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„Red Hand Day“: Bundeswehr ist schlechtes Vorbild

Initiative gegen Kindersoldaten beklagt Anwerbung von Minderjährigen bei deutschen Streitkräften.

Kindern wird eine Waffe in die Hand gedrückt. Sie werden gezwungen, andere Menschen zu töten. Dies ist ein schlimmes Verbrechen. Und es wird längst von den Vereinten Nationen geächtet. In den letzten Jahrzehnten ist diesbezüglich viel passiert, sagt David Gee von Child Soldiers International:

„Vor 50 Jahren schickten die meisten Staaten Kinder unter 18 Jahren in den Krieg. Der Einsatz von Kindern sei eine militärische Notwendigkeit, sagten sie damals. Heute, nach langer geduldiger Arbeit und viel gutem Willen, rekrutieren drei Viertel der Staaten gar keine Kinder mehr. Das hat Tausende von Minderjährigen vor der traumatischen Teilnahme an bewaffneten Konflikten bewahrt. Eine weltweite Beendigung der Rekrutierung von Kindern als Soldaten ist eine Erfolgsstory, die gerade am Entstehen ist.“

Westliche Staaten in der Kritik

Child Soldiers International gehört zum Internationalen Bündnis gegen Kindersoldaten. Am 12. Februar, dem „Red Hand Day“, prangert es die Staaten an, die immer noch Minderjährige in bewaffneten Konflikten einsetzen oder sie in ihre Armeen aufnehmen. Und hier geraten auch westliche Industriestaaten in die Kritik.

„Einige Staaten – wie beispielsweise Deutschland, das 17-Jährige für seine Armee rekrutiert oder Großbritannien, mein eigenes Land, das 16-Jährige in die Armee aufnimmt – setzen immer noch auf Teenager, die im legalen Sinne noch Kinder sind, um ihre Reihen zu füllen. Diese Staaten behaupten, das sein in Ordnung, denn die Rekrutinnen und Rekruten hätten ja die Wahl, und ihre Eltern hätten zugestimmt, und überhaupt würde ihnen kein Schaden zugefügt, denn sie würden ja erst mit 18 in den bewaffneten Kampf geschickt.“

„Ausbeutung durch Irreführung“

Das „Red Hand Day“- Netzwerk gegen Kindersoldaten sieht dies kritisch. David Gee stellt eine aktuelle Untersuchung vor, die sich mit der Rekrutierung Minderjähriger beschäftigt. Der Bericht zeige: „Junge Menschen, vor allem solche aus benachteiligten Verhältnissen, werden gezielt angesprochen mit einer Werbung, die in der Regel ein falsches Bild des militärischen Lebens präsentiert: Sie beschönigt Kriegsführung. Sie bedient sich häufig eines fantastischen Heldentums von Blockbuster-Filmen und Computerspielen. Dabei schweigt sie jedoch auffällig über Risiken und Schwierigkeiten. Kurz gesagt: Die Werbung, mit der junge Menschen einberufen werden, ist irreführend. Und Irreführung bedeutet Ausbeutung.“

Ein anderer Punkt: Wenn Länder wie Großbritannien oder Deutschland nicht konsequent die Ausbildung Minderjähriger zu Soldaten ablehnten, gebe dies ein fatales Signal an Unrechtsregime. Ein Beispiel: Der heute knapp 30-jährige Innocent Opwonya aus Uganda.  Im Jahr 2000, mit gerade einmal 10 Jahren, so sagt er, trat der Teufel über seine Türschwelle. „Ich hatte keine Wahl. Ich wurde nachts von der Lord Resistance Army entführt und zu einem ihrer Verstecke im heutigen Südsudan gebracht. Ich war noch so jung und musste dennoch eine Waffe tragen und mit ansehen, wie mein Vater direkt vor meinen Augen erschossen wurde, als er versuchte, mir zu helfen. Da wurde mir bewusst, dass ich auch eine Waffe brauche.“

Die Gewaltspirale durchbrechen

Trotzdem kann Opwonya die Gewaltspirale durchbrechen. Unter anderem durch ein Hilfsprogramm von „World Vision“. Er studiert und schreibt ein Buch über seine Erlebnisse. Um das Unrecht anzumahnen, das Kindersoldaten widerfährt. Und um als Botschafter des Red Hand Day ein klares Signal zu setzen: „Nach der Definition der Vereinten Nationen ist ein Kind jeder Mensch unter 18 Jahren. Und wenn hochentwickelte Nationen diese Definition unterlaufen, indem sie Menschen unter 18 rekrutieren. Wenn Deutschland nicht damit aufhört, dann wird das Rekrutieren von Kindersoldaten in Uganda kein Ende nehmen. Wenn Großbritannien und die USA nicht aufhören, dann gibt es kein Ende in Uganda.“


Kommentare

Von Jörg am .

Ich habe bei ERFPlus bereits einen Beitrag dazu gepostet. Ich möchte auch hier auf die Absurdität hinweisen, 17-jährige Bewerber im Öffentlichen Dienst, ob Polizei, Grenzschutz oder Bundeswehr mit Kindersoldaten in Afrika gleichzusetzen. Als ich zu Beginn der 80er Jahre meinen Wehrdienst leistete, waren auch 17-jährige dabei. Meist angehende Zeitsoldaten. Der Altersunterschied zu den Wehrpflichtigen betrug zwischen ein und zwei Jahren. Schallendes Gelächter hätten Sie zu Recht geerntet, hätten mehr


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