Gefeiert und umstritten: Zum 85. Geburtstag von Jörg Zink

Jörg Zink zählt zu den unbequemen und auch mitunter schwierigen Theologen in Deutschland. Lange bevor es "Die Grünen" setzt er sich für den Umweltschutz ein, protestiert gegen Krieg und Aufrüstung. In den letzten Jahren machte er sich für eine Wiederbelebung der mystischen Frömmigkeit und Spiritualität stark. Die "karge, kühle Theologie, in der man nicht mehr wohnen und leben könne", habe ausgedient.

Geboren wird Jörg Zink am 22. November 1922 auf einem christlichen Bruderhof, dem Habertshof bei Schlüchtern. Er ist keine vier Jahre alt, da hat er schon beide Eltern verloren. Nach dem Abitur geht er zur Luftwaffe. Im zweiten Weltkrieg macht er eine für sein Leben existentielle Erfahrung. Sein Flugzeug wird über dem Atlantik abgeschossen, der Pilot stirbt. Zusammen mit einem Kameraden wird er später aus dem Wasser gerettet. Er sieht, wie er sagt, den Himmel seines Lebens. Nach Kriegsende studiert er deshalb Philosophie und Theologie in Tübingen. Zu seinen Lehrern zählt auch Romano Guardini. Schließlich promoviert er 1955 bei Helmut Thielicke in Hamburg zum Thema: „Der Kompromiß als ethisches Problem“.

Jörg Zink macht sich schnell einen Namen. Schon vor seiner Promotion hat er erste Essays veröffentlicht. Bis heute hat er fast 200 Bücher geschrieben. Weltweite werden 18 Millionen Exemplare seiner Werke verkauft. Er ist Sprecher beim „Wort zum Sonntag“ und bringt hunderttausende vor den Fernseher. Seine Vorträge, besonders bei evangelischen Kirchentagen, haben ungeheueren Zulauf. Zehntausende kommen, um ihn zu hören, wie zuletzt beim Kirchentag in Köln.

In eine Kirchenleitung will er nie. Denn für ihn findet die eigentliche Kirche "an der Basis statt".

Jörg Zink zählt zu den unbequemen und auch mitunter schwierigen Theologen in Deutschland. Lange, bevor es die „Grünen“ gibt, setzt sich Zink für den Umweltschutz ein und protestiert gegen Krieg und Aufrüstung. Er verurteilt das kapitalistische Wirtschaftssystem des Westens und beklagt die weltweite Verletzung der Menschenrechte.

Jörg Zink stellt aber auch kirchliche Positionen in Frage. Innerhalb der Theologen in Deutschland stößt er deshalb mitunter auf Widerstand. "Wenn wir Gerechtigkeit wollen, können wir das nicht als protestantische Kirche durchsetzen, sondern müssen uns mit allen Religionen der Welt verbünden." so Zink in einem Interview. Diese und andere Äußerungen bringen ihm den Vorwurf der Allversöhnung und des Dialogs um jeden Preis ein, der das christliche Profil vermissen lasse.

Bei vielen Menschen kommen die meisten seiner Thesen jedoch gut an. Zum Beispiel, dass Protestanten und Katholiken statt lange Debatten zu führen lieber gemeinsam Abendmahl feiern sollten. Erst später könne man, wenn überhaupt, über Gegensätze streiten.

In den letzten Jahren macht sich Zink für eine Wiederbelebung der mystischen Frömmigkeit und Spiritualität stark. Die "karge, kühle Theologie, in der man nicht mehr wohnen und leben könne", habe ausgedient. Unzählige Menschen suchten Wege, "um den Sinn ihres Lebens zu finden, den sie in der Kirche nicht antreffen, weil dort nicht davon die Rede ist".
Ein Anliegen, das Viele teilen und mit dem er selbst mit über 80 Jahren auch noch viel junge Menschen anspricht, die ihren Glauben persönlich erleben und vertiefen wollen.

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