Jahr der Stille

Die Stille braucht mehr Raum im Leben

Kaum hat das Jahr der Stille begonnen, ist es schon wieder vorüber. War da mehr als nur eine gut gemeinte Aktion?

Nicht nur für Gott sind „tausend Jahre wie ein Tag“. Auch manche Menschen haben das Gefühl, als würde der Augenblick an ihnen vorbeiziehen. Scheinbar langsam vergehen die Tage, doch schnell verstreicht Woche für Woche und Monat für Monat. Gerade noch grübelt man über gute Vorsätze für das eine Jahr, muss man sich schon einen Kalender für das nächste anschaffen.

So ähnlich erging es mir, als ich mir Gedanken darüber machte, wie ich mich im Jahr der Stille neu auf die Begegnung mit Gott konzentrieren könnte. Noch während ich mir ab und zu Gedanken darüber machte, flogen die Kalenderblätter nur so um mich. Mit dem ersten Advent ist nun das Jahr der Stille zu Ende und ich frage mich: War dieses Jahr nun von Momenten der Stille begleitet oder von Hektik und Stress?

Eine gute Aktion zur rechten Zeit
Auf die Frage, warum dieses Jahr der Stille gewidmet war, findet man auf der Website zur Aktion in kurzen Sätzen, eine Erklärung. Das Ziel sollte es sein, sich neu auf Stille einzulassen, denn neben der Hektik der heutigen Zeit, braucht der Mensch die Ruhe als Ausgleich. Arbeit und Ruhe ist kein Widerspruch, aber sehr schnell hat mich die Hektik im Griff und es regiert der Stress. Stille ist etwas, was wohl jeder als sinnvoll erachtet, doch im Geheimen laufen die meisten vor ihr weg und versuchen sie zu meiden.

Da kommt dieser Impuls gerade recht. Ein Impuls, um Balance zwischen Arbeit und Ruhe zu finden. Ein Impuls, um sich ganz auf den „Zeitplan Gottes“ einzulassen, den eigenen auszuklammern und somit die Stille in Alltag, Familie und Beruf aufzunehmen. Es geht hierbei nicht darum, etwas zu entbehren, sondern sein Leben zu bereichern. Das schließt eine bewusste Gestaltung der Adventszeit genauso ein wie vergessene Veranstaltungen des Kirchenjahrs über die üblichen Feiertage hinaus. Das kann sowohl in der Gemeinde als auch im Einzelnen geschehen.

Ein Jahr der Unruhe
Schon vor dem Jahr der Stille dachte ich darüber nach, wie ich Gott einen besonderen Platz in meinem Alltag geben könnte. Ich überlegte oft, wie ich zur Ruhe komme, weil ich wusste, dass Gott im „sanften Säuseln“ zu finden ist. So erlebte es auch Elia am Berg Horeb. Gott redet nicht im turbulenten Alltag zu uns. Im Jahr der Stille schien ausgerechnet die Unruhe das große Leitthema zu sein. Und das zog sich durch das öffentliche Geschehen bis in meinen persönlichen Alltag hinein und ließ mich nur schwer zur Ruhe kommen. Vielleicht nahm ich mir nicht genügend Zeit, um meinen Wunsch zu konkretisieren und mehr Zeit mit Gott zu verbringen. Vielleicht blieb mein Jahr frei von besonderen Momenten der Stille, weil ich selbst in meinem Alltag von Unruhe durch Veränderung und Perspektivenwechsel geprägt war.

Wenn ich so zurückblicke, fällt mir auf, dass ich mich kaum informiert habe, was andere Menschen aus diesem Impulsjahr gemacht haben. Der Austausch mit anderen hätte mir vielleicht gute Anregungen für dieses Jahr geben können. Ich bin ebenfalls kein Mensch, der sich hinsetzt und auf Kommando in andächtiger Ruhe versinkt. Rückblickend sind mir mehr turbulente Tage und Wochen in Erinnerung als tiefe Momente der Stille.

Aktion Jahr der Stille beendet
Doch dass dieses Jahr der Stille vorbei ist, heißt zum Glück nicht, dass ich ab jetzt keine Möglichkeit mehr habe, in Zukunft zur Ruhe zu kommen. Nur weil jetzt eine Aktion zu Ende ging, bedeutet das nicht, dass alle Anstrengung vergebens war und ich alle Vorsätze in den Papierkorb werfen kann.

Gerade wenn ich mir in der Vergangenheit etwas zum Ziel setzte, türmte sich vor mir ein Hindernis auf. Im Jahr der Stille schien das nicht anders zu sein. Ich habe mir das eine oder andere vorgenommen, was mir hätte helfen könnte, die Stille und die Begegnung mit Gott neu erleben zu können. Auch hier hatte ich das Gefühl, daran gescheitert zu sein. Doch es ist beruhigend zu wissen, dass ich meine Chance deshalb nicht vertan habe.

Ein Leben der Stille
Wer sagt mir denn, dass mein Vorsatz, mehr Zeit für Gott und für die Stille zu suchen, an ein Jahr gebunden ist? Brauche ich wirklich eine Aktion, um still zu werden? Wer sagt mir denn, dass ich meine Chance vertan habe, in Zukunft die Stille zu suchen? Nicht vergessen: Für Gott sind tausend Jahre, wie ein Tag und umgekehrt. Was ich in einem Jahr nicht erreicht habe, kann deswegen trotzdem einen Platz in Gottes Zeitplan finden.

Bevor ich mich aber über stille Zeiten und ruhige Momente freuen kann, muss ich zuerst lernen, geduldig zu sein. Ich muss lernen, mir bewusst Zeit zu nehmen. Mit dieser Einstellung will ich versuchen nun mein persönliches Jahr der Stille zu gestalten. Ich will mir in Zukunft die Zeit nehmen, die mir im letzten Jahr durch die Lappen ging. Ich ermutige jeden, der sich vielleicht viele Hoffnungen gemacht hat und letztlich enttäuscht wurde, die Aktion für sich persönlich weiterleben zu lassen.

Mir ist von neuem klar geworden, dass es sinnlos ist, sich eine bestimmte Frist zu setzen, wenn es darum geht, Gott begegnen zu wollen. Es geht nicht darum, jetzt still zu sein, sondern jetzt darüber nachzudenken, wie ich wirklich leben möchte und mich jetzt neu auszurichten. Das habe ich gemacht. Jetzt will ich überlegen, wie ich meine kostbare Zeit vernünftig nutzen kann. Die Balance, die einem dieses Jahr schenken sollte, habe ich gefunden. So gesehen war das Jahr der Stille für mich persönlich keine Zeit mit besinnlichen Momenten, aber mit vielen Anregungen, mehr Stille in mein Leben zu bringen.


Kommentare

Von Konrad Bollmann am .

Wenn wir wirklich die Stille suchen, sollten wir jeden neuen Tag im Gebet beginnen. Dann fällt es uns leichter, tagsüber den Kontakt zu GOTT zu halten.
Lassen wir uns von GOTT leiten!
Dann werden wir auch in den kleinen u. größeren Dingen Erfolgserlebnisse haben.
Wir werden Erfahrungen mit GOTT machen. ER ist uns Beistand u. Trost!
Wir dürfen auch mit SEINER Bewahrung rechnen. Rufen wir JESU Namen an u. der Widersacher wird von uns fliehen!
Nichts ist befriedigender als die Gemeinschaft mit GOTT.

Von Maria am .

Hallo Michael,
wie ich dieses Kirchenjahr begonnen habe, wußte ich nicht, daß es ein für mich besonderes Jahr werden würde. Ich konnte nicht mehr beten und fragte eine Kollegin, von der ich wußte, daß sie vor Jahren die Bibelschule besucht hatte, ob sie mir helfen könne. Sie empfahl mir, täglich in der Bibel zu lesen und sie begleitete mich. Ich verstand, daß es wichtig für mich ist und übte mich darin. Aber so richtig (regelmäßig=täglich) klappte es erst, als ich inniglich darum gebetet habe mehr

Von Doris Eberhardt am .

Es gibt beim Magazin "Aufatmen" sehr gute Video-Clips und Beiträge zum Jahr der Stille per Mail und noch auf Anfrage - vielleicht können damit "Jahre der Stille" folgen???? Ich finde es gut, dass wir das Jahr der Stille nicht in eine Zeitbox packen müssen. Das wäre für mich der "Tod im Topf" !!!!


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