Ein König erlebt eine Niederlage

Balaks Eigentor

Um gleich jedem Missverständnis vorzubeugen: Hier geht es nicht um einen skandalösen Bericht aus der Fußballwelt. Aber die Katastrophe eines Eigentors ist jedem

4. Mosebuch, 
Kapitel 22
bis 24

Um gleich jedem Missverständnis vorzubeugen: Hier geht es nicht um einen skandalösen Bericht aus der Fußballwelt. Aber die Katastrophe eines Eigentors ist jedem Fußballfreund und auch jedem Fußballfeind bekannt.. Eigentore sind das Gegenteil von dem, was man erreichen will: Eben kein „Tor“ im eigenen Tor. Nicht nur im Sport, sondern auch in unserem Leben gibt es Eigentore. Wir wollten einen tollen Treffer landen, hatten eine ausgefeilte Strategien parat. Aber die Bemühung schlägt nach hinten aus: Am Ende sind wir selbst die Getroffenen.

Auch Könige bleiben davon nicht verschont. Balak hieß der Schütze (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind absolut ausgeschlossen). Er war König der Moabiter. Seine Eigentor-Geschichte hat einen ernsten Hintergrund – und doch kommt mir darin auch ein gewisser Humor entgegen. Ein tiefgründiger Humor Gottes, der immer wieder aufblitzt.

Balak hat Angst

Der König hatte Nachrichten gehört. Schlechte Nachrichten: Das Volk der Israeliten war auf seinem Marsch von Ägypten in Richtung Norden gefährlich an die Grenzen Moabs gerückt. Die Amoriter, die sie angegriffen hatten, waren vernichtet worden. Dabei hatten die Amoriter ein starkes Heer, das sogar die Moabiter aus ihrem Land vertrieben hatte. Kein Wunder, dass Balak es mit der Angst zu tun bekam: Wenn die Amoriter es schon nicht schafften, dann war sein eigenes Heer erst recht dem israelitischen völlig unterlegen. Keine Chance zum Sieg...

Balak hat Mitspieler

Darunter einen, der mehr kann als nur mit dem Schwert zu kämpfen: Bileam. Von Bileam weiß er: Wenn er jemanden segnet, dann hat derjenige gewonnen, aber wenn er jemanden verflucht, dann ist das dessen Ende. Das könnte die Rettung sein. Würde Bileam einen Fluch über die Israeliten aussprechen, dann wäre der Sieg da. Eins zu Null für Balak.

Also, nichts wie her mit dem Mann. Offenbar ist Bileam nicht so schnell zu solchen Aktionen zu bewegen. Er scheint Schwächen zu haben: Ehre und Geld. Darum schickt Balak die führenden Männer seines Landes zu ihm und gibt ihnen den Lohn für Bileam im Voraus mit. Doch Bileam regiert anders als erwartet. Er packt nicht gleich die Reisetasche, sondern will erst hören, was Gott dazu sagt.

Gott fragt: „Was sind das für Männer bei dir?“ Paradox, dass Gott nachfragt. Es handelte sich um VIPs! Die Frage zeigt: Nicht alle, die bei uns Rang und Namen haben, haben das auch bei Gott. Bei ihm gelten ganz andere Kriterien. Bei ihm kommt es nicht auf Publicity an, auch nicht auf Titel und Verdienste, erst recht nicht auf Einkommen und Vermögen. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.“, (1. Samuel Kapitel 16 Vers 7). Darum gibt Gott Bileam auch eine eindeutige Antwort: „Gehe nicht mit. Verfluche dieses Volk nicht, denn ich habe es gesegnet.“ Damit ist zunächst alles klar. Die Boten ziehen unverrichteter Dinge wieder zu Balak.

Balak trickst

So schnell gibt Balak nicht auf. Die Menschen sind käuflich – diese Erfahrung hat er als Politiker vermutlich schon des Öfteren gemacht. Neue Boten müssen zu Bileam reisen, noch bedeutendere Männer mit einem noch größeren Geldangebot. Der Trick zieht: Bileam – der ja eigentlich weiß, was Gott will -, wird unsicher. Wäre ja schade um das schöne Geld und den guten Ruf. Tatsächlich: Gott lässt Bileam ziehen. 

Warum? Hat er seine Meinung geändert? Sicher nicht. Aber er will Bileam – und auch uns – nicht am Gängelband führen. Er möchte, dass wir als erwachsene und vernünftige Menschen mit ihm durch das Leben gehen – aber nicht als unmündige Kinder. Bei Gott ist ein Ja ein Ja und ein Nein ein Nein. Gott fügt seiner Erlaubnis noch hinzu: „Aber tu nur das, was ich dir sage!“ Selbst wenn wir verkehrt laufen, lässt Gott uns nicht im Stich. Doch Konsequenzen und Schmerzen kann er uns dann nicht immer ersparen. Ausgerechnet Bileams Reittier, eine Eselin, benutzt Gott, um Bileam zu zeigen, wie dumm sein Verhalten ist.

Ein Engel versperrt den Weg. Sehen kann ihn aber nur die Eselin. Die streikt entsetzt und versucht auszuweichen. Dreimal. Zum Schluss legt sie sich einfach auf den Boden. Bileam schlägt zu. Er ist wütend. Gerade jetzt, wo er es doch eilig hat, zu seinem großen Auftrag zu kommen, macht das Tier Probleme. Wut lässt blind werden für die Realität – und auch für die Wege Gottes.

Gottes Geduld und auch sein Humor sind noch nicht zu Ende: Er lässt die Eselin sprechen. Die Geschichten von Dr. Doolittle waren noch unbekannt. Trotzdem wird Bileam nicht stutzig, sondern steigert sich in seine Wut hinein. Er antwortet seinem Tier. Aber die Eselin – weit klüger – hilft ihm auf die Sprünge. „Habe ich mich jemals so verhalten?“ – Denk doch mal nach, Bileam! Auch hier kann ich mir vorstellen, dass Gott lacht. Jetzt fällt der Groschen – Gott lässt Bileam den Engel sehen. Aber Bileam geht weiter, trotz Engel, trotz Warnung und obwohl er Gottes Entscheidung bereits kennt.

Balak stürmt

Zunächst einmal dem ankommenden Bileam entgegen, dann mit ihm auf die nächste Anhöhe. Von dort aus hat Bileam einen Blick auf den Rand des israelitischen Lagers. Bei diesem drohenden Anblick wird der Fluch saftig ausfallen – denkt Balak vermutlich. Bileam beeilt sich, fromm zu betonen: „Ich kann nur das sagen, was Gott sagt.“ Gespannt wartet Balak. Ich kann mir vorstellen, wie seine Blicke an Bileams Lippen hängen. Erwartungsvoll zunächst – aber dann … die Miene wird länger, ernster, verblüfft – und schließlich ärgerlich. Was redet der denn da!? „Wie kann ich jemand verfluchen, den Gott nicht verflucht? Dieses Volk ist wirklich etwas Besonderes.“ Ja, hat Bileam denn den Verstand verloren? Der flucht ja gar nicht – der segnet!

Balaks Strategie

„Was tust du mir an?“ schreit Balak. Dafür hat er ihn nicht aufs Spielfeld geholt. Bileam verschanzt sich: „Ich kann nur sagen, was Gott mir aufträgt.“ Aber Balak ist mit seiner Strategie noch nicht am Ende. Er schleppt Bileam zu zwei weiteren Stellen und verlangt: „Du sollst es von dort aus verfluchen – verstanden?!“ Stille und Spannung. Bileam redet: „Gott ist kein Mensch, der lügt. Er ist nicht wie einer von uns, der seine Versprechen bald wieder bereut. Was er sagt, das tut er, und was er ankündigt, das führt er aus. Darum habe ich den Auftrag zu segnen. Er findet nichts Schlechtes an den Israeliten.“ Eine gute Botschaft für den, der zu Gott gehört! Gott findet nichts Schlechtes an ihm. Und das ist endgültig - dafür ist Jesus Christus am Kreuz gestorben.

Balaks Abgang

Schlechte Botschaft für den, der zu Balak gehört. Bileam hat kaum ausgeredet, da schreit Balak: „Jetzt ist es genug! Wenn du dieses Volk schon nicht verfluchst, dann höre wenigstens auf, es zu segnen.“ Verständlich, das Argument. Ob Gott schmunzelt? Balaks Geduld und auch seine Strategie sind jedenfalls zu Ende. „Ich habe dich hierher geholt, damit du meine Feinde verfluchst! Und was tust du? Du segnest sie, und das gleich dreimal!“ Klar, dass er bei diesem Ergebnis ausrastet. „Verschwinde, mach dass du nach Hause kommst! Ich hatte versprochen, dich reich zu belohnen. Doch daraus wird nichts.“ Ärgerlich zischt er hinterher: „Der Herr hat es nicht gewollt.“ Das ist nun die Retourkutsche für Bileam.. Er wird mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Auch hier blitzt er wieder auf – der Humor Gottes. Gott lässt sich nicht vor unsere Wünsche spannen.

Bileam ist noch nicht fertig. Unaufgefordert lässt er in einer vierten Rede Balak und alle seine Gefolgsleute wissen, was in der Zukunft geschehen wird. Er kündigt die Ankunft eines mächtigen Königs für die Israeliten an. Aber Moab wird besiegt werden. Nach diesen Worten gab es nichts mehr zu sagen. Weder für Bileam noch für Balak. Beide gehen davon. Bileam hätte sich die ganze Reise ersparen können. Damit aber auch die Erweckung von falschen Hoffnungen, ebenso manche Kosten und Mühen. Balak wollte den Gegner herausfordern und durch eine gut ausgefeilte List besiegen. Aber der Schuss ging nach hinten los. Balak musste feststellen: Gegen die Israeliten kommt er nicht an. Auch wenn der Kampf noch nicht begonnen hat, so steht es doch jetzt schon fest: Eins zu null für die Israeliten. Denn Gott steht zu seinem Wort.


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