Andacht

Neid, Facebook und himmlische Süßigkeiten

Manchmal spricht Gott durch Süßigkeiten. Zum Beispiel dann, wenn Neid und Minderwertigkeitsgefühle das Leben ungenießbar erscheinen lassen.

Der Tag, an dem ich meinen Facebook-Account löschte, war Anfang letzten Jahres. Das genaue Datum weiß ich nicht mehr – aber es war Winter. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich neige definitiv zu Winterdepressionen. Mein Schokoladenkonsum steigt, die Laune sinkt. Und so saß ich da – vor meinem PC und verbrachte meine Zeit – mal wieder – damit, nachzuschauen, wo meine Freunde gerade wieder hingeflogen waren. Hier ein Urlaub in Mexiko, da ein Missionseinsatz in Chile, bei dem sich natürlich jede Menge bekehrt haben. Oh, da seh' ich gerade – meine besten Freunde haben sich miteinander getroffen und bekunden sich gegenseitig auf Facebook, was für ein schöner Abend es war. Ohne mich.

Dann kann ich einfach nicht mehr. Die Süßigkeiten sind schon aufgegessen, mir ist schlecht und Tränen laufen über mein Gesicht. Warum eigentlich? Weil ich glaube, nicht genug aus meinem Leben gemacht zu haben? Weil ich zu lange meine Lebenszeit verschwendet habe? Weil ich nicht so was Tolles auf Facebook zeigen kann? Weil ich ganz tief im Inneren weiß, dass ich irgendwo ein Problem mit Neid und Eifersucht habe? Weil ich mich minderwertig fühle? Oder einfach nur, weil ich zu Winterdepressionen neige und zu viel Süßigkeiten gegessen habe, was ich mir mühsam abtrainieren muss?

Vielleicht war es das alles zusammen. Oder gibt es vielleicht einen ganz anderen Grund? Mein Blick fällt auf die leere Packung Süßigkeiten. Dort prangt in fröhlichen Lettern der Slogan "Vollkommen … ohne Schokolade". Plötzlich kommt mir ein Gedanke. Ich fange an, zu begreifen, wo das Problem wirklich liegt. Ich bin doch in Gottes Augen vollkommen - trotz aller Fehler. Und auch ohne dass ich immer und überall meine Schokoladenseite zeigen muss.

Gott hat mich so erschaffen und er liebt mich so, wie ich bin. Ich darf täglich in der Gnade leben, dass es Mitmenschen gibt, die mich so mögen, wie ich bin. Ich darf täglich in der Gnade leben, Vergebung zu bekommen. Auch wenn ich im zwischenmenschlichen Bereich nicht immer alles richtig mache. Ich darf den Mut haben, mich anderen zuzumuten. Und ich muss mich auch nicht ständig mit anderen vergleichen.

Vollkommen... ohne Schokolade. Der Autor des 139. Psalms hat das so ausgedrückt:

"Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele."


Kommentare

Von Paulina H. am .

danke, genau das was ich jetzt brauche!

Von Friedlinde Bollmann am .

Das ist ein wirklich schöner Artikel über Selbstzweifel und Tränen und dem gedanklichen Weitergehen wie es Psalmbeter tun. Bei Gott ankommen. Wir haben ein Spiel, meine Enkelmädchen und ich, das geht so: Der Hund sagt zur Katze: " Was hast du heute an?" Die Katze sagt: "Mein schwarz-weißes Fell". "Ha, das hast Du ja immer an" sagt der Hund. "Und was hast Du heute an?" sagt die Katze. "Ich", sagt der Hund, "habe mein struppeliges Fell an." "Ha, das hast du ja immer an." sagt die Katze.
Da kam mehr

Von Elisabeth L. am .

Danke, liebe Bettina, Ihre (deine) Zeilen haben mir einfach gut getan.
Hab den Eindruck, ich hab eine Erschöpfungsdepression. Aber bin auch fröhlich !!!

Von Florian am .

Oh, wie wahr!!

Von s.k. am .

warum wren Sie bei Facebook? Um sich ins rechte Licht zu rücken? Natürlich tuts weh wenn Andere sich treffen und man nicht eingeladen ist, aber daran hat Facebook keine Schuld, das hätten sie auch so gemacht und Sie hätten halt erst später davon erfahren- oder gar nicht. Liegt da das Problem? Ich bin wunderbar gemacht, ich brauch mich nicht zu präsentieren, aber ich darf mich austauschen,oder nicht?

Von ERF - Fan am .

Ich gehe demnächst aus Facebook heraus; nicht, weil mich die Beiträge meiner "Freunde" neidisch machen - sondern, weil sie mich langweilen.

Von Konrad B. am .

Lieber GOTT!
DU kennst mich besser als ich mich selbst. DU hast einen Plan mit mir, zeige mir doch die nächsten Schritte!
Ich bin nicht vollkommen, aber "vollkommen geliebt!" Ich denke an DEINE Gnade.
Was wäre ich ohne DICH? DU bist auch noch mehr wert als die Gemeinde, darum nimmst DU mich beiseite, um mit mir unter
4 Augen zu sein.
Ich danke DIR für DEINE Gemeinschaft. Auch mir gilt:
"Dies ist MEIN lieber Sohn, an DEM ich Wohlgefallen habe!"
Lass mich bedenken, welchen Preis mehr

Von Gabriele am .

Liebe Bettina,
(ich hoffe ich darf einfach Bettina schreiben)
Dieses kurze Zeugniss von Ihnen tut so gut, dass können Sie sich gar nicht vorstelle. Auch ich bin im Winter aus facebook rausgegangen und es geht mir ähnlich wie Ihnen. Danke für diese Aufmunterung, ja wir sind in Gottes Augen vollkommen und auf eine wunderbare Art u. Weise gemacht. Dieser Vers hat mir schon oft geholfen, wenn ich mich minderwertig fühle usw.
Danke für Ihren Mut, uns an Ihrem persönlichen Gedanken und erlebten mehr

Von Wolfgang W. am .

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Von Natalie am .

Oh, ihr Kommentar trifft mich mitten ins Herz. Danke, überaus herzlichen Dank dafür!

Von Bettina T. am .

Liebe Bettina, das ist ein Volltreffer, Du hast ins Schwarze getroffen, mir aus der Seele geredet! Vollkommen gut!!!
Liebe Grüße
Bettina

Von Annegret am .

Fragt man sich nicht des öfteren was man aus seinem Leben gemacht hat. Ob Neid der Faktor ist, keine Ahnung. Ich denke man fühlt sich ob nicht verstanden oder angenommen. Facebook der neue "Gott". Muß man wirklich der Welt alles mitteilen? Gott hat uns doch nach seinem Ebenbildg geformt. Reden wir mit Gott, er gibt antworten. Ich liebe Psalm 23. Ihre Worte sprechen mir aus der Seele. LG

Von Karin am .

Vielen Dank für Ihre Worte, Frau Schwehn !
Obwohl Psalm 139 mein absoluter Lieblingspsalm ist - geht es mir auch desöfteren so wie beschrieben....
Werde mir Ihren Kommentar ausdrucken, sodass ich ihn mir immer wieder zu Gemüte führen kann.
LG und Gott mit Ihnen


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