Interview mit Jennifer und Martin Pepper

Gott wird den Test der Zeit bestehen

Das Tochter-Vater-Duo Pepper verrät im Gespräch über seine neue CD "Generationen", wie Gott generationsübergreifend Geschichte schreibt.

ERF Online: Ihre aktuelle CD heißt  Generationen. Wie kommen Sie auf diesen Titel?

Martin Pepper: Der Titel Generationen ist abgeleitet von unserer gemeinsamen Präsenz als Vater und Tochter auf der Bühne. In den vergangenen Jahren hat Jennifer bei ein paar Songs mitgesungen. Diesmal wollten wir als Vater und Tochter ein Generationenprojekt verwirklichen. Wir haben an Liedern zusammen gearbeitet. Unser Anliegen ist, ein Modell zu zeigen, wie man seinen Glauben auch in unterschiedlichen Generationen bekennen kann. Verschiedene Generationen können harmonisch unterwegs sein, trotz verschiedener Prägungen und Schwerpunkte im Leben.

ERF Online: Frau Pepper, inwiefern hat sich Ihre Beziehung zu Ihrem Vater durch die gemeinsame Arbeit verändert?

Jennifer Pepper: Die Beziehung hat sich intensiviert, da wir mehr Zeit miteinander verbracht haben. An zwei bis vier Tagen in der Woche haben wir uns zusammengesetzt, um die Songs zu schreiben, zu bearbeiten und bühnenreif zu machen. Diese gemeinsame Zeit schweißt zusammen.

Martin Pepper: Jennifer ist nicht mehr „nur“ meine Tochter, sondern sie ist auch meine Kollegin. Sie bringt ihre eigene musikalische Kompetenz in das Projekt ein. Ich sehe uns als Partner, die in einem gemeinsamen Unternehmen arbeiten. Um fair zusammen zu arbeiten und um schräge Abhängigkeiten zu vermeiden, haben wir Verträge geschrieben.

ERF Online: Frau Pepper, haben Sie die Absicht, sich auch langfristig musikalisch zu orientieren?

Jennifer Pepper: Auf jeden Fall. Ich sehe meine Berufung darin, musikalisch tätig zu sein. Aus diesem Grund habe ich Musik studiert. Mit meinem Vater gemeinsam zu arbeiten, ist für mich eine Chance besondere Einblicke in das Musikbusiness zu bekommen. Das ist besser, als wenn ich ganz alleine von unten anfangen müsste.

Generationen – Spannung oder Harmonie?

ERF Online: In vielen Songs geht es nicht um den Altersunterschied, sondern um den Glauben, der im Alltag sichtbar wird. Wie schlagen Sie die Brücke vom Titel „Generationen“ zu den einzelnen Themen?  

Martin Pepper: Den Titel „Generationen“ haben wir als Aufhänger genommen, aufgrund unserer gemeinsamen Arbeit. Das Lied „Wo du hingehst, will auch ich hingehn“ handelt von der Entscheidung Ruths, ihrer Schwiegermutter zu folgen. In diesem Fall hat die zweite Generation den Glauben der ersten Generation für sich entdeckt und übernommen. Das ist eine ähnliche Geschichte wie mit meiner Tochter und mir. Eines Tages sagte meine Tochter: „Ich will auch so glauben und das auch so vermitteln, wie ihr das macht.“ Darüber  sind meine Frau und ich sehr glücklich. In vielen Songs geht’s allgemein um verschiedene Themen, die in einer christlich geprägten Familie diskutiert werden.

ERF Online: Haben Sie festgestellt, dass Sie aufgrund des Generationenunterschieds abweichende Blickpunkte auf ein Thema haben?

Martin Pepper: Wir haben eher um Formulierungen gerungen und gekämpft. Jennifer hat mir einige Wiederholungen ausgetrieben, die ich in meinem Songwriting drin hatte. (lacht)

Jennifer Pepper: Manchmal hörte sich eine Formulierung altbacken an. Das habe ich dann natürlich angesprochen. Es war mir wichtig, dass das Projekt auch in meiner Generation auf offene Ohren stößt. Außerdem sollten auch Menschen, die mit dem Glauben nicht täglich konfrontiert werden, die Songs nachvollziehen können. Daher sollte es ein normaler Sprachgebrauch sein und nicht einer, der ausschließlich in christlichen Kreisen bekannt ist.

Den Glauben herauskitzeln

ERF Online: Der Song „Alles was wir brauchen“ ist ein flotter Song, der  gute Laune verbreitet. Er besagt, dass das persönliche Lebensglück von Jesus abhängt. Sie singen es mit großer Leichtigkeit. Man könnte meinen, es wäre für Sie keineswegs schwierig diesen Gedanken umzusetzen. Gibt es auch Zeiten in ihrem Leben, in denen Sie es nicht so fröhlich singen konnten?

Martin Pepper: Ja selbstverständlich. Solche Lieder, die etwas verallgemeinern und zuspitzen, kommen meistens aus der eigenen Erfahrungswelt. In Momenten der Ruhe liest man die Bibel und ein Vers spricht einen persönlich an. Man empfindet den Vers wie einen Regenschirm, der sich über das Leben spannt. Man stimmt dem Vers zu. Dann kommt natürlich die Geschwindigkeit des Lebens, die normalen Reaktionsmuster und Engpässe, die jeder von uns kennt.

Dieses Lied ist eine Art Glaubensstatement, an den man sich in solchen Situationen immer wieder neu orientiert. Es handelt vom Reichtum, den wir in Christus haben. Manchmal muss er herausgeschält und herausgearbeitet, gesucht und gefunden werden. Diesen Reichtum will das Lied hervorkitzeln. Es ist ein Bekenntnislied über den Glauben an Christus. Wir haben keine Lösung, die zwingend für alle ist, aber unser Glaube und die Erfahrung machen uns gewiss.

Jennifer Pepper: Gerade durch das Singen von Lobpreis- und Glaubenssongs vertiefen sich diese Aussagen noch mehr in unserem Herzen und in unserem Geist. Das habe ich immer als sehr heilsam empfunden.

Warum lässt Gott Leid zu?

ERF Online: Einen Song, den ich sehr bewegend fand, ist "Offenbar". Er hat mich persönlich angesprochen, weil er das brenzlige Thema Leid thematisiert. Die "Theodizee-Frage": Lässt Gott Leid zu und warum tut er es. Wie haben Sie auf diese Frage eine Antwort gefunden?

Martin Pepper: Der Song beginnt mit dem Zitat aus dem Buch Offenbarung: "Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr“. Jedoch stellen wir fest, dass es im Alltag oft nicht einfach ist, über Gottes Größe zu staunen – gerade in Leidsituationen. Wie soll im Leid Gottes Güte oder Gottes Gerechtigkeit sichtbar werden?

Wir sollten zwar nicht mehr zweifeln als glauben, jedoch ist es auch nicht ausgewogen, wenn wir nur die Fanfare hissen, das Banner erheben und immer sagen, dass Gott gut und großartig ist. Ich glaube, dass wir in unserem Lobpreis auch immer im Schmerz geerdet sein müssen. In den Psalmen des Alten Testamentes findet man Fragen wie: "Gott, wie kannst du so etwas überhaupt zulassen? Eigentlich sollte es doch den Gerechten gut gehen, der sich Mühe gibt, der betet und der dich sucht. Warum geht es mir dann doch nicht gut?“

Fragen sind erlaubt. Dennoch sollen wir  trotz unverständlicher Perspektive am Glauben festhalten. Letztendlich ahnen wir, dass wir nur ein Teil von der ganzen Perspektive sehen können. Aus einer anderen Perspektive und Zeit heraus, machen die für uns jetzt unerklärlichen Dinge doch vielleicht einen Sinn. Das soll kein billiger Trost sein. Dennoch glaube ich, dass es einen Zeitpunkt geben wird, der die Zeit vollenden wird. Diese Hoffnung ermöglicht mir, den Glauben an Gottes Güte in schwierigen Momenten nicht aufzugeben. Am Ende wird Gott den Test der Zeit bestehen. Gott wird über allem hoch erhaben stehen und wir werden über seine souveräne Führung staunen und ihn anbeten. Gottes Wege sind weise. Es gibt keine größere Weisheit und keine größere Intelligenz. Und wer bin ich, dass ich das anzweifle?

Antiseptische Roboterwelt

ERF Online: Gott lässt Leid zu obwohl er es verhindern könnte. Warum?

Martin Pepper: Wenn wir kein Leid erleben könnten, wäre unsere Welt eine Art antiseptische Roboterwelt, in der es auch keine Bedeutungsnuancen mehr gibt, sondern in der alles irgendwie in einer watteweichen Wolke des Funktionellen verschwindet. Leid entsteht immer da, wo Menschen verletzbar sind. Die Verletzbarkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass wir intensiv fühlen können. Intensiv positiv fühlen aber dementsprechend auch negativ. Wenn unsere Bedürfnisse, die in uns Freude und Glück hervorrufen, nicht gestillt werden, sind wir unglücklich und unzufrieden.

Eine Menge Leid entsteht aufgrund der Freiheit, die wir haben. Weil ein Mensch eine schlechte Entscheidung trifft, leidet aufgrund der Wechselwirkung ein anderer Mensch. Denken wir doch beispielsweise an einen Autofahrer, der über Rot fährt, und dabei z. B. ein anderes Auto anfährt. Schmerz ist immer eine Auswirkung der Entscheidungen anderer, denn wir leben in einem Schicksalszusammenhang.

Familie – Gemeinsam statt einsam

Bild: Martin Pepper

ERF Online: Gott gibt uns das Gebot die Last des anderen zu tragen. Ich finde, hier kommt unter anderem die Familie ins Spiel. Sie soll sich gegenseitig unterstützen in schwierigen Lebensphasen. Frau Pepper, wie erleben Sie dieses Gebot in Ihrer Familie?

Frau Pepper: Ich empfinde es als eine große Ermutigung, dass wir als Familie letzten Endes das selbe Ziel haben. Wir wollen die Liebe Gottes gemeinsam den Menschen weitergeben.  Dieses Miteinander entlastet.  Außerdem unterstützen mich meine Eltern in Prioritätenfragen. Da ich ein sehr beziehungsorientierter Mensch bin, ist es sehr wichtig, eine gesunde Balance zwischen Arbeit und sozialen Kontakten halten zu können. Wenn ich am nächsten Tag einen Studiotermin habe, muss ich körperlich fit sein. In diesem Fall ist es dementsprechend vorteilhafter, nicht mit Freunden am Abend vorher spät in die Bar zu gehen. Ich entscheide mich in diesem Moment im optimalen Fall dafür, dass ich mein Bestes gebe für die Musik und nicht nur die Restenergie, die übrig geblieben ist. Es ermutigt mich, wenn mein Vater und ich uns austauschen und mitteilen, was man gerade für die Arbeit gemacht hat. So fokussiert man sich immer wieder auf das Projekt und bleibt motiviert am Ball.

Martin Pepper: Es ist sehr arbeitserleichternd, wenn man sich gegenseitig hilft. Wenn wir auf Tour sind und ich mir gerade ein wenig Einblick in den Räumlichkeiten verschaffe, fängt Jennifer beispielsweise schon damit an, den Büchertisch aufzubauen oder die Keyboards zu verkabeln. Dieses Miteinander fördert ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Es erleichtert die Arbeit enorm.

Jennifer Pepper: Vor Konzerten segnen wir uns gegenseitig oder machen noch einige Einsingübungen. Es ist gut, sich gegenseitig zu haben und zusammen auf der Bühne zu stehen.

ERF Online: ERF Online möchten Menschen mit Hilfe des Internets zum Glauben an Gott einladen. Welche Rolle spielt das Internet in Ihrem Leben und in Ihrer Arbeit Herr Pepper?

Herr Pepper: Ich nutze das Internet sowohl passiv als auch aktiv. Ich stelle mich über meine Website Martinpepper.de dar. Ich nutze es aber auch aktiv zur Recherche. Wenn ich einer Person begegne, die scheinbar wichtig ist, die ich aber nicht gut kenne, recherchiere ich im Internet. Das Internet bietet schnellen Zugang zu Informationen. Direkter Austausch mit meinen Mitmusikern wird durch das Internet ebenfalls vereinfacht. Das Internet hilft mir, in meinem direkten Austausch mit meinen Mitmusikern und mit meinen Veranstaltern. Es ist sehr praktisch Emails mit Anhängen versenden zu können, um Musik hin- und her zu schieben, um so z. B. Feedback einzuholen. Mixe werden so vorausgewertet, bevor man in das Studio geht, um alles zuende zu bringen. Die Vernetzung vereinfacht das Leben an vielen Punkten.  Natürlich bin ich mit vielen Menschen auch über Facebook vernetzt. Das Internet ist für mich persönlich eine große Bereicherung.

ERF Online: Vielen Dank für das Interview.


Titel: Generationen
Autor: Pepper, Martin
Verlag: GERTH
EAN: 4029856464237
Preis: 17,99 EUR

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Die Homepage von Martin Pepper

Hörbeispiele bei Gerth Medien


Kommentare

Von Rosemarie S. am .

Vielen Dank für dieses aufrichtige Zeugnis! Ich habe die CD und werde sie gelegentlich weiter verschenken.
Gott segne Sie und stärke Sie bei Ihrer gemeinsamen Arbeit.
Rosemarie S. aus Niedersachsen


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