Weihnachten - ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte!

Als ich diese Zeilen schreibe, haben wir Freitag, den 16.12.2005. Für mich ein sehr bedeutender Tag, denn vor genau 25 Jahren durfte ich Jesus Christus kennen lernen. Und bis zum heutigen Tag kann ich sagen: "Ich habe keinen einzigen Tag bereut!"

Als ich diese Zeilen schreibe, haben wir Freitag, den 16.12.2005. Für mich ein sehr bedeutender Tag, denn vor genau 25 Jahren durfte ich Jesus Christus kennen lernen. Und bis zum heutigen Tag kann ich sagen: "Ich habe keinen einzigen Tag bereut!"

So war Weihnachten 1980 für mich ein ganz besonderes Weihnachten. Ich hatte gerade mein Studium in Brüssel beendet und saß einige Tage nach diesem großartigen Ereignis am Heiligabend als neugeborener Christ in einem Zug, der mich von Brüssel nach Perpignan (Süd-Frankreich) bringen sollte. Ich hatte meine erste Bibel selbstverständlich mitgenommen und suchte die Weihnachtsgeschichte in diesem Buch mit sieben Siegeln. Zum Glück hatte diese Bibel ein Inhalts- bzw. ein Ereignisverzeichnis, denn sonst hätte ich die Stellen in der Bibel gar nicht gefunden.

Nach wenigen Minuten las ich also zum ersten Mal in meinem Leben die Weihnachtsgeschichte, so wie es in der Bibel stand und nicht so, wie es uns als Kindern erzählt worden war.

Und das war ein Schock!

Viele überlieferte Sachen fand ich gar nicht, dafür standen ganz andere Gegebenheiten drin. Verständlich, dass ich ziemlich durcheinander war, aber andererseits auch fasziniert.

Mein Bild von Weihnachten war folgendes, vielleicht kommt es Dir ja bekannt vor:

Maria, hochschwanger, und Josef kommen in Bethlehem an, finden kein Platz in den Herbergen, gehen hinaus auf die Felder von Bethlehem und finden einen Stall mitten auf einer Weide, eine Art Offenstall, die Rückwand aus Holz. Links und rechts nur Stützbalken wie ein Carport. In der Mitte eine schöne Krippe aus Holz mit Stroh und darin das süße Jesuskind mit blonden Locken. Daneben stehen Maria und Josef. Maria in einem glatt gebügelten hellblauen Kleid, Josef eher unauffällig, mit Bart, auf einen Stock gestützt. Und über den Häuptern von Eltern und Kind schwebt ein Heiligenschein. Vor der Krippe stehen viele Hirten mit ihren Schäfchen, Ochs und Esel kauen neben der Krippe Heu und drei Männer mit verschiedener Hautfarbe knien vor der Krippe nieder und bieten Jesus Geschenke an. Über dem Stall leuchtet ein großer Stern mit einem noch größeren Schweif und dazwischen fliegen kleine, dicke, pausbäckige Engel die Trompete spielen oder singen.

Das las ich aber nicht in meiner Bibel!

Maria und Josef waren nämlich nicht irgendwo auf einem Feld, sondern tatsächlich in Bethlehem, mitten in der Stadt! (Lukas 2, 4 und 15). Die Herbergen sahen damals so aus wie auf dem Bild rechts In Bethlehem waren diese "Zimmer" und "Ställe" sehr wahrscheinlich in Felsen gehauen. Auf der oberen Etage befanden sich die Zimmer für die Gäste. Ihre "Fahrzeuge" (Esel, Pferd oder Kamel) konnten sie in der "Garage" unter dem Zimmer abstellen.
So war die Herberge oben zwar voll, aber ein Reisender war wohl ohne "Gefährt" gekommen. Darum fanden Maria und Josef unten im Stall ein Unterkommen. Also mitten im Trubel. Nichts von der schönen Idylle meiner frühkindlichen Erinnerung und Fantasie.

Den Hirten erschienen die Engel tatsächlich in den Feldern von Ephrata, das liegt einige Kilometer südöstlich von Bethlehem: "Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids!" (Lukas 2,11)

Sie ließen ihre Schafe auf den Feldern in einer Art Gatter zurück, eilten nach Bethlehem (Vers 15) und fanden Jesus im Stall einer Herberge von "Bethlehem-City" (Vers 16). Die ersten, die Jesus sahen, waren Hirten bei der Nachtschicht. Raue Burschen, die sich mit nächtlichen Gefahren auskannten und gewiss nicht zimperlich waren. Ihnen zeigte Gott Seinen Sohn zuerst. Ob sie es begriffen haben? Ob sie gerührt waren? Es steht nur: "danach kehrten die Hirten zurück zur ihrer Herde" (Vers 20).

  • Acht Tage nach der Geburt bekam Jesus seinen Namen (Lukas 2,21) und nach den "Tagen der Reinigung" brachten Maria und Josef ihn zum Tempel (Vers 22). Dort trafen sie Simeon und die Prophetin Hanna (Verse 25 bis 38). Dann gingen sie nach Hause - nach Nazareth!

    Bis die "Heiligen drei Könige" die Stadt Bethlehem erreicht hatten, verging aber noch eine ganze Weile. Hier suchte ich vergeblich nach Melchior, Kaspar und Baltasar. Ich las nur von "Weisen aus dem Osten". Es waren jedoch weder Heilige noch Könige und (nur) zu dritt waren sie sehr wahrscheinlich auch nicht: Sie organisierten wohl eher eine Karawane. Es waren jedenfalls "weise" Menschen, vielleicht Astronomen, die den Stern im Morgenland (und nicht in Bethlehem über dem Stall bei der Geburt) am Himmel gesehen hatten (Matthäus 2,2).

    Die Geburt Jesus fiel in der Zeit des Königs Herodes (Matthäus 2,1). Dieser Herodes, von dem in den Evangelien berichtet wird, verstarb jedoch nach einer Sonnenfinsternis bereits im Jahr 4 vor unserer Zeitrechnung. Der Abt Dionysius Exiguus irrte sich um drei bis sieben Jahre, als er 532 die Ostertafeln aufstellte.

    Als ich weiterblätterte, las ich, dass König Herodes die Wissenschaftler etwa zwei Jahre später empfing (Matthäus 2,16). Jesus wurde quasi sechs Jahre vor dem "Jahr Null" geboren!

    Als die Weisen zu Herodes kamen, fragten sie ihn nach einem neugeborenen König. Dieser - immer wieder von Verfolgungswahn beherrscht - witterte Konkurrenz. Er fragte die jüdischen Hohepriester und Schriftgelehrten, wo dieser Jesus geboren werden sollte.

    Ihre Antwort:
    "Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten: »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Herrscher hervorgehen, der mein Volk Israel weiden soll!« (Matt.2:5 und 6).

    Die Weisen machten sich auf den Weg nach Bethlehem und sahen den Stern über dem Haus stehen, wo sie Jesus mit Maria antrafen! Ein Haus! Kein Stall, kein Josef, kein Ochse, kein Esel, keine Hirten, keine Schafe! Sie übergaben ihre Geschenke und gingen - durch einen Traum angewiesen - um Herodes auszuweichen auf einem anderen Weg nach Hause.

    Das war also Weihnachten im Jahre 6 vor Christus!

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