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Von Blinkern und Dränglern

Nicht blinken und drängeln - eine weitverbreitete Krankheit nicht nur im Straßenverkehr. Zeit, alte Marotten über Bord zu werfen.

Heute ist es schon wieder passiert. Auf dem Weg durch die Stadt, und das gleich zweimal: Ich fahre vorsichtig hinter einem anderen Auto her, überhole nicht - und dann biegt der andere ab. Einfach so, ohne zu blinken. Irgendwie scheint Blinken nicht mehr gesellschaftsfähig zu sein. Warum auch, ich komme ja auch so vorwärts! Es hält mich doch nur auf, anderen diese Orientierungshilfe zu geben. Und wenn andere mich aufhalten, ist Drängeln angesagt. Abbiegen und Spurwechsel ohne Vorwarnung, Drängeln statt Blinken - ein Phänomen des modernen Zeitgeistes?

Mancher lebt so, wie er Auto fährt. Es gibt immer weniger „Blinker“, die andere Menschen im Blick haben, denen es nicht zu lästig ist, anderen Orientierungshilfen zu geben. Dafür immer mehr „Drängler“, die primär am eigenen Vorwärtskommen interessiert sind. Wir finden sie auch in christlichen Gemeinden. Wer kennt sie nicht - die Christen, die andere Menschen in „wichtig“ und „unwichtig“ einteilen. In diejenigen, mit denen man sich gerne sehen lässt, und die anderen, die „einem nichts bringen“?

Gott ist nicht egal, ob wir im Leben blinken oder drängeln, denn er ist ein Gott der Gemeinschaft. Jesus verknüpft beides immer wieder: Wie Gott mich behandelt, und wie ich andere behandle. Zum Beispiel im Gleichnis von den Schafen und den Böcken (Matthäus 25,40): „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“. Wer in erster Linie an der eigenen Lebensverwirklichung interessiert ist, wer nur danach fragt „Was bringt es mir?“, wem es zu lästig ist, andere im Blick zu haben und für sie zu „blinken“ - der zerstört die Gemeinschaft, für die Gott ihn und die anderen geschaffen hat.

„Ändert Euch durch Erneuerung Eures Sinnes“, schreibt Paulus in Römer 12,2. Verhalten verändert sich, wenn sich unser Denken verändert. Also denken wir dran: Blinken für die Orientierung anderer, statt Drängeln für das eigene Ego. Im Lebensstil wie im Straßenverkehr.
 


Kommentare

Von Marlis Rahe am .

Es ist gut, das Nicht-Blinken und das Drängeln auch einmal aus der christlichen Sicht zu betrachten!
Danke dafür!
Ich denke noch mit großer Dankbarkeit an meinen Fahrlehrer von 1962, der mir beibrachte, vorausschauend zu fahren; sehr rechtzeitig zu blinken, nicht erst beim Abbiegen; bremsbereit mit dem Fuß knapp über dem Bremspedal in Situationen, bei denen eventuell Bremsen nötig sein könnte.

Von ERF - Fan am .

Dass sich solches Verhalten auch in Gemeinden findet, damit sollten wir uns nicht abfinden.

Von Hermann B. am .

Das sind gute Gedanken, dafür möchte ich danken.
Zauaberpater Hermann B. SVD
Steyler Missio-"Narr


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