Andacht

Gott gehört nicht in den Himmel

Wenn ein Dreijähriger die Geschichte von Jona erklärt, kann es passieren, dass Gebet auf einmal wieder einen anderen Stellenwert bekommt. Gedanken eines Vaters.

Neulich habe ich mit meinem 3-jährigen Sohn mal wieder gemalt. Das heißt, er hat malen lassen. Irgendwie hat er seinen Fähigkeiten noch nicht getraut oder wollte einfach schauen, was der Papa so hinkriegt. „Male Wasser. Male ein Boot. Male einen Mann“. Als dann noch ein großer Fisch dazukommen sollte, kam mir die Gedanke: „Hey, das ist ja die Geschichte von Jona“. Und mein Sohn lächelte sichtlich erleichtert, weil sein Papa doch nicht so ein Langsamchecker war, wie es zunächst den Anschein hatte.

Zu guter Letzt waren wir beide sehr stolz auf uns. Das sah doch wirklich wie die Geschichte von Jona aus. Doch plötzlich fiel mir ein, dass wir etwas Entscheidendes vergessen hatten. „Wir haben Gott vergessen“, erklärte ich meinem Sohn. Um den Malprozess zu beschleunigen, machte ich einen in meinen Augen sehr vernünftigen Vorschlag. „Lass uns Gott hier oben hin malen, an den Himmel“. Mein Sohn schaute skeptisch. Dann meinte er: „Nein, der muss ins Wasser“. „Wieso das denn?“, wandte ich ein, doch mir fing sogleich an zu dämmern, warum mein Sohn Gott ins Wasser stecken wollte. „Meinst du, der muss nah bei Jona sein?“, fragte ich. „Ja. Dann kann der dem raushelfen“.

Ich musste schmunzeln. Er kennt zwar nicht Jesaja 43,2 („Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen.“), doch mein Kleiner hat intuitiv Gottes Charakter viel besser erkannt als ich. Wenn seinen Kindern das Wasser bis zum Hals steht, dann ist Gott dabei. Ganz nah. Er schaut nicht aus sicherer Entfernung zu und ist unbeteiligt. Er ist mittendrin. Und er hilft. Warum hatte ich das nicht gleich im Blick? Warum wollte ich Gott in den Himmel verbannen? Vielleicht, weil ich schon länger Christ bin und schon erfahren habe, dass manche Gebete anscheinend unbeantwortet bleiben.

Natürlich gehört es zu einem reifen Glauben dazu, auch mit diesen Erfahrungen leben zu lernen und zu erkennen: Gott ist trotzdem da. Auch, wenn er anscheinend schweigt. Doch aus einem reifen Glauben kann auch langsam ein abgeklärter Glaube werden, nach dem Motto: „Klar erhört Gott alle Gebete, aber nicht so, wie wir es uns vorstellen.“ Oder: „Natürlich kann Gott Wunder wirken, aber er ist souverän und wenn er es nicht tut, dann hat er einen guten Plan“. Und so richtig auch all diese Erklärungen sind, wenn dabei das kindliche, unbekümmerte Vertrauen auf der Strecke bleibt, dann helfen sie nicht wirklich. Und gehen vorbei an dem, was Jesus uns gelehrt hat: das bedingungslose, kindliche Vertrauen zum Vater. Der es gut meint. Und dem wir immer und immer wieder unsere Bitten bringen können.

Ich möchte zuallererst glauben, dass Gott mich hört, erhört und hilft. Und nicht schon im Hinterkopf haben, dass Gott im Himmel ist und ich auf der Erde bin und er das alles sowieso ganz anders sieht und er mir dann hilft, wenn es an der Zeit ist. Nein, ich will neu und immer wieder glauben, dass er seinen Kindern hilft, wenn ihnen das Wasser bis zu Hals steht. Vielleicht schickt er nicht jedes Mal einen Fisch. Aber mindestens einen Menschen, der mir hilft, neu Gott zu vertrauen. Und wenn es ein 3-jähriges Kind ist, dass mit dem Herzen versteht, was bei mir über die Jahre hinweg verschüttet gegangen ist.
 


Kommentare

Von Rahel am .

Es heißt ja: Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder...
Die Kinder denken oft logischer, als wir. Gott ist dort, wo man in Not ist, dort, wo man ihn braucht. Es heißt ja auch: Ich bin BEI euch alle Tage... Also immer und überall, da, wo wir sind. Für dieses Kind, völlig klar! Schön!!
Gottes Segen für dieses Kind!

Von Margott Domke am .

Ja, so unkompliziert wie Der kleine Dreijährige, und so voller Vertrauen, das ist uns schon verlorengegangen vor lauter Frömmigkeit. Danke, für dieses Erlebnis. Es macht nachdenklich und zugleich ermutigt es, es dem Kleinen Süßen nachzumachens so kindlich mit dem Himml. Vater in allen Situationen zu rechenen.
Liebe Grüße, M. Domke

Von Konrad Bollmann am .

Seit Weihnachten 2008 versuche ich, vom Rauchen loszukommen. Das war ein stürmischer Wellengang.
Schließlich hatte ich schon aufgegeben. Bis ich meinem Cousin einen Brief schrieb mit dem Versprechen, aufzuhören, wenn er für mich beten würde. Nicht nur er betet für mich, das weiß ich! Das war der "Punkt", sofort aufzuhören! Es vergingen 57 Tage ohne Hoffnung,
loszukommen. Bei GOTT sind alle Dinge möglich! Ich wünsche mir jetzt, dass ich mein Versprechen halten kann!
Die Zeit ohne Zigarette, mehr

Von Tobias am .

Eine wahrlich gute Geschichte, die mich zu tiefst rührt. Ich werde sie auch weitergeben. Gott ist nicht wie in manch Religion der "Big Brother`s watching you", der kopfschüttelnd von oben zu sieht. Nein, mit Jesus haben wir den besten und schnellsten Helfer mitten unter uns. Einzige Bedingung ist nicht die 112 sondern die Hotline zu wählen. Danke!

Von monika wecker am .

danke für die schöne, gute Geschichte. Solche Glaubenserfahrungen hatte ich häufig mit meinen Schülern, die ich, jetzt im Ruhestand, vermisse.

Von Renate am .

Danke für diese anschauliche Predigt! Auch mir (Mutter von 5 erwachsenen und inzwischen Oma eines einjährigen Enkels) ist im Laufe der Jahre die Erkenntnis immer wichtiger geworden, dass wir "wie die Kinder" werden müssen!

Von andreasm am .

hallo michael,
eine richtig schöne geschichte! und vielen dank, dass du sie aufgeschrieben hast.
genau das ist es, was wir "großen" auch immer wieder brauchen: nicht nur das (theoretische) wissen, dass gott allmächtig im himmel thront und alles sieht und weiß, sondern dass er mit uns im wasser (oder wo auch immer ist).
nochmals danke und drück mal deinen sohn herzlich,
andreasm


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