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Wenn der Papst was „ablässt“

Papst Benedikt XVI. lässt den Ablass wieder aufleben

Papst Benedikt XVI. hat zum Weltjugendtag in Köln die Praxis des Ablasses wiederaufleben lassen. Per Dekret gewährt Ratzinger den 800.000 erwarteten Teilnehmern des Treffens vollständigen Ablass ihrer Sündenstrafen.

Voraussetzungen sind Beichte, Abkehr von allen Sünden, Kommunionsempfang und Gebete. Einen Teilablass erhalten die Katholiken, die nicht am Weltjugendtag teilnehmen, aber bußfertig für die teilnehmenden Jugendlichen beten.

Der Ablass hängt mit der katholischen Vorstellung des Fegefeuers zusammen: Danach werden zeitliche Sündenstrafen im Jenseits im Fegefeuer gebüßt. Durch vorherige Buße und gute Werke im Diesseits kann diese Strafe vermieden oder verkürzt werden. Im Mittelalter wurden auch Ablassbriefe verkauft um den Bau des Petersdoms zu finanzieren. Diese Praktik war für Martin Luther Anlass zur Reformation der Kirche.

Die heutige katholische Ablasslehre wurde 1968 von Papst Paul VI. neu festgelegt und von Papst Johannes Paul II. in der Bulle für das Heilige Jahr 2000 bestätigt. Die katholische Kirche beruft sich dabei auf die Bibelstelle Johannes 20,23. Hier sagt Jesus seinen Jüngern: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ Die evangelischen Kirchen lehnen die Vorstellung von Ablass und Fegefeuer ab. Die Rechtfertigung des Sünders geschieht allein aus dem Glauben an Jesus Christus und der Gnade Gottes. Vergebene Sünden müssen darum nicht mehr gebüßt werden, denn Buße ist Voraussetzung für die Vergebung.

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Hans Christian Knuth (Schleswig), erklärte jüngst in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass diese Lehre nach der Bibel nicht haltbar sei: „Bedingung für den Ablass ist zwar eine wirkliche Abkehr von der Sünde. Diese Inhalte teilen wir völlig in unserem Verständnis von Buße. Nur dass man die Sündenstrafe quantifiziert, kann ich nicht nachvollziehen.“ Schon Luther habe sich deutlich gegen den Ablass gestellt, weil dieser die Versöhnung und Erlösung durch Jesus Christus ergänzen soll. Eine Vorstellung, die so wenig in der Bibel vorkommt wie das Fegefeuer.

Knuth sagt weiter, die Strafe sei eine „notwendige Folge unseres sündigen Handelns; sie wird nicht von Gott noch extra hinzugefügt. Die Strafe ergibt sich oft wie von selber, und der Christ wird sie auch bereitwillig tragen müssen, so sehr er Gott darum bittet, dass die Folgen seines Fehlverhaltens nicht so katastrophal ausfallen. Nehmen wir zum Beispiel Trunkenheit am Steuer oder Ehebruch oder Diebstahl - da ist das Vergehen schon die Strafe. Die eigentliche Strafe aber ist die Entfernung von Gott, und die wird aufgehoben in der Buße und in der Vergebung durch Gottes Gnade. Die Sünde kann durch keinerlei eigene Tätigkeit vom Menschen beseitigt werden.“

Sünde kann also weder durch besondere Bußfertigkeit des Menschen noch durch seine guten Taten - und seien sie noch so zahlreich - beseitigt werden. Nur durch die Gnade Gottes und den Glauben an Jesus Christus wird Sünde getilgt und „reingewaschen“ und „geläutert“:
»Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden.«
Jesaja 1,18

Die Strafe für die Sünde ist eine notwendige Folge des sündigen Handelns und wird nicht von Gott noch hinzugefügt. Sie wird vielmehr aufgehoben in der Buße und der Vergebung Gottes. Wem vergeben ist, dem droht keine Strafe mehr.

Die Rechtfertigung allein durch Glauben

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Römer 3, 21-24

„Rechtfertigung“ im biblischen Sinn meint also die Beurteilung des Menschen durch Gott. Luther fand in der Bibel ausschließlich Hinweise auf einen gnädigen Gott, der nicht richten will (bei unvergebener Schuld aber „muss“) sondern die Schuld erlassen, vergeben will - der Gnade vor Recht ergehen lässt. Das Genaue Gegenteil von Ablass. Gnade erhält der Mensch „allein aus Glauben“ an den Namen Jesus Christus. (Kasten rechts). Rettung vor dem Gericht Gottes kann sich der Mensch also weder verdienen noch erkaufen.

Links ins Web

www.wjt2005.de
www.weltjugendtag.de
www.weltjugendtag.com
www.jubeljahr2000.de/ablass.html
www.jubeljahr2000.de/index.html
www.idea.de