Glück als Entscheidung

"Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen glücklich zu sein!" (Voltaire) - Was für eine steile Behauptung, denke ich im ersten Augenblick. Ist es nicht eher so, dass mich äußere Umstände daran hindern, glücklich oder auch dankbar zu sein?

"Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen glücklich zu sein!" (Voltaire)
Was für eine steile Behauptung, denke ich im ersten Augenblick. Ist es nicht eher so, dass mich äußere Umstände daran hindern, glücklich oder auch dankbar zu sein?


Natürlich gibt es berechtigte Sorgen. Auf der anderen Seite passieren aber auch Dinge in meinem Leben, über die ich mich sehr freue, ich auch dankbar bin. Aber das Gefühl der Dankbarkeit verschwindet dann schnell wieder im Alltag.

Dankbar war ich zum Beispiel, als meine Chefin anrief und mir sagte, ich hätte die neue Stelle. Ich war total glücklich, doch schon Tage danach erste Zweifel: "Ist meine alte Stelle nicht doch viel besser? Da gehe ich doch jetzt ein Wagnis ein, ob ich das auch schaffe?"

Dankbar war ich für meine Familie, als wir alle Heiligabend gemütlich zusammen waren. Zwischen den Jahren dann plötzlich depressive Grübelattacken: "Was ist aus meinen Vorstellungen geworden? Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen? Wo ist die Leidenschaft im Alltag geblieben?" Unruhig knappere ich an meinen Gedanken: "Was wäre wenn gewesen" und beginne mich im Kreis zu drehen.

Dankbar war ich auch, als wir endlich für unseren Sohn eine Entscheidung für eine weiterführende Schule getroffen und eine gute Hauptschule mit kleinen Klassen und individueller Förderung gefunden hatten. Ganz erleichtert und ja, glücklich, war ich. Tage später machte ich mir schon wieder Sorgen: "War es wirklich die richtige Entscheidung? Ist der Fahrtweg nicht viel zu lange? Und warum gerade mein Sohn? Andere schaffen doch wenigstens die Gesamtschule."

Ich merke, ich habe so meine Schwierigkeiten mit der Dankbarkeit. Das Gefühl hält sich, wenn es hoch kommt, mal gerade einige Tage und danach beginne ich, mir wieder Sorgen zu machen und überlege, wie ich es noch perfekter hinbekommen könnte, mein Leben.

Manchmal bin ich auch einfach nur stolz auf mich selber: "Habe ich das Erreichte nicht auch irgendwie "verdient"? Ich habe mich immerhin sehr angestrengt, viel Zeit investiert, mir Gedanken gemacht. Da ist das Erreichte doch nur angemessen? Warum dafür dankbar sein?

Oder ich beginne damit, mich zu vergleichen: "Andere haben es doch viel besser, schöner oder bestimmt einfacher im Leben!" Auf die Idee, mich mit Leuten in anderen Ländern zu vergleichen, denen es erheblich schlechter geht, komme ich da gar nicht. Im Gegenteil, ich schiele neidisch auf Andere, die noch mehr haben.

Und Gott? Klar, dem bin ich ja auch dankbar. Er liebt mich, er hat mich gewollt. Er hört mir zu und ich gehöre zu ihm, darf sein Kind sein. Leider vergesse ich das nur allzu oft in meinem Alltag und ich werde unzufrieden, undankbar oder fühle mich vernachlässigt.

Ich glaube, dass Dankbarkeit wirklich auch etwas damit zu tun hat, eine Entscheidung zu treffen: Bewusster das wahrzunehmen, was ich schon alles bekommen habe, als ständig dem hinter her zu hecheln, was mir angeblich noch fehlt. Das ist sicherlich ein Lernprozess, aber letztendlich macht es mein Leben reicher, weiter und zufriedener.


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