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Von der Wüstenerfahrung zur Lebenserfahrung

Burnout ist für mich eine Grenz-Erfahrung im persönlichen Leben. Die klassische medizinische Terminologie spricht vom „psychovegetativem Erschöpfungszustand“. Ich persönlich spreche von einer Wüstenerfahrung meines Lebens, da ich mit dieser Erfahrung eine öde Wüste verbinde.

Burnout ist für mich eine Grenz-Erfahrung im persönlichen Leben. Die klassische medizinische Terminologie spricht vom „psychovegetativem Erschöpfungszustand“. Ich persönlich spreche von einer Wüstenerfahrung meines Lebens, da ich mit dieser Erfahrung eine öde Wüste verbinde.

Die Bibel beschreibt im 1. Buch der Könige, in Kapitel 19 quasi das Urbild des völlig erschöpften und ausgebrannten Menschen, den Archetyp für alle Gestressten. Der Prophet Elia wird in einer äußerst schwierigen Situation porträtiert: Er ist nicht mehr widerstandsfähig – ausgerechnet nach seinem größten Erfolg.

Gott hatte Feuer vom Himmel geschickt und dadurch Elias Prophetie bestätigt. In dem Zusammenhang konnte der Prophet über die Priester eines von vielen Menschen angebeteten Götzen namens Baal triumphieren. Nun bricht er zusammen. Elia wirkt wie ein Ast mit Schneelast, den eine einzige zusätzliche Schneeflocke brechen lässt.

Alles umsonst?

Die Königin will seinen Kopf und Elia fürchtet sich. Er läuft um sein Leben. Furcht ist kein guter Ratgeber, aber sie bestimmt trotzdem sein Verhalten – und häufig auch das unsere. Wie ein verwundetes Tier will er nur noch alleine sein.

Kennen Sie das auch? Einfach alleine sein, mit den anderen nichts zu tun haben wollen? Ich kann das gut verstehen!
In bestimmten schmerzlichen Situationen bin ich weggegangen, brauchte Zeit mit mir alleine, konnte keinen anderen Menschen ertragen. Es musste ein Abstand her. Elia geht eine Tagesreise weit in die Wüste hinein. Er nimmt den Sicherheitsabstand zu jeder Nachfrage.

Wie begründet Elia sein Verhalten? „Ich bin nicht besser als meine Väter. Ich wollte es besser machen, träumte die Träume vom Erfolg. Und jetzt stelle ich fest: Alles umsonst.” Hinter der Erschöpfung steckt tiefer Selbstzweifel. Vielleicht ist das nicht die entscheidende Ursache. Aber es sagt einiges über Elias Ansprüche, seine Erwartungen an sich selbst. Er wollte quasi der „Hammer Gottes“ sein. Darunter machte er es nicht. Deshalb landet der Prophet in einer Wüste. Das ist der Ort des Schutzes, des Rückzuges.

Hinter dieser Lebenskrise entdeckt die Bibel eine Gotteskrise. Hinter der Wüstenerfahrung steckt die Erfahrung des Versagens. „Du brauchst mich nicht, hast den Falschen gewählt und du hast mich vergessen!“, so denkt Elia über Gott.

Gott wird antworten!

Kennen Sie auch solche Situationen? Völlig ausgebrannt. Nicht mehr weiter wollen. Auf dem Boden liegen und nicht mehr weiter wissen.
Was gibt es in unserer Zeit alles für Hilfsangebote: Seminare zum Lösen der Probleme. Psychotherapeuten, deren Praxen überfüllt sind. Ja selbst Horoskope werden dazu verwandt ein bisschen Hoffnung in die problematische Situation zu bringen. Haben Sie in solchen Situationen Gott angeklagt? Haben Sie ihm, wie Elia es tat, deutlich gemacht, dass alles daneben gegangen ist? Elias Vorgehensweise kann ich Ihnen nur empfehlen: Bringen Sie Ihre Probleme zu Gott! Es gibt keinen besseren Psychotherapeuten. Er wird antworten!

Und was macht nun Gott? Wodurch gewinnt Elia wieder Kraft zum Leben? Als erstes kommt ein Engel und versorgt ihn mit Essen und Trinken; Einfach das Lebensnotwendige für den Körper. Und der Engel kommt noch ein zweites Mal mit Nahrung; Dieses Mal ist der Körper so gestärkt, dass der Prophet 40 Tage und Nächte durch die Wüste wandern kann. Das ist kaum zu glauben. Diese Grundnahrungsmittel geben ihm so viel Kraft, dass er 40 Tage laufen kann. Heute spricht die Medizin von Bewegungstherapie!

Elias Wanderung führt ihn zum Berg Horeb. Dort sucht er eine Höhle auf! Und dann kommt das wichtigste bei der Suche nach neuer Kraft für das Leben.

Was machst du hier?

Gott stellt ihm zunächst einmal eine Frage: Was machst du hier? Warum bist du hier? Ganz klar eine geistlich-therapeutische Frage. Denn Elia muss loswerden, was ihn blockiert und erschöpft. Hier erst kann er reden. Selbstzweifel und Gotteszweifel sprudeln aus ihm heraus. Er hat sein Gegenüber wieder entdeckt. Er kommuniziert mit dem DU.

Gott hört zu. Und dann lockt Gott Elia aus seiner Höhle. Genauer gesagt lockt er ihn aus der Höhle seiner Verzweiflung. Er fordert ihn heraus – ganz wörtlich. Erst als Elia draußen ist, kann er einen neuen Auftrag bekommen.
Ich möchte genau hinschauen, wie Gott seinen verzweifelten Diener aus der Höhle führt: Er schenkt Elia eine neue Gottesbegegnung.

Dabei gebraucht Gott etwas Ungewöhnliches: Er redet in der Stille. Das wirkt kümmerlich, klein – und hat doch mehr Kraft als gewaltige Erfahrungen. In dem Moment, in dem Elia still wird, hörbereit, aufmerksam ist, in dem er alle Aktivität, allen Hochmut oder auch alle Verzweiflung hinter sich lässt und aus der Höhle herauskommt, da redet Gott.

Mir kommt Sören Kierkegaard in den Sinn. Er schreibt erstaunt, dass er zunächst meinte, Schweigen sei Beten, dann aber wahrnahm: Schweigen ist Hören!

So wird die Wüstenerfahrung zur Glaubenserfahrung und damit zur Lebenserfahrung. Diese Erfahrungen haben etwas mit Weg-Erfahrung zu tun. Glauben und Leben ist ein Gehen, ein Unterwegs-Sein. Glaubens- und Lebenserfahrungen machen wir im Gehen, unterwegs, Aufbrechen, Neu-Aufstehen. Gehen hat in den Glaubensgeschichten der Bibel immer mit Begegnung und deren Konsequenz zu tun.

Also, gehen Sie los, erleben Sie Gott ganz persönlich und freuen Sie sich auf die Konsequenzen.

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