Interview mit Classic PETRA Lesezeit: ~ 7 min

PETRA - Eine Legende kehrt zurück

Ihre Fans sind begeistert: Die Pioniere christlicher Rockmusik legen noch einmal in alter Besetzung los. Ein Interview mit Gitarrist Bob Hartman.

Sie haben drei Generationen Christen mit ihrer Musik und ihren Liedtexten geprägt, jetzt sind sie wieder da: PETRA. Nachdem die Band sich 2005 offiziell getrennt hat, wagen sie in der Besetzung der frühen 1980er-Jahre ein Comeback als Classic PETRA. Inklusive Welttour und neuem Album. ERF Online hat Gitarrist Bob Hartman auf dem einzigen Deutschlandkonzert am 01.Mai 2011 in Pohlheim/Gießen gefragt, wie es dazu kam und ob sie für diesen neuen Abschnitt der Bandgeschichte eine besondere Vision haben.

ERF Online: Amy Grant war immer PETRAs große Konkurrentin, was die Charts anging. 2010 hat die Grande Dame der christlichen Popmusik ein neues Album heraus gebracht. Ist das der Grund, warum die Jungs von Petra gesagt haben „Wir müssen auch noch mal ran, um mit ihr Schritt zu halten?“

Bob Hartman: Amy Grant? Wer ist das?! Nein ernsthaft, ich wusste überhaupt nicht, dass sie letztes Jahr ein Album aufgenommen hat (lacht).

ERF Online: Was war dann der Grund dafür, dass Ihr Euch noch einmal als Band zusammen getan und ein Album aufgenommen habt?

Bob Hartman: Wir haben zuerst darüber gesprochen, eine Tour zusammen zu machen. Erst danach haben wir überlegt, einige der alten Songs noch einmal aufzunehmen, damit sie besser klingen. Diese Songs sind für uns und viele Leute etwas Besonderes und wir dachten, dass es schön wäre, sie neu aufzunehmen. Schließlich hat sich die Aufnahmetechnik in den letzten 25 Jahren verändert.

ERF Online: Warum habt Ihr gerade diese Songs ausgesucht?

Bob Hartman: Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Wir haben ja viele Lieder, aus denen wir wählen konnten. Jeder hat eine Favoritenliste gemacht und viele der Songs, die wir für das Album genommen haben, standen bei allen auf der Liste.

Classic PETRA in Pohlheim/Gießen.
o.v.l.n.r: John Lawry, Greg X. Volz, Bob Hartman
u.v.l.n.r.: Mark Kelly, Louie Weaver, Greg X.Volz, Bob Hartman, John Lawry

Bilder: ERF Medien

Sing mir das Gefühl zurück

ERF Online: Auf Eurer Webseite schreibt Ihr, dass Ihr nicht nur neu zusammengekommen seid, um Spaß zu haben. Ihr wollt sowohl Eure Zuhörer als auch die christliche Musikszene dazu herausfordern, zum „brennenden Glauben ihrer Jugend“ zurückzukehren. Habt Ihr das Gefühl, dass die Leute diesen Glauben verloren haben?

Bob Hartman: Wir wissen, dass einige diesen Feuereifer verloren haben, weil sie uns das gesagt haben. Sie sagen uns auch, dass die Erinnerung an das, was ihnen der Glaube an Gott bedeutet hat, als sie zum ersten Mal diese Lieder gehört haben, zurückkommt, wenn sie die Musik wieder hören. Sie fühlen sich dann wieder so wie früher und wollen ihre Beziehung zu Gott wieder vertiefen.

Wir gehen im Leben durch verschiedene Phasen und wenn wir älter werden, gibt es immer mehr Dinge, für die wir Verantwortung übernehmen müssen. Das kann manchmal dazu führen, dass wir den Glauben unserer Jugend vergessen, wo wir die Freiheit hatten, uns mit Gott zu beschäftigen und uns für ihn einzusetzen. Wenn man älter wird, gründet man eine Familie und muss die Raten für das Haus oder das Auto bezahlen und diese ganzen Dinge nehmen einen in Anspruch. Wir hoffen, dass die Leute darüber nachdenken, wie es früher war, wenn sie die Musik wieder hören.

ERF Online: Gott als der „Fels“, das war immer Euer Thema und das ist auch das Thema des Classic Albums. Wenn Ihr auf Euer eigenes Leben zurückschaut – habt Ihr diese Erfahrung wirklich gemacht, dass Gott der Felsen ist, auf den man sich verlassen kann?

Bob Hartman: Oh ja! Dazu braucht man sich nur mal PETRA anzuschauen. Wie oft kommt es denn vor, dass eine Band 25 Jahre nicht zusammen spielt und dann mit einem Album und einer Tour wieder da ist? Gott ist unsere Stärke und er hat diese Wiedervereinigung der Band möglich gemacht.

ERF Online: Glaubt Ihr, dass Gott einen Grund hatte, warum er Euch wieder zusammen gebracht hat?

Bob Hartman: Ja, das tun wir! Wir glauben, dass der Grund diese Menschen sind, die einmal nahe bei Gott waren und vielleicht ein bisschen von ihm weggekommen sind. Wir haben den Eindruck, dass diese Leute am meisten von dem profitieren, was wir aktuell tun. Sicherlich werden noch mehr Leute etwas davon haben, aber diese Leute liegen uns wirklich am Herzen.

Warum Stille rockt

ERF Online: Was kann jemand machen, der sich von Gott entfernt hat und zu ihm zurück möchte?

Bob Hartman: Wenn jemand anerkennt, dass er einmal näher bei Gott war als es jetzt der Fall ist, weiß er meistens auch, was er machen muss, um das zu verändern. Wenn es Dinge in seinem Leben gibt, die Gott daraus verdrängen, dann ist es wichtig, diese Dinge loszuwerden und wieder an den Punkt zu kommen, an dem Gott im Zentrum steht. Wenn die Person das tut, ergibt sich alles andere meistens von alleine.

ERF Online: Was tut Ihr selbst, um nahe bei Gott zu bleiben?

Bob Hartman: Eines der schwersten Dinge ist, vor Gott still zu sein. Wir tendieren dazu, alle Lücken selbst auszufüllen. Aber Gott spricht durch den Heiligen Geist zu uns, wenn wir an einen Punkt kommen, wo wir ruhig werden, zuhören und unsere eigenen Ideen rausgeschmissen haben. Wenn wir das tun, ist es oft überraschend, was Gott zu uns spricht. Das ist das, was jeder einzelne von der Band tun möchte.

Die Leute fragen uns oft, wie wir nahe an Gott dran bleiben, wenn wir als Gruppe unterwegs sind. Da ist es nicht so schwer. Wir beten vor jedem Konzert und denken darüber nach, was im geistlichen Bereich im Publikum passieren wird. Da sind wir von einer Atmosphäre umgeben, in der man viel an Gott denkt und in der der geistliche Dienst eine Rolle spielt.

ERF Online: Einer Eurer größten Erfolge war das erste PETRA Praise Album. Wenn Ihr denjenigen, die heute in Kirchen und Gemeinden den Lobpreis leiten, einen Impuls geben könntet, wie würde er lauten?

Bob Hartman: Vielleicht ist diese Antwort überraschend, aber ich würde sagen: Vergesst die alten Lieder nicht! Ich meine damit die alten Kirchenlieder.  Lieder, die vor Hunderten von Jahren aus dem Glauben heraus entstanden sind. Auch wenn sie alt erscheinen, gibt es vielleicht eine neue Art und Weise, wie man sie interpretieren kann. Auf alle Fälle sollte man sie im Liedgut behalten.

ERF Online: Warum? Schließlich sind die Texte für uns manchmal wirklich schwierig zu verstehen und wir drücken unseren Glauben heute anders aus.

Bob Hartman: Das tun wir, aber wir sollten auch versuchen zu verstehen, warum die Menschen früher ihren Glauben so ausgedrückt haben und was sie damit gemeint haben. Hinter vielen dieser Choräle stehen Geschichten: Wann und warum wurden sie geschrieben und was hat der Autor erlebt, kurz bevor er das Lied geschrieben hat? Wenn wir darüber ein wenig Bescheid wissen, dann begreifen wir, dass sich der Glaube an Jesus Christus über die Zeit nicht verändert. Das ist ein Erbe, das wir nicht verlieren sollten, indem wir nur moderne Lobpreismusik spielen.

Bob Hartman im Gespräch mit ERF Online Redakteurin Hanna Willhelm.
Bilder: H. F. Wilhelm

John Schlitt und Greg X. Volz – zwei alte Vögel mit klasse Stimmen

ERF Online: Wird PETRA nach “Back to the rock” noch weitere Alben aufnehmen?

Bob Hartman: Das hoffen wir ganz stark!

ERF Online: Wird John Schlitt dabei auch wieder eine Rolle spielen?

Bob Hartman: Das ist eine Sache, die Gott noch nicht wieder zusammengebracht hat – aber wer weiß, was er noch tun wird? Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt davon überzeugt, dass die Truppe so, wie sie jetzt ist, aus gutem Grund wieder zusammen gekommen ist.

ERF Online: Aber John Schlitt weiß, dass Ihr auf Tour seid und ist auch damit einverstanden?

Bob Hartman: Ja, das weiß er. John ist einer meiner engsten Freunde und wir haben auch viele Jahre zusammen für Gott gearbeitet. John ist in den letzten Jahren auch alleine getourt. Bei der Sache, die jetzt läuft, haben wir das Gefühl, dass Gott sie so zustande gebracht hat, wie sie jetzt ist.

ERF Online: Warum habt Ihr Euch denn für Greg X. Volz als Lead-Sänger für die Tour entschieden? Es ist immerhin 25 Jahre her, dass PETRA in dieser Besetzung gespielt hat.

Bob Hartman: Es war Greg, der mich wegen dieser ganzen Sache angerufen und gefragt hat, ob wir noch einmal als PETRA zusammen auf Tour gehen. Ich war zuerst etwas vorsichtig, um zu sehen, ob das wirklich von Gott kommt. Aber je mehr Zeit verging und je mehr wir gesehen haben, wie eines zum anderen gepasst hat, desto klarer wurde uns, dass wir das machen sollten.

Ein Vorteil ist, dass es viele gibt, die Greg nie mit der Band gehört haben. Diese Leute sagen uns, dass sie so glücklich sind, dass sie endlich Greg zusammen mit PETRA hören können. Wir waren viele, viele Jahre mit John unterwegs, aber viele kannten auch noch die älteren Lieder mit Greg, haben ihn aber nie live gehört. Ich denke, es kommt selten vor, dass jemand so alt wird wie John oder Greg und immer noch so gut singt. Beide haben bemerkenswerte Stimmen für ihr Alter. Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir immer noch als Band auftreten können und wir hoffen, dass wir es gut machen. Wir haben ein gutes Gefühl dabei. Wir sind so dankbar, dass wir das noch können, weil es uns einfach auch Spaß macht!

ERF Online: Vielen Dank für das Gespräch!


Classic PETRA
Back To The Rock
EAN: 0830610934262

Preis: 18,99 EUR

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Hörbeispiele bei Gerth Medien


Zur Webseite von ClassicPetra.com

Mini-Interview mit Greg X. Volz zum Thema Glaubenskrise und Stille Zeit

Fan-Stimmen zum Deutschlandkonzert (Interview mit ERF Pop)


Kommentare

Von Thilo M. am .

Hallo,
wir haben das Petra-Konzert am 07.05. in Amsterdam verfolgt. Die Vitalität und Virtuosität jedes einzelnen Band-Mitglied hat uns stark beeindruckt. Greg X. Volz bestach durch seine Stimme und seine Ausstrahlung. Ich bin sehr glücklich, dass sich Classic Petra aufgemacht hat, Rock mit sehr guten Texten wieder live auf Tour rüberzubringen. Auf die weitere Projekte von der US-Band bin ich gespannt.
Danke für euer Interview mit Bob Hartman.
Freundliche Grüße,
Thilo


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