Nachgefragt

Die Gedanken sind frei

Oft hat man das Gefühl, negativen Gedanken hilflos ausgeliefert zu sein. Es gibt aber Möglichkeiten, sie zu steuern und zu verändern.

Kann ich meine Gedanken steuern? Habe ich die Verantwortung dafür - abgesehen davon, dass ich sie einfach nicht weiter denke? Wie gehe ich mit "schlechten Gedanken" um? Was sagt Gott dazu und will er mir dabei helfen, reine Gedanken zu haben?

Die Gedanken in die Schranken weisen?

Als ich Ihre Fragen las, musste ich an das Lied von Hoffmann von Fallersleben denken:
„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie ziehen vorbei, wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen mit Pulver und Blei. Die Gedanken sind frei“

Das Lied drückt aus, was mit den Gedanken dem Anschein nach passieren kann: Sie machen sich selbstständig, sind „frei“. Wie automatisch scheint sich im Kopf eine Gedankenwelt in Gang zu setzen, von der man das Gefühl hat, sie nicht mehr beeinflussen zu können. Je mehr man versucht, diese Gedanken zu unterdrücken, „wegzudenken“, umso mehr kommen sie zurück und umso stärker werden sie. Da stellt sich die Frage, ob man dieses Gedankenkarussell durchbrechen, wo ihm Halt gebieten kann.

Die Gedanken mit Positivem füttern

Sie fragen, ob Sie Ihre Gedanken steuern können, ob Sie eine Verantwortung darüber haben. Im Grunde haben Sie sich mit Ihrer zweiten Frage („außer wenn ich sie nicht weiter denke“) selbst die Antwort gegeben. Bei aller Freiheit der Gedanken habe ich eine Verantwortung dafür, was ich denke, so wie ich eine Verantwortung für mein Handeln habe.

Eine Möglichkeit im Umgang mit negativen Gedanken wäre, dass Sie die Auslöser für sie meiden: Wenn ein Horrorfilm ängstliche, schreckliche Gedanken auslöst, dann ist es sinnvoll solch einen Film nicht mehr anzuschauen.

Umgekehrt hilft es, wenn man sich bewusst mit Büchern, Filmen, Musik usw. zu beschäftigt, die positive Gedanken auslösen. Machen Sie dies nicht erst dann, wenn die unangenehmen Gedanken schon da sind, sondern vorher. In diesem Sinne können wir selbst mit entscheiden, wie und mit was wir unsere Gedankenwelt „füttern“. Langfristig gesehen kann das den Inhalt unseres Denkens entscheidend prägen und verändern.

Martin Luther wird sinngemäß folgender Satz zugeschrieben: „Schlechte Gedanken sind wie Vögel. Wir können nicht verhindern, dass sie um unseren Kopf kreisen. Aber wir können verhindern, dass sie auf unserem Kopf nisten.“ Ein negativer Gedanke ist also noch nicht an sich zwangsläufig falsch in Gottes Augen. Erst, wenn wir ihm nachgehen und ihm „Nahrung geben“, ihn zum Bleiben einladen, kann daraus ein schuldhaftes Verhalten werden.

Die Bibel gibt in dieser Hinsicht folgenden Tipp: Und nun, liebe Freunde, lasst mich zum Schluss noch etwas sagen: Konzentriert euch auf das, was wahr und anständig und gerecht ist. Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen. (Philipper 4,8)

Am Schlafittchen packen

Sie fragen weiter: Wie gehe ich mit negativen Gedanken um? Gedanken fangen ja meist klein an und wachsen irgendwann zu einem ungeheuren Konstrukt heran.

Ich sehe im lauten Aussprechen eine gute Möglichkeit, den Keim eines negativen Gedankens zu ersticken. Das hilft, die Gedanken zu ordnen und gegebenenfalls in die Schranken zu weisen. Wenn man einen negativen Gedanken erkennt, kann man ihn laut aussprechen und sich sagen: „Das will ich nicht denken. Dieser Gedanke ist falsch.“

Wenn die negativen oder sündigen Gedanken hartnäckig sind, hilft es, wenn man sie vor einem Menschen ausspricht, den man kennt und vertraut. Mit ihm kann man die Gedanken sortieren. Manche negativen Gedanken können uns nur so lange beherrschen, wie wir sie für uns behalten. Einmal ausgesprochen – und je nachdem auch vor Gott und vor Menschen bekannt – verlieren sie viel von ihrem Einfluss auf uns. So weiß man auch, dass diese belastenden Gedanken vergeben worden sind, da wo man sich durch sie wirklich schuldig gemacht hat. Ein anderer Mensch kann Ihnen auch eher sagen, ob Ihre Gedanken wirklich so schlecht sind, oder ob Sie Ihre eigene Gedankenwelt härter beurteilen, als es nötig ist.

Wenn Sie Ihre Gedanken nicht vor einem Menschen aussprechen möchten, dann sprechen Sie sie laut vor Gott aus, im Gebet. Nicht leise, sondern wirklich laut. Hören Sie sich selbst dabei zu, wenn Sie Ihre Gedanken vor Gott bringen und denken Sie nicht, Gott könnte nicht damit umgehen. Keine menschliche, noch so absurde Gedankenwelt ist Gott zu fremd, als dass er sie sich nicht anhören würde.

Es bringt übrigens nichts, wenn man versucht, die unerwünschten Gedanken zu verdrängen oder zu unterdrücken. Um sie loszuwerden, muss man sie am „Schlafittchen“ packen und ihnen ins Gesicht sehen: „Warum ärgere ich mich ständig über diesen Menschen und wünsche ihm nichts Gutes?“ Oder „In welcher Stimmung und Tagessituation bin ich besonders anfällig dafür, gewisse Bilder vor meinem inneren Auge zu sehen?“ Wenn Sie wissen, was der tiefere Grund oder der Auslöser für Ihre Gedanken ist, dann können Sie ihre Gedanken und Ihr Verhalten auch leichter entsprechend ändern.

Durchschaut

Was Gott zu unseren Gedanken sagt und ob er uns im Umgang mit ihnen helfen will, können wir in der Bibel nachlesen. Deswegen einige Bibelstellen zum Thema:

Ich weiß, was sie [die Menschen] treiben, und kenne ihre Gedanken. (Jesaja 66,18)

Ob ich sitze oder stehe – du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke. (Psalm 139,2)

Jesus sagt in Matthäus 15,19: Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, die dann zu Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Lüge, Verleumdung führen.

Gott kennt unsere Gedanken, er durchschaut sie und uns. Wir brauchen auch gar nicht so zu tun, als hätten wir keine negativen Gedanken. Gott kennt sie, so wie er uns bis in unser Innerstes kennt.

Gott lässt uns nicht im Regen stehen

Aber Gott bleibt nicht dabei stehen, indem er sagt „Ja, ich kenne deine Gedanken und nun sieh' mal zu, wie du damit klar kommst.“

Er bietet uns Möglichkeiten an, sie bei ihm los zu werden. Das geschieht, indem er uns Vergebung anbietet. Wenn wir sie in Anspruch nehmen, dann brauchen wir uns über vergangene negative Gedanken keinen Kopf mehr machen: Gott hat sie vergeben, er denkt nicht mehr an sie – dann brauchen wir sie uns auch nicht mehr vorhalten.

Zum anderen bietet Gott uns aber auch die Möglichkeit, unsere Gedankenwelt zum Positiven hin zu verändern. Wie sieht das praktisch aus? Paulus empfiehlt den Korinthern die „Waffenrüstung Gottes“ anzulegen:

Ich setze nicht die Waffen dieser Welt ein, sondern die Waffen Gottes. Sie sind mächtig genug, jede Festung zu zerstören, jedes menschliche Gedankengebäude niederzureißen, einfach alles zu vernichten, was sich stolz gegen Gott und seine Wahrheit erhebt. Alles menschliche Denken nehmen wir gefangen und unterstellen es Christus, weil wir ihm gehorchen wollen.
(2.Korinther 10,4-5)

Wenn Paulus hier von Waffen spricht, dann ist das bildhaft zu verstehen. Die „Waffen Gottes“ finden wir in den Aussagen der Bibel. Wenn wir zum Beispiel negative Gedanken über uns selbst haben, dann ist Psalm 139 z.B. eine „Waffe Gottes“, die wir dagegen setzen können. Dort wird beschrieben, wie wertvoll der einzelne Mensch in Gottes Augen ist.

Die „Waffen Gottes“ zu gebrauchen, bedeutet für mich: Ich lebe bewusst in Gottes Gerechtigkeit, ich vertraue darauf, dass Jesus für meine Schuld gestorben ist und mir ein neues Leben geschenkt hat. Und es bedeutet für mich: Leben in und mit dem Wort Gottes – der Bibel. Wenn man regelmäßig in ihr liest, fängt der Heilige Geist an, durch sie die Gedanken und Einstellungen eines Menschen zu ändern:

Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. (Römer 12,2a).

Von unserer Seite aus braucht es dazu die Bereitschaft, sich verändern zu lassen. Das kann geschehen, indem man Dinge meidet, die einem schaden oder sich neu ausrichtet, indem man sich überlegt: Was will ich stattdessen denken und tun.

Gott zu danken oder darüber nachzudenken, wer er ist und was er Gutes im eigenen Leben getan hat, ist auch eine Möglichkeit, negativen Gedanken Einhalt zu gebieten. Auch hier ein praktischer Rat: Wenn Sie gerne singen, dann singen Sie ein Lobpreislied (falls bekannt), das Ihre Gedanken auf Gott, seine Liebe und seine Möglichkeiten richtet.

Fazit

Gott will Ihnen auf jeden Fall dabei helfen, reine Gedanken zu haben. Er möchte nicht, dass wir uns mit solchen Gedanken belasten, aber er weiß auch um unsere Schwächen. Sicher wird es nicht von heute auf morgen geschehen, dass negative Gedanken verschwinden. Aber vielleicht werden die Zeitspannen ohne sie immer länger und die Verzweiflung und das schlechte Gewissen weniger.


Kommentare

Von Judith G. am .

Ja ich kämpfe auch mit falsche Gedanke, und möchte es hiermit gott abgeben , Jesus nimm die falsche Gedanke und gibt freude Gedanken , alles lüge des Feindes müssen jetzt im Namen Jesus weichen

Von hajo am .

Sehr geehrte Frau Kirchhöfer!Danke für den biblischen Hinweis auf 2.Korinther 10,4-5.Mein Denken Christus zu unterstellen lernen wir als Beter/innen.
Mit freundlichen Grüssen,hajo.

Von Heiko am .

Danke Ihr habt mir geholfen Leute!
Ich habe echt zur Zeit nur noch "herumgeheult" und wußte gar nicht warum. Jetzt bin ich drauf gekommen, es war die Musik die ich anhörte. Die machte mich quasi krank. Vor *etlicher Zeit hatte mir da schon einmal jemand abgeraten solche Musik zu hören und ich hatte damals alle diese Musik vernichtet. Nun stand ich wieder am Punkt "*etlicher". Ich wußte ja das Musik agressiv-traurig- -ängstlich aber auch fröhlich machen kann, hatte dies aber total wieder vergessen. Danke nochmals.

Von Micha am .

Wie schon geschrieben: "Betet ohne Unterlaß!" Da ich auf Arbeit oft alleine bin, singe ich Loblieder; denke über Jesus, Gott oder sein Wort nach. Im Morgengebet "lege" ich meine Gedanken, Gefühle, meinen Willen und mein Tun unter den Gehorsam Gottes. Das ist eine echte Hilfe und gute Kraftquelle, seinem inneren Treiben bewußt eine gesunde Grenze zu setzen.

Von Konrad Bollmann am .

"Betet ohne Unterlaß!"
Heutzutage haben sogar schon die Kinder ein Handy. Ich z.B. habe keins u. auch nie eins gehabt, ich könnte damit auch gar nicht umgehen. Aber, das Gebet wird vernachlässigt. Statt beten telefonieren. Kontakt zu unserem Nächsten, aber auch Zeit für u.mit GOTT!
So können wir den bösen Gedanken widerstehen. Der böse Feind streut den Samen des Unkrauts aus, wir haben ihn herauszureißen.
"Wessen das Herz voll ist, des geht der Mund über!" GOTT aber sieht das Herz an. Dieses mehr

Von Angelique am .

Belastende Gedanken aussprechen kann sinnvoll sein.
Aber ich wehre mich entschieden dagegen, dass man nur positive Gedanken haben soll. Wir leben in einer gefallenen Welt und sind Sünder.
Wir dürfen meiner Meinung nach alles denken, aber nicht tun. Es wäre schlimm, wenn man nur noch Positives denken dürfte und nicht alle negativen Gedanken (z.b. auch dei der Verzweiflung) sind Sünde. Man würde psychisch udn auch vielleicht körperlich krank, wenn man nicht alles denken dürfte. Wir haben die Freiheit bekommen, alles zu denken.

Von Markus Hummer am .

Hallo und Danke für die ermutigenden Worte zum Thema Gedankenwelt...
Drucke mir den Text aus und werde diesen bei meiner Sillen Zeit bedenken..und mit meiner Frau besprechen..Gut, daß wir vor Gott offenbar sind und ER für uns ist...
Herzlichst Markus Hummer

Von Josi am .

Vielen Dank für diese ausführliche Beantwortung.
Ich hadere oft mit meinen Gedanken. Dann versuch ich sie wegzuschieben, aber wirklich kommen sie hartnäckig wieder. In letzter Zeit habe ich mir angewöhnt, Jesus um Hilfe zu bitten und wirklich zu sagen, Herr ich will diese Gedanken nicht haben, bitte nimm sie weg. Dann weiß ich dass sie mich nicht mehr belasten müssen. Aber oft hängt man sie fest, dass es einen erdrückt. Vielen Dank für die hilfreichen Worte. Hab den Text für mich und meine mehr

Von Ulrike Entwistle am .

Danke fuer Ihren Artikel ueber Gedanken. Ich fuehre gerade einen persoenlichen Kampf mit Gedanken des Alleingelassenseins von Gott, und weiss doch sehr wohl, dass das nicht so ist.
"Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist Seinen Heiligen Namen"

Von Ruth am .

Danke für diesen guten und hilfreichen Artikel.
Gottes reichen Segen ihnen!


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