Internationale Friedensarbeit Lesezeit: ~ 2 min

Wenn der Iran mit Saudi-Arabien redet

In Deutschland findet die 10. Weltversammlung von „Religions for Peace“ statt.


Vom 20. Bis 23. August 2019 wird das Städtchen Lindau am Bodensee Schauplatz einer besonderen Veranstaltung sein: 900 Vertreter verschiedener Religionen aus 100 Ländern kommen hier zur 10. Weltversammlung der Organisation „Religions for Peace“ („Religionen für den Frieden“) zusammen.

Wer hier die Botschaft erwartet: Alle Religionen sind doch eigentlich für den Frieden, liegt falsch, sagt „Religions for Peace“-Generalsekretär Dr. William Vendley:

„Wir bauen nicht auf irgendwelche gemeinsamen Glaubenszeugnisse oder Bekenntnisse, die es gar nicht gibt. Wir respektieren uns in unserer Unterschiedlichkeit. Aber wir setzen auf die gemeinsame moralische Verpflichtung, uns zu helfen und nicht zu schaden. Und das ist die Basis, gemeinsam öffentlich für den Frieden zu handeln. Unser Motto ist: Wir haben unterschiedlicher Glauben, aber für den Frieden handeln wir gemeinsam.“
 

50 Kinder wurden befreit

So war „Religions for Peace“ bereits in verschiedenen Konflikten weltweit aktiv. Ein Beispiel ist Sierra Leone. Von 1991 bis 2002 herrschte dort ein schlimmer Bürgerkrieg. Verstümmelungen und Morde waren an der Tagesordnung. „Religions for Peace“ konnte eine Vermittlerrolle übernehmen, berichtet Vendley: „In dieser brutalen Situation konnten fünfzig Kinder, die von Rebellen gefangen gehalten wurden, befreit werden. Frauen unseres Bündnisses sind unbewaffnet in den Urwald gegangen. Die Rebellen hätten die Kinder niemals an die Regierung ausgehändigt. Aber so konnten wir eine Verbindung zwischen Rebellen und der Regierung herstellen. Die hat dann beide Seiten überhaupt wieder miteinander ins Gespräch gebracht.“
 

Gespräche zwischen Iran und Saudi-Arabien

Auch in Lindau am Bodensee sollen sich Menschen begegnen, die sich sonst als feindliche Parteien gegenüberstehen. So werden religiöse Führer aus dem Iran und Saudi-Arabien erwartet. „Religions for Peace“ bietet den neutralen Boden für vertrauliche Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sind hier erste vorsichtige Schritte gefragt, so sind in anderen Konfliktregionen bereits Brücken zwischen Menschen verschiedener Religionen gewachsen, erklärt der Generalsekretär: „Was nach meiner Beobachtung einfach großartig ist: Die verschiedenen religiösen Gemeinschaften prägen eine beständige Bereitschaft zur Zusammenarbeit aus. Sie zeigen soziale Verantwortung über die Grenzen ihrer eigenen Gemeinschaft hinaus. Ich verrate ihnen ein Geheimnis: Wir sind zu sehr guten Freunden geworden bei Religions for Peace.“
 

Oliver Jeske: „Keine rosarote Brille“

Als Journalist komme ich zu der Einschätzung: Die Akteure von „Religions for Peace“ respektieren Unterschiede zwischen den Religionen und Glaubensüberzeugungen, so wie sie sind. Sie setzen keine rosarote Brille auf, sprechen nicht davon, dass alle ja doch irgendwie an denselben Gott glauben -  und sie blenden auch religiös motivierte Gewalt nicht aus.

Wenn ich die Aufforderung von Jesus Christus ernst nehme, die da lautet: Selig sind die Friedensstifter! Dann drängt sich mir die Frage auf, ob „Religions for Peace“ hier nicht auf einem sehr guten Weg ist.

Auf jeden Fall wünsche ich der 10. Weltversammlung im August Erfolg, für ein wenig mehr Frieden unter Menschen, die auf unserer Erde nun einmal mehrheitlich religiös sind.


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