Ostergarten Lesezeit: ~ 8 min

Ostern beginnt im November

Wer Ostern 2011 seine Gemeinde in einen Ostergarten verwandeln will, sollte bald mit der Planung anfangen. Fest steht: Die lange Vorbereitung lohnt sich.

Viele Landes- und Freikirchen verwandeln ihre Räumlichkeiten in der Passionszeit in einen Ostergarten. Auch die Evangelische Gemeinschaft und CVJM Langgöns-Dornholzhausen (Hessen) hat die Aktion bereits vier Mal durchgeführt. Reiner Straßheim ist Mitglied der Gemeinde und hat das Projekt mit initiiert. Im Interview berichtet er über Hindernisse und Höhepunkte und warum der Ostergarten für ihn eine unerwartete Gebetserhörung ist.

ERF.de: Ihre Gemeinde hat 2010 einen Ostergarten aufgebaut. Was haben Sie dafür mit den Gemeinderäumen angestellt?

Reiner Straßheim: Wir haben als Gemeinde unser komplettes Gemeindehaus umgebaut und Stationen aufgebaut, mit deren Hilfe wir die Ostergeschichte präsentiert haben. Das geht mit dem Einzug in Jerusalem los, im zweiten Raum wird das Passahmahl gefeiert, die dritte Station ist der Garten Gethsemane. Dann kommt die Kreuzigung und der Höhepunkt: Das leere Grab. Die Menschen gehen durch dieses leere Grab direkt in den Auferstehungsraum. Von dort kommen die Leute in den Vaterunser-Raum, um das Erlebte noch auf sich wirken zu lassen. Dort können sie die Geschichte aufarbeiten, ihre Eindrücke loswerden, Gebete aufschreiben, für sich beten lassen oder eine Beziehung mit Jesus Christus beginnen.

ERF.de: Sie haben selbst Gruppen durch den Ostergarten geführt. Welche Reaktionen haben Sie bei den Besuchern beobachtet?

Reiner Straßheim: Die Reaktionen sind faszinierend. Alle sind tief bewegt, angefangen von kleinen Kindern, über Konfirmanden bis hin zu Frauenkreisen. Sie erleben, was damals passiert ist und können es sich so viel besser vorstellen. Ganz viele sagen: "Wir haben das erste Mal kapiert, was Jesus für uns getan hat."

Besucher weinen unterm Kreuz

ERF.de: Gibt es ein Erlebnis, das Sie besonders berührt hat?

Reiner Straßheim: Mich haben zwei Begegnungen sehr bewegt. Das eine war eine Seniorengruppe, bei denen man am Anfang den Eindruck hatte, dass sie nicht interessiert sind. Wie wir dann aber unter dem Kreuz standen, fingen nicht wenige von ihnen an zu weinen. Das ist mir selbst neu bewusst geworden, was Jesus für uns getan hat. Das hat mich stark berührt. Eine andere Gruppe, die mich bewegt hat, waren Behinderte im Rollstuhl. Ich denke da besonders an einen Herrn, der vielleicht das erste Mal so richtig verstanden hat, was Ostern bedeutet. Er hat gesagt: "Dass ich das ich noch erleben darf."

ERF.de: Dabei sagt derjenige, der die Gruppe durch den Ostergarten führt, gar nicht viel.

Reiner Straßheim: Bei manchen Stationen erzählen wir natürlich auch viel, gerade wenn wir das Passahmahl mit den Leuten feiern. Beim Kreuz läuft ein Hörspiel und hier ist es total ruhig. Die Leute konzentrieren sich und hören auf die Botschaft, die erzählt wird. Mehr nicht. Wenn man die Bibel einfach zu Wort kommen lässt, ist das die beste Predigt.

ERF.de: Über 500.000 Leute haben bundesweit schon einmal einen Ostergarten besucht, sogar der Europa Park Rust hat mitgemacht. Wie erklären Sie sich den Erfolg dieses Konzeptes?

Reiner Straßheim: Ich kann mir das überhaupt nicht erklären. Wir sind eine ganz kleine Gemeinde und hatten jedes Mal weit über 2.000 Besucher. Ich glaube, dass die Leute auf der Suche sind. Dabei wollen sie nicht nur eine Predigt hören, sondern etwas fühlen und sehen. Das ist das Geheimnis von dem Ostergarten.

ERF.de: Bewirkt der Ostergarten auch über die Veranstaltungen hinaus etwas bei den Besuchern?

Reiner Straßheim: Ganz viele haben bei den Rückmeldungen geschrieben, dass sie das mit Jesus mal probieren möchten und sich dafür Gebet wünschen. Es ist entscheidend, dass diese Personen im Anschluss eine Gemeinde finden. Aber das können wir nicht verfolgen. Wir können auch nicht sagen, dass mehr Menschen in die Gottesdienste kommen.

Gott zutrauen, dass er wirkt

ERF.de: Das heißt, die Nacharbeit zum Ostergarten gestaltet sich schwierig?

Reiner Straßheim: Ja. Wir und auch andere Gemeinden haben Nacharbeit angeboten und das hat nicht so gut funktioniert. Aber ich glaube, wir werden dem Missionsbefehl einfach gerecht, wenn wir den Menschen die christliche Botschaft sagen. Manchmal machen wir uns zu viele Gedanken, weil wir denken, die Menschen müssten gleich alles verstehen und in die Gemeinde kommen. Der Auftrag, den Jesus uns gegeben hat, lautet eigentlich nur, seine Botschaft weiterzusagen. Ich möchte mich dann einfach darauf verlassen, dass er etwas daraus macht. Auch wenn die Leute nicht direkt bei uns in die Gemeinde kommen, bekommen sie Anstöße. Manchmal klappt die Nacharbeit aber auch. Der Pfarrer der Nachbarkirchengemeinde hat erlebt, dass durch den Ostergarten mehr Menschen in den Gottesdienst kommen. Er hat hinterher auch Glaubenskurse angeboten. Da ist richtig was in Bewegung gekommen.

ERF.de: Hat sich die Wahrnehmung von Ihrer Gemeinde im Dorf durch die Ostergärten verändert?

Reiner Straßheim: Wir stellen fest, dass die Hemmschwelle, in unsere Gemeinderäumlichkeiten und zu Veranstaltungen zu kommen, für die Leute nicht mehr so hoch ist. Wir machen z.B. noch eine öffentliche Aktion, ein großes Frauenfrühstück, und da ist das Haus rappelvoll. Das sind nur Leute aus dem Dorf - und wir sind ein kleines Dorf mit ca. 1.000 Einwohnern. An einem ganz normalen Morgen, wo auch viele arbeiten gehen, muss man so eine Veranstaltung erst einmal voll bekommen. Die Leute merken auch, dass man etwas für sie tun möchte und sie nicht nur evangelisieren möchte.

Bei unserem Ostergarten hatte die Presse auch ein großes Interesse an der Veranstaltung. Zeitungen haben mehrfach darüber berichtet, das Lokalradio und ein Fernsehsender waren da. Da ist noch einmal eine Möglichkeit, die Menschen mit der Bedeutung von Ostern in Berührung zu bringen.  

Reiner Straßheim mit einer Besuchergruppe beim Passahmahl.

ERF.de: Eine Gemeinde, die den Ostergarten veranstaltet hat, hat 15 Monate Vorbereitung angesetzt und 10.000 Stunden ehrenamtliche Mitarbeit rein gesteckt. Kann eine normale, kleine Gemeinde so etwas überhaupt leisten?

Reiner Straßheim: Auf jeden Fall. Man muss das einfach runter brechen. Manche führen den Ostergarten drei Wochen lang durch, man kann es aber genauso nur eine Woche machen. Wir wechseln uns auch mit zwei anderen Gemeinden ab, so dass wir nur alle drei Jahre dran sind. Die Kirchengemeinde, die ich vorher erwähnt habe, hat schon zweimal mitgemacht und sie sind restlos begeistert. Der Pfarrer hat mir gesagt: "Was hier mit unseren Mitarbeitern geschieht, ist unglaublich."

Beim Ostergarten muss man nicht nur Profis haben. Es ist gut, wenn diejenigen, die die Führungen machen, da auch eine Begabung dafür haben. Aber es gibt tausend andere Dinge, bei denen jeder mitarbeiten kann, zum Beispiel beim Passahtisch oder beim Dekorieren. Wir haben die Vorbereitung so aufgeteilt, dass jedes Team eine Station macht und von den anderen gar nicht so viel mitbekommt. Ein Leiter überschaut alles. Wenn eine Gemeinde Angst hat, den Ostergarten durchzuführen, kann sie sich mit Gemeinden kurzschließen, die es schon einmal gemacht haben. In der Regel führt eine Gemeinde den Ostergarten nicht jedes Jahr durch und ist oft bereit, etwas von den Sachen auszuleihen, die sie schon hat.

ERF.de: Und wie sieht es mit den Finanzen aus?

Reiner Straßheim: Wir haben jedes Mal mehr an Spenden eingenommen, als wir Geld ausgegeben haben. Dieses Mal haben wir über 3.000€ eingenommen und nur 2.000€ verbraucht.  Wir versuchen auch, das Geld, das wir einnehmen, wieder zu investieren. Ich habe zum Beispiel ein neues Hintergrundbild für die Kreuzigungsszene herstellen lassen, das alleine 700€ gekostet hat. Aber das Geld hat auf alle Fälle immer gereicht. 

ERF.de: Welche Schritte sollte eine Gemeinde gehen, wenn sie 2011 selbst einen Ostergarten anbieten möchte?

Reiner Straßheim: Es ist auf jeden Fall gut, sich die Ausarbeitungen von Lutz Barth, dem Erfinder vom Ostergarten, kommen zu lassen. Die kann man sich erst einmal anschauen und dann die Gemeinde dafür gewinnen. Wir haben immer im November die erste Planungssitzung gemacht und dann die Teams eingeteilt. Im Januar oder Februar haben wir uns dann wieder getroffen, um zu sehen, wie alles läuft. Wichtig ist, dass man die Gemeinde früh genug mitnimmt und sie ein Ja dafür hat. Das war bei uns der schwierigste Prozess von allen.

Der Ostergarten schweißt eine Gemeinde zusammen

ERF.de: Warum gab es da Probleme?

Reiner Straßheim: Viele konnten sich eine solche Veranstaltung in der Gemeinde überhaupt nicht vorstellen. Die älteren Leute hatten große Bedenken und haben gesagt, dass man so etwas mit Ostern nicht machen darf. Als sie dann beim ersten Mal gemerkt haben, was der Ostergarten wirklich ist, waren sie restlos begeistert. Die Leute scheuen auch ein bisschen die Arbeit, ein ganzes Haus umzubauen. Das ist für viele, die das gerne machen würden, erst mal ein Hindernis.

ERF.de: Wie haben Sie es dann letztendlich geschafft, die Leute zum Mitmachen zu bewegen?

Reiner Straßheim: Wir haben eine Gemeindeversammlung gemacht, in der wir den Ostergarten vorgestellt haben. Beim ersten Mal konnten die Leute kein Ja dazu finden. Sie haben einfach gedacht, dass wir das nicht packen, weil wir eine kleine Gemeinde sind. Dann haben wir ihnen Zeit gelassen, um drüber nachzudenken und sich auch im Internet schlau zu machen, welche Erfahrungen andere mit dem Ostergarten gemacht haben. Dieser Prozess ist wichtig. Dann gilt es aber auch, mutig voranzugehen. Ich hab sehr lange darum gebetet, dass Menschen zu uns in die Gemeinde kommen, um Jesus kennenzulernen. Für mich ist der Ostergarten eine Gebetserhörung, auch wenn sie anders ist, als ich mir das vorgestellt hatte. Ich hab erst gedacht, dass auf diese Art und Weise im Dorf vielleicht eine richtige Erweckung passiert. Stattdessen ist daraus eine Bewegung geworden, durch die wir im Laufe der Jahre ca. 7.000 Menschen die Osterbotschaft sagen konnten.

ERF.de: Hat eine Gemeinde auch selbst etwas davon, wenn sie ein solches Projekt durchführt?

Reiner Straßheim: Die Gemeinde profitiert davon, weil ein unglaubliches Wir-Gefühl entsteht: Wir machen etwas, wir stellen etwas auf die Füße. Da ist auch ein bisschen Stolz dabei, dass so etwas gelingt. Viele Besucher haben gesagt: "Wow, das ist ja wahnsinnig, was ihr hier gemacht habt." Da merkt man auf einmal, was man für Gaben in der Gemeinde hat. Man darf nicht unterschätzen, was für einen Gewinn eine Gemeinde durch diese Aktion hat. Auch das Miteinander wird verändert. Senioren, die sonst sagten, sie könnten nichts mehr in der Gemeinde tun, waren stellenweise vier, fünf Stunden da und haben die Leute begrüßt oder im Café geholfen, so gut sie konnten. Eine junge Frau, die gerade neu bei uns in die Gemeinde gekommen war, sagte nachher: "Jetzt bin ich ein Teil der Gemeinde."

ERF.de: Vielen Dank für das Gespräch!


Weitere Informationen zum Ostergarten sowie Schulungsmaterial finden Sie unter:

Sinnenpark.de

Bibellesebund.de

Neben dem Ostergarten finden Sie hier auch Konzepte und Ideen rund um Weihnachten.


Kommentare

Von Evangelist Jörg Peter Böhmer am .

Vielleicht prüfen Sie mal neue wege. Ist es wirklich noch der Ostergarten, denn wir veranstalten sollten? Gehen Sie ins gebet und fragen Sie Gott danach. manchmal ist die "MÜHE" mit einem Projekt, einer Aktion usw. der Anfang von etwas neuem.

Von Rainer Klute am .

@Evangelist Jörg Peter Böhmer: Ihren Beitrag empfinde ich als verletzend, auch stellvertretend für die übrigen Mitarbeiter. Ich bin denen sehr dankbar, die eine Menge Freizeit oder Urlaub opfern und nörgle nicht an ihnen herum. Nun, offenbar wissen Sie ja die Lebenssituationen unserer Mitarbeiter besser zu beurteilen. Ich jedenfalls bleibe beim neuen Rhythmus. Ein Ostergarten mit fröhlichen und begeisterten Mitarbeitern ehrt Gott mehr als ein Haufen erschöpfter Leute, die ein Projekt mehr

Von Evangelist Jörg Peter Böhmer am .

Zu dem Leserbrief von Rainer Klute:
Ist es denn keine Ehre für Gott den Ostergarten jedes Jahr zu veranstalten?
Sie sprechen hier wie folgt:
"Bis 2009 haben wir den Ostergarten jedes Jahr jeweils drei Wochen lang durchgeführt, sind aber jetzt auf einen zweijährigen Rhythmus übergegangen. Das belastet die Mitarbeiter weniger."
Stellen Sie sich nie die Frage: "Ist es eine Ehre?"
Oder stellen Sie sich die Frage: "Arbeit, geht die mir eigentlich nicht aus dem Weg?"

Von Rainer Klute am .

Ich kann die Erfahrungen von Reiner Straßheim eins zu eins bestätigen – außer, daß wir es mit unserem ersten Ostergarten 2006 leichter hatten. Wir (Freie evangelische Gemeinde Dortmund) sind eine große Gemeinde und konnten uns die Umsetzung von Anfang an gut vorstellen. Bis 2009 haben wir den Ostergarten jedes Jahr jeweils drei Wochen lang durchgeführt, sind aber jetzt auf einen zweijährigen Rhythmus übergegangen. Das belastet die Mitarbeiter weniger. Sie sind wieder mit einer ganz neuen mehr


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