Der heruntergekommene Gott

Mich beeindruckte folgende wahre Begebenheit vor Jahren bei einem Seminar: Es war auf einen dieser Empfänge, zu denen keiner gern geht. Smalltalk, ein paar Häppchen und möglichst früh verschwinden. In einer Saalecke stand er etwas verloren. Er war allein. Und er war farbig. Scheinbar gehörte jeder Gast zu einem Kreis. Nur er gehörte nirgends dazu. Um ihn herum schien es eine unsichtbare Mauer zu geben, denn die anderen Gäste scheuten seine Nähe.

Mich beeindruckte folgende wahre Begebenheit vor Jahren bei einem Seminar: Es war auf einen dieser Empfänge, zu denen keiner gern geht. Smalltalk, ein paar Häppchen und möglichst früh verschwinden. In einer Saalecke stand er etwas verloren. Er war allein. Und er war farbig. Scheinbar gehörte jeder Gast zu einem Kreis. Nur er gehörte nirgends dazu. Um ihn herum schien es eine unsichtbare Mauer zu geben, denn die anderen Gäste scheuten seine Nähe.

Doch plötzlich löste sich aus einer Gruppe ein Gentleman und steuerte quer durch den Raum direkt auf ihn zu. Freundlich sprach er ihn an, erkundigte sich nach seinem Befinden und bald waren die beiden im Gespräch. Mit der Zeit verlor sich sein Gefühl, fehl am Platze zu sein. Sein Gesprächspartner interessierte sich wirklich für ihn und nahm Anteil an seinen Gedanken.

Der Wohlfühlkreis

Der freundliche Herr nahm dies erste Gespräch zum Anlass, sich öfter mit seinem neuen Freund zu treffen. Er interessierte sich für dessen islamischen Glauben und wollte wissen, warum sein Gesprächspartner gerade diese Überzeugung hätte. So konnte er sich über viele Stunden ein Bild machen, was wirklich in seinem Freund vorging.

Der farbige Mann sagte später mal zu seinem neuen Freund: "Weißt du, wann du mein Herz gewonnen hattest? Als du deine Ecke im Saal verlassen hast, um quer durch den Raum zu jemanden zu kommen, mit dem keiner sonst etwas zu tun haben wollte!"

Den Wohlfühlkreis zu verlassen und Anstrengungen auf sich zu nehmen, um ins Gespräch mit anderen zu kommen, ist auch heute das "Auftau"-Geheimnis für eine Gesellschaft, die vor sozialer Kälte erstarrt.

Quer durchs All

Gerade für Christen sollte dies ein gutes Beispiel sein. Denn so ähnlich stelle ich es mir vor, wie Jesus vor 2000 Jahren seinen "Wohlfühlkreis" - also sein Königreich, den "Himmel" verließ. Es war ihm nicht egal, dass das "Projekt Erde" zu scheitern drohte. Der Hass hatte zugenommen, Mord und Totschlag waren alltäglich, Vereinsamung und Sünde hatten einen weiteren Höhepunkt erreicht. Hilfe konnte jetzt nur noch von außen kommen. Und sie kam. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Gott hatte alles vorher geplant.

"Aber zu der von Gott festgesetzten Zeit sandte er seinen Sohn zu uns. Christus wurde wie wir als Mensch geboren und den Forderungen des Gesetzes unterstellt." (Galater 4,4)

Heruntergekommen

Und der Höchste kam nicht auf einem roten Teppich und wurde nicht mit einer Militärkapelle empfangen. Als Gott auf die Erde kam, wurde ein Stall der Kreißsaal für das Baby aus dem Himmel. Der "heruntergekommene" Gott erschien nicht in Pracht und Herrlichkeit, sondern als verletzliches Geschöpf, in Windeln gewickelt.

Jesus "wurde rechtlos wie ein Sklave. Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und lebte als Mensch unter uns Menschen." (Philipper 2,7)

"Und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus."
1. Timotheus 2,5

Ein Mensch als Mittler

Das Geheimnis - Gott wird Mensch - werden wir wohl nie richtig begreifen. Was wir als problembehaftete Menschen aber gut verstehen können ist, dass es durch das Leben von Jesus - auf derselben Augenhöhe wie wir - einen Vermittler gab und gibt, der uns befähigt, mit dem allmächtigen Gott wieder in Kontakt zu kommen. (Kasten rechts). Diese Mittlerrolle hat Jesus Christus letztendlich sein Leben gekostet. Er blieb ja nicht immer dieses kleine Baby, sondern verkündigte als erwachsener Mann den Menschen seiner Zeit den Heilsplan Gottes. Der heruntergekommene Gott hatte eine Lösung gefunden, dass Menschen wieder tief im Innern glücklich sein können:

"Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben."
Johannes 3,16

Darum ist Weihnachten weniger dieses romantisch verklärte Fest mit dem goldigen Christkind, sondern der geniale Moment für die Menschheit. Ein Gott, der seinen "Wohlfühlbereich" hinter sich lässt, begibt sich in menschliche Umstände. Er erklärt uns in unserer Sprache, wie sehr Gott uns liebt. Und bringt unser Leben wieder in Ordnung. Jetzt und für die Zukunft.


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