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Trauma – wie geht man damit um?

Biblisch basiertes Erste Hilfe Programm für Flüchtlinge und Migranten.

Trauma hängt mit Trauern zusammen: Verlust von Menschen, Heimat, Sicherheit, seelische Verletzungen, Erfahrung von intensiver Furcht, Ohnmacht und Entsetzen.  Uschi Lautenschlager.

Uschi Lautenschlager ist zuständig für das Trauma Programm bei Wycliff. Verschiedene christliche Organisationen haben sich dieser Thematik gewidmet. Sie bieten mit ihren weitreichenden Erfahrungen aus der Mission ihre Kenntnisse an. Zusammen mit der Ev. Allianz (AMIN) und der DMG international, bietet auch das Bibel Missionsunternehmen Wycliff Kurse zur Trauma Bewältigung an. Der Kurs wurde schon weltweit erfolgreich eingesetzt und hat bereits tausenden traumatisierten Menschen geholfen. 

Christen trauern anders, sie trauern mit Hoffnung

Uschi Lautenschlager unterrichtet bei Wycliff
Uschi Lautenschlager unterrichtet bei Wycliff Menschen, die traumatisierten Menschen helfen möchten.
(Foto: Heike Knauff-Oliver /  ERF Medien)

Und wer kennt es nicht selbst, wenn das Leben plötzlich eine andere Wende nimmt, als man es sich wünscht. Konsequenzen eines Traumas sind Trauer, Verletzungen, seelische Not, immer wieder kehrenden Schreckensbilder. Das lässt sich nicht einfach wegwischen, aber im richtigen Umgang damit, zumindest lindern. Es gibt unterschiedliche Wege, damit umzugehen. Zuerst muss man aber begreifen was passiert. Erstversorgung ist dann notwendig.

Wie kann man helfen?

Einen „Erste Hilfe Plan“ versucht Wycliff im Kurs an die Hand zu geben. Das Besondere an dem Programm ist nicht nur, dass es fachlich und biblisch fundiert ist, sondern auch, dass es in kleinen Gruppen durchgeführt werden kann. „Die Erkenntnis: Ich bin mit meinem Schmerz nicht allein, tut den Betroffenen oft gut. Und letztendlich wird der Schmerz bei Gott abgegeben, der heilen und Neues schaffen kann. „Gott gebraucht das Programm, dass Menschen heil und gesegnet werden“, erklärt Uschi Lautenschläger, die schon viel Erfahrung mit Teilnehmern gesammelt hat. Mit unterschiedlichen Methoden lernen sie, wie man schlechte Erinnerungen auf Abstand und seine Gefühle unter Kontrolle bringen kann und wie man seinen persönlichen Kraftquellen auf die Spur kommt. Dass Schmerz, Wut, Selbstvorwürfe, Aggression erste Reaktionen von Trauer und Verlust sind, lernen die Interessierten in diesem Kurs zu verstehen.

Dem Leid auf der Spur

Leid kann man nicht verhindern, aber erfahrenes Leid kann gemildert werden, indem man Empathie entgegenbringt, Leid ernst nimmt. Das ist der Ansatz zum Prozess der Traumabewältigung. Trauma kann man vielleicht bei sich selbst, bei Freunden, Bekannten oder Menschen im eigenen Umfeld erleben. Besonders häufig kommt es aber aber in diesen Tagen bei den Menschen vor, die nach Deutschland gekommen sind, weil sie durch gefährliche Umstände in ihrem Land nicht mehr leben können. Es sind Flüchtlinge und Migranten aus Notstandsgebieten wie Syrien, Afghanistan, Pakistan und vielen anderen Ländern.

Mindestens die Hälfte der Flüchtlinge sind psychisch krank  (FAZ)

Prozess der Traumabewältigung
Prozess der Traumabewältigung

Krieg, Verfolgung, Gewalt, wirtschaftliche Not– viele Gründe bewegen Menschen dazu, ihr Heimatland zu verlassen. Viele suchen Zuflucht in der westlichen Welt. 70 Prozent der hier lebenden erwachsenen Flüchtlinge wurden Zeugen von Gewalt. Mindestens die Hälfte der Flüchtlinge ist psychisch krank. 40.000 bis 80.000 benötigen eine Therapie. Pro Jahr bekommen 3.500 bis 4.000 eine Behandlung (Frankfurter Allgemeine 17.5.2017).

Hinzu kommt, dass sich traumatisierte Flüchtlinge bekannterweise mit der Integration enorm schwer tun: Fremde Kultur, schwere Sprache, kaltes Klima, Heimweh nach einer Welt, in der das Leben zur Zeit nicht möglich ist. Die permanente Angst und Sorge vor Ablehnung und Abschiebung verstärken das Krankheitsbild. Nur ein sehr geringer Anteil der Flüchtlinge bekommt überhaupt die Chance auf eine professionelle Therapie? Viele Flüchtlinge schaffen es aufgrund ihrer psychischen Belastung erst gar nicht bis zu einer Beratungsstelle.

Basiskurs „Traumatisierte Menschen begleiten“

Uschi Lautenschlager zeigt  anhand von leeren Flaschen
Uschi Lautenschlager zeigt  anhand von leeren Flaschen: … wenn nichts mehr geht.
(Foto: Heike Knauff-Oliver; ERF Medien)

Menschen, die sich für die Integration der Migranten einsetzen, machen derzeit außergewöhnliche Erfahrungen. Sie kommen an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weiterkommen, mit ihren Kenntnissen nicht mehr helfen können. Sie brauchen selbst Orientierungshilfe. Sie müssen verstehen lernen,  dass Aggression und Ablehnung nichts mit ihnen als den Helfern persönlich zu tun hat, sondern nur das Ventil des Schmerzes traumatisierter Menschen ist. Für sie empfiehlt sich das Programm insbesondere.

“Healing the Wounds of Trauma” heißt das ursprüngliche Buch zu dem  Programm. Es wurde von psychologischen und theologischen Fachkräften von SIL, einer Partnerorganisation von Wycliff, entwickelt und dauert in der Regel vier Tage. Die Teilnehmer werden dazu angeleitet, biblische Texte und Erfahrungsberichte aus der Gegenwart mit ihren eigenen Erfahrungen in Verbindung zu bringen und Schlüsse daraus zu ziehen. Das dem Kurs zugrunde liegende Buch ist auf Flüchtlinge in Europa zugeschnitten. „Es ist für Muslime geeignet, die dem christlichen Glauben gegenüber offen sind. Die Lektionen enthalten Beispiele und Verse aus dem Wort Gottes, die für Menschen mit muslimischem Hintergrund bekannt oder leicht verständlich sind.“
 

 

Idealerweise sollen die Kurse von Gemeinden angeboten werden. Mehr Informationen zu diesem Programm und Anmeldungen zum nächsten Kurs im Februar 2019 finden Sie auch auf der Website von Wycliff.

 


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