Gedanken zum Ewigkeitssonntag Lesezeit: ~ 4 min

Dem Sterben einen Platz im Leben geben

Gedanken über den Tod lassen wir nur flüchtig zu: Bloß nicht daran denken. Ein Beter der Bibel hat einen anderen Weg gefunden, damit umzugehen.

Mein Mann und ich hatten den Urlaub nötig. Der Oktober war für uns ein sehr intensiver und arbeitsreicher Monat gewesen und in den Tagen vor der Abreise hieß es nur noch: „Durchhalten! Ab Montag können wir ausspannen.“ Wir wurden nicht enttäuscht, konnten entspannen und Abstand zum Alltag gewinnen. Der Blick auf die Bucht mit den zwei Inseln im Dunst und die Sonne, die Anfang November noch so warm schien, dass wir einmal sogar auf der Terrasse frühstückten, halfen uns dabei. Das Beste war, dass wir einfach die Zeit miteinander genießen und in den Tag hinein leben konnten, ohne eine Aufgabenliste erledigen zu müssen.

Bei all dem Schönen spürte ich trotzdem immer wieder einen Hauch von Melancholie und Vergänglichkeit. Zum Beispiel dann, wenn mir im grünen Innenhof des Hotels bewusst wurde, dass wir diese kleine Urlaubsperle schon in der zweiten Novemberwoche wieder verlassen würden. Warum gehen die schönen Momente im Leben oft so schnell vorbei oder werden gleich wieder von Katastrophenmeldungen in den Nachrichten überschattet? Ähnlich ging es mir bei dem Besuch des kleinen Friedhofes am Ort. Wir standen dort kurz am landestypisch geschmückten Grab einer Frau, die 1976 geboren worden war und ihren Mann und zwei Kinder hinterließ. Sie war nur drei Jahre älter geworden, als ich es zum jetzigen Zeitpunkt bin. Rein theoretisch war mir in diesem Moment klar, dass eine Krankheit oder ein Unfall auch mein Leben jederzeit beenden können. Und trotzdem schien die Vorstellung völlig unwirklich, dass dann mein Mann und meine Eltern vor einem Grab stehen würden.

Eine klare Sicht auf Leben und Tod

Mein erster Impuls auf diese nachdenklichen Augenblicke war, sie zu verdrängen. Weg damit! Im Urlaub denkt man doch nicht daran, dass alles Schöne ein Ende hat und man eines Tages stirbt. Im nächsten Moment wurde mir aber klar, dass ich damit die Chance verpassen würde, auf das leise Reden Gottes zu hören. Es bestand für mich in einem Bibelvers, der immer wieder in meinen Gedanken auftauchte: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12) Hier wird das Nachdenken über den Tod nicht als etwas Negatives gesehen. Stattdessen möchte der Beter, dass Gott ihm die Vergänglichkeit des Lebens deutlich bewusst macht. Eigentlich ein absurder Gedanke: Sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen, damit man mit der richtigen Perspektive lebt. Auf der anderen Seite ist er aber auch wieder logisch: Wie oft hört man, dass Menschen, die knapp dem Tod entkommen sind, das Leben viel bewusster und intensiver gestalten. Ist das nicht besser als das Leben gedankenlos an sich vorbeirauschen zu lassen und irgendwann festzustellen, dass man nie wirklich über wesentliche Fragen nachgedacht hat?

Ich selbst spürte, dass diese Momente mir den Blick für eine größere und viel weitere Dimension öffneten: Die Ewigkeit. Es war, als ob Gott zu mir sagte: Ihr Menschen seht euer Leben wie jemand, der den Sternenhimmel nur über dem orangenen Dunst einer nie ruhenden Metropole sieht: Verschwommen und begrenzt. Ich will euch zeigen, wie die Sterne, wie das Leben aussieht, wenn man sie in der Wildnis vor einem dunklen, unbegrenzten Horizont sieht: Kristallklar und wunderschön. Dazu müsst ihr aber einen Schritt zurücktreten und euch der Endlichkeit eures Lebens und eurer Möglichkeiten bewusst werden. Ihr müsst die Grenzen der hell erleuchteten Großstadt, den pulsierenden Alltag für eine Weile hinter euch lassen und euch stattdessen auf den dunklen Horizont konzentrieren. Es mag sein, dass ihr dabei über Steine stolpert, die ihr im Licht einer Straßenlaterne umgangen hättet. Aber nur, wenn ihr den Mut habt hinauszugehen, könnt ihr zurückkehren und wissen, dass die Grenze der Stadt nicht gleichzeitig eure Grenze ist. Lasst die großen Fragen nach Leben und Sterben in euch zu, auch wenn sie schmerzen. Dann werdet ihr erahnen, dass es etwas gibt, was über diese Welt hinausreicht. Eine Dimension, die unvergänglich ist. Euer Leben ist aus dieser Perspektive unendlich wertvoll und findet seinen Sinn in der Beziehung zu mir und der Wiederherstellung der Schöpfung.

Im Rückblick auf den Urlaub denke ich, dass es vielleicht diese kurzen Momente waren, die ihn zu mehr gemacht haben, als zu 192 Stunden Entspannung, Ruhe und Gemeinschaft. Das Bewusstsein, dass es mehr gibt, als wir hier auf dieser Erde sehen, gibt mir Geborgenheit. Das will ich mir auch bewusst machen, wenn ich wieder einmal nachdenklich und melancholisch bin, weil ein unbeschwerter Momente schnell verflogen ist, während manche Probleme nie aufzuhören scheinen. Seltsam, welche tiefgreifenden Gedanken ein paar unbeschwerte Tage doch haben können…


Der Toten- oder Ewigkeitssonntag am Ende des Kirchenjahres regt dazu an, über die Endlichkeit unseres Lebens nachzudenken. Der Gedanke dahinter ist nicht, das Leben zu verneinen oder es zu ernst zu nehmen. Vielmehr möchte der Gedenktag im Sinne von Psalm 90 Impulse dafür geben, zu überlegen, welche Bedeutung die sogenannten letzten Dinge wie der Tod, Gottes Richten über diese Erde und das ewige Leben auf unser Leben im Hier und Heute haben.

Bibeltexte und Impulse, um das Thema persönlich weiter zu vertiefen:

Psalm 90
1. Korinther 15
Offenbarung 21
 

Was gibt meinem Leben Perspektive?

Was bedeutet es mir, dass nach christlichem Verständnis das Leben mit dem Tod nicht vorbei ist?

Der Beter aus Psalm 90 hatte den Mut, Gott um eine klare Sicht auf Leben und Sterben zu bitten. Was hindert mich daran, dieses Gebet nachzusprechen? Was könnte ich dadurch gewinnen?


Kommentare

Von Hans-Jürgen Lieber am .

Friedhofsbesuche machen auch mich nachdenklich. Wenn ich die Grabinschriften lese oder die Lebensdaten mit meinen vergleiche. Auf einem alten Friedhof mit vielen Gräbern von Bergarbeitern, ja Grubenunglücken las ich vor kurzem auf einem Grabstein "Wir werden uns wiedersehen. Und unser Herz wird voll Freude sein". Ich fand das unendlich tröstlich. Hier hatte einer das Evangelium eingefangen. Mir haben diese Worte Halt und Trost gespendet, als ich dieses Jahr zwei Freunde auf ihrem letzten Weg mehr

Von Brigitte Schneider am .

Für mich bedeutet der Bibelvers, das irdische Kleid auszuziehen und das himmlische anzuziehen. Meine Herzensbeziehung mit Jesu Hilfe zu Ihm zu pflegen. Am 11.07.2010 habe ich von einer Sekunde auf die andere meinen geliebten Verlobten durch einen Badeunfall hier auf der Erde verloren. Wir hatte 5,5 Monate zum Glücklichsein hier auf der Erde, ich weiß, dass Jesus und mein Schatz immer bei mir sind, so wie Jörg Zink schreibt und ich ihn bei Jesus wiedersehe und dann mit Jesus und meinem Schatz in mehr

Von Falk Hörnke am .

Ein besonderes Buch zum Thema der Hospizbewegung ist dieses Jahr auf dem Büchermarkt erschienen: "Den Tagen mehr Leben geben". Es handelt von einem außergewöhnlichen Hospizkoch und seinen sterbenskranken Gästen.
Der Fernsehjournalistin und Autorin Dörte Schipper ist hier ein bemerkenswert spannendes und überraschendes Buch gelungen über das Sterben – und das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Dem Buch vorausgegangen ist eine Fernsehdokumentation in der ARD, für die die Autorin mit dem mehr

Von Helga B. am .

In Psalm 9o steht, dass wir klug werden wenn wir den Tod bedenken. In Wahrheit ist nichts so unsicher wie unser Leben es gibt keine Garantie, dass ich den Abend erlebe wenn ich am Morgen fröhlich aufgestanden bin. Aber es gibt eine verlässliche Zusage Gottes,dass ich im Leben und im Sterben in seiner liebenden Hand bin. Wir leben in den Tod, aber wir sterben in's ewige Leben. Jeder Tag ist ein unverdientes Geschenk Gottes an uns das wir bewusst und dankbar annehmen dürfen. Ich wünschte,dass viele Menschen klug werden wollen.

Von Rita am .

Ja, lehre mich bedenken, dass wir sterben müssen. Auch dieser Gedanke beschäftigt mich oft und doch verdränge ich das Sterben. Wenn ich dann in der Zeitung lese dass in meinem Jahrgang 1957 schon wieder oder sogar jüngere gestorben ist, werde ich ganz nachdenklich

Von Beate Schanz am .

Wer Jesus hat, der hat das Leben. Nun sind wir auf dem Weg, welcher Jesus heißt. Denn in Johannes 14,6 sagt Jesus: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer dies begriffen hat und "in Christus lebt" der hat das Leben. Oder Johannes 5,24: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Für Wiedergeborene, denen Gottes Geist Zeugnis gibt, mehr

Von Heinrich Pekruhl am .

Heute steh ich vor Dir, das letzte mal,
kann Dich nicht berühren, wie es früher einmal war,
Ich schau Dir noch einmal in Dein Gesicht
und weiß, wo deine Seele nun ist.
Ich denk gern zurück, an unsere Zeit
und wünsche sie käme noch einmal zurück,
doch was ich auch wünsche, was ich heut auch will,
es wird doch so bleiben, es geht nicht, darum geh.
ER hat das Sterben für uns selbst erlebt,
ER kam dann zurück, damit man danach lebt,
Er hat dort am Kreuz, den Tod selbst besiegt,
damit es für uns die mehr


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