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Spendenflut

Leise rieseln im Winter immer wieder Spendenaufrufe in meinen Briefkasten. Heute waren es fünf von den unterschiedlichsten Hilfsorganisationen. Alle appellieren an meine Hilfsbereitschaft - schließlich geht es uns doch gut und wir können von unserem Überfluss abgeben an die, denen es nicht so gut geht.

Leise rieseln im Winter immer wieder Spendenaufrufe in meinen Briefkasten. Heute waren es fünf von den unterschiedlichsten Hilfsorganisationen. Alle appellieren an meine Hilfsbereitschaft - schließlich geht es uns doch gut und wir können von unserem Überfluss abgeben an die, denen es nicht so gut geht.

Stimmt. Aber je nach Stimmungslage wandern diese Spendaufrufe direkt in mein schlechtes Gewissen oder direkt ins Altpapier. Spenden Sie für [und hier folgt irgendwas, was irgendjemand wirklich wichtig findet] - das lässt mich kalt. Aber wenn mir zum Beispiel eine Schlagzeile verrät, dass alle vier Sekunden ein Mensch an Unterernähung stirbt, dann berührt mich das. Bei so was spende ich auch Geld. Dann fühle ich mich sofort besser und bin beruhigt: So schlecht und abgestumpft bin ich doch gar nicht; Heimlich klopfe ich mir auf die Schulter.

Spendenfreundlich

Und eine weitere Schlagzeile gibt mir offensichtlich Recht:
"2,6 Milliarden Euro spenden wir jedes Jahr." Großzügig, wir Deutschen, denke ich. Obwohl es uns ja nicht mehr so gut geht, wie noch vor ein paar Jahren. Wir müssen sparen und können uns nicht mehr so viel leisten. Und trotzdem wird - vor allem zu Weihnachten - viel gespendet.

Konsumfreudig

Doch fast hätte ich sie übersehen, diese kleine Notiz am Rande:
Allein den Online-Weihnachtsumsatz in den Monaten November und Dezember schätzte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels auf 3,2 Milliarden Euro. Knapp fünf Prozent des gesamten Weihnachtsgeschäftes." Auch wenn der Einzelhandel über eine Konsumflaute in Deutschland klagt. So fürchterlich schlecht scheint es uns noch nicht zu gehen.

Das Schlechte Gewissen

Mit dem Thema Spenden habe also nicht nur ich so meine Schwierigkeiten:
Manchmal wird also gespendet, um Frust oder sogar Spontankäufe zu rechtfertigen. Damit beruhigen wir also unser schlechtes Gewissen? Versuchen wir uns am Ende sogar frei zu kaufen? »Ich habe ja schon was für die Armen in Afrika getan!« Dann braucht man sich mich nicht mehr um seinen einsamen Nachbarn zu kümmern. Das wäre übrigens eine Zeitspende. Aber die taucht ja in keiner Statistik auf...

Doch - tut sie. Christen glauben ja an einen Gott, der laut Bibel "alles mitschneidet", was sich der gute oder der böse Mensch so in seinem Leben "leistet". Und wenn wir dann spenden - ist klar - dann muss er ja mindestens ein Auge zudrücken. Wegen dem Nachbarn, meine ich.

Aber ich will nichts gegen das Spenden allgemein sagen. Ich spende ja auch - weil ich dankbar bin, in Deutschland leben zu können, wo es mir unverdient gut geht. Und dabei wird mir bewusst, dass es Vielen auch hier finanziell schlechter geht als mir und sie meine Unterstützung gebrauchen können.

Weitere Bibelstellen zum »Spenden« 2. Korinther 9, 6-15

Gott gibt, damit wir geben können
Denkt daran: Wer spärlich sät, wird nur wenig ernten. Aber wer mit vollen Händen sät, auf den wartet eine reiche Ernte. Jeder soll so viel geben, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat. Es soll ihm nicht Leid tun und er soll es auch nicht nur geben, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Gott liebt fröhliche Geber! Er hat die Macht, euch so reich zu beschenken, dass ihr nicht nur jederzeit genug habt für euch selbst, sondern auch noch anderen reichlich Gutes tun könnt. Dann gilt von euch, was in den Heiligen Schriften steht: »Großzügig gibt er den Bedürftigen; seine Wohltätigkeit wird in Ewigkeit nicht vergessen werden.« Gott, der dem Sämann Saatgut und Brot gibt, wird auch euch Samen geben und ihn wachsen lassen, damit eure Wohltätigkeit eine reiche Ernte bringt. Er wird euch so reich machen, dass ihr jederzeit freigebig sein könnt. Dann werden viele Menschen Gott wegen der Gaben danken, die wir ihnen von euch übergeben. Dieser Liebesdienst soll ja nicht nur die Not der Gemeinde in Jerusalem lindern, sondern darüber hinaus viele Menschen zum Dank gegen Gott bewegen. Wenn ihr euch in dieser Sache bewährt, werden die Brüder und Schwestern in Jerusalem Gott dafür preisen. Sie werden ihm danken, dass ihr so treu zur Guten Nachricht von Christus steht und so selbstverständlich mit ihnen und mit allen teilt. Und weil sie sehen, dass Gott euch in so überreichem Maß seine Gnade erwiesen hat, werden sie für euch beten und sich nach euch sehnen. Lasst uns Gott danken für sein unsagbar großes Geschenk!

Leichter spenden mit der Bibel

Das fällt mir der Bericht aus der Bibel ein, als ein Mann aus Samaria einen Schwerverletzten rettete. Er achtete dabei nicht auf sein Wohlergehen - die Straßen waren damals nicht so sicher, wie heute. Er achtete dabei auch nicht auf seinen Kontostand. Er brachte den Verletzten einfach in eine Pension, wo man ihn pflegte. Krankenhäuser gab es so ja noch nicht. Der Samariter spielte also einfach mal Krankenversicherung - ohne Beiträge eingezogen zu haben. Und natürlich auch ohne Rückversicherung! Und er hat nicht nur die Notversorgung übernommen, sondern auch noch die ReHa. Lukas 10,35 ist da recht deutlich! Gut gespendet, oder?

Als Christ denke ich, dass Gott mir alles, was ich besitze - auch mein Geld - anvertraut hat, um damit "verantwortlich" umzugehen. Das bedeutet nicht nur, dem exzessiven Konsumrausch abzuschwören, sondern auch zu überlegen, wie ich mein Geld sinnvoll für andere Menschen einsetze. Mir hilft es, am Anfang eines Jahres per Dauerauftrag etwas an ausgewählte Organisationen zu überweisen. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (www.dzi.de) gibt Auskunft über die Seriosität der Organisationen.

Wer spendet, sollte sich vor allem immer darüber im Klaren sein, dass es nie Selbstzweck ist, zu spenden. Es geht um den anderen Menschen, der meine Hilfe braucht - vielleicht medizinischer Natur - aber die kann ich nicht leisten. Aber andere können das und brauchen Geld. Aber der Selbstzweck geht auch in mein Denken hinein. Gewissensberuhigung soll eine Spende auch nicht sein. Schon gar nicht, um sich selbst dazustellen:

Der Lohn für Deine Spende

Falsche und wahre Frömmigkeit... (Matthäus 6, ab Vers 1):
»Hütet euch, eure Frömmigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen! Denn dann habt ihr keinen Lohn mehr von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du also einem Bedürftigen etwas spendest, dann häng es nicht an die große Glocke! Benimm dich nicht wie die Scheinheiligen in den Synagogen und auf den Straßen. Sie wollen nur von den Menschen geehrt werden. Ich versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon kassiert. Wenn du also etwas spendest, dann tu es so unauffällig, dass deine linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. [Gott], der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.«


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