Theologie Lesezeit: ~ 5 min

Bibellese-Material für Ihren Hauskreis (31)

Steigen Sie mit den Bibellese-Hilfen des Bibellesebundes gemeinsam im Hauskreis tiefer in die Bibellese ein.


1. Korinther 11,2-16: „Ich lobe euch, weil ihr in allen Stücken an mich denkt und an den Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch gegeben habe. Ich will aber, dass ihr wisst, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi. Ein jeder Mann, der betet oder prophetisch redet und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt. Jede Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren. Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen! Wenn es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie sich bedecken. Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann wurde nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen. Darum soll die Frau eine Macht auf dem Haupt haben um der Engel willen. Doch im Herrn ist weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau; denn wie die Frau von dem Mann, so ist auch der Mann durch die Frau; aber alles von Gott. Urteilt bei euch selbst: Steht es einer Frau wohl an, dass sie unbedeckt vor Gott betet? Lehrt euch nicht die Natur selbst, dass es für einen Mann eine Unehre ist, wenn er langes Haar trägt, aber für eine Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar hat? Das Haar ist ihr als Schleier gegeben. Ist aber jemand unter euch, der darüber streiten will, so soll er wissen, dass wir diese Sitte nicht haben – und die Gemeinden Gottes auch nicht.“
 

Vorbemerkung

Auf den ersten Blick scheint dieser Abschnitt nur für Korinth zu gelten. Dieser Eindruck ist alt. So schrieb der Bibelausleger C. H. Rieger vor etwa 150 Jahren: „Unser schneller, menschlicher Sinn gibt gleich vor: Ach, auf das kommt es nicht an, Gott sieht das Herz an; ich kann mit meinem unbedeckten und hochfrisierten Kopf demüthiger sein als eine andere im niederen Häublein. – Solche Winke (des Apostels) aber sollen uns langsam zum Reden, Entschuldigen und Rechthaben und schnell zum Hören (auf Gottes Wort) und Nachgeben machen.“
 

Erklärungen

3: Gott – Christus – Mann – Frau: Paulus löst die Frage nach der christlichen Demut nicht kulturell, sondern bettet sie für Eheleute in einen größeren, theologischen Zusammenhang.

4-5: Der Mann schändet oder entehrt sein Haupt (also Christus), wenn er gegen die Regel handelt, und die Frau ihr Haupt (also ihren Ehemann). Und dadurch schiebt sich etwas zwischen den Beter und Gott.

5: Im alten Griechenland wurden Ehebrecherinnen bestraft, indem man ihnen eine Glatze schnitt. So wurden sie als „Sittenlose“ angeprangert. Ein Schleier gab verheirateten Frauen im Orient Schutz und Würde: Sie waren „unter der Haube“. Die Kopfbedeckung jüdischer Männer kam erst später auf.
Nebenbei: Das abendländische „Hut ab zum Gebet“ fußt wohl auf diesem Bibeltext.

6: Will sie nicht… zeigt einen Fall, in dem sich eine Frau – aus Eitelkeit oder falsch verstandener christlicher Freiheit – vom Gesetz unabhängig macht und ihren Mann als Gegner versteht. Paulus: Emanzipation um jeden Preis ist so erniedrigend wie Prostitution.

7: Der Mann strahlt Gottes Liebe aus zu seiner Frau, und sie strahlt seine Liebe zurück (Eph 5,25-29).

10: Macht meint wohl: Schleier, Kopftuch, lange Haare. Damals ein Symbol dafür, dass eine Beterin nicht herrschen wollte.

Was die Engel in diesem Zusammenhang für eine Rolle spielen, wissen wir nicht. Generationen von Auslegern haben die unterschiedlichsten Lösungen vorgeschlagen. Fest steht, dass die Boten Gottes unsichtbare Zeugen auf der Erde sind für das, was im Dienst von Christen geschieht (vgl. 4,9; 1. Timotheus 5,21). Sie können Verstöße gegen Gottes Ordnung nicht billigen.

16: Hier ist nicht die Sitte gemeint, nicht in den Gemeinden zu streiten. Das könnte man ja beim Lesen der Lutherbibel denken. Paulus drängt hier vielmehr darauf, dass die Gemeinde in Korinth nicht als einzige Gemeinde andere Sitten einführt.
 

Fragen

Beobachten
* Worüber freut sich Paulus offensichtlich, was bereitet ihm Bauchschmerzen?
* Welche Aussagen gelten den (Ehe-)Frauen, welche den (Ehe-)Männern? Was ist anders oder gleich für Mann und Frau?
* Was sagen die Verse 11-12 über das Verhältnis von Mann und Frau zu ihrem Herrn und Retter?
* Welches Verhalten ist für Paulus mit Ehre, welches mit Unehre verbunden? Womit begründet er sein Urteil?

Verstehen
* Paulus schreibt nicht an die Allgemeinheit. An wen sonst? Was folgern Sie daraus?
* Warum sind die Verse 11-12 der Schlüssel zum Verständnis des Abschnitts?
* Wie würden Sie das Abhängigkeitsverhältnis „Haupt“ umschreiben (vgl. Epheser 5,23)?
* Warum versteht Paulus die Haarlänge nicht bloß als eine Modefrage? Was steckte wohl in Korinth hinter dem Verhalten einiger Christen? Welche Einstellung brachten sie damit zum Ausdruck?
* Was drückte die Kopfbedeckung aus? Was drückten Ehefrauen aus, wenn sie unverschleiert in der Öffentlichkeit erschienen?

Anwenden
* Mit welchen ungeschriebenen Gesetzen haben Sie in Ihrer Gemeinde zu tun?
* An welchen Stellen und warum wird möglicherweise dagegen rebelliert? Versuchen Sie den Hintergrund zu beleuchten.
* Wie können wir heute das ausdrücken, was damals mit dem Schleier ausgedrückt wurde?
* Wie gehen Christen um mit dem, was „alle tun“? Beispiele: Partnerschaft ohne Trauschein oder Selbstverwirklichung um jeden Preis.
* Wie gehen wir mit Christen um, die in Bezug auf die Kopfbedeckung anderer Meinung sind als wir?
* Warum finden es viele Frauen frustrierend, „Gehilfin“ des Mannes, Hausfrau und hauptamtliche Mutter zu sein? Was finden sie daran möglicherweise beglückend?
 

Anregungen

Laden Sie Christinnen und Christen aus Ihrem Ort ein, die der Meinung sind, die „Kopfbedeckung“ müsse auch heute noch getragen werden, zum Beispiel Evangeliumsbaptisten. Lassen Sie sich erklären, warum sie diese Sitte auch noch 2000 Jahre nach Paulus und in einer anderen Kultur pflegen. Lassen Sie sich ihre Erfahrungen berichten. Gibt es vielleicht manchmal Meinungsverschiedenheiten in dieser Sache? Fügt sich die nachwachsende Generation von Frauen in diese Tradition ein?



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