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Indien: Christen werden bei lebendigem Leibe verbrannt

Die anhaltenden gewalttätigen Übergriffe auf Christen in Indien sind wesentlich brutaler als bisher bekannt. Pastoren würden von extremistischen Hindus bei lebendigem Leibe verbrannt, berichten Mitarbeiter indischer Partnerorganisationen des deutsch-schweizerischen Missionswerks Inter-Mission (Hannover/Liestal).

N e u D e l h i (idea) – Die anhaltenden gewalttätigen Übergriffe auf Christen in Indien sind wesentlich brutaler als bisher bekannt. Pastoren würden von extremistischen Hindus bei lebendigem Leibe verbrannt, berichten Mitarbeiter indischer Partnerorganisationen des deutsch-schweizerischen Missionswerks Inter-Mission (Hannover/Liestal).
Bei den Übergriffen im Bundesstaat Orissa, bei denen über Weihnachten nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) mindestens 730 Häuser von Christen und 95 Kirchen niedergebrannt wurden, ist ein Pastor nach Augenzeugenberichten auf diese Weise ermordet worden. Man habe ihn an einen Pfahl gefesselt, mit Diesel übergossen und angezündet. Am 15. Januar seien vier Pastoren ebenfalls von Hindu-Extremisten gefangen genommen und unter Anfeuerungsrufen einer aufgebrachten Menge von „Christen-Hassern“ verbrannt worden. Über 250 Christen seien aus ihren Hütten und Häusern verschwunden. Wenn die Fliehenden von Hindu-Extremisten aufgespürt würden, würden sie wahrscheinlich ebenfalls gefoltert oder getötet, so die Missionsmitarbeiter. Orissa gilt als Hochburg militanter Hindus. Er gehört zu den fünf indischen Bundesstaaten, die Anti-Bekehrungsgesetze erlassen haben. Sie sollen Übertritte von Hindus zu anderen Religionen einschränken.

Christen: Gewalt wird noch zunehmen
Indische Christen befürchten, dass die Welle der Gewalt noch zunehmen und sich auf andere Regionen ausdehnen wird. Der Grund: In diesem Jahr finden in zehn der 28 Bundesstaaten und sieben Territorien Wahlen statt. Im kommenden Jahr stehen Bundeswahlen an. Die national-hinduistische Partei BJP (Bharatiya Janata Party) verfolge die Strategie, die Wählerschaft mit religiösen Themen aufzustacheln und zu polarisieren. Das werde zu größeren Ausschreitungen gegen die christliche Minderheit führen, befürchtet der Generalsekretär des Gesamtindischen Christenrats, John Dayal (Neu Delhi).

Christen fordern Kastendenken heraus
Im Hintergrund der Ausschreitungen gegen Christen stehen auch soziale Spannungen, die mit der hinduistischen Prägung Indiens und dem Kastendenken zusammenhängen. Die sogenannten „Unberührbaren“, die kastenlosen Dalits und die Ureinwohner der Adivasi, betrachten die Kirchen als eine der wenigen Stätten, in denen sie frei von Diskriminierung gleichberechtigt behandelt werden. Extremistische Hindus sind besorgt, dass die Zahl der Christen durch den Zulauf aus den bis zu 80 Millionen Adivasi und rund 100 Millionen Dalits stark anwächst, sagte der Vorsitzende der katholischen Indischen Bischofskonferenz, Kardinal Telesphore Toppo (Bhubaneswar), dem Hilfswerk Misereor. Wie die Zeitung „Die Tagespost“ (Würzburg) weiter berichtet, zählen bis zu 70 Prozent der indischen Katholiken zu den Dalits oder Adivasi. Von den 1,1 Milliarden Einwohnern sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und etwa drei Prozent Christen. Der Rest gehört anderen Religionen an.

Hindus: Missionare ausweisen
Der Hinduistische Weltrat (Vishwa Hindu Parishad/VHP) hat die Ausweisung aller ausländischen Missionare gefordert. Sie arbeiteten mit links gerichteten Rebellen zusammen. Jährlich würden Millionenbeträge nach Indien geschickt, um Hindus zu bekehren. Das solle die Staatspräsidentin Pratibha Patil unterbinden. In Deutschland hat der entwicklungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Ruck (Augsburg), die indische Zentralregierung und die Regierungen der Bundesstaaten aufgefordert, den Gesetzen Geltung zu verschaffen, die die Religionsfreiheit gewährleisten: „Auf dem Papier nützen Gesetze nur wenig, wenn sie nicht umgesetzt werden.“


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