Buchtipp

"Weites Herz"

Sich auf die Seite der Erfolglosen und Schwachen zu stellen, erfüllt Christi Gebot der Nächstenliebe. Diese Botschaft zu vermitteln, ist das Anliegen von Jean V

1964 gründet Jean Vanier in einem kleinen französischen Ort die „Arche“, eine christliche Kommunität, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben. Heute gibt es circa 135 Arche-Gemeinschaften , drei davon in Deutschland. Der 82jährige Autor lebt immer noch in der ersten Arche-Gemeinschaft und schreibt in seinem Buch über die Erkenntnisse, die er dort  gewonnen hat.

Freunde der Armen werden

Sein Buch, das auf zahlreiche Bibelstellen verweist, richtet sich in erster Linie an Christen und Vaniers Botschaft lautet zusammengefasst: Werdet Freunde der Armen und Ausgestoßenen und nehmt  auch eure eigene Schwachheit und Armut an. Was das im Einzelnen bedeutet, erfährt der Leser in den sechs Kapiteln des Buches.

Jesus ruft jeden Menschen auf ganz  individuelle Weise in seine Nachfolge. Es gilt, den Ruf Gottes  zu erkennen und ihm treu zu bleiben, auch wenn man auf manches verzichten muss.  Jeder kann in seiner Familie oder in seinen Beziehungen Freund der Kranken und Ausgestoßenen sein, ihr Leben teilen und mit ihnen leiden. Wir müssen aufhören, den Armen nur Gutes zu tun und stattdessen bereit sein, einfach bei ihnen zu sein. Dabei erfahren wir, dass nicht wir den Armen in unserem Umkreis Gutes tun, sondern dass die Armen uns Gutes tun. Die Schwachen, Kranken und Ausgestoßenen werden für uns zur Gegenwart Gottes. Wenn wir uns ihnen liebevoll zuwenden, ehren wir die schwächsten Glieder des Leibes Christi, sind wir eins in ihm und untereinander.

Umgang mit Leid

Vanier fragt den Leser und sich selbst, wie er reagiert,  wenn er mit seinem eigenen Leiden oder dem Leiden anderer konfrontiert wird und er zeigt uns Petrus und Maria und wie sie sich angesichts des Leidens und Sterbens Christi verhalten. Petrus träumt davon, der Mannschaft der Sieger anzugehören; er weicht dem Leiden aus. Maria dagegen bleibt in der Nähe ihres Sohnes, hält mit ihm aus und kann – auch wenn sie nicht versteht – warten und vertrauen. „Diejenigen sind gesegnet, die auch dann noch Vertrauen haben, wenn sie die Erfahrung des Scheiterns machen. Aber ein solches Schwachsein können wir nur dann annehmen, wenn wir im Glauben wachsen, dass Jesus alles neu macht.“

Der Autor weiß nach Jahrzehnten des Zusammenlebens mit Behinderten, wovon er spricht und deswegen ist seine Botschaft glaubwürdig.  Es gibt viel Leid auf der Welt und jeder von uns kennt Menschen, die behindert, arm, verachtet, im Gefängnis, süchtig sind oder einfach am Rand unserer Gesellschaft stehen. Vanier macht uns Mut: „Kein Leiden ist jemals nutzlos. Es gleicht dem Mist, den man über den Acker streut. Er riecht schrecklich und scheint nur Abfall zu sein, aber in Wirklichkeit reichert er den Boden an und nährt ihn, und so kann er neues Leben hervorbringen.“

Sich auf die Seite der Erfolglosen und Schwachen zu stellen, ist heutzutage nicht populär, erfüllt aber Christi Gebot der Nächstenliebe. Diese Botschaft Christen ans Herz zu legen, ist das Anliegen des Buches.

 


Jean Vanier:
"Weites Herz.
Dem Geheimnis der Liebe auf der Spur."
Neufeld Verlag, 2010.
 143 S.
14,90 Euro

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Bild: Neufeld Verlag


Kommentare

Von Gottfried Pendl am .

Ja Nächstenliebe ist für mich das Gebot von GOTT den Armen und Verachteten und Verlassenen zu helfen,aber meistens an Ort und Stelle und nicht etwas Geld weit weg zu schicken,nein,wir haben Notleidente vor der eigenen Haustür könnte man sagen,denn man trifft überall Arme und Verachtete und Verlasenen und da helfe ich sehr geren,aber man muß aufpassen,das es nicht es zum ausnützerischen übereght.Für mich zum helfen ist der Text der Bergpredigt und ganz speziell Math. 25:35-40 spricht mich sehr mehr

Von Ingrid Bös am .

Hallo,
also der Vergleich mit Nutzlosigkeit von Leiden und neues Leben in Christus hinkt für mich.
Viel Leiden auf dieser Welt ist nutzlos und findet erst in der neuen Welt Gottes Erfüllung.
Ich finde auch, daß das Leiden der Mitmenschen eher als Kreuz mitzutragen ist und es viel Demut braucht es in Würde mitzutragen. Denn dann bekommt das Leiden auch Ausstrahlungskraft.
Weil im Kreuz ist Herrlichkeit. Und Jesus hat selbst gesagt: Nicht er hat gesündigt, noch haben seine Eltern gesündigt, sondern das passiert, damit die Herrlichkeit Gottes offenbart wird.
Gottes Segen
Ingrid

Von Berndt Deuer am .

Liebe Ricarda Reith,
vielen Dank für Ihren Artikel über Jean Vanier, den ich sehr gut finde.
Bitte erlauben Sie mir einen kleinen formalen Hinweis auf Formulierungen wie Behinderte usw. In der Fachwelt hat man sich diesbezüglich darauf verständigt den Menschen und nicht dessen Behinderung voran zu stellen, weil wir genau genommen alle in irgend einer Weise beeinträchtigt sind. Man spricht dann nur nicht von Behinderung. Deshalb empfehle ich Ihnen in diesem Zusammenhang immer von "Menschen mit mehr


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