Advent und Weihnachten mit Kindern Lesezeit: ~ 7 min

Mit Kindern Weihnachten feiern

Bei Kerzen und Plätzchen fangen Kinderaugen an zu leuchten. S.Böhmann verrät, wie Eltern die Weihnachtszeit darüber hinaus schön gestalten können.

Nicht nur Kinder lieben die Advents- und Weihnachtszeit, auch für Erwachsene ist sie etwas Besonderes. Für Eltern bieten die vier Wochen vor dem großen Fest außerdem die Chance, ihren Kindern Geborgenheit und ein gesundes Vertrauen in Gottes Liebe zu vermitteln. Im Gespräch mit ERF Online erklärt Autorin Stefanie Böhmann, wie das auch mit geringen Mitteln und einem überschaubaren Zeitaufwand möglich ist.

ERF Online: Frau Böhmann, haben sich Ihre Kinder auf die diesjährige Advents- und Weihnachtszeit gefreut?

Stefanie Böhmann: Ja und wie. Sie haben schon drei Wochen vorher angefangen zu fragen, wann endlich Advent ist und die Krippe aus dem Keller geholt wird. Das ist auf jeden Fall eine ganz wichtige Zeit für sie.

Stefanie Böhmann ist Grund- und Hauptschullehrerin und freie Redakteurin. Außerdem managt sie ihre Familie mit drei Kindern.
Bild: Privat

ERF Online: Gestalten Sie diese Zeit denn besonders für und mit den Kindern?

Der erste Punkt, der die Weihnachtszeit einläutet, ist das gemeinsamen Plätzchenbacken. Ganz wichtig ist aber auch, dass wir die Weihnachtssachen aus dem Keller holen. Wir haben die Regel, dass wir die Krippe aufbauen, das Jesuskind allerdings erst an Weihnachten hinein gelegt wird. Es fasziniert mich immer wieder, wie sehr die Kinder sich freuen, wenn diese Krippe aufgebaut wird und sie damit spielen können. Sie fragen, ob sie die Figuren aus der Krippe heraus nehmen können und dann wandern sie durch die Wohnung, bis sie wieder bei der Krippe sind. Sie sind total vertieft in ihr Spiel.

ERF Online: Haben Sie darüber hinaus noch Bräuche und Rituale, die Sie in der Weihnachtszeit mit der Familie jedes Jahr wieder machen?

Wir versuchen uns jeden Tag Zeit zu nehmen, um eine Geschichte zu lesen, die Kerzen anzuzünden und zu singen. Dieses Jahr können wir das erste Mal miteinander musizieren. Das ist auch sehr schön. Im letzten Jahr haben wir mein Buch „Die Reise zum Weihnachtsfest“ gelesen. Weil ich die Befürchtung hatte, dass sie das nicht mehr hören können, lesen wir in dieser Adventszeit täglich eine Geschichte aus „Der Schlunz und das Rätsel im Weihnachtskeks“.

ERF Online: Es ist ja nicht so, dass Kinder außerhalb des Elternhauses nichts von Weihnachten mitbekommen. Wenn eine Familie regelmäßig zum Gottesdienst geht, sind die Kinder meistens außerdem in einem Krippenspiel oder einem anderen Weihnachtsprojekt eingebunden. Braucht es da für die Kinder überhaupt noch familieneigene Traditionen und Rituale zu Weihnachten?

Auf jeden Fall. Rituale und Traditionen geben den Kindern Ordnung in ihrem Tagesablauf. Sie haben eine Sehnsucht nach Geborgenheit und nach einer Struktur im Alltag. So sehe ich das auch in dieser Vorbereitungszeit vor Weihnachten. Der Kindergottesdienst findet ja nur einmal in der Woche statt. In der Familie wissen sie, dass wir uns ganz bewusst jeden Tag Zeit nehmen, um uns auf die Ankunft von Jesus vorzubereiten. Für unsere Kinder zumindest ist es wichtig, dass das jeden Tag passiert.

ERF Online: Welche Bedeutung hat eine bewusst gestaltete Adventszeit denn im Idealfall für Kinder und ihre Entwicklung?

Ich denke, sie finden einen ganz anderen Zugang zu Gott. Gott ist Mensch geworden, weil er uns liebt. Es ist mir wichtig, dass die Kinder diese Liebe Gottes schon früh erfahren, damit sie ein Grundvertrauen zu Gott bekommen. Sie fangen an zu begreifen, da ist ein Gott, der mich so liebt wie ich bin und der keine Mühen scheut, um mir das auch zu zeigen, indem er seinen Sohn geschickt hat. Er ist genauso Mensch geworden, wie wir auch Menschen sind. Ich finde es auch wichtig, einen Kontrapunkt zur Vermarktung vom Weihnachtsmann und dergleichen zu setzen. Die Kinder merken so: An Weihnachten feiern wir bewusst den Geburtstag von Jesus.

Staunen über Jesus im Bauch

ERF Online: Ihr jüngstes Kind ist drei Jahre alt. Versteht es das in diesem Alter überhaupt?

Die Kinder nehmen sich das mit, was sie aufnehmen können. Das gilt auch im Blick auf die Passionsgeschichte. Viele sagen, dass sie das ihrem Kind nicht zumuten wollen, wenn es noch klein ist. Aber ich denke, die Kinder sehen das aus einem ganz anderen Blickwinkel als wir Erwachsene. Sie nehmen sich das heraus, was sie verarbeiten können. Wenn sie Fragen haben, fragen sie nach, und ich kann versuchen, es kindgemäß zu erklären. Wenn sie genug haben, dann schalten sie von alleine ab.

ERF Online: Haben Sie das bei ihren Kindern einmal beobachtet, wie sie aus der Weihnachtsgeschichte etwas für sich herausgenommen haben?

In der Weihnachtsgeschichte geschieht das zum Beispiel bei der Schwangerschaft von Maria. Es ist auch für einen Dreijährigen schon total spannend, dass so ein Bauch dicker wird. Dann sehen sie im Kindergarten auch mehrere Mamas mit dickem Bauch und fragen: War Jesus genauso in einem Bauch drin? Oder sie fragen immer wieder, wieso es an Weihnachten für alle Geschenke gibt, wo wir doch den Geburtstag von Jesus feiern. Die Kinder nehmen in jedem Fall etwas auf und sei es nur die Stimmung: Die Gemeinschaft zuhause oder die Lichter. Das ist ja auch schon ein Eindruck, der einem Kind Geborgenheit geben kann.

ERF Online: Wie sollte der Wechsel zwischen gleichbleibenden und neuen Elementen sein, wenn man die Weihnachtszeit Jahr für Jahr gestaltet?

Das Zentrale sollte immer der Geburtstag von Jesus sein. Auf den leben wir hin. Wenn ich die Geschichten aussuche, die wir jeweils lesen, ist es mir wichtig, dass das im Mittelpunkt steht. Was gleich bleibt, ist der Rahmen, in dem wir die unterschiedlichen Geschichten lesen. So lese ich die Geschichte den Kindern normalerweise nachmittags vor. Diesen Rahmen brauchen die Kinder aber auch, um sich auf das Neue konzentrieren zu können.

ERF Online: Kommt es vor, dass die Kinder keine Lust auf das Vorlesen haben oder nur widerwillig an den gemeinsamen Aktionen teilnehmen?

Eigentlich nicht. Sie nutzen diese Zeit gerne. Es kann natürlich sein, dass sie eine andere Verabredung oder einen Termin haben. Dann verschieben wir das Lesen oder es fällt auch einmal aus. Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht. Wenn ein Kind einmal keine Lust hat, dann kann es im Zimmer spielen, aber ich lese dann trotzdem mit den anderen. Es ist mir wichtig, dass die Kinder keinen Zwang erleben, gerade wenn es um biblische Geschichten geht.

Fünf Minuten reichen aus

ERF Online: Sie haben gesagt, dass sie diese gemeinsame Zeit nachmittags haben. Dann vermute ich, dass Ihr Mann nicht dabei ist.

Nein, er ist nur am Wochenende dabei.

ERF Online: Finden Sie das schade?

Natürlich würde ich mir das anders wünschen. Das Problem ist, dass mein Mann sehr viel unterwegs ist. Er kommt abends nicht vor 20 Uhr nach Hause und dann liegen die Kinder im Bett. Wir machen es morgens so, dass wir mit den Kindern eine gemeinsame Stille Zeit am Frühstückstisch machen. Wir haben ein Andachtsbuch für Kinder und da ist natürlich auch Weihnachten das Thema. Außerdem steht die Weihnachtspyramide auf dem Tisch. Da bekommt mein Mann ein bisschen etwas mit und die Kinder haben auch etwas von ihm.

ERF Online: Ich stelle es mir generell nicht einfach vor, sich in der Weihnachtszeit jeden Nachmittag hinzusetzen, um etwas zu vorzulesen. Wie machen Sie das?

Ein bisschen Flexibilität muss dabei sein. Man kann die Geschichte, wie gesagt, auch morgens oder abends lesen. Ich finde es nur wichtig, dass man irgendwann fünf Minuten dafür findet und eine Kerze dazu anzündet. Es geht um dieses kurze, bewusste Innehalten, was sonst häufig im Alltag verlorengeht.

Manchmal spielen wir nachmittags auch ein Gesellschaftsspiel. Das gelingt mir aber auch nicht so häufig. Ich versuche es und wenn es sich anbietet, dann finde ich es schön und wir genießen das zusammen. Generell finde ich es schön, wenn man sich vornimmt, die Adventszeit nicht so voll zu stopfen. Ich versuche auch, die Geschenke möglichst noch im November zu besorgen. Das entspannt. Bei uns in der Familie haben wir außerdem gesagt, dass sich die Erwachsenen nichts schenken. Das ist super. Ansonsten zerbricht man sich nur den Kopf und wir haben auch schon so viele Dinge. Wir denken uns dann jeweils am Geburtstag etwas Nettes aus.

ERF Online: Manche Eltern möchten in diesem Jahr vielleicht das erste Mal ausprobieren, in der Adventszeit gemeinsam mit den Kindern Weihnachtslieder zu singen oder eine Fortsetzungsgeschichte zu lesen. Haben Sie einen Tipp, wie man solche Weihnachtsbräuche am besten einführt?

Es ist wichtig, dass man sich selbst die Geschichte vorher durchgelesen hat und sich auf mögliche Fragen der Kinder vorbereitet oder sich selbst fragt: Wie stehe ich zu dem Inhalt. Ich mache jedem Mut, sich darüber Gedanken zu machen, an was er sich aus seiner Kinderzeit erinnert und was er davon übernehmen möchte. Wenn eine Familie neu gegründet wird, kann sich ein Ehepaar überlegen, was es seinen Kindern in der Adventszeit vermitteln möchte. Manchen ist es viel wichtiger, dass die Kinder mit glitzernden Augen vor dem Weihnachtsbaum stehen, weil sie sich so auf die Geschenke freuen. Da ist Jesus dann nicht der Mittelpunkt, was ich sehr schade finde. Aber ich möchte niemandem etwas überstülpen. Jeder soll das Fest so feiern, wie er es vertreten kann. Sonst ist es auch nicht überzeugend für die Kinder. Für mich gehört auch noch wesentlich zu Weihnachten, dass sowohl die reichen Könige als auch die armen Hirten zu Jesus gekommen sind. Es braucht also nicht unbedingt viel Geld um Weihnachten zu feiern. Man kann das Fest auch mit einfachen Mitteln gestalten oder sich darauf vorbereiten.

ERF Online: Vielen Dank für das Gespräch!


Weitere Titel von Stefanie Böhmann:

"Eine Reise zum Osterfest, Gestaltungsideen für jeden Tag von Palmsonntag bis Ostermontag" (im ERF Shop bestellen)

"Mama, wo wohnen die Engel? Mit Kindern die Welt des Glaubens entdecken" (im ERF Shop bestellen)


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.