Das Wunder Leben

Da läuft doch glatt ein Brotkrümel an meinem Teller vorbei. Oder? Nein, das ist eine winzig kleine Fliege! Ich staune immer wieder über so einen Mikro-Organismus. Alles drum und drin: Flügelchen, Muskelchen, Sinnesorganchen, Stoffwechselchen, Herz-Keislaufsystemchen. Großartig!

Da läuft doch glatt ein Brotkrümel an meinem Teller vorbei. Oder? Nein, das ist eine winzig kleine Fliege! Ich staune immer wieder über so einen Mikro-Organismus. Alles drum und drin: Flügelchen, Muskelchen, Sinnesorganchen, Stoffwechselchen, Herz-Keislaufsystemchen. Großartig!

Ich nehme mir die Zeit, dieses winzige Tierchen zu beobachten. Traue mich nicht, es auf den Finger krabbeln zu lassen. Viel zu gefährlich. Einmal Zucken und es wäre tot. Wie all die vielen Insekten, die wir im Sommer mit dem Fliegenschwamm von der Autofront kratzen.

Da fällt mir die Geschichte mit der Katze wieder ein. Mein Mann Johan machte in Brüssel einen Lehrgang und ich arbeitete als "Mädchen für alles" in der Bibelschule in Heverlee. Morgens kam der Stau nach Brüssel rein, abends fuhr er in die Gegenrichtung wieder aus Brüssel heraus. Und ich fuhr immer dem Stau entgegen.

Eines Morgens sah ich am Rand der Autobahn-Brücke eine tote Katze. "Och, die arme Katze!" dachte ich und vergaß sie gleich wieder. Am nächsten Tag sah ich sie wieder. Ein bisschen verstaubt, aber doch noch gut erkennbar. Jetzt achtete ich immer auf die Brücke und suchte die tote Katze. Sie zerfiel jeden Tag ein bisschen mehr bis sie nach einem Wochenende nur noch aussah wie ein alter Scheuerlappen. Als dann noch der Schnee kam war sie erstmal für ein paar Wochen verschwunden. Danach erkannte man in dem Haufen nicht mehr ein totes Tier, es hätte genauso gut ein Rest schmutziger Schnee sein können. Und irgendwann im Mai war sie gar nicht mehr da.

"Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst? fragt der 8. Psalm. Vergleicht man einen Menschen, der immerhin die Krone der Schöpfung sein soll, mit so einem Tier, das der Welt zumindest intellektuell nichts zu bieten hat, ist es verschwindend wenig.

Und doch kleidet der Schöpfer die Lilien auf dem Felde prächtiger als es Salomo bei all seinem Reichtum vermochte, lässt Gras heute wachsen und morgen vergehen, zählt sogar jedes Haar auf meinem Kopf und subtrahiert noch die, die ich jeden Morgen in der Bürste hab.

Der Film "Die Wüste lebt" von Walt Disney zeigt im Zeitraffer, wie die Natur sich beeilt, die kurze fruchtbare Zeit auszunutzen, um eine verschwenderische Fülle von Blütenmeeren entstehen zu lassen, bevor der Boden wieder dürr und trocken wird.

Lohnt sich nicht? Gott kann es sich leisten, auch ein kurzes Leben mit exklusiver Schönheit auszustatten.

Wie können wir uns da anmaßen, zu beurteilen, wann ein Leben lebenswert ist?


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