Bibellese-Material für Ihren Hauskreis: Johannes 15,1-8

Steigen Sie mit den Bibellese-Hilfen des Bibellesebundes gemeinsam im Hauskreis tiefer in die Bibellese ein - Hier finden Sie die Materialien für die Bibellese zu Johannes 15,1-8

Erklärung zu Johannes 15,1-8 - ab 03. März

Erklärungen

In Vers 2-3 geht es um die Frucht durch Reinigung, in 4-8 um die Frucht durch das Bleiben in Jesus.

1: Im Alten Testament wird das Volk Israel häufig mit einem Weinstock verglichen (Ps 80,9-17; Hes 19,10; Hos 10,1a) – allerdings oft mit einem verwilderten, schlechten Weinstock (Jer 2,21; Hos 10,1-2). Jesus hat wohl an dieses Bild gedacht, als er sich als der 'wahre Weinstock' (= wahrhaftige, echte, wirkliche) bezeichnet, dem gegenüber Israel nur ein Abbild ist.
Der 'Weingärtner' (Gott) ist Eigentümer und Pfleger der Pflanze.

2: Die 'Rebe' ist die organische Verbindung zwischen den Trauben und dem Weinstock. Eine total unfruchtbare Rebe ist es nicht wert, am Weinstock zu bleiben, eine wenig fruchtbare kann man dagegen durch Beschneiden verbessern.
Wer sind die, die 'weggenommen' (vgl. 'weggeworfen'; 6) werden? Mögliche Antworten:
- Christen, die sich von Jesus abgewendet haben (Hebr 6,4-6).
- Christen, die beim Jüngsten Gericht für ihre Werke bestraft werden, aber nicht ihre Rettung verlieren (1. Kor 3,12-15).
- Menschen, die sich zwar zu Jesus bekennen, aber nicht wirklich mit ihm leben und deshalb auch keine Frucht bringen (Mt 25,44-46).

3: 'Rein' ist schon der, der sich Gottes Wort aussetzt, sich von ihm korrigieren und leiten lässt.

4: 'Bleibt in mir' ist ein ständiges, aktives Bleiben. Es ist die lebendige Verbindung mit Jesus (zwischen seiner bevorstehenden Auferstehung und Wiederkunft) durch Gebet, Bibellesen, Gemeinschaft mit anderen Christen, Dienst für ihn.

5: Die Rebe bringt von sich aus keine 'Frucht', aber sie trägt sie.
Was genau die Frucht ist, führt Jesus hier nicht näher aus, aber siehe zum Beispiel Kapitel 13,34-35; Matthäus 5,43-45; Galater 5,22-23a; Epheser 5,9; Hebräer 13,15. Allerdings sind diese Früchte etwas vollkommen anderes als geistliche Leistungen aus eigener Kraft und Ehrsucht.

7: Vertrauensvolles Beten nach dem Willen Gottes ist ein Ergebnis vom Bleiben in Jesus.

8: „… werdet meine Jünger“ ist in der GNB so übersetzt: „… als meine Jünger erweist.“ Die Jünger sollen ja im Glauben immer mehr wachsen.

Fragen

Beobachten

* In welchem Zusammenhang hält Jesus diese Rede (s. Kap. 13–17)?
* Wer ist der Weinstock, der Weingärtner (Winzer), wer sind die Reben?
* Was tut der Weinstock, was der Weingärtner?
* Woran ist die unermessliche Wirkung von Gottes Wort zu erkennen?
* Wie oft erscheint in diesen Versen das Wort #bleiben, bleibt#?
* An welche Kondition sind die Verheißungen in Vers 5 und 7 gebunden?
* Was geschieht mit Reben, die keine Frucht bringen?
* Was ist die Folge davon, wenn jemand Frucht bringt?
* Welche anderen „Ich bin“-Worte gibt es, durch die Jesus sich als Gottes Sohn vorstellt?
Tipp: 6,35; 8,12; 10,9.11; 11,25; 14,6 (vgl. 2. Mose 3,14).

Verstehen
* Inwiefern ist zum Verständnis dieses Textes das Alte Testament hilfreich?
* Weshalb bezeichnet Jesus sich wohl als den 'wahren' Weinstock?
Tipp: Jeremia 2,21; Hosea 10,1-2.
* Welche Aufgaben hat ein Weinstock, welche ein Weingärtner?
* Wie 'bleibt' man in Jesus ganz konkret?
Tipp: Kapitel 8,31; Apostelgeschichte 2,42; 1. Johannes 2,6; 4,15-16.
* Welche Frucht wächst automatisch, wenn man eng mit Jesus verbunden ist?
* Was konkret können Menschen ohne Jesus alles nicht tun?
* Welchen Lebenssinn beschreibt Jesus in Vers 8?

Anwenden
* Was tun Jesus (Weinstock) und der Vater (Weingärtner) für Sie?
* Durch die organische Verbindung fließt das Leben des Stammes in das Leben der Rebe. Wie formulieren Sie das auf sich bezogen?
* Jesus (ge-)braucht Sie (!), damit Frucht wachsen kann, die den Vater verherrlicht. Nur dazu ist die Rebe (sind Sie) da. Welche Konsequenzen ziehen Sie für sich daraus?
* Immerzu mit Jesus verbunden sein, um Frucht zu bringen. Wie schaffen Sie das praktisch?
* Wie hat Gott Sie schon mal „gereinigt“ und „zurechtgestutzt“? Bedenken Sie: Der göttliche Winzer macht keine Fehler.
* Was hat dieser schmerzliche Eingriff bewirkt, bei Ihnen selbst, in der Beziehung zu anderen, für Gottes Reich?
* Haben Sie bemerkt: Jesus fordert Sie nicht auf, Frucht zu bringen, sondern in ihm zu bleiben, damit Frucht wachsen kann. Welche Korrekturen sind da vielleicht in Ihrem (Leistungs-)Denken und Handeln nötig?
* Sie sind als „Rebe“ abhängig vom „Weinstock“. Wo entlastet Sie das, wo stört es Sie vielleicht?
* Haben Sie dieses „Wenn … dann“ in Vers 7 so erlebt? Nennen Sie Beispiele!

Anregungen

* Vertiefung: Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Hudson Taylor (1832–1905), Gründer der China-Inland-Mission, mit den Aussagen in Johannes 15 erlebte.

Biografisches

'Hudson Taylor und Johannes 15'
Die verantwortungsvolle Missionsarbeit in dem riesigen chinesischen Reich mit einer immer größer werdenden Anzahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, für die er verantwortlich ist, lastet schwer auf Hudson Taylors Schultern. Dazu kommen Neid, Verachtung, Hass, falsche Anschuldigungen, die Auseinandersetzung mit heidnischen Gebräuchen und Aberglaube. Körperliche und vor allem seelische Leiden machen ihm zu schaffen. Grund dafür ist seine eigene sündige Natur, unter der er leidet, sein Versagen als Christ und hauptsächlich sein mangelnder Glaube.

In dieser Zeit erhält Hudson den Brief eines Freundes. Ein Satz darin trifft genau seine Situation: „Doch wie sollte der Glaube gestärkt werden? Nicht, indem man nach Gauben strebt, sondern indem man in dem Getreuen ausruht.“
Ruhe für seine aufgewühlte Seele, das wünscht sich Hudson mehr als alles andere. Und dann erinnert er sich an die Rede Jesu vom Weinstock und den Reben. In einem Brief an seine Schwester schreibt er: „Wie groß schien mein Fehler gewesen zu sein, den Nährsaft, die Fülle aus ihm haben zu wollen! […] Jetzt verstehe ich es: Der Weinstock ist nicht nur Wurzel, sondern ist alles – Wurzel, Stamm, Reben, Ranke, Blätter, Blüten und Frucht. Und Jesus ist nicht nur all das, er ist auch der Ackerboden und Sonnenschein, Luft und Regen und zehntausend Mal mehr als das, was wir uns erträumt und gewünscht haben.“

Hudson Taylor hat seine Seelenruhe gefunden. Die Erkenntnis, dass er in Jesus alles hat, was er braucht, und sich nicht verzweifelt darum bemühen muss, hat ihn total verändert. „Seine Hilfsquellen sind mein, denn er ist mein, er ist mit mir und lebt in mir.“ – „Christus ist mir jetzt buchstäblich die ganze Kraft und die einzige Kraft für meinen Dienst. Er ist der alleinige Grund meiner unveränderlichen Freude.“
Alle, die mit Hudson zu tun haben, spüren ihm diesen gleichbleibenden tiefen Frieden in Gott und diese Freude ab, egal, wie schwer die folgenden Bewährungsproben sind.

Monika Büchel



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