Themenwoche Single sein Lesezeit: ~ 7 min

Manchmal braucht man eine Elefantenhaut

Wer über eine Singlebörse oder eine Partnervermittlung den Partner fürs Leben sucht, sollte einige Dinge beachten. Ein Interview.

Die Hollywood-Komödie „E Mail für Dich“ mit Meg Ryan und Tom Hanks hat 1998 vorgemacht, was heute viele Paare erleben: Man lernt sich übers Internet oder über eine Partneragentur kennen. Neben seriösen Anbietern und Interessenten gibt es in der Branche allerdings auch schwarze Schafe. ERF.de hat bei Walter Nitsche, Leiter der christlichen Partnervermittlung cpd, nachgefragt, was man beachten sollte, wenn man auf diesem Weg seinen zukünftigen Ehepartner kennenlernen möchte.

ERF.de: Zuerst eine grundsätzliche Frage: Pfuscht man Gott nicht ins Handwerk, wenn man aktiv auf Partnersuche geht?

Walter Nitsche: Sicher nicht. Mein Vertrauen liegt ja nicht auf der Partnervermittlung, sondern nach wie vor auf Gott. Wenn eine Sekretärin eine Arbeitsstelle sucht, kann sie natürlich auf einer Zugfahrt von Karlsruhe nach Hamburg jemanden im Abteil treffen, der eine Teamassistentin sucht und so an ihren Job kommen. Gott kann das tun. Aber der normale Weg ist, dass diese Bürokauffrau 20, 30, 100 Bewerbungen schreibt - auch nicht nur eine.

So sehe ich das auch bei der Partnersuche. Ich suche zum Beispiel nach einem Christen, nach einem bestimmten Kommunikationsniveau und anderen Dinge, die mir wichtig sind. Dadurch werde ich Gott nicht ins Handwerk pfuschen. Genauso wenig, wie ich ihm ins Handwerk pfusche, wenn ich bei einer Arbeitssuche viele Bewerbungen schreibe.

Singlebörsen sind neben Internet-Partnervermittlungen die häufigste Plattform, wenn es darum geht, online einen Partner zu suchen. Im Gegensatz zur Partnervermittlung ist hier keine dritte Person oder ein automatisierter Vermittlungsprozess zwischengeschaltet. Wer auf diesem Weg einen Partner sucht, erstellt ein Profil von sich selbst und wählt selbst die Personen aus, die er anschreiben will.

Man hört immer wieder von Paaren, die sich über Singlebörsen kennengelernt haben. Trotzdem hat diese Methode nach wie vor ein schlechtes Image, nach dem Motto: „Da gehen nur die hin, die sonst niemanden finden“ oder „Da weiß ich ja nicht, mit wem ich es zu tun habe“. Ist das gerechtfertigt?

Diese erste Aussage stimmt sicher nicht. Wer im Internet sucht, sagt sich oft: Ich heirate nicht nur einfach irgendjemanden, weil er Christ ist. Das finde ich gut, denn das ist auch nicht das einzige Kriterium bei der Partnersuche.

Das zweite ist eher berechtigt. Wir hatten beim cpd schon zweimal eine Internetplattform und einmal auch eine Zeitschrift mit Anzeigen. Mit beidem haben wir aufgehört, weil dieser Punkt uns unheimlich zu schaffen machte. Bei einer Singlebörse hat der Anbieter kaum die Möglichkeit der Ausgrenzung. Da haben sich dann jene Leute, die wir bei der gezielten Partnervermittlung wegen unseriösen Verhaltens ausgeschlossen hatten, auf unserer Internetplattform weiterhin angemeldet und ihr Unwesen getrieben. Viele testen auch nur: Man schaut mal und trifft sich mit einer Frau zu einem schönen Abendessen, weil man einsam ist - das ist noch die sanftere Form, obwohl sich der andere dann auch benutzt und missbraucht fühlt. Wobei man auch sagen muss, jemand, der eine dickere Elefantenhaut hat und dem das nicht so viel ausmacht - warum sollte der nicht im Internet suchen?

Suche ohne Grenzen

Worin sehen Sie die Vorteile der Partnersuche bei einer Singlebörse?

Wer ins Internet geht, kann viel aktiver sein. Bei einer Partnervermittlung muss er auf gezielte Vorschläge warten, im Internet kann er mit 100 Leuten gleichzeitig Kontakt aufnehmen. Da sind ihm keine Grenzen gegeben. Meistens ist es auch günstiger.

Worauf sollte man achten, wenn man sich bei einer Online-Singlebörse anmeldet?

Ich würde auf jeden Fall sagen, je ausführlicher die Vorstellung eines Partners fällt, desto besser. Denn man muss sich hier ja selbst aussuchen, wen man kontaktiert. Das zweite wäre, dass ein gewisser Schutz gegeben ist. Wenn man sich bei einer Singlebörse anmeldet, dann sollte beispielsweise dem Betreiber die Wohnadresse angegeben werden müssen und nicht nur eine E-Mail-Adresse. Man sollte dazu verpflichtet sein, dass das Bild, das man einstellt, das eigene ist und so weiter. Diese Dinge müssten abgeklärt und in den AGBs, den gesetzlichen Bestimmungen, enthalten sein. Sonst wäre es fast eine Einladung für Leute, die unlautere Absichten haben.

Bei einer Partnervermittlung sammelt eine Agentur die Daten von Menschen, die einen Partner suchen, und stellt gezielt den Kontakt zwischen Partnersuchenden her. Die Aufnahme, Auswertungen, Vorschläge bzw. Kontaktherstellung usw. kann dabei über den klassischen Weg des Briefverkehrs geschehen oder übers Internet. Die Zusendungen sind bei seriösen Internet-Partnervermittlungen verschlüsselt.

Und bei einer Partnervermittlung – woran erkennt man hier, dass eine Agentur seriös arbeitet?

Bei einer Partnervermittlung sollte man schauen, dass sie über 1000 Mitglieder hat. Eine Partnervermittlung, die weniger als 500 aktive Mitglieder hat, ist praktisch erfolglos, rein vom rechnerischen her. Dann sollte sie Erfolgsberichte haben, aber mit Namen und Ort. Das ist ganz wichtig. Es gibt viele unseriöse Partnervermittlungen, die mit Lockangeboten und mit Erfolgsberichten arbeiten, die es nicht gibt. Ich kann natürlich schreiben „H.Z. aus K. schreibt…“ - das kann niemand nachprüfen. Ich würde mir von einer Partnervermittlung immer Referenzen geben lassen, die man auch prüfen kann.

Weiter würde ich nirgends über 1500 Euro für eine einjährige Teilnahme zahlen. Mit dem Geld muss man hinkommen. Wenn man mehr bezahlen muss, dann wird die Teilnehmerzahl der betreffenden Partnervermittlung immer geringer, dann sind die Chancen, dass ich Erfolg habe, auch sehr gering. Und dann empfehle ich, nur eine Partnervermittlung zu nehmen, die einen Unterschied zwischen den Anfangsgebühren und einem Erfolgshonorar macht. Das bringt die Partnervermittlung unter einen gesunden Erfolgsdruck - sie müssen sich bemühen, dass auch Ehen entstehen. Dieser Druck fehlt natürlich bei den allermeisten Internetplattformen auch.

Gibt es Situationen, in denen Sie davon abraten würden, über eine Singlebörse oder über eine Partnervermittlung einen Partner zu suchen?

Wenn jemand beziehungsunfähig ist, würde ich auf alle Fälle von einer Partnerschaft abraten.

Wie kann ich erkennen, dass ich auf diesem Gebiet Schwierigkeiten habe?

Da sind seelsorgliche Aspekte. Wenn eine Person zum Beispiel aufgrund von fehlender Verletzungsarbeit immer wieder von ihren Urwunden überrollt wird. Oder wenn sie einen Partner sucht in der Hoffnung, dass dadurch das eigene Leben heil oder erfüllt wird. Ich weiß, dass sind gewagte Worte. Aber letztlich besteht darin Beziehungsunfähigkeit, denn diese Person wird Enttäuschungen erleben.

Trifft man sich oder trifft man sich nicht?

Wer sich bei einer Singleböse oder einer Partnervermittlung anmeldet, findet meistens nicht sofort jemanden und macht unter Umständen auch einige negative Erfahrungen. Welche Tipps geben Sie jemandem, der es auf diesem Weg versuchen möchte?

Bei Singlebösen würde ich sagen: Sich nicht bereits am Anfang der Kommunikation, des Kennenlernens treffen. Wenn ich im Internet suche, sollte ich zuerst die wichtigsten Fragen abchecken: Angefangen vom Zivilstand, über Gemeindezugehörigkeit, über den Stellenwert, den Gott im Leben hat, über die Lebensziele usw.

Eine automatisierte Internet-Partnervermittlung ähnelt einer Singlebörse, mit dem Unterschied, dass verschiedene, unpersönliche Automatisierungen einbaut sind, die für eine höhere Trefferquote sorgen sollen.

Diese Angaben sind manchmal ja auch im persönlichen Profil ersichtlich.

Je genauer dieses Profil ist, desto besser. Solche Dinge sollte man abklären, indem man über E-Mail-Kommunikation oder Telefon ein möglichst ganzheitliches Bild vom anderen erfasst. Dann kann man sich entscheiden: Möchte ich diesen Mann oder diese Frau treffen oder nicht. Beim cpd bekommt jeder einen Fragebogen, und wir versuchen, die Antworten ganzheitlich zu erfassen. Das wäre wie bei einem guten Profil im Internet, wo viele Fragen schon beantwortet sind. Und es gibt Rückmeldungen der Mitglieder, die sich mit anderen getroffen haben. Das vervollständigt das Bild. Die Vorschläge, die dem einzelnen aufgrund seines Fragebogens gemacht werden, sind dadurch wesentlich gezielter als bei einer Suche bei einer Singlebörse.

Mit wie vielen Leuten muss man im Durchschnitt Kontakt aufnehmen, bevor dann ein Kandidat dabei ist, wo sich etwas Ernstes entwickelt?

Beim cpd haben wir einen Durchschnittswert von sechs bis sieben Kontakten errechnet - beim Internet weiß ich es nicht. Wobei das ein Durchschnittswert ist. Es gibt nicht wenige, wo der erste Vorschlag schon der spätere Ehepartner war.

Und wenn man auch auf diesem Weg keinen Partner findet?

Ich komme viel in Gemeinden herum. Manche gründen Singlekreise, um als Single erfüllt leben zu lernen. Da passiert oft folgendes: Die Tür geht auf, ein neuer kommt herein, die Köpfe gehen nach oben und hinter der Stirn steht: Könnte das ein potentieller Ehepartner für mich sein? Wenn die Frage innerlich mit Nein beantwortet wird, dann geht der Kopf wieder runter. Kein Interesse mehr da. Was viel Singles dadurch verpassen, ist - wie C.S. Lewis das nennt - existentielle Freundschaften aufzubauen. Existentielle Freundschaften müssen nicht zu einer Ehe führen. Sie beinhalten geistliche Intimität, seelische Intimität und soziale Intimität, nur körperliche Intimität nicht. Aber wenn man in drei Bereichen erfüllt lebt, und das auch erlebt, dann kann man mit einem vierten Bereich unerfüllter Wünsche eher leben.

Vielen Dank für das Gespräch!


Walter Nitsche gründete 1985 zusammen mit seiner Frau Iris den Christlichen Partnerschaftsdienst cpd. Iris Nitsche leitet das Team des cpd. Walter Nitsche ist hauptsächlich in der Seminar- und Schulungsarbeit, sowie in seiner Praxis für ganzheitlich seelsorgliche Beratung tätig. Die beiden sind seit 1976 miteinander verheiratet und haben vier Kinder und zwei Enkel.

Weitere Informationen zum Christlichen Partnerschaftsdienst cpd finden Sie hier: cpdienst.com

Buchtipp zum Thema: "Partnersuche & Partnerwahl unter Gottes Führung" von Walter Nitsche [Hrsg.], Philemon Verlag, ISBN: 3935368089, 6,90 € (D); (im ERF-Shop bestellen).

 


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Kommentare

Von Erhard M. am .

Durchdenkenswert

Von Sibylle am .

Elefantenhaut! Ja, die braucht man bei der Partnersuche! Ich finde die christl. Partnervermittlg., Internetangebote bieten gute Möglichkeiten einen Partner zu finden, zumal oft in der eigenen Gemeinde wenig Single-Männer gibt,aber man muss auch dort mit Enttäuschungen wegstecken können, nicht persönlich nehmen. Ich habe persönlich sehr viele Auf und Abs erlebt, auch Enttäuschungen mit Männern in der Gemeinde, die oft unsensibel im Umgang mit Single-Schwestern sind. Auch über den cp-dienst habe mehr

Von farkas am .

"Elefantenhaut"
Wann braucht man das? Wenn man wieder mal jemand "loswerden" möchte, oder wenn man sich wieder anbieten will? Ich habe persönlich mehrere christliche Partnerbörsen über Jahre hinweg, mit freudige Erwartung besucht. Leider passierte immer das gleiche. Sehr viele "Profilbesuche", kaum ernsthafte Interessen, dafür "abchecken" bis die Schwarte kracht. Irgendwas hat nie gestimmt. Was da genau missfällt wurde auch nie gesagt. Kontakte brechen einfach so ab. Ich habe allerdings viel mehr

Von Manfred Best am .

Hallo Herr Nitsche, hallo Frau Keller,
mit großem Interesse habe ich Ihr Interview "Manchmal braucht man eine Elefantenhaut" gelesen, denn auch ich hatte in den letzten Jahren versucht, über einige Internet-Partnervermittlungen (nicht ausschließlich christliche) eine christliche Partnerin zu finden.
Meine Erfahrungen mit all diesen Plattformen sagen mir revue-passierend und aus heutiger Sicht ganz klar und völlig eindeutig, dass ich niemandem empfehlen kann, sich einen Partner / eine Partnerin mehr


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