ERF GlobalHope Lesezeit: ~ 4 min

Unsichere Zeiten für Christen

Die Christenverfolgung nimmt in alarmierendem Maße zu – besonders in China und Indien. Das belegt der Weltverfolgungsindex von Open Doors.

  • Die Angriffe auf Christen haben weltweit zugenommen, besonders markant in China und Indien.
  • Nordkorea ist immer noch Land mit der stärksten Verfolgung von Christen, danach schließen sich Afghanistan und Somalia an.
  • Im Norden Nigerias wurden mehr Christen getötet als in jedem anderen Land, auch wurden dort die meisten Kirchen zerstört.

Angriffe auf Christen haben weltweit zugenommen. Besonders in China und Indien sind vermehrt Übergriffe registriert worden. Das geht aus dem aktuellen Weltverfolgungsindex von Open Doors hervor. Mehr als 700 Millionen Christen leben in Ländern mit starker Verfolgung. In den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex leben etwa fünf Milliarden Menschen, von denen sich rund 700 Millionen zum christlichen Glauben bekennen. „Die gegenwärtige Situation der verfolgten Christen und anderer Minderheiten ist katastrophal und alarmierend“, sagt Markus Rode, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender von Open Doors Deutschland. „Die Religionsfreiheit wird massiv unterdrückt.“

 

Für den aktuellen Weltverfolgungsindex 2019 hat Open Doors ein Jahr lang die Situation von Christen in 150 Ländern untersucht. Die 50 Staaten, in denen die Christenverfolgung am höchsten ist, hat Open Doors in einer Rangliste zusammengestellt.  

Seit 1955 setzt sich Open Doors mit umfangreichen Hilfsprojekten für verfolgte Christen in rund 60 Ländern ein. Der jährliche Weltverfolgungsindex gibt betroffenen Christen eine Stimme. Zum ausführlichen Bericht mit detaillierten Länderprofilen, Analysen zur weltweiten Entwicklung sowie Lebensgeschichten verfolgter Christen.

Ergebnis der Untersuchung ist: In immer mehr Ländern erfahren Christen Ausgrenzung seitens der Gesellschaft sowie Unterdrückung durch den Staat, weil sie nicht vorgegebenen Ideologien oder Religionen folgen wollen. Schikane und Überwachung drängen Christen vermehrt in den Untergrund und schränken das Recht auf Religionsfreiheit massiv ein. Die starke Erhöhung der Morde an Christen (von 2.782 auf 4.136 gegenüber dem Vorjahr) beschreiben das Ausmaß der Verfolgung nur zum Teil.

 

Keine Veränderung in Nordkorea, dafür Anstieg der Verfolgung in China und Indien

Nordkorea, in dem extreme Verfolgung von Christen herrscht, belegt bereits seit 2002 den ersten Platz auf dem Weltverfolgungsindex. Etwa 50.000–70.000 Menschen müssen aufgrund ihres Glaubens in Straflagern Zwangsarbeit und Folter erleiden. Das weltweit vielbeachtete Gipfeltreffen von Kim Jong Un mit US-Präsident Trump hat bislang zu keinen spürbaren Verbesserungen im Land geführt. Stattdessen wurde der Personenkult um Kim Jong Un weiter verstärkt. Zusätzliche Sicherheitskräfte im Grenzbereich zu China hindern das eigene Volk an der Flucht.

Auch China ist Paradebeispiel für staatliches Herrschafts- und Kontrollstreben. Der bevölkerungsreichste Staat Ostasiens stieg im diesjährigen Index von Platz 43 auf 27. Seit 2018 neue Vorschriften für religiöse Angelegenheiten in Kraft traten, wurden zahlreiche Kirchen und christliche Einrichtungen geschlossen und zerstört. Es wurden 1.131 Christen inhaftiert, mehr als in jedem anderen Land und viele davon ohne Gerichtsverfahren. Gottesdienste werden mittlerweile videoüberwacht, Pastoren in Umerziehungslagern inhaftiert. Gemeinden werden gezwungen, die Nationalhymne vor dem Gottesdienst zu singen und die chinesische Flagge aufzuhängen. So versucht man die stetig wachsenden christlichen Gemeinschaften zur absoluten Loyalität gegenüber Staat und der kommunistischen Partei zu zwingen.

Indien rangiert erstmals unter den ersten 10 Ländern des Weltverfolgungsindex. Die offiziell größte Demokratie der Welt lässt die hindu-nationalistische Regierungspartei in ihrer Gewalt gegen Kirchen und Christen gewähren. So wurden 2018 Angriffe auf etwa 100 Kirchen und mindestens 12.500 Christen dokumentiert. Mehr als 200 von ihnen wurden wegen ihres Glaubens verhaftet und mindestens 10 getötet. Die tatsächliche Anzahl ist mit Blick auf die hohe Dunkelziffer vermutlich wesentlich höher, so Open Doors.
 

Der Druck auf Christen hat weltweit zugenommen

Laut Verfolgungsindex hat sich auch insgesamt der Druck auf Christen und andere religiöse Minderheiten weltweit erhöht. Die Regierungen in der Türkei (26), in Myanmar (18) und Laos (19), folgen mehr als je zuvor einer religiös-nationalistische Agenda. In Pakistan (5) hat der Fall Asia Bibi deutlich gemacht, welch immenser Hass Christen von großen Teilen einer religiös indoktrinierten Gesellschaft entgegenschlägt. Auch andere Christen sind dort willkürlich wegen Blasphemie angeklagt worden, ihnen droht weiterhin der Tod.

Im islamisch dominierten Norden Nigerias (12) werden Christen bereits seit vielen Jahren verfassungsgemäße Rechte sowie Versorgung und Schutz verweigert. Hier wurden mit 3.731 mehr Christen um ihres Glaubens willen ermordet als in allen anderen Ländern zusammen. Auch bei Angriffen auf Kirchen steht Nigeria an erster Stelle.

Die Rangfolge der zehn Länder, in denen Christen am härtesten verfolgt werden (in Klammern Position im Vorjahr): 1. (1) Nordkorea,  2. (2) Afghanistan,  3. (3) Somalia,  4. (7) Libyen, 5. (5) Pakistan,  6. (4) Sudan,  7. (6) Eritrea,  8. (9) Jemen,  9. (10) Iran, 10. (11) Indien. 

Markus Rode von Open Doors appelliert:  „Wenn Millionen Betroffene keine Chance haben, selbst auf ihre Situation aufmerksam zu machen, dann müssen Politiker und wir als Christen deutlich mehr tun als bisher. Die verfolgten Christen bitten um unser Gebet, damit sie im Glauben gestärkt werden.“

 


Weitere Beiträge zum Thema

 

 

 


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.