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Zur Ruhe pilgern

Vielen Menschen fällt es schwer, nach Feierabend abzuschalten. Auf der Suche nach innerem Frieden findet Heinz Sobioch seinen ganz persönlichen Weg.

Vor etwa zwei Jahren bin ich innerlich in große Unruhe geraten und habe keine Möglichkeit gesehen, wieder zur Ruhe zu finden. Ich habe gebetet – alleine und in Gemeinschaft –, in der Bibel nach Antworten gesucht, Freundschaften geknüpft und mich zurückgezogen. Nichts hat mich beruhigt.

Meine Sehnsucht nach tiefem Frieden und der spürbaren Liebe Gottes – das ist es, was ich unter Ruhe verstehe – hat mein Leben mit großer Traurigkeit gefüllt. Mir wurde bewusst, dass ich den Schlüssel für die Tür finden musste, durch die ich zu Gott kommen könnte. Ich musste meine eigene Form der Anbetung entdecken.

Zunächst habe ich es mit Jogging versucht. Anfangs habe ich dabei etwas Ruhe gefunden. Sie hielt aber nur ein paar Stunden, höchstens einen Tag an – mehr aber nicht! Ich bemerkte, wie die innere Unruhe und die dadurch entstandene Sehnsucht sich in Schmerz und Traurigkeit wandelten. Sie nahmen mir zunehmend meine Lebensfreude und -energie.


Der Haken des Hasen

Was musste eigentlich bei mir „zur Ruhe kommen“? Auf der Suche nach einer Antwort bin ich auf drei Bereiche gestoßen:

- Mein Lebensstil (Körper)
- Meine Denkweise (Geist)
- Mein Innerstes (Seele)

Diese drei Bereiche kann man eigentlich nicht trennen, da wir Menschen ganzheitliche Geschöpfe sind. Gerät einer dieser Bereiche in Unruhe, strahlt er auf die anderen aus. Umgekehrt kann aber ein beruhigter Bereich die anderen positiv beeinflussen. Auf der Suche nach innerem Frieden kann körperliche Bewegung ein Ansatzpunkt sein, der nach und nach mit den anderen Bereichen verbunden wird.

Als ich anfing, beim Joggen zu beten und mich auf Gott zu konzentrieren, erkannte ich plötzlich die Schönheit, die mich umgab. Die Feldlerche begleitete mich mit ihrem Gesang, der Hase schlug seine Haken auf dem Feld und die Kiebitze schenkten mir eine private Flugvorführung. Als ich meine Augen und mein Herz für die Schöpfung öffnete, hatte die Ruhe mehr Raum bekommen.

„Nun aber hat der Herr, mein Gott, mir Ruhe verschafft ringsum, kein Widersacher ist
mehr da und kein schlimmes Geschick.“ (1. Kön. 5, 18).

Ich war also einen Schritt weiter gekommen. Mir wurde klar, dass Gott in allem zu sehen ist und durch alles zu mir spricht. Er zeigte mir auf vielfache Weise, dass er mich liebt. Über diesen Zwischenschritt habe ich das Pilgern als meine persönliche Form der Anbetung entdeckt.


Der Pfad der Seele

„So spricht der Herr: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Glauben sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Jer. 6, 16)

Beim Pilgern wird mein Geist frei. Mein Körper kommt zur Ruhe, obwohl er in Bewegung ist. Ich kann die Seele laufen lassen. Ich kann die Dinge, die mich beunruhigen, mit Gott gemeinsam „durchgehen“ und sie dann hinter mir lassen. Am Ende des Weges bricht dann Ruhe und Gelassenheit in mir durch, ich kann die Liebe Gottes spüren.

Besonders schön finde ich, dass ich überall „pilgern“ kann. Es muss nicht der Jakobsweg oder ein anderer ausgewiesener Pilgerpfad sein. Meine erste Pilgerroute war die von Zuhause in die Stadt, sie dauerte etwa 20 Minuten. Es ist die innere Haltung, die diese Wege zu Pilgerwegen macht – sei es zur Arbeit oder zum Einkaufen.

Auch wenn mich die Unruhe noch ab und an überkommt, hat sie ihre vernichtende Macht doch verloren. In solchen Zeiten muss ich voller Dank an folgenden Vers denken:

„…dass du mich nicht überliefert hast in die Hand des Feindes, sondern meine Füße auf
weiten Raum gestellt hast“ (Ps. 31,9).

Ich durfte erfahren, dass Gott sich finden lässt. Er hat jedem von uns seine persönliche Form der Anbetung geschenkt. Für mich ist es das Pilgern, für dich ist es vielleicht das Singen, Tanzen, Malen oder etwas anderes. So unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich ist die Art, mit der wir Gott begegnen. Wer seine Anbetungsform noch nicht gefunden hat, den möchte ich ermutigen, sich auf die Suche zu begeben. Gott lässt sich finden – auf welchem „Weg“ auch immer.

Heinz Sobioch, Jahrgang 1962, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er war über 10 Jahre in der Männerarbeit tätig.


Mit freundlicher Genehmigung von Adam Online, dem christlichen Männer-Magazin
 


Kommentare

Von Jens am .

In unserer schnelllebigen Zeit die von Reizüberflutung, körperlicher und seelischer Überforderung als Folge unserer Leistungsgesellschaft gekennzeichnet ist sehnen sich immer mehr Menschen nach Entschleunigung und Ruhe.
Mit der Sehnsucht nach Ruhe kommt dann oft die Frage nach dem Sinn des Ganzen, nach dem Ursprung und damit die Sehnsucht nach Gott und die Einkehrzeit im Kloster, der Pilgerurlaub um Gott und damit Ruhe erleben zu können.
Der nach Ruhe suchende leistungsorientierte moderne mehr

Von Gudrun am .

Ich kann Herrn Schneider voll zustimmen. Die Idee des Pilgerns ist in vieler Hinsicht einfach gut.

Von Bernd Schneider am .

Gute Idee! Das Motiv des Pilgerns spielt ja auch in der Bibel und vielen Liedern eine große Rolle.

Von Beate Schanz am .

Hallo, lieber Heinz!
Auch ich suchte bleibenden Frieden, bleibende Freude und Geborgenheit. Nach 4 Jahren Suchen in der Bibel hat sich mir Gott geoffenbart. Aus lauter Gnade hat er mich zu sich gezogen. Ohne mein Verdienst darf ich seither eine neue Kreatur sein. Ist jemand "in Christus" so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. 2.Kor.5,17 Ich habe Frieden, Freude und noch viel mehr. In Jesus habe ich ALLES was ich brauche. Lob und Dank sei IHM!
Gott segne Dich
Beate


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