umsetzen. Ist das nicht der Fall, dann lassen Sie die Sache auf sich beruhen und beten Sie regelmäßig für das geistliche Leben Ihres Partners. Verlangen Sie auch nicht zu viel auf einmal von ihm. Wahrscheinlich ist er nicht bereit, jeden Sonntag mit in die Kirche zu kommen, aber vielleicht kann er sich vorstellen, zu den Familiengottesdiensten mitzukommen.

Wichtig ist, dass neben allen Bemühungen um ein gemeinsames geistliches Leben jeder auch seinen eigenen Weg findet, seine Beziehung zu Gott zu leben. Denn die gemeinsame Spiritualität gedeiht da am besten, wo auch die individuelle kultiviert wird. Darüber hinaus möchte Gott weiterhin am einzelnen als eigenständiger Persönlichkeit arbeiten, ihm oder ihr Dinge zeigen, Veränderungen bewirken. Das geht am besten in einer – wie auch immer gearteten – persönlichen Stillen Zeit.

Geheimnisvolle Nähe

Und was bringt das Ganze? In der Bibel wird immer wieder betont, dass Glaube auch einen Beziehungsaspekt hat. Gott hat uns als Wesen geschaffen, die die Nähe von und den Austausch mit anderen Menschen brauchen. Auch für unsere Gottesbeziehung brauchen wir die Unterstützung, Hilfe und Korrektur von anderen. Wenn wir diese gegenseitige Bereicherung mit Menschen in der Gemeinde oder im Freundeskreis erleben, warum nicht auch mit unserem Ehepartner? So viel zur rein theoretischen und ohne Frage auch richtigen Antwort, warum ein gemeinsames geistliches Leben für eine Partnerschaft wichtig ist.

Manchmal meine ich aber auch noch mehr zu entdecken, wenn mein Mann und ich gemeinsam beten, in der Bibel lesen oder über geistliche Dinge sprechen: Diese Momente bringen uns auf eine geheimnisvolle Art und Weise näher zueinander und verbinden uns miteinander. Die belastungsfähige, dreifache Schnur, die in der Weisheitsliteratur des Alten Testamentes beschrieben wird, entsteht: Gott tritt in unsere Mitte (Prediger 4,12). Ich merke, wie dieses Geschehen unsere Beziehung stärkt und unsere Liebe und unser Verständnis füreinander auch in anderen Bereichen positiv beeinflusst. Nach einem Streit ist das gemeinsame Gebet darüber hinaus bisweilen auch der erste und einzige Weg, wie wir trotz unterschiedlicher Standpunkte wieder zueinander finden. Insofern bin ich mehr und mehr nicht nur theoretisch sondern auch praktisch davon überzeugt, dass es sich lohnt, in diesen Bereich der Paarbeziehung zu investieren.

Wir sind auf dem Weg

Mein Mann und ich lesen nach wie vor nicht regelmäßig in der Bibel. Wir beten auch nicht täglich gemeinsam. Aber ich habe den Eindruck, dass wir dabei sind Wege zu finden, wie wir trotzdem gemeinsam unseren Glauben leben können. Interessanterweise kommen zwischenzeitlich die Impulse dazu auch immer öfter von meinem Mann. Die Idee, an jedem dritten Ehe-Abend gemeinsam einen Bibeltext zu lesen, stammt beispielsweise von ihm. Umgekehrt sage ich ihm hin und wieder, wenn ich das Bedürfnis habe, gemeinsam zu beten. Manchmal tun wir das dann, manchmal nicht. Mein schlechtes Gewissen rumort auf alle Fälle wesentlich seltener – und ich freue mich über die Momente, in denen wir gemeinsam unseren Glauben leben.
 


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Kommentare

Von Lienhard S. am .

Ein hoch interessantes Thema 'Gute Ehe, gemeinsamer Glauben' !
Aus meiner 45-jährigen Ehe-Erfahrung weiß ich, daß bestimmte Dinge neu entstehen und allmählich wachsen können !
Damit meine ich die gemeinsame Hinwendung zum Glauben, auch ohne sonntäglichen Kirchgang.
In dem o.g. Beitrag war auch von
täglichen Losungsworten aus der Bibel die Rede - dies ist ein sehr guter Anfang, über den Glauben gemeinsam nachzudenken. Hier verbinden sich Lebenserfahrungen ganz unterschiedlicher Menschen mit mehr

Von Andreas am .

...vielen Dank -genau dass, was mich schon seit Jahren beschäftigt und noch nicht weitergekommen bin. Aber jetzt hab ich ja keine Ausreden mehr, etwas Neues anzugehen bzw. auszuprobieren...

Von Einfach_Ich am .

Liebes ERF-Team,
Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Ich habe ihn zusammen mit meiner Freundin gelesen und er hat uns als Anlass über unsere gemeinsame Zeit zu reden. Ihr ist der Glaube sehr wichtig. Leider führt das aufgrund unserer Arbeitszeiten dazu, dass wir kaum bis keine Zeit ausserhalb der Kirche verbringen können, wenn wir Zeit zusammen haben wollen.
Nun haben wir darüber geredet, wie wir dieses Problem angehen können, ohne die Bedürfnisse des anderen zu verletzen. Wir haben uns mehr


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