Andacht

Indiana Jones und der letzte Kletterparcours

Zwischen heroischem Tarzansprung und ängstlichem Balanceakt liegen manchmal nur wenige Stunden. Mit Jesus gelingen beide.

Der Besuch in einem Kletterpark ist eine faszinierende Erfahrung. Er konfrontiert uns mit ungewohnten Aufgaben und neuen Herausforderungen. Wir erleben Situationen, die die Grenzen unseres normalen Denkens sprengen. Auch ich habe das am eigenen Leib gespürt.

Letzten Sommer besuchte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Waldseilgarten. Mit dabei waren einige Freunde. Die Sonne schien, die Stimmung war gut, meine Motivation top. Dort gab es verschiedene Parcours zu bewältigen. Zum Einstieg wählte ich den mit dem klangvollen Namen eines großen Helden: Tarzan.

Der Sprung vom Kopf des Löwen

Der Name hielt, was er versprach. Nach einigen Hindernissen zum Warmwerden stand ich als erster unserer Gruppe auf einer Baumplattform und visierte ein vor mir hängendes Seil an. Die Aufgabe bestand darin, das Seil als Ersatzliane zu benutzen und sich in ein großes Auffangnetz zu schwingen. Ich fühlte mich ein wenig wie Indiana Jones in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“: „Allein beim Sprung vom Kopf des Löwen wird er sich als würdig erweisen.“ Ein entschlossener Griff, ein beherzter Sprung - Adrenalin pur, reines Glück!

Der zweite Parcours war gut geeignet zum zwischenzeitlichen Entspannen, denn es ging lediglich darum, verschiedene Seilbahnen zu bewältigen. Danach waren zwei Stunden vergangen und so wählte ich zum Abschluss dieses Tages einen vermeintlich einfachen Kletterpfad, bei dem es hauptsächlich ums Balancieren ging - im Gegensatz zu meinen Freunden, die es nochmal wissen wollten und den schwersten Kurs des Gartens angingen. Lediglich Lukas*, von Beruf Lehrer, begleitete mich.

Rausch - Kater

Nach den bisherigen Erfolgen war ich gut gelaunt und habe mir einiges zugetraut. Die körperliche Intensiverfahrung berauschte mich. Wie so oft, sollte der Kater noch kommen.

Bei dem dritten Parcours musste ich zum Beispiel Hindernisse mit schwankenden Ski überwinden, die mit zwei Seilen an einer Art Hängebrücke angebracht waren. Dennoch meisterte ich die ersten Hürden erfolgreich, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten. Aufgrund meines Körpergewichts ist es nämlich nicht sonderlich einfach, die schwankenden Massen im Gleichgewicht zu halten.

Dann kam ich zu einer neuen Situation. Zwischen zwei Plattformen war ein Seil gespannt, auf dem ich offensichtlich die Füße platzieren sollte. Mit den Armen konnte ich mich an vertikal herunterhängenden Seilen festhalten. Deren Anordnung machte mehrmaliges Umgreifen erforderlich.

Die rettende Stimme

Ich war zu dem Zeitpunkt müde und hatte plötzlich Angst. Was wäre, wenn ich es nicht schaffe, immer erfolgreich umzugreifen? Was, wenn das Sicherungsseil reißt? Dann erwartet mich ein schmerzhafter Aufprall... Diese Gedanken ließen mich erstarren. Ich war wie gelähmt.

Aber was wäre, wenn ich aussteige? Meine Freunde würden sich eventuell darüber lustig machen, ich wäre enttäuscht von mir selber. Das war also auch keine einfache Lösung.

Doch Lukas hat mich gut beobachtet. Er hat erkannt, in welcher Lage ich mich befand. Und er hat mir Mut gemacht, dass ich es schaffen kann. Er hat mir gesagt, an welches Seil ich wann greifen sollte. Seine Stimme hat mich über das Seilstück begleitet. Ich hatte es geschafft.

In dem Moment war ich ihm sehr dankbar, denn er hat mir gezeigt, dass so viel mehr in mir steckt, als ich selbst dachte. Er hat mir Vertrauen entgegengebracht und mich nicht allein gelassen. Das werde ich ihm nie vergessen.

„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht!“

Ich denke, dass wir alle in unserem Leben in solche Grenzsituationen geraten. Irgendwann stehen wir auf einem dünnen Seil und trauen uns nicht, umzugreifen. Die Kontrolle über das Geschehen entgleitet uns. Alleine schaffen wir es nicht, weiterzukommen. Dann ist es gut, wenn wir jemanden haben, der uns Mut macht. Das kann ein Familienmitglied sein, ein Freund oder eben Jesus.

Er will immer für uns da sein. Er will uns auf allen Wegen begleiten. Vor allem auf den Wegen, auf denen wir nur schwer vorwärtskommen und uns allein und hilflos fühlen. „Denn Gott hat versprochen: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Darum dürfen wir zuversichtlich sagen: Der Herr ist mein Helfer, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?“ (Hebräer 13, 5-6).

Diese Zusage ist mein Trost und meine Hoffnung. Wenn ich genau zuhöre und mich umsehe, dann erkenne ich, wie Jesus in mein Leben eingreift. Er macht mir Mut, wenn ich Zuspruch brauche, er begleitet mich, wenn ich einen schwierigen Weg einschlage und er vergibt mir meine Schuld.

Auch das sprengt fast die Grenzen meines Begreifens. Doch ich darf mich bewusst fallen lassen, denn bei Jesus falle ich nie weiter als in seine Arme.


*Name geändert.


Kommentare

Von Rosemarie Bayer am .

Herzlichen Dank für diese mutmachenden Worte.
Eine gesegnete Woche wünscht
R.Bayer


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