Interview mit Ines Emptmeyer

Im Chat über Jesus sprechen

Ines Emptmeyer hat viele Nachmittage im Chat verbracht und dort über Jesus geredet. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Ines Emptmeyer, 33, ist Pädagogische Mitarbeiterin bei "Zuhause für Kinder" in Bremen. Früher war sie privat auch als Internet-Missionarin tätig und hat mit Menschen im Chat über den Glauben gesprochen. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen und gibt Tipps.

ERF Online: Ines, was genau hast du als „Internet-Missionarin“ gemacht?

Ines Emptmeyer: Ich habe das Internet vor ungefähr 11 Jahren entdeckt. Das war auch in der Zeit, als der Chat aufkam. Und da hab ich zusammen mit einem Freund, der sich im Internet besser auskannte als ich, angefangen, Menschen im Chat anzuschreiben und sie mit Fragen zu bombardieren. Wir stellten Fragen wie: Hast du schon mal an Gott gedacht? Was ist der Sinn deines Lebens? Woran glaubst du? Ehrlich gesagt: Manche platte Frage würde ich heute so nicht mehr sagen. Aber wir saßen dann da, der Freund hat getippt und ich hab ihm gesagt, was er schreiben soll. So waren wir mit ganz vielen Leuten ganz, ganz viele Nachmittage im Gespräch gewesen.



 

 


Ines Emptmeyer (Foto: privat)

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Menschen per Chat nach dem Glauben zu fragen?

Ich war inspiriert davon, dass ein Fenster aufgeht und ich sofort Kontakt zu anderen Menschen hatte. Ich hab mir dann vorgestellt, was das für Leute sein könnten. Und mir fiel auf, dass gerade in sehr „einsamen“ Zeiten viele Leute online waren. Ich konnte es mir nur so erklären, dass viele davon einsame Menschen sind, die wenige Freunde haben. Oder Leute, die nachts da sind, haben vielleicht Sorgen und können nicht schlafen. So begann es, dass wir die Leute einfach angeschrieben haben und wir auch viele seelsorgerliche Gespräche hatten.

 

Gibt es Vorteile von Internet-Mission – Dinge, die vielleicht einfacher sind, als im direkten Gespräch?

Ich glaube, dass Glaube ein sehr persönliches Thema ist. Viele können auch öffentlich ohne Probleme darüber reden. Aber ich weiß, dass anderen Menschen das einfach zu persönlich ist. Und gerade der Chat bietet gute Möglichkeiten, da recht anonym auch persönliche Dinge anzustoßen, sich zu öffnen und so einfacher als face-to-face aus dem eigenen Leben zu erzählen.

Was gibt es an Nachteilen oder sogar an Gefahren bei der Internet-Mission?

Die Hemmschwelle, was man sagt, ist im Chat niedriger. Man kann schnell Dinge an den Kopf knallen. Ich erinnere mich, dass ich in meiner euphorischen Phase, als ich noch jünger war, manchmal nicht verstehen konnte, wie jemand sich keine Gedanken über das machen will, was ich ihn frage. Außerdem versuche ich mich im Chat ja immer sehr kurz zu halten. Da wird man sehr schnell plakativ. Und ich musste mir auch immer wieder Bewusst machen, dass am anderen Ende immer ein Mensch sitzt und kein Computer. Da sitz ein Mensch, der eine Seele hat, der Gefühle hat, der eine Vergangenheit hat und sich vielleicht noch nie über den Glauben Gedanken gemacht hat.   

Wie bist du denn mit der Anonymität im Chat umgegangen? Schließlich weißt du nie, wer am anderen Ende sitzt und ob das überhaupt stimmt, was diese Person mir gerade erzählt.

Was das anbelangt, bin ich inzwischen sehr skeptisch. Am Anfang war ich da sehr naiv und bin dann schon öfters auf die Nase gefallen. Zum Beispiel wenn ich meine Telefonnummer rausgegeben habe und dann sehr komische Anrufe bekam. Ich muss sagen, da wurde meine Naivität böse ausgenutzt und ich war sehr erschrocken. Heute gebe ich absolut keine Telefonnummern oder persönliche Daten mehr raus, nenne keine Namen mehr. Manchmal nenne ich vielleicht eine Organisation, aber selbst da muss man sehr vorsichtig sein. Genauso wie bei allem, was ich im Internet verbreite. Datenmissbrauch sollte jeder sehr ernst nehmen.

Das ist also nicht ohne. Wenn jemand selbst gerne Internet-Mission macht oder machen möchte. Würdest du dann eher abraten?

Nein, auf keinen Fall. Ich glaube, dass Jesus jede Möglichkeit dieser Welt gebrauchen kann. Deshalb finde ich es sehr wichtig, dass alle Medien auch genutzt werden, um den Glauben ins Gespräch zu bringen. Und wenn ich dann über die Medien offene Fragen stelle, kann ich die Menschen auch nur Gott anvertrauen, dass er den Prozess weiterführt. Ich würde die Internet-Mission also auf jeden Fall weiterempfehlen. Und was die Daten anbelangt: Das kann ich ja alles selbst steuern und ich muss nichts preisgeben.

Wie sieht es bei dir selbst mit Internet-Mission heute aus?

Mir fehlt leider gerade die Zeit dazu. Ich nutze schon jede Möglichkeit, die sich bietet. Aber gerade bieten sich eher andere Dinge an, von Jesus zu erzählen. Wenn ich beispielsweise mit dem Auto unterwegs bin, nehme ich Leute über die Mitfahrgelegenheit mit und wir haben ein Gespräch im Auto. Oder ich sitze in einem Restaurant und rede dort mit Menschen über den Glauben. Aber manchmal kommt es auch im Internet immer noch vor, wenn ich zum Beispiel bei facebook oder in Foren bin. Dann stelle ich schon öfters mal Fragen. Und Leute reagieren darauf und fragen mich, wieso ich auf so etwas kommen würde. Und dann kommt da einfach ein Gespräch zustande. Aber ich nehme es mir nicht mehr vor, es ist kein Programmpunkt mehr in meinem Leben. So, wie ich es früher gemacht habe, dass ich ganze Nachmittage Chat-Mission betrieben habe, ist es nicht mehr.   

Wenn jetzt jemand Internet-Mission machen möchte. Erzähle mal aus deiner Erfahrung: Was muss diese Person mitbringen?

Die Person sollte in der Lage sein, sich in eine andere Person hineinversetzten zu können. Weiterhin sollte natürlich alles aus eigener Motivation kommen und keine Gesetzlichkeit sein. Es muss wirklich einem selbst auf dem Herzen brennen. Und über die Wortwahl sollte sich jeder vorher Gedanken machen. Worte wie Hölle und Sünde sind gefährliche Worte, wenn jemand Gott nicht kennt. Ich würde auch immer einladend unterwegs sein, mit vielen Fragen und viel Gefühl für meinen Gegenüber. Denn ein fragender Kommunikationsstil ist viel schöner als ein verurteilender. Also nicht jemand nur zutexten oder drohen, sondern für Gott werben und dabei auch von sich erzählen, den eigenen Erlebnissen mit Gott. Das ist wie im Leben sonst auch.

Vielen Dank an Ines Emptmeyer für das Gespräch.


Kommentare

Von Hans A. am .

Ich finde die Idee, über den Glauben auch im Internet sprechen zu können, sehr wertvoll, da ich in meinem derzeitigen Wohnort die Erfahrung machte, dass Glaubengespräche hier komplett tabu sind. Genau das fehlt mir hier schon über vier Jahrzehnte.
LG von Hans Auer.


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