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„Wahrheit und Liebe miteinander verbinden!“

Klartext will er reden, aber den Menschen im Blick behalten: Reinhardt Schink, neuer Generalsekretär der ev. Allianz.

 

 

Bescheiden tritt er auf, zurückgenommen. Vorschnelle Reaktionen scheinen nicht seine Sache zu sein – er wägt ab, was er sagt und will wissen, was den Gesprächspartner bewegt: Dr. Reinhardt Schink, seit Mitte Juni offiziell im Amt des Generalsekretärs der Evangelischen Allianz in Deutschland.

Zum Interviewtermin kommt er mit offenem Hemdkragen – und setzt damit das erste Statement: nicht alles wird so bleiben wie unter seinem Vorgänger Hartmut Steeb. 31 Jahre war Steeb im Amt und hat somit die Evangelische Allianz geprägt wie kein anderer. Dessen Markenzeichen: die Fliege.

„Beim ersten Vorstellungsgespräch habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich mir eine Fliege anlege, um sie dann demonstrativ auszuziehen und so darauf hinzuweisen, dass neue Zeiten anbrechen werden. Denn ´1 zu 1´ kann ich nicht in die Fußstapfen von Hartmut Steeb treten. Jemand, der diese Aufgabe so erfolgreich gemacht hat, wird keinen Nachfolger finden, der das in der Gesamtheit genauso abdecken wird.“
 

Unterschiedliche Milieus stärker einbinden

Schink ist 54 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Mehr als 20 Jahre hat er verschiedene Führungspositionen bekleidet bei der weltweit agierenden Allianz-Versicherung. Dass er nun von der Wirtschaft in ein Glaubenswerk wechselt, versteht er „als einen Ruf Gottes“. Anders als sein Vorgänger verzichtet Schink auf einen Dienstwagen und steigt um auf Bus und Bahn. Seine Termine, schon jetzt eng getaktet. Der neue Generalsekretär wird viel unterwegs sein, zuhören: „Wir stehen vor der Herausforderung, jüngere Generationen, Frauen und Migranten viel stärker in die Allianzarbeit einzubinden und ihnen Rollen in unserem Netzwerk zu geben. Gemeinsam müssen wir uns hinsetzen und uns fragen, wie das zukünftige Gesicht der Allianz aussehen soll und wozu uns Gott ruft.“
 

Dem Wort ´Evangelikal´ einen neuen Klang geben

In der Öffentlichkeit hat sich die Ev. Allianz in den vergangenen Jahren hauptsächlich durch Stellungnahmen zu sexualethischen Themen profiliert, z.B. gegen die Einführung der „Ehe für alle“ oder für eine Änderung des Abreibungsparagraphen. Die Bezeichnung „Evangelikal“ wurde zum Kampfbegriff. Reinhardt Schink will dem Wort einen neuen Klang geben: „Ich würde mich freuen, wenn ‚Evangelikale‘ in erster Linie mit Menschen gleichgesetzt werden, die ihren Glauben ernst nehmen und mit ganzem Herzen Jesus Christus nachfolgen.“
 

Keine Angst vor polarisierenden Aussagen

Gleichzeitig sieht auch der neue Generalsekretär mehr Gegenwind auf Christen zukommen, die nicht dem politisch-gesellschaftlichen Mainstream entsprechen. „Ich habe keine Angst vor polarisierenden Aussagen“, so Schink. Er will sich stark machen für echte Meinungsfreiheit, die auch unbequeme christliche Standpunkte zulässt. Die derzeitige Diskussion um ein Verbot von Konversionstherapien für Homosexuelle bezeichnet er als ein Scheingefecht:
 

Verbot von Konversionstherapien – ein Scheingefecht

„In der konkreten Diskussion um Konversionstherapien würde ich mir wünschen, dass homosexuell empfindende Menschen aufstehen und das diskutierte Verbot als eine Diskriminierung bezeichnen, weil damit eine staatliche Stelle erklären will, wie jemand zu empfinden hat und wo er oder sie sich Rat holen darf und wo nicht. Es kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, die Wahlfreiheit wieder zu begrenzen und nur einer Zeitgeistströmung Vorschub zu leisten.“

Kritisch wendet sich Schink auch an die eigene Adresse und wirbt innerhalb der Evangelischen Allianz für mehr echte Toleranz, will heißen: in den Standpunkten klar bleiben, aber in der Hinwendung zum Menschen liebevoll: „Unser Zeugnis als Bekenntnisbewegung ist nicht umso stärker, je radikaler und schroffer wir auftreten, sondern wir müssen von Jesus lernen und Wahrheit und Liebe miteinander verbinden. Dann ist auch ein christliches Zeugnis in einer multireligiösen Gesellschaft überzeugend.“


Die Evangelische Allianz ist ein Netzwerk von evangelisch-reformatorisch gesinnten Christen aus Kirchen, Gemeinschaften und Freikirchen und erreicht mit ihren Angeboten etwa 1,3 Millionen Menschen. Die DEA hält zu ca. 350 überregionalen Werken und Verbänden Kontakt, wie z.B. zu ERF Medien, und wird an ca. 1.000 Orten in Deutschland konkret gelebt.


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