Mein Gott und die Welt Lesezeit: ~ 3 min

Wie geht’s dir, Gott?

Mit dieser simplen Frage, hat Andreas M. es geschafft, aus seinem Gebet öfters eine Zweibahnstraße zu machen.

Okay, ich gestehe. Ich gehöre nicht zu denen, die immer den klassischen Gebetsablauf einhalten. Welcher das ist? Damit meine ich das Vaterunser, das Gebet unseres Herr, das er seinen Nachfolgern, seinen Jüngern lehrte:

Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
Gib uns heute unser tägliches Brot.
Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. (Matthäus 5, 9-13)

Probleme zuerst!
Kenner der Bibel geben sehr wertvolle Hinweise auf den Sinn der einzelnen Inhalte dieses Gebets. Wie gut es zum Beispiel ist, den himmlischen Vater zuerst wertschätzend anzusprechen. Welchen wichtigen Platz es hat, eine Zeit der Anbetung und des Sich-Einsmachens mit den Interessen Gottes folgen zu lassen. Und wie erst dann die eigenen Bitten und Probleme folgen sollten, also das Gebet um Versorgung, um Hilfe in Konflikten und um Bewahrung - ehe zum Schluss, wie eine Klammer um das Ganze, wieder ein Lobpreis den Abschluss bildet.

Sicher, Jesus hat uns damit eine wirklich gute Leitlinie fürs Reden mit Gott hinterlassen. Nur: Im täglichen Kontakt mit meinem Herrn läuft es oft anders ab. Zumindest bei mir.

Je nach Stimmungslage und Dringlichkeit werde ich öfters zuerst meine Probleme beim Chef los. Nach dem Motto: “Herr, schau mal, was hier gerade kreuz und quer läuft, könntest du da nicht bitte – wenn es geht zeitnah – eingreifen?” Schnell nenne ich meine gesundheitlichen Probleme zuerst. Oder die Sorge für den Partner, für die Kinder. Oder den Stress im Projekt oder mit den Kollegen. Oder das fehlende Geld. Eben das, was mich auch sonst tagsüber und manchmal auch in schlaflosen Stunden nachts beschäftigt.

Die Liste
In meiner Familie schicken wir kurz vor Weihnachten jeweils den Anderen eine Wunschliste für Geschenke. So einer reinen Wunschliste gleicht dann auch öfters mein Reden mit Gott. Ich schreibe meine eigenen Wünsche ebenso drauf wie die Sorge um Mitmenschen, Nachbarn und Kollegen. Dazu kommen Missionare oder meine noch nicht gläubigen Verwandten. Oder auch die Politiker im Lande. Und der Weltfrieden. Ganz zu schweigen von den Anliegen meiner Gemeinde. Und, und, und. Je nachdem, wie viel Zeit ich habe, ist diese Liste mal länger mal kürzer. Ich bete und meine damit Bitten.

Die Kurzversion
Dann gibt es noch die Augenblicke, in denen ich weder Gelegenheit noch Zeit fürs ausformulierte Beten habe. Da schwingt sich manchmal nur ein Seufzer nach oben. Oder ein Stossgebet: “Herr, hilf!” Oder: “Jetzt, Herr, solltest du was machen, organisieren.” Oder auch bei schönen Augenblicken: “Toll - der Regenbogen!” Oder: “Danke für die Hilfe!”

Wie geht’s dir, Gott?
Von meiner Frau habe ich wieder gelernt, in Gesprächen nicht nur meine Themen einzubringen und andere zuzutexten, sondern auch mal nachzufragen, wie es ihnen geht. Manchmal mache ich das am Ende einer sachlichen Email. Zuerst kläre ich die laufenden Dinge ab, tausche die Fakten aus, stelle meine Fragen zum Projekt. Dann aber hänge ich, meist als P.S. formuliert, eine persönliche Frage an. Wie geht es deiner Familie? Was macht deine Sportverletzung? Diese kleinen Fragen haben manchmal erstaunliche Resultate. Mein Gegenüber fühlt sich angesprochen, reagiert, erklärt, erzählt.

Was in einer Email gut funktioniert, versuche ich vermehrt auch in meiner Zeit mit Jesus umsetzen. Wie oft schon habe ich erwartet, dass er mich versteht, meine Probleme ernstnimmt, meine Gefühle sieht oder sogar mitfühlt – meine Erwartung war stets, dass er für mich da ist. Jetzt beginne ich manchmal mein meist morgendliches Beten mit der Frage: “Wie geht es eigentlich dir, Herr? Womit setzt du dich gerade auseinander? Was ist dir momentan wichtig? Willst du mich teilhaben lassen, welches deine Prioritäten im Moment sind? Daran will ich mich gerne dranhängen.”

Das Erstaunliche: Wenn ich mir wirklich Zeit nehme, teilt er mit mir manchmal einige seiner Gedanken, einige seiner Themen. Hier werde ich auf seinen Kurs eingenordet. Auf das, was er mit mir und der Welt vorhat. Das motiviert mich darum zu ringen, dass mein Gebet auch in Zukunft nicht nur eine Einbahnstraße ist.


Mehr vom Autor: http://mein-gott-und-die-welt.erf.de


Kommentare

Von Angie am .

Dieser Beitrag spricht in meine Gedanken hinein. Nach zehn Jahren als Christin möchte ich Jesus neu begegnen, hören was er sagt. Mein Denken, Reden und Handeln neu durch IHN leiten lassen. Ich glaube, wir Christen brauchen das gerade untereinander, um sorgsam und liebevoll miteinander umzugehen. Danke für die Ermutigung!

Von Gertrud am .

Ist sicherlich nachahmenswert und beziehungsbelebend. Ich gebe zu dass ich aufgrund der Größe und "Unauslotbarkeit" Gottes ja weiss - "meine Gedanken sind nicht eure Gedanken" - also höher - auf einer anderen Ebene. Deshalb ist da bei mir keine echte Klarheit -(natürlich weiss ich auch, dass sich Jesus zutieftst herabgebeugt hat). Ja ich kann mit ihm reden - ja er hört mich - nein er kann nicht alle Wünsche erfüllen - ja er braucht jeden um sein Reich zu bauen - nein er ist wirklich nicht auf mehr

Von Gerlinde am .

Danke für diesen Beitrag. Konnte mich im ersten Teil des Berichtes auch wiederfinden. Jesus ist mein Freund, und will ihn nun auch bitten was bei ihm so anliegt. Ein wirklich guter Gedanke. Bin sehr gespannt was daraus wird.

Von Abigail am .

Wundervoller Artikel,vielen Dank.Auf die Idee bin ich noch nie gekommen,werde sie aber jetzt um so lieber aufgreifen,denn so wird aus einem Monolog wirklich ein Dialog mit Gott,wundervoll.

Von Roesger am .

Dieser Beitrag erweitert meinen Horizont und ich finde mich sogar teilweise wider.
Alles Gute

Von Angela am .

Sehr ehrlich geschrieben und eine gute Überlegung, um wen es eigentlich geht oder gehen sollte. Ich bin da auch oft auf meiner "Einbahnstrasse" unterwegs. Vielen Dank für diesen Beitrag!

Von Michael am .

Sehr schöne Gedanken


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