Christenverfolgung in Nordkorea

Zurück nach Nordkorea

Die 18-jährige Gyeong Ju Son hat es geschafft: Sie ist dem brutalen Regime in Nordkorea entkommen – und will dennoch zurück.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie kommen zum Glauben an Gott und von diesem Tag an geht Ihr Leben den Bach herunter. Sie verlieren alles: Ihren Besitz, Ihre Heimat, Freunde und Familie. Was würden Sie von diesem Gott halten? Die 18-Jährige Gyeong Ju Son hat genau das erlebt. Trotzdem ist sie sich sicher: Dieser Gott ist die Liebe in Person.

Wenn dein Glaube dein Leben auf den Kopf stellt

Von dieser Liebe erzählt die zierliche Nordkoreanerin vor 4000 Männern und Frauen auf dem Dritten Internationalen Kongress für Weltevangelisation in Kapstadt. „Ich schaue auf mein Leben zurück und sehe überall die Liebe Gottes.“ Hat sie da nicht etwas übersehen, fragt man sich bei einem Blick auf ihre Biographie.

Eine unbeschwerte Kindheit - weit gefehlt! Gyeong Ju ist gerade sechs Jahre alt, als das Leben ihrer Familie eine krasse Wendung nimmt. Ihr Vater, ein Assistent des Staatspräsidenten Kim Jong-Il, fällt in Ungnade bei der Regierung. Warum weiß sie bis heute nicht. Die einst privilegierte Familie flieht nach China und findet Unterschlupf bei Verwandten. Und den Weg in eine christliche Gemeinde. Hier lernen Gyeong Jus Eltern den kennen, der ihr Leben von nun an verändern sollte: Jesus Christus.

Ein Schicksalsschlag nach dem anderen

Wenige Monate später folgt der erste Schicksalsschlag. Gyeong Jus Mutter stirbt an Leukämie. Sie war schwanger. Die Liebe Gottes trägt Gyeong Ju und ihren Vater durch diese schwere Zeit und motiviert ihren Vater zu einem theologischen Studium. Das ist auch in China ein gewagtes Unterfangen. Gerade aus Nordkorea geflohene Christen werden gerne wieder in ihre Heimat abgeschoben, wissentlich, was dort auf sie wartet.

So ergeht es 2001 auch Gyeong Jus Vater. Drei Jahre Gefängnis, Misshandlung, Demütigung und Folter liegen vor ihm. „Nachdem mein Vater verhaftet und abgeschoben worden war, saß er drei Jahre im Gefängnis. Nach diesen drei Jahren kam er zurück nach China, um wieder bei mir zu sein. Sein Bein war dauerhaft verletzt, weil er im Gefängnis so oft geschlagen und gefoltert wurde.“, erinnert sich Gyeong Ju. „Außerdem hatte er chronische Kopfschmerzen, weil sie ihn am Kopf geschlagen hatten. Er sagte, der Grund dafür, dass er die Haft überstanden hat, war Gott.“

„Verleugne deinen Glauben und wir lassen dich frei“

Unter Folter gesteht ein Mensch bekannterweise alles, hauptsache die Schmerzen hören auf. Auch Gyeong Jus Vater leidet täglich. Als er die ständigen Demütigungen, die körperliche Qual und die Sehnsucht nach seiner Tochter nicht mehr aushält, tut er es: Er verleugnet seinen Glauben. „Nur deswegen ließen sie ihn frei. Und so kam er wieder nach China zurück.“, erzählt Gyeong Ju zurückblickend. Er wollte für seine Tochter sorgen, wer kann es ihm verdenken. Doch der Gedanke daran, seinen Glauben verleugnet zu haben, lässt ihn nicht mehr los. „Deshalb beschloss er, wieder nach Nordkorea zu gehen – als Missionar.“ Gyeong Ju – zu der Zeit gerade mal 12 Jahre alt – versteht die Welt nicht mehr.

Ihr Vater wendet sich an ein befreundetes chinesisches Pastorenehepaar, das sich bereit erklärt, Gyeong Ju zu adoptieren. So konnte er sicher sein, dass seine Tochter in guten Händen ist, wenn er wieder nach Nordkorea geht. Gyeong Ju fühlt sich völlig im Stich gelassen. Erst später versteht sie, dass er die Adoption nur aus Liebe zu ihr veranlasste. „Inzwischen verstehe ich die Liebe Gottes und warum mein Vater das getan hat. Heute glaube ich, dass es die beste Entscheidung war, die er treffen konnte.“, berichet Gyeong Ju. Seitdem hat sie nichts mehr von ihrem Vater gehört. Gerüchten zufolge ist er in Nordkorea mit Bibeln und christlichen Kassetten erwischt und öffentlich hingerichtet worden. Sicher weiß sie es nicht.

Wenn Jesus dir im Traum begegnet

Die Heimat, Mutter und Vater verloren: Kann es noch schlimmer kommen? Es kann. Denn die Pastorenfamilie wandert in die USA aus. Deshalb nimmt Gyeong Ju sich vor, zu ihrem Onkel nach Südkorea zu reisen, doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Sie sitzt auf dem Gelände der südkoreanischen Botschaft in Peking fest – anderthalb Jahre.

Diesen Tiefpunkt nutzt Gott, um auch das letzte Familienmitglied auf sich aufmerksam zu machen: Gyeong Ju selbst. „Ich war damals kein Christ, also wusste ich nicht, wer Jesus ist.“, erzählt sie. Da begegnet ihr Jesus auf außergewöhnliche Weise. „Ich sah Jesus in einem Traum. Er hatte Tränen in seinen Augen. Er kam auf mich zu und sagte: ‚Gyeong Ju, wie lange willst du mich noch warten lassen? Folge mir nach. Ja, du hast deinen irdischen Vater verloren. Aber ich bin dein himmlischer Vater und das, was dir geschehen ist, war, weil ich dich liebe.‘ Als ich von diesem Traum aufwachte, betete ich zum ersten Mal zu Gott.“

Seit diesem Tag brennt Gyeong Jus Herz für Gott. Heute lebt sie bei ihrem Onkel in Südkorea und geht dort zur Schule. Und sie hat große Pläne: Sie möchte Politikwissenschaften studieren und sich für die Rechte der Menschen in Nordkorea einsetzen. Sie ist eine Kämpfernatur, das merkt man schnell. Hautnah erlebte sie, zu was Nordkoreas Regime fähig ist und dennoch hat sie nur den einen Wunsch, zurück in ihre Heimat nach Nordkorea zu gehen. „Ich muss! Nicht nur, weil ich Nordkoreanerin bin. Ich glaube, da geht es um mehr als um die Herkunft. Es geht um Gottes Berufung. Weil ich ihm gehorsam sein will, muss ich gehen, wenn es so weit ist.“, sagt Gyeong Ju ruhig. „Ich möchte die Liebe Gottes nach Nordkorea bringen.“


Auf CrossChannel.de finden Sie sowohl ein Interview mit Gyeong Ju, als auch ihre Rede auf dem Dritten Internationalen Kongress in Kapstadt. Mehr über den Kongress erfahren Sie auf www.lausanne.org.


Kommentare

Von röschen am .

Mir ist schon seit langem bekannt, dass Nordkoreas Christen unter einem grausamen Machthabezu leiden haben.
Unbeschreiblich schreckliche Folter werden in den Lagern, wo Christen und Regimgegner gefangen sind, praktiziert.
Dieser Artikel zeigt, wie wichtig es ist, für diese Menschen - vor allem für die Christen dort, zu beten. -- HERRLICH, so wird auch in diesem Bericht geschildert, dass Jesus sich einschaltet.
Er liebt seine Menschen - er wirbt um jeden. DANKE FÜT DEN BERICHT -- RÖSCHEN


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