Jahr der Stille 2010

Befreit vom Druck des Getriebenseins

Martin Pepper lädt auf „Siesta“ mit südamerikanischen Rhythmen zur Stille ein. Für den Künstler kein Widerspruch. Ein Interview mit CD-Verlosung.

Wer sich Stille gönnt, gewinnt eine neue Dimension des Angenommenseins und der Lebensqualität. Martin Pepper setzt diese Erkenntnis mit südamerikanischer Leichtigkeit und einem Schuss Spanisch auf seiner neuen CD „Siesta“ musikalisch um. ERF.de hat mit dem Songschreiber und Musiker über sein neues Album und über die verschiedenen Facetten der Stille gesprochen.

Siesta bedeutet eigentlich Mittagsruhe und ist charakteristisch für südliche Länder. Fehlt uns das in Deutschland manchmal, so ein Nickerchen zwischendurch?

Das hängt von den Rhythmen ab, in denen jeder Mensch lebt. Ich habe früher immer von meiner Mutter einen Mittagsschlaf verordnet bekommen und das zunächst gehasst. Heute als erwachsener Mensch gönne ich mir das, so oft ich kann. Wenn ich nicht in einem sehr engen Terminkorsett bin, genieße ich einen Mittagsschlaf. Ich glaube, dass viele andere Menschen es auch machen, die sich das leisten können.

Inspiration für das neue Album war eine Reise nach Kuba. Das hört man auch am Rhythmus. Passen südamerikanische Lebensfreude und Stille überhaupt zusammen?

Ja! Die Stille ist ja nicht nur etwas Dumpfes, Zurückgenommenes. Sie hat auch mit der Lebensfreude in uns zu tun. Die zu entdecken, ist eine der Aufgaben von dem Jahr der Stille und auch dieses Themas Siesta. Die vielen Facetten der Stille, die mich befreien von dem Druck des Getriebenseins, von dem Mithaltenwollen - das alles lässt sich mit dieser südamerikanischen Leichtigkeit und Lebensfreude sehr gut kombinieren. Denn Siesta ist eben nicht nur ein Stilldasitzen mit gefalteten Händen und sich nichts mehr gönnen. Sondern es ist eine ganz vielfältige Bandbreite von erleichternden, heilsamen Momenten des Loslassens. Das alles schwingt für mich in diesem Begriff Siesta mit.

Das klingt alles ein bisschen theoretisch. Können Sie ein Beispiel geben, wie Sie in Ihrem Leben diese Art von Stille erleben?

In meinem Album habe ich einige Lieder, die verschiedene Aspekte dieses Stillwerdens beschreiben. Da ist zum einen dieses ganz intensiv geistliche Lied „Die Zeit steht still“. Da spüre ich diesem Erlebnis nach, was ich manchmal habe, wenn ich Gott anbete. Wenn ich in eine geistliche Zeit eintauche, in der das Zeitgefühl sich für mich auflöst, weil ich das Gefühl habe, dass ich tief verbunden und hinein genommen bin in etwas, was über meine übliche, irdische Erfahrung hinausgeht. Nicht, dass ich da große Engels- und Himmelserfahrungen mache. Es ist dieses Gespür, das sich manchmal einstellt: Ich bin hier auf einer anderen Ebene, in Verbindung mit etwas Heiligem. Das ist ein Zustand von Siesta, von Stille. Ein tief religiöser Zustand.

Dann ist da auch das Lied „Está bueno“ (Es ist gut). Das kann ich mir im Alltag zwischendurch sagen, wenn alle um mich herum einen Idealmaßstab aufrichten, dem ich nicht genügen kann. Dem ich mich aber oft selbst unterwerfe, weil ich anerkannt werden will. Es ist auch eine Form von Siesta, wenn ich mir dann innerlich sage: Stopp. Was du hast, was du bist, was du machst, ist gut genug. Lebe Dein Leben und sei damit zufrieden. Das sind einige der Ebenen, in denen Siesta für mich erfahrbar wird.

Leben zwischen Sodom und Gomorra und Jerusalem

Dieses Zufriedensein mit dem, was man hat und wie man ist, findet sich auch in dem Lied „Havanna Olé“. Nur geht es da nicht um eine Einzelperson, sondern um die christliche Gemeinde. Wie ist es zu diesem Lied gekommen?

Havanna ist eine Stadt, in der so viel Müll und Narben der Vergangenheit sichtbar sind, aber gleichzeitig auch so viel Lebendiges und Schönes. Ich denke da an das Musikalische oder die Fassaden, die renoviert werden. Das ist für mich ein Bild davon, wie Gemeinde Jesu lebt. Wir stehen zwischen Sodom und Gomorra und dem himmlischen Jerusalem. In dieser Zwischenwelt, in der beide Welten vorkommen, sich noch mischen, aber auch schon sortiert und restauriert werden. Für mich war dieser Gedanke einfach befreiend und wunderbar. Ich empfinde das als ein ganz tolles Zeugnis auch für Menschen, die den Glauben nicht kennen. Das sie sagen: Hier werde ich nicht eingeladen in einen Club der Perfekten, sondern hier werde ich mit hineingenommen in einen Wiederherstellungsprozess, der auch mir gut tut.

Das ist dann wieder entspannend und führt in die Siesta. Dass ich mir sage: Ich muss nicht alles perfekt im Griff haben. Ich darf auch mit meinen Schutthalden und dem Unangemalten in Gottes Gegenwart, in die Gemeinde kommen. In einen Prozess des Glaubens und der Wiederherstellung.

Das Thema Stille taucht schon auf Ihren früheren CDs auf. Ich denke da zum Beispiel an das Lied „Auge im Sturm“ von 1998. Sind Ruhe und Kontemplation so etwas wie Ihre ständigen Wegbegleiter?

Auf jeden Fall. Ich könnte nicht intensiv emotional, vermittelnd agieren, wenn ich nicht auch emotional immer wieder einen Ruhepol finde in der Begegnung mit Gott. Wenn ich zuhause bin, dann ist das Lesen der Bibel, das Beten, das In-mich-gehen und Spüren etwas ganz Wichtiges. Das ist eine Kraftquelle, ohne die ich das vielfältige Programm gar nicht durchziehen könnte, das mein Leben ausmacht.

Aus der Erfahrung würde ich sagen, dass es manchen Christen schwer fällt, Kraft aus dem zu schöpfen, was sie in der Bibel lesen. Bei Ihnen hört sich das an, als ob Sie da ganz erfolgreich sind.

Natürlich ist unser ganzes Leben immer im Konflikt mit allen Informationen, die auf uns einströmen. Um zur Ruhe zu kommen, ist es ganz wichtig, die richtigen Stimmen in uns zu Gehör zu bringen und die Stimmen, die uns anklagen und ängstigen, in ihre Schranken zu weisen. Wir können sie nicht immer zum Verstummen bringen. Dazu leben wir in einer Welt, die zu laut schreit und die auf uns eindringt, so dass wir uns ihrer oft nicht erwehren können.

Aber wir alle haben die Chance, immer wieder in uns einen Platz zu finden, wo wir die Annahme Gottes spüren. Wo wir die vielen Dinge, die uns bedrängen wie auf einem Speicher in einer Ecke sortieren und sagen: Das ist alles da. Aber da tauche ich jetzt nicht drin ein. Ich habe diese Gedanken, aber ich bin nicht diese Gedanken. Ich habe diese Gefühle, aber ich bin nicht diese Gefühle. Und jetzt spüre ich dem nach, was ich bin. Nämlich ein Kind Gottes, ein Mensch, der an dem Geheimnis Gottes teilhaben darf. Ich suche nach diesem Sein, nach dieser Würde in einer Form von Achtsamkeit und Konzentration. Das gelingt mir mal besser, mal schlechter. Aber die Summe dieses Weges führt immer wieder dazu, dass ich in einem inneren Gleichgewicht lande, das ich sonst sehr schnell verlieren würde.

Heilsame und positive Erfahrungen

Bild: Gerth Medien

Wie machen Sie das, wenn Sie einen Bibeltext vor sich haben?

Ich gleiche das, was ich in der Bibel lese, mit dem ab, was mir im Laufe der Jahre darüber klar und sehr wichtig geworden ist, wie Gott ist. Wenn wir eins zu eins jeden Bibeltext in unsere Situation übertragen würden, würden wir uns sehr schnell von den strengen Texten der Bibel verunsichern lassen. Die stehen für mich aber in einer gewissen Vorläufigkeit zu dem, was Gott in Jesus geoffenbart hat. Das wahre Bild Gottes steht nicht in irgendeiner einzelnen Bibelzeile. Wie Gott wirklich ist, sehen wir in der Person Jesu Christi. In seinem Umgang mit Menschen, in seiner Liebe, in seiner Vergebung. In seinem Ansatz, der den Menschen höher achtet, als das Gesetz. Das ist der Schlüssel für ein gesundes Lesen in der Bibel.

Was wünschen Sie sich für das Jahr der Stille für sich selbst und für die Menschen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen?

Ich spüre jetzt schon, wie das Jahr der Stille in mir zu ganz vielen neuen Zugängen zu Gott, zur Annahme, zur Entspannung geführt hat. Ich bin mir sicher, dass die Menschen, die dem nachspüren, die damit experimentieren, ähnlich positive Erfahrungen machen. Und dieses Jahr der Stille wird sicherlich nicht bei diesem Jahr bleiben. Die heilsamen und positiven Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, die möchte ich in mein weiteres Leben integrieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen über Martin Pepper und seine Arbeit finden Sie unter martinpepper.de


 

Siesta - In der Ruhe liegt die Kraft
Verlag Gerth Medien
17,99 € (D)

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Bild: Gerth Medien
 

Gewinnen Sie die CD "Siesta"!

Martin Pepper hat sich in der Vergangenheit schon einmal vom spanischsprachigen Amerika für seine Musik inspirieren lassen. Schreiben Sie uns über die Leserbrieffunktion den Titel der entsprechenden CD und Sie nehmen an der Verlosung von insgesamt fünf Exemplaren der CD „Siesta“ teil.

Die Gewinner werden über die Emailadresse benachrichtigt. Bitte achten Sie darauf, dass Sie Ihre Adresse korrekt angeben. Pro Teilnehmer kann maximal eine CD gewonnen werden. Ihre Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben. Wir informieren viermal im Jahr über unsere neuen Themen und Projekte. Der Infobrief kann jederzeit per Mail, Telefon und Fax abbestellt werden. Teilnahmeschluss ist Sonntag, der 09. Mai 2010.

Wir danken dem Verlag Gerth Medien, der uns die CDs für die Verlosung freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat!

Der Titel der gesuchten CD heißt "Fiesta". Martin Pepper hat sie 2007 heraus gegeben, inspiriert von einer Mexiko Reise. Wir danken allen Teilnehmern fürs Mitmachen und gratulieren den Gewinnern:

G. Hesse aus Leipzig, B. Hambruch aus Handewitt, H. Carle aus Zweiflingen-Eichach, L. Hettler aus Mannheim und H.Schweitzer aus Münstermaifeld. 


Martin Pepper zu Gast bei ERF Medien:

In der Sendung [email protected] (ERF Radio): Am Freitag, den 30. April um 20.00 und um 23.00 Uhr (Wiederholung am Sonntag, den 02. Mai, 13.00 und 18.00 Uhr).

In der Sendereihe zum Jahr der Stille (ERF Eins): Am Dienstag, den 22. Juni um 18.00 Uhr (Wiederholung am Mittwoch, den 23. Juni um 16.30 Uhr; weitere Wiederholungen entnehmen Sie bitte unserer Programmzeitschrift Antenne).


Kommentare

Von Clarisse am .

Hallo aus Paraguay :-) - das hört sich gut an, ein Konzert mit M.Pepper hier bei uns in Py. Habe sein Interview auf ERF-Radio per Internet-Radio gehört und denke, dass ein Konzert von ihm hier toll wäre. Vielleicht klappt es ja wirklich?!

Von Sigrid Lauermann am .

Ein Jahr der Stille ist super.

Von Wolfgang Weyrich am .

Ich war mit Martin zusammen auf der Bibelschule, wo er den Lobpreis leitete, toll wie er sich weiterentwickelt hat, super Musik.

Von Ermelindo Roepke am .

Danke für dieses Angebot.

Von Ulrike Nyboer am .

Hallo liebe Geschwister, ein sehr guter Artikel meines Lieblingsliedermachers Martin Pepper. Ich freue mich jedesmal, wenn ich seine Lieder auf ERF höre und das im ERF-TV war auch sehr gut, was gebracht wurde. Ich wünschte es mir sehr, dass er mal nach Paraguay und Brasilien auf Tourné gehen würde, denn dort sprechen noch viele Deutsch. Seine Lieder , besonders von den CDs mit den spanischen Titeln, kommen gut an.Er müßte dort noch populärer werden, damit er eine Einladung bekommt z.B. von mehr


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