Adventsfreude - oder doch »Oh Je, Du Fröhliche«?

Die Bibel fordert an Weihnachten und im Advent: "Freuet Euch!" Aber Adventfreude in unseren Tagen? Wie viel Weihnachtsfreude haben wir den noch? Wir pflegen doch eher Stöhnen und Jammern, schon wegen des "Shoppingstresses", aber auch wegen Arbeitslosigkeit, wachsender Armut und immer neuen Entbehrungen. Was bedeutet Advent für Dich? Eher Last als Lust, eher Stress als Freude? Gedanken zum Advent.

Die adventlichen Bibelverse, die immer zitiert werden, stehen im Prophetenbuch Sacharja, Kapitel 9, Vers 9:
"Freu dich, du Zionsstadt! Jubelt laut, ihr Bewohner Jerusalems! Seht, euer König kommt zu euch! Er bringt Gerechtigkeit, Gott steht ihm zur Seite. Demütig ist er vor seinem Gott. Er reitet auf einem Esel, auf einem starken Eselshengst."

Die Bibel fordert an Weihnachten und im Advent: "Freuet Euch!" Aber Adventfreude in unseren Tagen? Wie viel Weihnachtsfreude haben wir den noch? Wir pflegen doch eher Stöhnen und Jammern, schon wegen des "Shoppingstresses", aber auch wegen Arbeitslosigkeit, wachsender Armut und immer neuen Entbehrungen. Was bedeutet Advent für Dich? Eher Last als Lust, eher Stress als Freude? Gedanken zum Advent.

Freuen und jubeln, wie es Sacharja empfiehlt (Kasten rechts), scheint nicht einfach zu sein. Eher dominiert Stöhnen und Jammern unsere Zeit. Und Christen scheint es besonders schwer zu fallen, sich in Weihnachtsstimmung zu versetzen: Sie wissen ja alles über Advent und Weihnachten. Aber auch Nicht-Christen wissen laut einer Umfrage der Frauenzeitschrift "Lisa" ganz gut bescheid: Fast drei Viertel der Befragten wissen, dass Advent Ankunft bedeutet und dass damit das Kommen von Jesus Christus gemeint ist.

Der Prophet Sacharja richtet diese Worte Gottes, sich zu freuen, an das im Exil lebende Volk Israel. Fast alle Bewohner wurden von Nebukadnezar nach Babylon deportiert, fern vom Zentrum jüdischen Glaubens: Fern von Jerusalem. Sacharja wird in diesem Exil geboren. Bis die unerwartete politische Wende eintritt vergehen 70 Jahre. Babylonien fällt an die Perser, deren König den Juden die Heimkehr gestattet. Rund 50.000 Juden kehren nach Jerusalem zurück, beginnen, den Tempel neu aufzubauen, verbunden mit einer geistlichen Wende und Umkehr zu den alten Werten. (Buch Esra) Zwei Jahre lang geht es gut voran mit dem Tempelbau, aber dann gibt es 16 Jahre lang Stillstand und Apathie. Hier tritt Sacharja auf, predigt die Umkehr und seine Visionen, die Gottes Pläne für die Zukunft ankündigen: Die Geburt von Jesus - rund 500 Jahre vor diesem Ereignis.

Ein ungewöhnlicher Gott und König kommt selbst

Das mag damals fremd geklungen haben. Wie sollte der König selbst, also Gott, kommen? Und dann kommt er als armer Mann, er reitet auf keinem Schlachtross sondern auf einem Esel aber er ist ein gerechter König und ein Helfer - so sagt es Sacharja dem verdatterten Volk.

Normalerweise kommt ein König ja nicht - ein König lässt kommen. Das ist ja auch das ganz Besondere, das Einzigartige an Gott. Die anderen Götter - ob Allah oder Buddha oder Krishna - wohnen in einer für Menschen fast unerreichbaren Sphäre. Man muss sich anstrengen und Opfer bringen. Und selbst dann weiß man nicht, ob sie einem wohlgesonnen sind. Einen Gott, der seine Geschöpfe so sehr liebt, dass er selbst Opfer bringt und zu ihnen kommt, den gibt es nur beim Gott der Juden und Christen.

Dass ein König gerecht ist, kommt selten vor. Eher sind Könige ungerecht und grausam. Gott aber ist nicht nur gerecht, er ist auch ein Helfer. Auch das ist einzigartig: Wo ist ein Gott, der seinen sündigen und abtrünnigen Geschöpfen hilft? Der ihnen ihre Schuld und Sünde nimmt, der ihnen hilft in kleinen und großen Nöten, der Tag und Nacht für sie erreichbar ist?

Und seit wann ist ein König arm? Könige sind doch meist unermesslich reich und mächtig. Gott aber macht sich arm. An Weihnachten wird es immer wieder betont: Gott kommt in unsere Welt als ein armes Kind, wird als ein hilfloses Baby geboren, von einer unverheiratet Schwangeren. Auf der Durchreise bringt Maria ihn in einem Stall zur Welt. Bald muss seine Familie mit ihm vor einem grausamen König fliehen.

Gott kommt als armes Kind. Niemand ist daher zu niedrig, zu gering, zu arm, zu unbedeutend, zu elend, als dass sich Jesus nicht mit ihm auf eine Stufe stellt. Und umgekehrt: Niemand braucht zu meinen, er sei zu klein und zu miserabel für Jesus.

Und dieser König reitet auf einem Esel. Könige ritten sonst auf Schlachtrössern oder reisten in Sänften als Zeichen ihrer Macht und ihres Reichtums. Auf einem Esel ritten Könige nur, wenn sie in friedlicher Absicht kamen. Und auch heute kommen Könige im Rolls Royce, Maybach oder Mercedes mit Prunk, um ihren Status und ihre Macht zu unterstreichen - und nicht auf dem Drahtesel.

Jesus kommt - und die Seinen lehnen ihn ab

Sacharja sieht voraus, was über 400 Jahre später in Jerusalem geschehen wird. Jesus zieht auf dem Füllen der Eselin in friedlicher Absicht in die Stadt ein. Und trotzdem bereiten die Menschen ihm einen königlichen, einen triumphalen Empfang. Sie rufen: "Hosianna. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!" Alle Evangelisten berichten davon und sie zitieren die Worte Sacharjas: "Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen des Lasttiers" (Matthäus 21,5) Wenige Tage später verurteilen ihn dieselben Menschen und schreien: "Kreuzige ihn!" Gottes Sohn kommt zu seinem Volk, aber die Seinen nehmen ihn nicht an.

"Dein König kommt zu dir" und du willst nichts von ihm wissen. Du lehnst ihn ab. Im Buch der Offenbarung heißt es: Jesus steht vor der Tür und klopft an. Er bittet um Einlass in unser Leben. Warum: Er will mit uns Gemeinschaft haben, wie er es mit seinen Jüngern hatte, bevor er den Weg zur Hinrichtung ging. Bevor er die Strafe für unsere Schuld auf sich nahm. Jesus kommt zu uns, Gott kommt.

Jesus kommt wieder

Die Vision von Sacharja reicht noch weiter: Jesus ist von den Toten auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Von dort wird er noch einmal wiederkommen. Wann, wissen wir nicht, aber dass er kommt, ist gewiss. Und dann wird ihn niemand mehr ablehnen können. Alle werden ihn als König anerkennen müssen. Er wird kommen als der, der er ist - als Weltenherrscher und Richter. Wir werden in diesem Gericht nur bestehen können, wenn wir einen guten Anwalt haben. Mehr noch: Wenn wir einen haben, der für uns büßt, der die Strafe trägt. Jesus hat die Strafe getragen. Wenn wir das glauben, können wir uns auf seine zweite Ankunft freuen. Dann können wir Advent feiern., können jauchzen und frohlocken.

Sinnvoll Advent feiern: "Komm!"

Die evangelische Nachrichtenagentur idea hat Schwester Ruth Meili von der Communität Casteller Ring in Erfurt um praktische Tipps gebeten. Sie verantwortet das geistliche Leben im evangelischen Augustinerkloster verantwortet, dem Kloster in Erfurt, dem Martin Luther 1505 beitrat, um Mönch zu werden. Einer dieser Tipps lautet: Komm!

In Adventsliedern kommt sehr oft das besungene Wort "Komm!" vor. Die erste Übung ist, Adventslieder zu singen und immer wieder das Wörtchen "Komm!" zu kennzeichnen oder abzuschreiben. Immer wieder erinnert mich der Griff in die Hosentasche zum Taschentuch Gottes Aufforderung: "Komm! Komm zur Krippe und lass Deine Unerlöstheit, Deine Gebundenheiten, Deine innere Behinderung - die Bibel nennt das Sünde - los. Und ich selbst kann zu Jesus sagen: "Komm! Komm doch, ich halte es ohne dich nicht mehr aus!"

Eine weitere Übung für den Advent könnte sein, dass ich bewusst den mir entgegenkommenden Jesus in konkrete Situationen meines Lebens hineinbitte:
Komm in unsere Finanzberatung,
komm in unser klärendes Gespräch,
komm mit mir zum Arzt,
komm in meine Angst vor der Diagnose,

Der Autor ist Redaktiosleiter von www.idea.de 

komm in meine Werkstatt,
komm in meinen ewigen Hunger nach Süßigkeiten
in meinen vermeintlich konfliktlösenden Durst,
komm, Jesus, komm!

Wir werden dadurch zu adventlichen Menschen, die vom stets ankommenden König leben.


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