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Dankbarkeit?

Ich merke, dass ich große Probleme damit habe, dankbar zu sein, Geschenke einfach anzunehmen und mich darüber zu freuen. Das geht mir bei anderen Menschen so und besonders auch bei Gott. Geschenke, einfach so, das gibt’s doch gar nicht!

Was soll ich denn darüber schreiben, da fällt spontan gar nichts Großartiges ein, so mein erster Impuls. Natürlich bin ich dankbar: für meine Familie, meinen Beruf, dass ich gesund bin und dass Gott mich lieb hat und ich zu ihm gehören darf. Fertig. Na, weil das kaum ausreicht für einen Artikel, schaue ich einfach mal nach, wie Dankbarkeit eigentlich definiert wird:

"Dank oder auch Dankbarkeit ist eine Eigenschaft von Menschen, die von anderen Menschen etwas erhalten haben (egal ob Geld, Gefühle, Wissen oder Gegenstände) und sich darüber freuen. Es ist die Anerkennung empfangenen Wohlwollens und die Bereitschaft, es zu erwidern" lese ich bei Wikipedia.

Betroffen merke ich, dass ich in Wirklichkeit große Probleme damit habe, dankbar zu sein, Geschenke einfach anzunehmen und mich darüber zu freuen. Das geht mir bei anderen Menschen so und besonders auch bei Gott.

Klar, bin ich dankbar Gott gegenüber: Das er für mich gestorben und auferstanden ist, mir meine Sünden vergeben hat, mich gewollt hat und mich so vielseitig beschenkt hat. Aber in mir nagt trotzdem oft der Zweifel. Geschenke, einfach so, das gibt’s doch gar nicht! Sicherlich muss ich was dafür tun, mich anständig benehmen, um sie zu erhalten. Oder aber mich total anstrengen, dass sie mir nicht wieder genommen werden. Und überhaupt, Geschenke annehmen, damit mache ich mich doch total abhängig von anderen und auch von Gott. Abhängigkeit hasse ich, zu oft ist sie missbraucht worden oder meine Persönlichkeit durch Abhängigkeiten unterdrückt worden. Nein, das will ich nicht.

"Ich liebe Dich oft nicht so, mein Gott, wie ich meine Kinder liebe. Im Gegenteil, ich misstraue Dir. Ich habe Angst vor Dir. Ich weiß nicht, ob ich genüge. Ich weiß nicht, ob du mich wirklich liebst!"

Diese Gedanken sind mir oft vertrauter als Dankbarkeitsgefühle. Irgendwann habe ich sie alle einfach mal vor Gott ausgebreitet , unzensiert ohne fromme Floskeln. Meine Schwierigkeiten, ihm zu vertrauen und Geschenke anzunehmen. Meine Wut, meinen Zorn, mein Misstrauen, meine Trauer, meine Angst, meine Sehnsucht.

Und ich bin froh, dass ich das tun konnte. Gott hörte mir zu und tut es auch heute noch. Und er zeigt mir ganz behutsam, so dass ich es auch verstehen kann, dass Angst keinen Platz hat in der Beziehung zu ihm. Dass in seiner Liebe Freiheit herrscht und keine Vergewaltigung. Verstehen und spüren kann ich das noch nicht immer und es bleibt ein langer, oft schwieriger, aber dennoch heilsamer Prozess. Aber ich bin froh, mich wieder auf den Weg gemacht zu haben zum Vertrauen, in Gottes Nähe.

Und das macht mich wirklich dankbar! Ohne Wenn und Aber!

Und es gibt mir immer mehr den Mut Geschenke anzunehmen, auch von Gott. Und das kann ich mittlerweile immer dankbarer genießen.


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