Interview mit Dr.Dr. Emmanuel Mbennah

„Gott hat einen Plan für jeden Menschen“

Professor, World Vision-Leiter in Tansania, TWR-Direktor in Afrika. Dr. Dr. E. Mbennah hat viel erreicht - seine Kindheit ließ dies nicht erahnen.

Dr. Dr. Emmanuel Mbennah ist Internationaler Direktor von TWR Afrika, dem afrikanischen Zweig des weltweiten christlichen Medienwerks TWR Media. Vor seiner Berufung in die Radiomission unterrichtete Emmanuel Mbennha an der DaystarUniversity in Kenia und arbeitete lange Jahre als Leiter des Kinderhilfswerks World Vision in Tansania. Derzeit arbeitet er an einem Buch über die biblische Geschichte von „Esther“ und die Frage, wie Menschen den Plan Gottes für ihr Leben entdecken können. ERF.de hat mit Emmanuel Mbennah über seinen persönlichen Weg zum Glauben, entscheidende Faktoren des Glaubenswachstums und die Frage gesprochen, wie man denn nun ganz praktisch den Plan Gottes für das eigene Leben entdecken kann.

Wie sind Sie zum Glauben gekommen?

 Ich wuchs in einem sehr traditionellen afrikanischen Zuhause auf mit neun weiteren Geschwistern. Das Umfeld war nicht christlich. Mein Dorf lag mitten im Busch - keine Kirche, keine Schule, kein Krankenhaus. Ich hatte also keinerlei Wissen über Jesus und es gab auch keinen Zugang zu solch einem Wissen für mich. Ich hatte natürlich eine Vorstellung von Gott. Ich wusste zum Beispiel, dass es falsch ist, Tiere ohne jeden Grund zu töten. Allerdings hatte ich keine klare Vorstellung davon, wie ich eine Beziehung zu diesem Gott haben könnte.

Und wie haben Sie dann den christlichen Glauben kennengelernt?

Es gab ja wie gesagt zunächst auch keine schulische Ausbildung, wo ich lebte. Irgendwann einmal gab es dann so etwas wie eine Dorfschule, die unter einem Baum stattfand. Da gab es einen Lehrer, der uns auch aus der Bibel vorlas, so dass ich zum ersten Mal mit den biblischen Geschichten vertraut wurde. Damals war ich zehn Jahre alt. Ich glaube, dass Gott da anfing, ein tiefes Verlangen in mich hineinzulegen. Ein Verlangen, diesen Gott besser kennen zu lernen. Diese Schule wurde leider irgendwann geschlossen, was mich sehr erschütterte, da ich es liebte, zu lernen. Ich war so erschüttert, dass ich von zu Hause weg lief und den Busch hinter mir ließ, um mich auf die Suche nach einer Schule zu machen. Ich habe dann tatsächlich eine Schule gefunden, die allerdings weit von meinem Zuhause weg lag. An dieser Schule habe ich dann einen Freund gefunden. Ihm habe ich erzählt, dass ich gerne Christ werden würde. Er meinte, dass das sehr einfach sei, ich müsse mich nur taufen lassen. Sein Vater war Pastor. Bei ihm hatte ich dann auch Taufunterricht und Ende 1973 wurde ich getauft.

Und damit war dann alles klar?

"Ich stellte fest, dass ich weiterhin genau derselbe Mensch war wie vor der Taufe"

Im Taufunterricht wurde mir gesagt, dass ich mit der Taufe ein neuer Mensch würde. Nach der Taufe fühlte ich mich auch anders und hatte zudem die Hoffnung, dass mein Leben nun anders verlaufen würde. Aber schon nach ein paar Tagen war ich sehr enttäuscht, denn ich stellte fest, dass ich weiterhin genau derselbe Mensch war wie vor der Taufe. Trotzdem hatte die Taufe ihre Gültigkeit und sie war auch wichtig für mich. Sie brachte mich nämlich dahin, dass ich nun noch mehr von Gott erwartete. Etwa zwei Jahre später nahm ich an einer Predigtreihe mit einem Gastredner teil. Am letzten Abend predigte der Gastredner auf sehr fesselnde Art und Weise über Jesus, seine Liebe, seine Macht, die Dinge zu verändern und dass er mein Freund sein wolle. Ich habe an diesem Abend Jesus in mein Leben eingeladen und ihn gebeten, mir meine Fehler zu vergeben und mein Leben zu verändern. Ich habe dann einen tiefen, dauerhaften Frieden gespürt. Das war ein neues Leben für mich. Das war natürlich nicht das Ende meiner geistlichen Reise, es war vielmehr ein Anfangspunkt.


Welche Faktoren begünstigen Ihrer Meinung nach geistliches Wachstum?

Ich denke, es sind vor allem vier Dinge:

Zuerst muss man wissen, wer man in Christus ist, wenn man erst einmal wiedergeboren ist. Wenn man erst einmal wiedergeboren ist, muss man wissen, wer man in Christus ist. Es geht um die Gewissheit, dass einem vergeben worden ist und man eine neue Person geworden ist. Man hat das ewige Leben. Und: Man hat das Gericht hinter sich gelassen. Diese Gewissheit ist wichtig, weil man sich dann nicht von einer unwahren Verurteilung runter ziehen lässt. Manchmal fühlen sich Menschen verurteilt, obwohl ihnen bereits vergeben worden ist.

"Selbst oberflächliches Bibellesen verändert einen Menschen"

Dann geht es um das Naheliegende: Nämlich Beten. Gebet ist Gemeinschaft haben mit Gott. Er hört Gebet und beantwortet es. Für Außenstehende wirkt das komisch. Man redet mit jemandem, den man nicht sieht und der auch nicht direkt antwortet. Ist das überhaupt normal? Ich sage: Ja. Es ist ein Reden, das aus der Tiefe des eigenen Herzens kommt. Zum Naheliegenden gehört aber auch etwas anderes, nämlich das Bibellesen. Ich glaube, dass selbst oberflächliches Bibellesen einen Menschen verändern wird, wenn er sie kontinuierlich liest. Die Bibel hat Power. Sie ist das Wort Gottes.

Als drittes finde ich die Gemeinschaft mit andern Menschen wichtig. Das Leben ist keine Sache individueller Existenz. Das Leben besteht aus Beziehungen. Beziehung mit Gott, aber auch mit anderen Menschen. Finde heraus, wer in deinem Bekanntenkreis im Glauben wächst, wer in deiner Nähe ist und hab mit diesen Menschen Gemeinschaft. Ermutigt einander. Dadurch wachsen Menschen im Glauben.

Und zu guter Letzt: Erzähle anderen Menschen, was Gott in deinem Leben getan hat und was er in deinem Leben tut. Das nennt man „Glauben teilen“. Und je mehr man das tut, um so mehr gewinnt man dabei. Das ist so ähnlich wie mit der Liebe. Liebe ist die einzige Sache, die du austeilen kannst und hast trotzdem nie zu wenig davon.

Sie haben gerade ein Buch über Esther geschrieben. Darin machen Sie deutlich, wie wichtig es für einen Christen ist, herauszufinden, was Gott mit ihm vorhat. Ist das nicht auch wichtig für das Glaubenswachstum eines Menschen?

Ja, aber mit einer wichtigen Einschränkung. Es fängt damit an, dass man wachsen will. Und in diesem Prozess entdeckt man plötzlich, dass man für ein ganz bestimmtes Ziel auf der Welt ist. Dies zu entdecken, hängt mit einem gewissen Level an Reife zusammen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Gott einen Plan für jeden Menschen hat, eine göttliche Bestimmung. Ich glaube nicht, dass sich Gott am Kopf kratzt und sagt: "Mmmhhh, was fang ich jetzt mit diesem Menschen an?"

"Gott hat einen Plan für jeden Menschen." (Bild: ERF Medien)

Dazu bedarf es aber einer Entdeckungsreise. Allerdings erfordert diese Entdeckungsreise noch weitere Schritte und geistliche Übungen, um wirklich ans Ziel zu gelangen. Man muss beten, hinhören und Gott fragen: Warum hast du mich hierher gestellt? Was ist dein Ziel für mein Leben?

Und doch gehört das Verfehlen und Hinfallen zum christlichen Glauben dazu. Kann ich trotz vieler Fehler und Umwege Gottes Plan für mein Leben entdecken?

Gott hat so eine ganz bestimmt Art, Menschen wieder auf den Weg zurückzubringen. Denken Sie an ein Navigationsgerät. Wenn man sich verfährt, gibt es den Hinweis, dass die Route neu berechnet wird. Das ist ein Angebot, wieder auf den richtigen Weg zurückzugehen. Es kommt vor allem auf die innere Haltung an, wenn man sich auf die Suche nach Gottes Plan für das eigene Leben macht. Man braucht so eine Grundsehnsucht, die herausfinden will, was Gott mit einem vorhat. Und man braucht Mut, auch konkrete Schritte zu tun und darauf zu vertrauen, dass Gott einen auch führt.

Sie sind Internationaler Direktor von TWR für Afrika. Wenn Sie an Afrika denken, was macht Ihnen Mut und was bereitet Ihnen Sorge?

Es gibt viele Probleme in Afrika: Dürre und Hungerkatastrophen, Krankheiten, die oft zum Tode führen, die man aber behandeln oder mit entsprechenden Mitteln verhindern könnte wie Cholera oder Malaria. Es gibt instabile und korrupte Regierungen, wobei man sagen muss, dass es auch viele, gut funktionierende Regierungen in Afrika gibt. Die werden  von den Medien allerdings nicht so wahrgenommen.

Das größte Problem, das ich aber in Afrika sehe, hängt mit einer gewissen Einstellung zusammen. Es gibt eine Einstellung, die ich "soziale Armut" nenne. Sie sorgt dafür, dass sich Menschen nichts zutrauen und der Meinung sind, dass sich sowieso nichts ändern wird. Wenn ich mein eigenes Leben anschaue, dann ging es mir ja nicht anders.

"Ich wusste auch nicht, dass ich ein besseres Leben haben könnte."

Ich wusste auch nicht, dass ich ein besseres Leben haben könnte. Ich habe nicht gesehen, dass die Dinge anders sein könnten. Denn wo ich lebte, war das, was ich sah auch all das, was ich sehen konnte. Es gab kein Radio, kein Fernsehen, keine Straßen, keine Busse, keine Elektrizität. Ich hatte keine Vorstellung davon, dass das Leben anders sein könnte. 

Wie können Menschen lernen, über sich hinauszuwachsen?

Es muss jemanden geben, der einem die anderen Möglichkeiten, die es gibt, vor Augen hält und hilft, das eigene Potential zu entdecken. Es gibt so viel, was die Menschen in Afrika mit der Hilfe Gottes erreichen können. Ich muss da an Jesaja 61 denken, wo davon die Rede ist, dass Gott sein Volk von Trauer und einem negativen Selbstbild befreien will: „Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN … (Jes 61,1ff)“. Wenn das geschieht, werden Menschen aktiv und fangen an, Dinge wieder aufzubauen, die lange brach gelegen haben. 

"Ich fürchte aber, dass sich die Geschichte wiederholen wird."

Ich fürchte aber, dass sich die Geschichte wiederholen wird - so wie die Welt sich derzeit entwickelt. Im 17. und 18. Jahrhundert war Afrika die Quelle von Rohstoffen für die Industrialisierung des Westens. Dieses Mal wird Afrika der Markt für westliche Produkte. Und wenn Gott nicht die Herzen und Gedanken der Menschen ändert, die in der Wirtschaft tätig und auf der Suche nach neuen Märkten sind, dann ist Afrika reif für einen weiteren Kreislauf der Ausnutzung. Hoffnung gibt es nur, wenn ehrliche und integre Menschen sich von Gott gebrauchen lassen, um mit den Menschen in Afrika zusammenzuarbeiten.


Links zum Thema:

TWR Afrika: www.twrafrica.org
TWR International: www.twr.org
ERF International: www.erf.de/108


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