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Wenn die Gemeinde um 100% wächst

Internet-Übertragungen wecken Interesse am Gottesdienst.

 

 

Eine mindestens doppelt so große Teilnahme an Gottesdiensten. Darüber freut sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm. Ein Grund ist sicherlich die Corona-Krise. Viele Menschen suchen Trost und Orientierung. Ein noch größerer Faktor: Vier von fünf Kirchen haben seitdem ihren Gottesdienst im Internet übertragen.
 

Bedford-Strohm zeigt sich überwältigt: „Ich gestehe, dass ich es selbst etwas überraschend fand, dass in unserer Kirche blitzschnell reagiert worden ist und dass da an ganz vielen Stellen eine ungeheure Kreativität zum Ausdruck gekommen ist.“

Klassische Gottesdienstübertragungen von vor Ort aus der Gemeinde und über YouTube sind das eine. Dazu haben manche Gemeinden aber auch Chaträume angeboten. Hier konnte man anonym Fragen loswerden. Ob Menschen dadurch erreicht wurden, die sonst so gar nichts mit Kirche am Hut haben? Das kann der bayerische Landesbischof nicht sagen. Er setzt aber auf Erfahrungen aus einem Internet-Gottesdienst, den er selbst geleitet hat. „Der Gottesdienst wurde von einem Gospelchor vorbereitet. Ich habe erlebt, wie ganz viele Menschen, die nie einen Fuß normalerweise in den traditionellen Gemeinde Gottesdienst setzen, außer wenn sie da singen, mit großer Begeisterung diesen Gottesdienst vorbereitet haben und dabei mitgewirkt haben.“
 

Nichts mehr selbstverständlich nehmen

Mag sein, dass es den Zuschauern an den Bildschirmen ähnlich ging. Auf jeden Fall hat die Corona-Krise gezeigt: Menschen sind sensibler geworden. Das erlebt Heinrich Bedford-Strohm auch bei seinen „Morgen-Impulsen“. Das sind kurze Videos auf YouTube, die er seit drei Monaten täglich von montags bis samstags anbietet. Die Reaktionen darauf: „Viele Menschen sprechen davon, wie sie bestimmte Dinge viel bewusster erleben als vorher, gerade bei den Lockerungen. Bestimmte Formen von Gemeinschaft, die man für selbstverständlich genommen hat, sind nicht so selbstverständlich und man erlebt sie jetzt bewusster.“

Bedford-Strohm hofft, dass es nicht nur bei der Selbstbespiegelung bleibt. Wer wünscht sich, „dass wir lernen dankbar zu werden. Auch im Gebet die Dinge vor Gott bringen und sie nicht als selbstverständlich nehmen, also bewusster leben.“
 

Vorfreude auf einen „normalen“ Gottesdienst

Der EKD-Ratsvorsitzende ist sich sicher: Corona hat das Gemeindeleben am Sonntag stark verändert. Und manche neue Errungenschaft wird, so hofft er, erhalten bleiben. Trotzdem freut sich auch Heinrich Bedford-Strohm jetzt schon auf den ersten Gottesdienst nach den Corona-Beschränkungen, auch wenn das noch dauern kann.

„Natürlich freue ich mich sehr auf den ersten Gottesdienst, den wir in der alten Form ohne Gesichtsmasken und Abstände feiern können. Das wird durch nichts anderes zu ersetzen sein.“  Den persönlichen Händedruck am Ausgang für jeden Besucher und den gemeinsamen Gemeinde Gesang vermisst der Bischof schon jetzt.



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