Interview mit Andrea Adams-Frey und Albert Frey

"Man muss das Idealbild aktiv zerstören"

Andrea Adams-Frey und Albert Frey über Ehrlichkeit, das Geheimrezept einer glücklichen Ehe und ihr peinlichstes Erlebnis auf der Bühne.

ERF.de: Frau Adams-Frey, besonders die ersten beiden Lieder Ihrer CD („Lebendig“ und „Leben“) sprechen von Lebenslust und der Freude daran, Neues zu entdecken. Wer oder was gibt Ihnen diese Freude am Leben?

Andrea Adams-Frey: Die Lieder sprechen von Freude, aber sie sind das Ergebnis eines Weges, der durch einige Tiefen hindurchging. Gerade das zweite Lied „Leben" handelt von einem Kampf um das Leben. In einer schwierigen Zeit meines Lebens musste ich mich immer wieder entscheiden weiterzuleben, obwohl ich es gar nicht richtig wollte. Mittlerweile ist daraus eine wirkliche Freude und ein wirkliches Lebendigsein geworden. Deshalb möchte ich mit meinen Liedern andere ermutigen, sich so unperfekt wie sie sind, in die Liebe und Gnade Gottes zu stellen und Dinge anzupacken, auch wenn man dabei Fehler macht.

ERF.de: Herr Frey, Ihr Lied „Sonne steh still“ fasst in Worte, wie es vielen Menschen ergeht. Die Zeit rennt so schnell dahin, dass man das Gefühl hat, gar nicht richtig zu leben. Wie schaffen Sie es, trotzdem zufrieden zu sein?

Albert Frey: Wenn ich Lieder wie dieses singe, dann tue ich das nicht als jemand, der das Problem schon gelöst hat, sondern als ein Betroffener. Mir geht es oft so, dass ich denke: „Hätte der Tag nur 25 Stunden oder die Woche einen Tag mehr". Auf der anderen Seite spüre ich, dass die Zufriedenheit, das Glück und die Erfüllung nicht darin liegen, immer mehr zu erreichen. Ich muss auch mal etwas absagen, wenn es einfach zu viel wird, auch wenn es Verzicht bedeutet. Für mich ist es selbst noch ein weiter Weg, bis ich diese heitere Gelassenheit erreiche, die ich im Lied als Ziel formuliere.

ERF.de: Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Lieder, was inspiriert Sie?

Andrea Adams-Frey: Das ist sehr unterschiedlich. Ich schreibe zum Beispiel in meinem Tagebuch auf, was mich bewegt. Manchmal kommen mir aber auch Bilder im Gebet, aus denen dann Lieder entstehen.

Albert Frey: Ich bin ein Jäger und Sammler. Schon seit vielen Jahren habe ich an meinem Kalender ein Register für neue Ideen. Das sind Impulse ganz unterschiedlicher Art, aus einem Gebet, einer Predigt, einem Buch oder es ist ein Gedanke, der mich beim Fahrradfahren anfliegt. Mal ist es einfach eine schöne Idee und ein anderes Mal empfinde ich es wie eine Inspiration von Himmel. Das ist dann ein Thema, das mich richtig packt und begeistert.

ERF.de: Sie sind sehr ehrlich und geben in Ihren Liedern viel von Ihren Gefühlen preis. Haben Sie das schon einmal bereut?

Andrea Adams-Frey: Für mich gehört das Ehrlichsein einfach zu meiner Berufung dazu, gerade weil ich es nicht immer war. Das ist für mich wie eine Geistesfrucht, die mir sehr viel bedeutet. Ich habe das Christsein auch von Anfang an so erlebt. Man braucht sehr viel Schutz, wenn man sich öffnet, deswegen ziehe ich mich auch immer wieder zurück. Dann brauche ich meine Ruhe und meine enge Gemeinschaft mit Menschen, die mich kennen.

Albert Frey: Ich finde Ehrlichkeit sehr wichtig, gerade für Menschen, die im geistlichen Dienst stehen wie wir. Man muss das Idealbild, das ständig entsteht, aktiv zerstören. Die Leute denken oft: „Andrea und Albert, die singen so schön von Gott, die müssen eine tolle Beziehung zu Gott haben, ständig beten und alles gelingt ihnen." Dieses Fehlbild, das viele auch von Pastoren haben, muss man richtig zerstören und zeigen, dass wir normale Menschen mit normalen Problemen sind. Uns allen gilt die Gnade, das ist die frohe Botschaft.

ERF.de: Frau Adams-Frey, das Lied „Mann und Frau“ spricht sehr ehrlich von den Höhen und Tiefen einer Ehe. Was ist Ihr Geheimrezept für eine glückliche Ehe?

Andrea Adams-Frey: Ehrlich sein und miteinander reden! Das ist vor allem die Botschaft an die Männer (lacht).

Albert Frey: Die Botschaft an alle Frauen und Männer, die hast du, Andrea, genau in diesem Lied formuliert. Es ist diese Gewissheit: Du bist mein Mann, ich bin deine Frau. Es geht gar nicht nur darum, dass alles immer super läuft und man glücklich ist. Natürlich wünscht man sich das. Trotzdem zählt erst mal die Tatsache, dass wir zusammengehören und das nicht in Zweifel ziehen.

ERF.de: Dadurch, dass Sie beide Künstler sind und miteinander arbeiten gibt es sicher einen regen Austausch. Wie kritisch oder ehrlich ist man gegenüber dem anderen?

Andrea Adams-Frey: Ich bin ziemlich ehrlich, du bist immer sehr diplomatisch, sehr lieb (lacht und sieht zu Albert).

Albert Frey: Du sagst direkt, was du denkst, und ich sage eben etwas Zielführendes (lacht). Aber auch wenn wir unsere Meinung unterschiedlich äußern, sind wir doch gegenseitig unsere Kritiker. Der andere ist derjenige, der eine neue Idee als erstes hört und derjenige, der Bestätigung gibt oder eben Kritik. Da wir uns aber gut kennen, wissen wir, wie wir die Sachen sagen können, damit sie richtig ankommen. Wenn man weiß, dass der andere dich und deine Musik grundsätzlich toll findet, dann schmeißt Kritik nicht gleich das ganze Gebäude um. Im Gegenteil, sie hilft.

ERF.de: Als Mensch verliert man sich sehr schnell im Alltag. Wie schaffen Sie sich Oasen im Stress?

Andrea Adams-Frey: Mal abgesehen von meiner Zeit auf dem Schoß beim Vater im Himmel, sind es bei mir die Pferde, bei denen ich abschalten kann. Ich gehe einfach raus und genieße es, einmal an nichts Großartiges zu denken. Dann lebe ich ein Stück von diesem inneren Kind aus, von dem ich in der CD singe. Ich besuche auch gerne mal eine Wellnessoase, gehe in die Sauna oder zur Massage. Das kann ich ebenfalls sehr genießen und dabei entspannen.

Albert Frey: Für mich ist es auch der Sport. Ich gehe gerne Joggen, Fahrrad fahren oder wandern. Das ist für mich ein wichtiger körperlicher Ausgleich und eine Zeit zum Nachdenken. Ansonsten entspanne ich auch beim Spielen auf dem Flügel oder auf der Gitarre. Dabei finde ich zu mir selbst und kann die Gefühle, die ich schlecht in Worte fassen kann, über die Musik fließen lassen.

ERF.de: Was war Ihr peinlichstes oder lustigstes Erlebnis auf der Bühne?

Andrea Adams-Frey: Bevor ich Christ wurde sang ich in einer Coverband. Mit dieser Band hatten wir eine Mitternachtsshow, in der wir Musicaleinlagen aufführten. Eines Abends sollte ich als Tigerkatze auftreten und ‚Memories‘ singen. Dafür hatte ich mir extra ein Cats-Kostüm gemacht. Als ich an der Reihe war, fing die Band an zu spielen , der Nebel breitete sich aus und ich kam heraus, um als Katze über die Bühne zu schleichen. Doch dann stolperte ich, flog auf den Boden und das Mikro rollte über die Bühne. Und mir entwich das böse „SCH – Wort“ Der ganze Saal grölte, alles war kaputt (lacht)!

Albert Frey: In den 80er Jahren spielte ich in einer deutschen Rockband. Wir hatten eine neue Anlage und schraubten so lange daran rum, dass es viel zu spät wurde und die Gäste schon im Saal waren. Als es losgehen sollte, merkte ich plötzlich, dass ich mich gar nicht umgezogen hatte. Ich sprang schnell hinter die Bühne und hatte die Hose noch gar nicht richtig an, da wurden wir schon angekündigt. Ich zog schnell den Reisverschluss hoch, stolperte über meine Beine und über das Keyboard, auf das ich eigentlich hätte drücken sollen. Das warf ich dann gleich noch mit um. Auch später fingen wir uns nicht mehr von dieser Anfangshektik, der ganze Abend war eine absolute Katastrophe (lacht).

ERF.de: Könnten Sie sich ein Leben ohne Musik vorstellen?

Andrea Adams-Frey: Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Aber ein Leben ohne den professionellen Dienst kann ich mir schon vorstellen. Ich hatte zwischenzeitlich schon einmal mit der Musik aufgehört, nachdem ich eine Sucht-Therapie gemacht hatte. Ich wollte meine Identität und mein Leben nicht auf die Musik gründen, sondern auf das, was ich wirklich bin. Aus diesem Grund entschied ich mich, einer ‚normalen‘ Arbeit nachzugehen. Ich arbeitete dann dreieinhalb Jahre als Kosmetikerin auf einer Schönheitsfarm. Diese Entscheidung war für mich ein Gehorsamsweg, der mir sehr gut getan hat und für dessen Erfahrung ich sehr dankbar bin. Ich könnte mir auch vorstellen, so etwas auf einer selbstständigen Basis wieder zu machen. Oder etwas mit Pferden. Da hätte ich auch Spaß dran.

Albert Frey: Ich habe zwei Antworten in meinem Kopf. Die eine, die wohlerzogene christliche Antwort würde lauten, dass ich mir ein Leben ohne Musik vorstellen kann, weil Gott selbst viel wichtiger ist. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, ist die Musik schon sehr verwoben mit meiner Persönlichkeit. Es wäre so, als würde ich nach Japan kommen und könnte kein Wort Japanisch. Musik ist einfach meine Sprache.

ERF.de: Sie schreiben viel über Ihre Beziehung zu Gott. Wie tanken Sie bei ihm auf? Für manche ist es Lobpreis, bei dem sie sich fallen lassen können. Was ist es bei Ihnen?

Andrea Adams-Frey: Musiklobpreis mache ich für mich alleine kaum, weil es für mich zu viel mit der Pflicht zu tun hat. Wenn ich Gott anbete, ist das entweder in ganz einfachen Worten oder auch in Psalmen. Manchmal lege ich mich auch nur vor ihm nieder. Ich habe das Glück, zu Hause ein kleines Zimmerchen für mich zu haben. Dort komme ich vor Gott, um ihn zu spüren oder um mich von ihm anschauen zu lassen und ihn anzuschauen. Es ist mir wichtig zu wissen, dass Gott mich sieht und dass er über alles bescheid weiß. Dann braucht es oft nicht mehr viele Worte und ich kann wieder losgehen und etwas für ihn tun.

Albert Frey: Für mich sind es zwei ganz unterschiedliche Dinge. Das eine ist die Vaterbeziehung zu Gott. Ich versuche immer wieder zu lernen, Gott als den Vater zu sehen, als den Papa, der sich freut, wenn seine Kinder zu ihm kommen. Auf diese Weise möchte ich zu ihm reden. Ebenso frage ich mich auch: Was will der Vater im Himmel mir heute sagen? So möchte ich ihm begegnen, ganz einfach, ganz kindlich.
Das andere scheint dem zu widersprechen. Ich habe liturgische Bücher mit den katholischen Tageslesungen, die ich zurzeit morgens lese. Ich beginne oft meine Gebete „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Albert bekreuzigt sich). Solche Formen helfen mir und gehören zu meinem Glauben dazu. Ich interpretiere liturgische Elemente aber relativ frei. Manche katholischen Priester würden vielleicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber mir hilft’s (lacht).

 


Bild: Gerth Medien

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Kommentare

Von Stefan am .

Ein offenes Interview. Danke! Einen Vorbehalt habe ich aber: Wenn ich - wie ich es selbst früher oft getan habe - Gebete mit der Formel beginne "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" dann ist das keine leere Formel - Gott nimmt ernst, was wir sagen - und wir sollten das auch tun, ganz besonders, wenn wir mit dem heiligen Gott sprechen! Wenn wir in seinem Namen dann beten, muss ich wissen, dass es auch in seinem Namen ist, d.h. dass es in seinem Auftrag ist. Ich muss mehr


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