Paulus vs. Jakobus

Ein Glaube ohne Werke

Geht das? Nein, meint Jakobus. Paulus betont hingegen, dass gute Taten niemanden retten. Brauche ich sie dann überhaupt?

Darf ich als Christ sonntags Handball spielen? Sind Tattoos und Piercings Sünde? Kann ich guten Gewissens in die Disko gehen? Viele Christen stellen sich diese oder ähnliche Fragen mindestens einmal im Leben. Allein die Frage „Darf ich…?“ vermittelt jedoch unterschwellig eine Botschaft: Wer Christ ist, muss sich an Regeln halten.  Stellt sich die Frage: Was sollte ich als „guter Christ“ eigentlich tun und wenn ja, wie viel?

Der Apostel Paulus scheint diese Frage schnell beantwortet zu haben. Seiner Ansicht nach ist Christ, wer glaubt. Mehrmals betont er: Keine noch so gute Tat rettet mich, als Christ muss ich nichts von mir aus tun – nur glauben. Ist es also egal, wie ich als Christ lebe? Jakobus scheint dem vehement zu widersprechen.  Er hält einem Glauben ohne Werke - ohne Regeln, ohne praktische Taten - für tot. Also doch tun und machen, ackern und anstrengen, um errettet zu sein? Um die Verwirrung perfekt zu machen, bringen beide Abraham als Beispiel an. Kein Wunder, dass schon Luther seinerzeit daran verzweifelte, Paulus und Jakobus übereinzubringen.  Wer hat nun Recht? Widerspricht sich die Bibel hier? Was bedeutet Christsein eigentlich und was hat es mit den guten Taten auf sich? Zeit, sich die Sache genauer anzusehen.

Paulus widerspricht den Irrlehrern

„Denn alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck, und dass sie für gerecht erklärt werden, beruht auf seiner Gnade. Es ist sein freies Geschenk aufgrund der Erlösung durch Jesus Christus.“ Römer 3,23-24

Die entscheidenden Aussagen von Paulus lesen wir dazu in Römer 3,21-24. Paulus macht klar: Jeder Mensch braucht die Vergebung seiner Sünden, da niemand schuldlos ist. Diese Vergebung bekomme ich nicht dadurch, dass ich das mosaische Gesetz einhalte, sondern nur deswegen, weil Jesus am Kreuz gestorben ist. Wenn ich das glaube und für mich an Anspruch nehme, gehöre ich zu Gottes großer Familie. Allein aus Gnade werde ich errettet und nicht, weil ich irgendetwas dafür getan hätte.

Paulus schreibt diese Worte an Judenchristen, also an Menschen, für die das Halten des Gesetzes ihr täglich‘ Brot war. Sie waren von klein auf damit vertraut und standen, seit sie die Botschaft von Jesus kannten, in einer ständigen Spannung zwischen Judentum und Christentum. Besonders durch die vielen Irrlehrer, die predigten, dass der Mensch sowohl den Glauben an Jesus als auch das Gesetz braucht, um in den Himmel zu kommen1.

„Denn wir gehen davon aus, dass man aufgrund des Glaubens für gerecht erklärt wird und nicht, weil man bestimmte Gesetzesvorschriften einhält.“ Römer 3,28

Diesen Irrlehrern widerspricht Paulus vehement. Er will deutlich machen: Gottes Gesetz ist nicht aufgelöst – es macht ja nach wie vor Sinn – aber es rettet nicht! Bester Beweis dafür ist Abraham. Er wurde als gerecht von Gott angesehen, weil er glaubte, nicht weil er bestimmte Regeln einhielt (Römer 4,3). Schon bevor Jesus da war, wurde der Mensch also durch Glauben und damit allein durch Gottes Gnade errettet. Das klingt doch gut. Aber heißt das nicht auch, dass ich als Christ tun und lassen kann, was ich will? Ich bin schließlich errettet, oder?

Jakobus: Glaube hat Auswirkungen

Auf den ersten Blick scheint Jakobus 2,14-26 genau das Gegenteil zu sagen: Ein Glaube ohne Werke ist tot (Vers 17). Wenn ich keine guten Taten vorweisen kann, bin ich auch nicht wirklich gläubig (Verse 18f). Bester Beweis für Jakobus ist dafür ebenfalls Abraham. Denn er war bereit, seinen Sohn Isaak zu opfern. Durch diese Tat wurde er von Gott als gerecht erklärt (Vers 21). Predigt Jakobus also das Gleiche wie die Irrlehrer, gegen die Paulus angeht? Findet auch er, dass ich glauben und das Gesetz halten muss, um errettet zu werden? Wohl kaum. Wie also kann ich Jakobus richtig verstehen?

Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt. Jakobus 2,17

Jakobus richtet seinen Brief an eine Gruppe von Menschen, die gar nichts von den Problemen wusste, die Paulus zu seinem Brief motivierten. Die Gemeinschaft, an die Jakobus schreibt, hatte ein anderes Problem. Ihre Worte entsprachen nicht dem, was sie lebten. Sprich: Der Glaube bestand aus einem Lippenbekenntnis, das im Leben keine Auswirkungen zeigte. Das hatte wiederum zu Konflikten untereinander geführt, auf die Jakobus mit seinem Brief reagiert2.  Jakobus richtet sich an diese Menschen, um ihnen zu sagen: Etwas lediglich für-wahr-halten, macht keinen Nachfolger Jesu aus. Und es ist genauso unlogisch, wie einem Hungernden sein Mitleid zu bekunden, und ihn gleichzeitig im Regen stehen zu lassen:

„Angenommen, ein Bruder oder eine Schwester haben nicht genügend anzuziehen, und es fehlt ihnen an dem, was sie täglich zum Essen brauchen. Wenn nun jemand von euch zu ihnen sagt: »Ich wünsche euch alles Gute! Hoffentlich bekommt ihr warme Kleider und könnt euch satt essen!«, aber ihr gebt ihnen nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt ihnen das? Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.“ (Jakobus 2,15-17)

Für Jakobus ist Glaube also viel mehr als bloße Worte. Dass Gott existiert, glauben schließlich auch die Dämonen (Jakobus 2,19). Glaube ist vielmehr eine Beziehung zu Gott, die mein ganzes Wesen verändert und folglich auch Auswirkungen hat, die für andere sichtbar sind.“

Sieht man genau hin, widersprechen sich Paulus und Jakobus also nicht. Sie schauen nur von zwei unterschiedlichen Perspektiven auf ein Ereignis: die Errettung eines Menschen. Paulus spricht aus einer Perspektive, in der die Errettung noch in der Zukunft liegt. Er sagt: Wer in der Zukunft errettet werden will, der muss an Jesus glauben. Das Gesetz zu halten rettet nicht. Jakobus setzt die Errettung voraus. Er sieht von der Errettung aus in die Zukunft und möchte klarmachen: Wer glaubt und errettet ist, kann nicht mehr der Gleiche sein. Er ist mit Jesus gestorben und auferstanden und nun ein neuer Mensch (Römer 6,8-11). Diese Komplettveränderung muss sich auch nach außen zeigen. Wenn ich aber auf Dauer gar keine Veränderung in meinem Denken und Handeln feststelle, sollte ich mich hinterfragen, ob meine Entscheidung für ein Leben mit Gott echt war oder ob ich vielleicht das falsche Verständnis davon habe, was Nachfolge eigentlich bedeutet.

Warum Werke nicht gleich Werke sind

Paulus und Jakobus sprechen also von zwei unterschiedlichen Dingen. Das, was den Leser verwirrt, ist dabei vor allem die Wortwahl. Während Paulus unter Werken Gesetzeswerke versteht, versteht Jakobus unter dem Begriff Werke die Taten, die aus dem Glauben heraus folgen. Glaubenswerke und Gesetzeswerke sind jedoch zwei Paar Schuh. Die Glaubenswerke von Jakobus finden wir bei Paulus als „Frucht des Geistes“3.  Diese Früchte sind zuerst einmal keine gute Taten, vielmehr Charaktereigenschaften, aus denen gute Taten folgen, wie z.B.: Liebe, Freundlichkeit, Güte, Treue und Sanftmut (Galater 5,22-25).

Jakobus und Paulus sind sich also einig: Ein echter Glaube hat Auswirkungen. Und so lässt sich auch die unterschiedliche Deutung des Beispiels von Abraham erklären. Abraham wird von Gott als gerecht angesehen, weil er glaubte. Das möchte Paulus betonen. Jakobus fokussiert das, was aus diesem Glauben folgt: Abraham war bereit, seinen Sohn für Gott zu opfern. Diese Bereitschaft rettete ihn nicht, aber sie war der Beweis dafür, dass sein Glaube echt war, mehr als bloße Worte. Die Erlösung geht also immer dem veränderten Leben voraus.

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“, sagt auch Jesus in Johannes 14,15. Auch hier finden wir die gleiche Reihenfolge. Erst das Vertrauen und die Liebe zu Jesus, dann folgen daraus Taten. Diese Werke, die aus der Beziehung zu Gott resultieren, sind nichts, was ich aus mir heraus tue. Es sind die Werke, zu denen Gott mich durch den Heiligen Geist befähigt (Hebräer 13,20-21). Doch wie stelle ich das praktisch an, Glaubenswerke zu tun ohne gesetzlich zu werden? Und:  Setzt mich das nicht erneut unter Druck, Gutes tun zu müssen, um anderen und mir selbst zu bestätigen, dass ich errettet bin?

Paul und Marleen: Wie man von beiden Seiten vom Pferd fallen kann

Marleen besucht eine christliche Gemeinde seit sie denken kann und entscheidet sich als Jugendliche selbst, diesen Glauben für sich in Anspruch zu nehmen. Sie mag ihre Gemeinde und arbeitet gerne im Musikteam und einem Hauskreis mit. Dennoch fühlt sie sich unterschwellig ständig unter Druck gesetzt. Viel zu viel Zeit verbringt sie ihrer Meinung nach mit unwichtigen Dingen. Sogar wenn sie montags zwei Stunden in den Sportverein geht, klopft ihr Gewissen an: Hätte sie die Zeit besser für Gott einsetzen sollen?

Paul kennt diese Gewissensbisse gar nicht. Er hat sich vor einigen Jahren auf einer Evangelisation bekehrt, erkannt, dass ein Leben mit Jesus der einzig richtige Weg ist, seine Sünden bekannt und ein Übergabegebet gesprochen. Die Freude war groß. Doch schaut man heute in Pauls Leben, sieht es genauso aus wie vor seiner Bekehrung. Zwar ist er regelmäßig in der Gemeinde anwesend und findet die Predigten auch gut, doch ist er noch genauso jähzornig wie früher, raucht und trinkt zu viel. Seiner Meinung nach sehen die meisten Christen alles etwas zu eng und sollten mehr Gottes Gnade predigen als irgendwelche Verhaltensregeln.

Paul hat richtig erkannt, dass er allein aus Gnade errettet ist, doch nimmt er diese Gnade als Totschlagargument, um seinen Lebensstil zu rechtfertigen. Marleen hingegen hat ständig ein schlechtes Gewissen, weil sie glaubt, nicht genug für Gott zu tun. Beide fallen vom Pferd, nur eben auf unterschiedlichen Seiten. Doch wie finde ich das richtige Maß? Woher weiß ich, was Gott von mir möchte?

Verhaltensänderung vs. Wesensänderung

Zuerst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, was Christsein nicht ist: Christsein bedeutet nicht, mein Verhalten den Erwartungen anderer anzupassen. Genauso heißt es aber auch nicht, zu bleiben wie ich bin. Gottes Ziel mit mir ist es, mein Wesen zu verändern und mich dadurch immer mehr zu der Person zu machen, die er sich ursprünglich mit mir gedacht hatte. Das ist eine Veränderung, die ich mir nicht äußerlich selbst aneigne, sondern die der Heilige Geist in meinem Inneren bewirkt (Philipper 2,13. 4,13; 2. Korinther 3,5f, Johannes 14,15-17). Paulus bezeichnet diese Wandlung als Ausziehen des „alten Menschen“. Wenn ich mich entscheide, Jesus nachzufolgen, heißt das schließlich nicht, dass ich plötzlich wie ausgewechselt bin. Ein Prozess beginnt, bei dem der alte Mensch aus- und der neue angezogen wird (Epheser 4,17-32; Kolosser 3,1-17).

Gott selbst ist ja in euch am Werk und macht euch nicht nur bereit, sondern auch fähig, das zu tun, was ihm gefällt. Philipper 2,13

Diese Veränderung nennt die Bibel auch Heiligung. Sie bedeutet nichts anderes, als dass ich Jesus immer ähnlicher werde. Das kann konkret so aussehen, dass ich meinen Ärger über andere ablege und bereit werde zu vergeben. Dass ich ehrlich bin, auch wenn es mir Nachteile bringt. Oder nicht mehr über andere lästere, sondern für die Menschen bete, die mir unsympathisch sind.

Wesensveränderung heißt, dass mein Innerstes zuerst verändert wird. Das sind Dinge, die man erst einmal von außen nicht sieht, die aber später Auswirkungen in meinem Handeln haben. Doch wie kann ich diese Veränderung erfahren und fördern? Das A und O ist meine Beziehung zu Jesus. Um ihm ähnlicher zu werden, muss ich meine Beziehung zu ihm pflegen. Schließlich ich kann nur werden wie er, wenn ich weiß, wie er ist. Das erfahre ich zum Beispiel durch die Bibel, die mir nicht nur hilft, Gottes Wesen besser kennen zu lernen, sondern mir auch klar macht, was Gott mit dem Menschen - mit mir - vorhat. Durch das Gebet kann ich ihn aktiv an meinem Leben teilhaben lassen und ihn bitten, mir die Augen für Dinge zu öffnen, die mich von ihm fernhalten oder mich noch im Griff haben.

Frucht bringt nur, wer in Gott bleibt

Wenn meine Beziehung zu Gott stimmt, wachse ich im Glauben. Die Veränderung und damit auch die guten Taten folgen automatisch. Jesus macht das an einem Bild deutlich: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15,5) Genauso wie ein Baum Frucht trägt, wenn er gesund ist und alle Nährstoffe zur Verfügung stehen, so bringt auch der Mensch automatisch gute Taten hervor, wenn er ganz nah bei Gott ist. Dennoch heißt das nicht, dass ich Däumchen drehen und warten kann, bis mein Charakter urplötzlich wie verwandelt ist. Das wird nicht geschehen. Ich muss aktiv an meiner Beziehung zu Gott arbeiten und offen für das Handeln des Heiligen Geistes sein, um von ihm verändert zu werden. Zu diesem Aktivsein fordert Jesus seine Jünger im obigen Vers auf, indem er sagt: Bleibt in mir. Denn:  Wenn jemand nicht in mir bleibt, geht es ihm wie der ´unfruchtbaren` Rebe: Er wird weggeworfen und verdorrt.“(Johannes 15,6)

So soll auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Matthäus 5,16

Jesus nachfolgen bedeutet also, aktiv meine Beziehung zu Gott zu pflegen und zu gestalten. Nicht nur, weil ich damit Jesus ähnlicher werde, sondern auch weil Gott damit vor meinen Mitmenschen sichtbar wird (Johannes 15,8). Meine Einstellungen, meine Taten, meine Art und Weise, wie ich mit Menschen umgehe, all das ist ein Zeugnis für andere. Es macht Gottes Wesen für diejenigen sichtbar, die die Bibel vielleicht nicht mehr lesen, ihn aber durch mein Verhalten kennen lernen können (Matthäus 5,16). Diese praktischen Taten, die aus meiner Beziehung zu Gott entstehen, sind die Werke, die wertvoll sind in Gottes Augen und für die er mich einmal belohnen wird (Johannes 3,21; 1. Korinther 3,5-17; Kolosser 3,24). Es sind die Dinge, die ich nicht mit der Motivation tue, von anderen dafür Anerkennung zu bekommen, sondern Gott zu ehren (Matthäus 5,16. 6,5-6).

Der Kompass

So jedenfalls der Idealfall. Im Alltag wird mich diese Aufgabe oft vor Herausforderungen stellen: Auf der einen Seite möchte ich, dass meine Mitmenschen meine Wesensveränderung bemerken und meine guten Taten sehen, damit Gott geehrt wird. Auf der anderen Seite soll mein Verhalten nicht aufgesetzt oder geheuchelt sein (Matthäus 6,1). Diese Spannung zu halten und auszuhalten, ist eine lebenslange Aufgabe für jeden Christen.

Doch die Aufforderung, gute Werke zu tun, sollte mich auch nicht unter Druck setzen oder ängstlich machen. Die guten Taten, die Gott durch die Veränderung meines Wesens bewirkt, sind daher eher vergleichbar mit einem Kompass. Wenn ich in den Bergen wandern gehe und ununterbrochen auf den Kompass schaue, werde ich unweigerlich stolpern und fallen. Der Kompass ist sinnvoll zur Orientierung, um ab und zu darauf zu schauen. Doch er sollte mir nicht die Sicht versperren.

So ist es auch mit den sichtbaren Werken. Wenn ich in meinem Alltag nur noch damit beschäftigt bin, mein Handeln zu reflektieren, aus Angst, den falschen Weg zu gehen, wird mich das zu Fall bringen und einengen. Viel sinnvoller ist es, ab und zu inne zu halten und mein Leben zu überdenken. Auf mein Handeln und mein Herz zu schauen, um zu überprüfen, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Ich kann mich beispielsweise fragen: Ist meine Beziehung zu Gott noch lebendig? Welche Charakterzüge machen mein Wesen aus: Stimmen sie mit den „Früchten des Geistes“ (Galater 5,22) überein? Welche Eigenschaften sollte ich lieber über Bord werfen? Gibt es Bereiche meines Lebens, in die Gott mir nicht reinreden darf? Wann habe ich das letzte Mal etwas mit Gott erlebt?

Mein Leben auf diese Weise zu überdenken, ist sinnvoll und notwendig. So kann ich erkennen, ob ich wie Paul meine persönliche Beziehung zu Gott vernachlässige und deshalb keine Veränderung erfahre. Oder ob ich wie Marleen dazu neige, gesetzlich zu werden. Ich darf Gott bitten, mir die Augen dafür zu öffnen und mir zu zeigen, woran ich arbeiten kann. Mit Gott kann ich jederzeit einen Neustart wagen und deshalb brauche ich mich nicht demotivieren zu lassen. Vielmehr darf ich mich daran freuen, dass ich Teil von Gottes großem Plan bin. Er arbeitet zwar noch an mir, und dennoch darf ich als Mitarbeiter sein Reich schon mitgestalten, so unperfekt wie ich bin (1. Korinther 3,8-9). Die Kraft dafür brauche ich nicht einmal selbst aufbringen. Dieses Wissen setzt mich nicht unter Druck, sondern setzt Energie frei. Thomas Schirrmacher fasst es kurz und prägnant zusammen, indem er sagt: „Gott erwartet von uns nur das, was er uns vorher geschenkt hat.“4


Quellenangaben:

1 Heiko Krimmer (2000): Edition C Bibelkommentar zum Römerbrief. Hänssler Verlag, Holzgerlingen,  S. 10f.

2 Ralph P. Martin & Peter H. Davids (1997): Dictionary of the later New Testament & its developments. Inter Varsity Press, S. 368.

3 Fritz Grünzweig (1973): Wuppertaler Studienbibel. Der Brief des Jakobus. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, S.85.

4 Thomas Schirrmacher (2009): Ethik. Das Gesetz der Freiheit. Bd. 4. Reformatorischer Verlag, Hamburg, S. 67.


Kommentare

Von Andy am .

Das Motto lautet: Nur was ich tue, glaube ich auch wirklich.
Nur wenn ich bspw. Salat tatsächlich esse, bin ich überzeugt, dass gesunde Ernährung wichtig ist. Nur wenn ich Sport treibe, glaube ich, dass es gut für meinen Körper ist. Nur wenn ich in der Bibel lese, glaube ich auch wirklich, dass Gottes Wort etwas mit meinem Leben zu tun hat. Und nur wenn ich anderen Menschen von Jesus erzähle, glaube ich auch wirklich, dass Jesus tatsächlich der einzige Weg, die Wahrheit und das Leben ist.
Gute Taten sind nicht die Voraussetzung für ein Leben als Christ, sie sind das Ergebnis.

Von Konrad B. am .

Nehmen wir eine Waage u.legen in eine Schale ein Gewicht. Dann dominiert die leere Schale, umgekehrt legen wir jetzt auch in die andere Schale das gleiche Gewicht u.die Waage verhält sich horizontal.
Diese beiden Gewichte sind einmal der Glaube u. dann die Tat! Ausgeglichen ist die Waage ( das Leben ) nur, wenn beide Teile einander ergänzen.
„Zeige mir Deinen Glauben aus d. Tat u. ich will Dir aus meiner Tat den Glauben zeigen!” Eins kann man nicht vom Anderen trennen. „Der Glaube kommt aus d. mehr

Von Horst P. am .

Auch mir gefällt der Kommentar sehr gut. Mir stellt sich jedoch darüber hinaus die Frage, ob Gott Beweise dafür braucht, dass unser Glaube "echt" ist?! Nein! Ich weiß, dass ich meinem Gott meinen GLauben gar nicht beweisen muß, weil Gott das Herz ansieht! Er sieht in mein Herz und er weiß -ohne meine mehr oder weniger unwichtigen Werke zu beurteilen. ob ich glaube oder nicht! Es ist vielmehr die elohim-Engelwelt, die Beweise fürden Glauben des einzelnen Menschen fordern! Das gilt auch für mehr

Von Christian G. am .

Ja dieser Kommentar hat mir sehr gut gefallen. Es ist gut das man sich nicht im glauben an Gott anzustrengen braucht , um Gott zu gefallen. Aber gute Werke sollte man schon tun, wie Traktate verteilen, mit dem Nächsten über den Glauben an Gott zu reden.
Auch schön ist die Zusage das man bei Gott immer wieder eine Chance erhält , einen Neuanfang zu bekommen, wenn man im Glauben mal zeitweise durch Ereignisse im Leben sich von Gott entfernt hat.
Liebe Grüße und Gottes Segen wünscht Christian den Mitarbeitern von ERF

Von Thomas A. am .

Hallo Frau Rosta, möchte mich ihrem Kommentar wie Marcel A. auch anschließen. Nur an einer Stelle sehe ich ein Risiko in ihren Ausführungen. (Absatz: Der Kompass, ...Doch die Aufforderung, gut Werke zu tun, ...) Jakobus schreibt, wie sie richtig schreiben, an (erlöste) Christen, und bei diesen Menschen kann man an den Glaubenswerken ablesen, wie es um ihren Glauben steht. Es geht Jakobus also nicht um Druck, oder ich muss oder ähnliches. Es handelt sich nicht um eine Aufforderung. Er meint das mehr

Von Marcel A. am .

Gerne schließe ich mich den vorhandenen Kommentaren an: der Artikel ist sehr gut gelungen und handelt ein Thema, mit dem sich sehr viele Christen sehr schwer tun, hervorragend ab- und das auf ziemlich kleinem Raum. Absolut ein Artikel zum Aufheben (schon geschehen!).
Ein paar Gedanken erlaube ich mir hinzuzufügen, vor allem in die Richtung, dass Jakobus keineswegs der Einzige ist, der die Wichtigkeit von Glaubenswerken hervorhebt:
Als erstes fällt mir Jesus Christus selbst ein. Bergpredigt, mehr

Von Christian R. am .

Wow! Außergewöhnlich guter Artikel! Danke dafür!
Diese Ansicht wird übrigens, wie ich meine, in Dietrich Bonhoeffers "Nachfolge" detailiert bestätigt.

Von Angelika am .

Oh ja, das hat mir auch gut getan. Wie gut, dass Gott weniger von mir erwartet als ich selber. Wie gut, dass Gott mehr Geduld mit mir hat als ich. Wie gut, dass sein Joch sanft und seine Last leicht ist...
Wie gut, dass er aus mir einen Überwinder gemacht hat und dass mir mein neues Kleid jeden Tag besser passt. Wie gut, dass ich in dem Tempo hineinwachsen kann, das mir gut tut.
Die größte Herausforderung ist für mich, die Spannung auszuhalten zwischen Erwähltsein und Dienen!
Ich werde mir den Brief auch ausdrucken. Herzlichen Dank und Gottes reichen Segen.

Von Esther am .

Ganz herzlichen Dank für diese hervorragende, umfassende, ausgewogene, aussagekräftige und ermutigende Auslegung!

Von Rosemarie B. am .

Herzlichen Dank für diese Auslegung.Wie gut in dem Zusammenhang zu wissen:Gott sieht unser Herz an.
Unser Leib als sein Tempel bedeutet für mich: einen respektvollen Umgang mit mir selbst und meinem Nächsten.
Gut auch zu wissen: wir sind unser ganzes Leben lang auf dem Weg.
Einen gesegneten Tag wünscht
Rosemarie B.

Von Gerlinde am .

Ich kann mich nur anschließen, danke für diesen Beitrag. Man ist auf dem Weg und noch nicht am Ziel. Ich werde also immer noch von Gott geformt, das ermutigt mich weiter zu machen, auch wenn ich versage. Nochmals danke, für diesen Beitrag, der ermutigt dranzubleiben und nicht aufzugeben wenn ich falle. Ich wünsche allen Gottes reichen Segen

Von Renate am .

Danke für diese umfassende, gute und klare Auslegung, die ich mir ausdrucken werde, um sie immer wieder einmal nachlesen zu können.

Von d.h. am .

Danke, genau diesen Brief brauchte ich heute


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