Gedanken zum Monatsspruch im Oktober

Unter Freunden: Das rechte Wort zur rechten Zeit

Wenn uns Leid trifft, ist wirklicher Trost rar. Wie man es nicht machen sollte, zeigen die Freunde von Hiob. Gedanken zum Monatsspruch.

Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat? Hiob 4,17

Kennen Sie das? Sie fangen einen neuen Job an, und  plötzlich sind sie da, die netten Kollegen, die so viel Erfahrung haben, und . . . Sie texten Sie zu, was Sie alles falsch machen, besser lassen sollten, und was unbedingt und auf jeden Fall zu tun sei. Gute Personalchefs schützen ihre neuen Mitarbeiter vor solchen übereifrigen Teamkollegen mit fähigen Mentoren, die die Neulinge weiterbringen, statt sie gleich am Anfang zu demotivieren.

Auch Hiob hätte einen guten Mentor gebraucht. Er war zwar nicht neu im Glauben, doch hatte ihn kürzlich eine Menge Leid getroffen. Die Orientierungslichter, die ihm normalerweise halfen, seinen Weg zu finden, waren alle weg. Genauso wie sein Haus, Hab und Gut, Gesundheit und die Kinder (1,6-22). Alles weg. Und seine Frau drängt ihn massiv dazu, auch noch seinen Gott rauszuschmeißen, um dann selber aus diesem Leben zu scheiden (2,9). Was für eine Aussicht!

Dann kamen sie, seine Freunde. Sie erschraken vor Hiobs Leid (2,12). Welcher Anblick muss sich ihnen da geboten haben? Er, der vielen Menschen geholfen, sie gestärkt und unterstützt hat (V. 3-4), befand sich an der Schwelle des Todes. Menschlich gesehen total ruiniert, fertig, am Ende, aus.Wie reagierten die Freunde auf diesen Anblick? Statt Probleme zu lösen, schufen sie nur neue, indem sie ganz genau zu wissen glaubten, wo bei Hiob der Schuh drückte. Vorurteile sind keine gute Ausgangsposition für einen guten Mentor oder Seelsorger.

Helfe ich dem anderen oder rette ich meine Weltsicht?

Nach sieben Tagen gemeinsamen, wortlosen Trauerns fing Elifas an, Hiobs Situation zu analysieren. Worte zurückhalten, wer kann`s (V.2)? Die Wunden sind noch frisch, und so muss Elifas Hiob seine Sichtweise reindrücken, seine Fragen loswerden, ob dieser es will oder nicht.

Seine Themen sind:
Hiob hat anderen geholfen und vorbildlich gelebt. Warum hat er keine Hoffnung (V.3-4)?
Hat er Angst, weil es ihn nun selber trifft (V.5)?
Nein, nein, wenn er eine weiße Weste hätte, bräuchte er keine Angst haben, und es würde ihm gutgehen (V.6-7).
Kein Mensch kann gerecht sein vor Gott, auch nicht einer. Diese Wahrheit hat Elifas aus einem Traum in der Nacht (V. 8-21). Dieser an sich tröstliche Vers wirkt in dieser Situation wie eine harte Wand, in die man voll hineinrennt.

Das ist auch das, was Gott den Freunden später vorwirft (Kapitel 42). Sie haben nicht die Wahrheit gesagt. Zwar waren einige Sätze, wie auch der Monatsspruch, im Prinzip richtig. Aber in der Situation, in der sich Hiob befand, total fehl am Platze. Elifas und seine Kumpanen waren zu Hiob mit der Botschaft gekommen: "Wir wissen, wie es geht!" Hiob hat die ganze Zeit dagegengehalten und sich verteidigt: "Es kann so nicht gewesen sein!"

Gott löst den Knoten der ungelösten Fragen nicht auf. Er macht nur deutlich, dass er andere Gedanken und Pläne, und die bessere Übersicht hat. Gott verwaltet komplexere Zusammenhänge, als wir Geschöpfe es jemals könnten.  Aber Gott stellt die Situation richtig: Hiobs Freunde waren schlechte Seelsorger, weil sie die Situation falsch eingeschätzt hatten. Sie gaben Hiob Steine statt Brot.

Durch ihre falschen Ratschläge haben sie nicht nur Hiob Unrecht getan, sie haben auch ein falsches Gottesbild vermittelt und damit die Unwahrheit gesagt. Manche ihrer Sätze waren durchaus richtig, aber Leid ist nicht generell ein Zeichen für Sünde und Strafe. Gott ist vielmehr barmherzig, gütig, langmütig und von großer Güte. Diese Zusammenhänge hatten die Freunde nicht begriffen. Und sie hatten nicht begriffen, dass wir Menschen auf manche Fragen keine Antwort haben. Sonst hätten sie erkannt, dass das rechte Wort zur rechten Zeit Gottes Handeln nicht immer erklären kann, sondern manchmal im Vertrauen einfach die Unwissenheit mit aushalten muss.

Gebet:
Herr, lass mich die Not meines Nächsten recht erkennen und mit ihm leiden können.
Schenke mir die rechten Worte, die ihn stärken, trösten, aufbauen und näher zu dir bringen.
Amen.
 


Kommentare

Von Karl am .

Hallo lieber Herr Zander,
ihre Beschreibung hat mich sehr angesprochen. Ich habe diese Jahr auch eine sehr schwere Zeit hinter mich bringen müssen.
Meine Frau hat mich im Juli diesen Jahres mit beiden Kindern verlassen und mit ihrem neuen Freund zusammen gezogen.
Der Verlsut der Kinder und der gesammten Familie hat sehr weh getan.
In dieser Zeit habe ich mich vile mit dem Busch HIOB beschäftigt.
Ich habe es auch erlebt das es fast keine Menschen gibt, die einem in solchen Situationen beistehen mehr

Von Marcus am .

Ja wie wichtig sind doch die rechten Worte zur rechten Zeit! Doch meistens ist ein "da sein" und mitleiden hilfreicher als irgendwelche Worte!

Von Heike am .

Danke für dieses wahre Gebet der "rechten Worte, die stärken, trösten, aufbauen und näher zu Gott bringen" zur rechten Zeit. Ich erbitte dieses für meine erkrankte Freundin Andrea.


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