Themenwoche Jünger Jesu

Thomas: mehr als ein Zweifler

Einmal gezweifelt und auf ewig als „der Ungläubige“ abgestempelt. Dieses festgefahrene Bild überschattet Thomas‘ wertvolle Eigenschaften.

Thomas – auch bekannt als der Zweifler oder der Ungläubige. Kaum ein Apostel hat seinen Ruf weg wie er. Sein eigentlicher Beiname Didymos (Zwilling) ist dagegen weitaus weniger bekannt. Generell erfahren wir in der Bibel recht wenig über diesen Mann, der zu den zwölf Jüngern Jesu gehört. Wir wissen weder, wann und wo er zum Jünger berufen wird, noch wie sein familiärer oder beruflicher Hintergrund ist. Bei Matthäus, Markus und Lukas ist sein Name lediglich Teil von Aufzählungen. Johannes ist der einzige, der überhaupt Näheres von Thomas berichtet. Wörtliche überliefert uns Johannes lediglich vier Aussagen von Thomas. Die aber haben es in sich:

„Auf, gehen wir mit Jesus und sterben mit ihm.“ (Johannes 11,16)

Jesus ist gerade erst einer Steinigung durch das aufgebrachte Volk in Judäa entgangen, als er vom Tod des Lazarus erfährt. Mit einer Rückreise würde er sich in Todesgefahr begeben. Kein Problem für Thomas: Er ist bereit, mit ihm zu gehen und mit ihm zu sterben. Ein treuer Mann mit einer Vorliebe für klare Entscheidungen. Jesus ist sein Herr, also folgt er ihm nach - ohne Kompromisse. Seine Aussage klingt so klar und direkt, dass man den Eindruck bekommt, Thomas habe nicht einmal mit der Wimper gezuckt.

Und noch etwas fällt auf: Thomas macht keinen Alleingang, sondern bezieht seine Freunde mit ein: Wir gehen mit und wir sterben für Jesus. Er ist anscheinend ein Teamplayer.

„Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Und wie können wir den Weg wissen?“ (Johannes 14,5)

Jesus erklärt seinen Jüngern bei seinem letzten Passahmahl, dass er bald in seine Heimat zurückgehen wird. Zu seinem Vater, um den Jüngern dort eine Wohnung vorzubereiten (Johannes 14,1-4). Das ist zu viel für Thomas‘ Vorstellungskraft, irgendwie steht er auf dem Schlauch. Doch er gibt sich nicht zufrieden, er möchte verstehen und fragt nach. Jesus antwortet ruhig und erklärt: Ich bin der Weg, folge mir nach. Thomas sucht nach Antworten und findet sie bei Jesus.

„Erst muss ich seine von den Nägeln durchbohrten Hände sehen; ich muss meinen Finger auf die durchbohrten Stellen und meine Hand in seine durchbohrte Seite legen. Vorher glaube ich es nicht.“ (Johannes 20,25)

Thomas zweifelt am Zeugnis seiner Freunde, den auferstandenen Jesus gesehen zu haben. Seine Aussage in diesem Vers ist so klar wie die vorherigen: Nein, meine Freunde, ich glaube euch nicht. Ich brauche klare Beweise!

Dieses Verhalten dürfte die Jünger nicht verwundert haben. Thomas ist schließlich nicht der erste, der dem Zeugnis anderer nicht glaubt. Auch die übrigen Jünger - und das muss einmal betont werden - glaubten nicht, bevor sie den Auferstandenen nicht gesehen hatten. Als Maria den Jüngern bezeugt, Jesus sei auferstanden, halten die es für leeres Geschwätz (Markus 16, 11). Danach erscheint Jesus zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Als diese den anderen davon berichten, glauben sie immer noch nicht (Markus 16,13). Erst als Jesus sich ihnen persönlich zeigt, glauben sie endlich. Thomas ist also nicht der einzige, sondern lediglich der letzte Zweifler der Zwölf.

„Mein Herr und mein Gott“ (Johannes 20,28)

Jesus reagiert auf Thomas‘ Zweifel völlig unmenschlich. Er hält ihm weder eine Moralpredigt, noch verurteilt er ihn. Er zeigt Thomas seine Hände und lässt ihn seine Wunde fühlen, in die der Sperr bei der Kreuzigung gestoßen wurde. In diesem Moment realisiert Thomas, wer vor ihm steht: sein ganz persönlicher Herr, sein Gott. Thomas erkennt Jesus nicht nur als den erwarteten Messias, sondern als seinen persönlichen Retter. Thomas zweifelte, doch nachdem er von der Wahrheit überzeugt wurde, ist er Feuer und Flamme für seinen Herrn.

Der Jünger Thomas ist mehr als ein Zweifler. Er lehrt uns, dass wir mit frohem Herzen ganz unperfekte Nachfolger sein dürfen. Was zählt, sind nicht die offenen Fragen oder Zweifel, sondern unsere Hingabe und Liebe gegenüber Jesus. Darin ist uns Thomas ein Vorbild.


Kommentare

Von Thomas Der Zweifler am .

Klasse bericht
find ich astrein
echt knorke von euch

Von Tommaso G. am .

Ja, vielen Dank für diesen Artikel. Tatsächlich finden sich Zweifler in den Gemeinden in der Minderzahl - vielleicht aber in der heimlichen Mehrzahl.
Das Problem, das ich allerdings habe, ist, dass wir nicht ebenso wie Thomas Jesus selbst sehen können. Ich frage mich also, was uns Thomas, außer der Erlaubnis zum Zweifel, geben kann. Für einen radikalen Materialisten, wie er sich uns in Thomas darstellt, ist der Verweis auf ein papiernes Zeugnis letztlich zu wenig, um selbst zum überzeugenden Zeugen zu werden.

Von Hehe am .

Mir war der Thomas immer sehr nahe. Ich habe mich mal intensiv mit ihm beschäftigt. Gerade seine Aussage: Mein Herr und mein Gott! finde ich wunderbar, übrigens steht nirgendwo im Evangelium, dass er tatsächlich seine Hände in die Wunde gelegt hat.
Auch durch ihn sind wir ermutigt, unsere Zweifel ernst zu nehmen und nachzufragen. Die Antworten können wir dann alle in der Bibel finden. Aber manche fragen ja erst gar nicht - und tun Jesus ganz einfach ab.

Von Antonie W. am .

Danke für diesen super Beitrag. Ich finde ihn sehr ermutigend. Dieser Beitrag zeigt auf wie Thomas und die anderen Jünger wirklich waren. Danke!

Von G Weller am .

Vielen Dank für die Weitergabe einer neuen Sichtweise für Thomas.
Ermutigend und denkwürdig.

Von miba am .

Sind wir nicht irgendwie alle kleine Thomase? Wie oft haben wir nicht in Situationen an Gott und seinen Wegen mit uns schon gezweifelt?
Danke, dass er immer wieder uns neue Chancen gibt unsere Zweifel zu zerstreuen.


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