KCF 2013

Geben: Ja, aber wie viel?

Wie viel soll ich geben? Was ist angemessen? Was ist ausreichend? Gibt es ein „zu wenig“ oder auch ein „zu viel“? Jeder Christ, der sich über das Geben Gedanken macht, stößt früher oder später auf die biblische 10-Prozent-Regel. Aber was hat es damit auf sich?

1. Der Zehnte im Alten Testament

Die erste Erwähnung des Zehnten in der Heiligen Schrift finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 14, ab Vers 18: „Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein heraus. Und er war ein Priester Gottes des Höchsten und segnete ihn und sprach: Gesegnet seiest du, Abram, vom höchsten Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; und gelobt sei Gott der Höchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat. Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.“

Als Jakob im Traum die Himmelsleiter sah und Gott ihm zusprach, dass seine Nachkommen werden sollen wie der Staub auf Erden und sich in alle Himmelsrichtungen ausbreiten werden und durch ihn und seine Nachkommen alle Menschen auf Erden gesegnet werden sollen, da richtete er ein Steinmal auf, das zum Gotteshaus wurde; und er versprach: „Von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben!“(vgl. 1.Mose 28,10 ff).

Diese beiden Schriftstellen beschreiben Begebenheiten, die lange vor der Einsetzung des mosaischen Gesetzes stattfanden. Die Geschichte zeigt uns, dass schon weit vor dem Empfang der Gesetzestafeln für hervorragende Persönlichkeiten Gottes das Geben des Zehnten eine übliche Handlung gewesen ist.  Später gab Gott den Söhnen Levi den Zehnten vom Volk Israel zum Erbgut für ihr Amt, das sie an der Stiftshütte ausüben sollten (4.Mose 18,21). Die Leviten haben also vom Zehnten des Volkes Israel gelebt und davon wieder ihren Zehnten in das Haus Gottes gebracht. Neben diesem Zehnten wurde ein weiterer Zehnter für die Finanzierung der jüdischen Feste erhoben (5.Mose 14,22- 27). Alle drei Jahre wurde ein weiterer Zehnter als Sozialversicherung für die Waisen, Armen und Witwen eingenommen (5.Mose 14,28-29). Die Zehnten, als Summe, betrugen für eine jüdische Familie ca. 23,3 % aller Erträge des Landes, inkl. des „Festzehnten“, den man selbst verzehren durfte.

Außerdem brachten die Israeliten die Erstlinge aller Früchte des Landes und die Erstgeburt der Rinder und Schafe als Abgaben zum Haus Gottes.  Das Volk Israel hatte über die vielen Generationen hinweg eine sehr unbeständige Treue ihrem Gott und seinen Ordnungen gegenüber, deshalb ermahnt Gott sie in Maleachi 3,10 sehr deutlich: „Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.“
Dieser Vers gehört zu den bekanntesten Aussagen der Heiligen Schrift über den, oder besser die Zehnten. Das ungeheuerliche an dieser Stelle ist, dass der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, sich an seinem Wort prüfen lassen will, von uns untreuen und egoistisch gesinnten Menschen! Die Wahrheit geht vor uns auf den Prüfstand!

2. Die Sichtweise des Neuen Testamentes
 Im Neuen Testament finden wir zwei Erwähnungen des Zehnten: Jesus kritisiert zum einen die heuchlerische Religiosität der Schriftgelehrten und Pharisäer und bestätigt den Juden (hier nicht den Christen!) die Richtigkeit der Abgabe des Zehnten (Matthäus 23,23). Zum anderen wird im Hebräerbrief auf die Begegnung von Abram und Melchisedek eingegangen, um sehr ausführlich zu beschreiben, dass unser Herr Jesus Christus der Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks ist, der Priester Gottes in alle Ewigkeit.

Nur zweimal erscheint der Zehnte im Neuen Testament. Wir finden darüber hinaus aber sehr viele Stellen über die Verwaltung des Geldes, über treue Verwalterschaft und den Segen des Gebens.  Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfl ießendes Maß wird man in euren Schoß geben: denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen“ (Lukas 6,38).  Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Korinther: „Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.

Ein jeder, wie er‘s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“ (2.Kor 9, 6+7). Genau an diesen Worten wird unsere Stellung als Kinder Gottes im Neuen Testament sehr gut sichtbar. Durch das Leiden und Sterben von Jesus Christus am Kreuz und durch den Triumph über alle Mächte der Finsternis und des Todes bei seiner Auferstehung sind wir nicht an das Gesetz gebunden, wie Knechte, sonder sind freie Kinder Gottes geworden. Denn schließlich ist Jesus gekommen um das Gesetz zu erfüllen (Matthäus 5,17) und hat damit ein neues Zeitalter im gesamten Universum eingeleitet. Dem Neuen Testament können wir nun entnehmen, dass wir frei vom Gesetz sind.

3. Der Zehnte, ein besonderes Kleinod für Christen
Im Gespräch mit vielen Christen lernt man sehr unterschiedliche Auf fassungen zum Zehnten kennen: Angefangen von zwingender Christenpfl icht bis hin zum bedeutungslosen Relikt aus alten Zeiten. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Art der Finanzierung von christlichen Gemeinden einen sehr starken Einfluss auf deren geistliche Sichtweise zum Zehnten hat. Gemeinden die sich über Spenden, also auch über den Zehnten der Gemeindeglieder, finanzieren, legen in den Predigten wesentlich mehr Nachdruck auf den Zehnten, als zum Beispiel Gemeinden, die über Steuern finanziert werden.

Der Zehnte ist Teil von Gottes Ordnungen aus dem Alten Testament, der uns Christen zur klugen Lebensführung angeboten wird! Trotzdem: Wenn es um das Thema Geld geht, berühren wir spürbar eine andere Dimension.  Es gibt kaum einen anderen Bereich des Lebens, in dem Menschen so verschlossen sind, wie beim Thema Finanzen. Die Zahlen über den monatlichen Verdienst und die Höhe des Sparvolumens werden so geheim wie nur möglich gehalten. Wir können über fast alles reden, aber darüber niemals! Von dieser Verhaltensweise sind Christen nicht ausgenommen. Interessanterweise stellt sich hier schon die Frage, warum das so ist.

Das Neue Testament gibt uns auch darüber Auskunft. Es liegt nicht am Geld, denn Geld ist nichts anderes, als ein Gegenwert von Waren, den wir damit erwerben können. Das, was hier so stark die Gefühle von Menschen beeinfl usst, ist der Geist, der hinter dem Geld steht. Die Bibel bezeichnet ihn als Mammon. Jesus sagt zu uns: „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Matthäus 6,24).

Die Aussage Jesu ist nicht, dass wir nicht beiden Herren dienen dürfen, son dern dass es unmöglich ist, denn Gott und Mammon sind viel zu gegensätzlich in ihrer Einfl ussnahme auf uns Menschen! Hier wird der Fels unseres Vertrauens abgefragt. Vertrauen wir den bunten Geldscheinen mit Zahlen darauf, oder ist in unseren Herzen unerschütterlich eingewurzelt, dass unser himmlischer Vater unser Versorger in allen Lebenslagen ist? Hier sagt Jesus sehr eindrucksvoll: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Matthäus 6,33).

Die Frage ist ganz einfach: Glauben Sie das? Mal ehrlich… Wenn noch nicht so richtig, dann ist das nicht schlimm. Wichtiger ist es, dass unsere Bestandsaufnahme der Wahrheit entspricht, denn es heißt ja: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8,32). Gottvertrauen lässt sich nicht einfach erlesen oder erhören, es lässt sich nur erfahren!

Dabei helfen uns, wie meistens im Leben, einfache Schritte, mit denen wir uns auf den Weg machen. So lernen wir neue Erfahrungen kennen und die Gegenwart Gottes wird uns immer bewusster, je mehr wir feste Schritte des Vertrauens auf der Grundlage seiner Verheißungen und Zusagen gehen. So ist die liebevolle Bekleidung durch den Schutz Gottes in unserem Leben hautnah erfahrbar.

Umkämpftes Gebiet
Kein anderes Feld unseres Gottvertrauens ist so umkämpft, wie das der Finanzen und der Versorgungszusage Gottes an uns. Durch das Geben des Zehnten haben wir eine wunderbare Möglichkeit, Gottes liebevolle Versorgung zu erleben und gleichzeitig damit unser Vertrauen zu ihm zu bezeugen. Nichts ärgert die dämonische Macht Mammon mehr, als diese Herzenshaltung! Unvorstellbar währen die fi nanziellen Möglichkeiten, die wir in unseren Gemeinden und Werken hätten, wenn nur viele Christen treu in das Reich Gottes investieren würden. Die schlechte fi nanzielle Situation in vielen Kirchen, Gemeinden und missionarischen Aktivitäten haben auch hier ihre Ursache. Die Praxis des Gebens des Zehnten ist unter Christen sehr verschieden. Die einen geben auf der Grundlage des Bruttogehaltes/- gewinnes, andere wieder vom Nettogehalt/-gewinn. Da es sich für uns Christen nicht um ein Gesetz handelt, kann die Frage nach dem Richtig oder Falsch nicht beantwortet werden. Ich persönlich halte es so, dass ich den Zehnten vom Betriebsgewinn vor Steuern zahle und bin wir dabei wohl bewusst, dass es sich dabei nur um den Betriebsgewinn als Berechnungsgrundlage handelt, und nicht – wie im Alten Testament – vom Ertrag des Landes, was ja schließlich Umsatz bedeutet.

Quelle: Christen in der Wirtschaft