Kommentar

Politik- Geht’s mich was an?

Warum wir mehr über Politik reden dürfen. Ein Kommentar.

Ich falle jetzt mal mit der Tür ins Haus: Mich ärgert es, dass viele Christen Angst davor haben, sich politisch zu äußern. Mich nervt diese „Haltet euch da lieber raus“-Einstellung gegenüber denjenigen, die sich eine politische Meinung zutrauen. Ich kann nicht verstehen, dass wir politischen Themen immer eine Sonderstellung zusprechen.

Sie Lesen noch weiter? Wirklich? Das freut mich. Noch kann ich zu einem weniger kontrovers diskutiertem Thema umschwenken. Oder wenigstens einem, das nicht ganz so weit weg ist.

Wir lassen viele Meinungen zu, nur keine politischen!

Halt, Stopp: Da ist doch schon der Denkfehler. Ja, es stimmt, dass Politik seinen vorgesehenen Platz hat. Doch obwohl Berlin weit weg von Mittelhessen ist, sind Steuersenkungen, Autobahnausbau und Gesundheitsreformen ziemlich nah an mir dran. Entscheidungen, die in Berlin getroffen werden, bestimmen meinen Alltag. Näher an meinem Leben geht es kaum.

Trotzdem beobachte ich unter Christen eine große Ignoranz und sogar Verneinung politischer Themen. Wir tauschen uns über das aktuelle TV-Programm aus, aber nicht über aktuelle Wahlprognosen. Wir können stundenlang über die neusten Ernährungsratgeber diskutieren, aber nicht über die neusten Parteiprogramme. Politische Meinungen werden verurteilt und der Austausch darüber erst gar nicht zugelassen. Kurz gesagt: Christen sollen nichts mit Politik zu tun haben. Denn Christen mit politischer Meinung können sowieso keinen klaren Weg gehen, sondern müssen sich verbiegen und Kompromisse finden.

Die Realität, die wir nicht ignorieren können

Auf der einen Seite stimme ich diesem Argument zu. Innerhalb einer Demokratie werden Ideen nur mit Mehrheiten umgesetzt. Die Mehrheit gewinnt man selten mit starren Positionen. Kompromisse müssen eingegangen werden. Natürlich ist es dabei herausfordernd, den eigenen Werten treu zu bleiben. Aber das ist die Realität, in der wir leben. Es bringt nichts, so zu tun, als gäbe es diese Realität nicht. Wir können nichts verneinen, was direkt vor unserer Haustür passiert.

Wer trotzdem konstant verneint und ignoriert, wird irgendwann zum Nörgler. Denn früher oder später werden uns politische Themen einholen. Und dann wird es noch schwieriger darauf zu reagieren, weil wir es nicht gelernt haben. Über das, was wir nicht verstehen, zu nörgeln ist leicht. Doch wer sich heraushält und nicht handelt, wird behandelt. Egal ob Ignoranz oder Nörgeln: Heraushalten kann keine Lösung sein.

Politisches Handeln beginnt im Kopf

Heißt das, dass jeder Christ politisch handeln soll? Genau das heißt es. Jedoch bedeutet politisches Handeln nicht zwingend Mitglied einer Partei zu sein oder immer eine politische Meinung zu vertreten. Politisch Handeln beginnt vielmehr im Kopf: Es geht nicht um die großen Taten oder Meinungen, sondern darum, sich auf politische Themen einzulassen und sie nicht aus der Realität auszuklammern. Es geht darum, der Bibel ihre politische Dimension zu entlocken und nicht jeden Geistlichen, der sich politisch äußert, zu verurteilen.

Unterstützen statt verurteilen, das könnte ein Leitbild für das Verhältnis Christ und Politik sein. Ist das nicht sowieso das Motto, das uns Jesus Christus vorgelebt hat? Ich wünsche mir, dass wir Christen, die sich politischen Herausforderung stellen, genauso begegnen können. Ich wünsche mir, dass wir den Mut nicht denjenigen nehmen, die dafür kämpfen, Kompromisse zu finden. Und ich wünsche mir, dass wir keine Angst mehr vor dem vermeintlich bösen P-Wort haben. So schlimm ist es nämlich gar nicht. 

 

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Kommentare

Von Gast am .

Heißt das, dass jeder Christ politisch handeln soll?
Ich würde sagen ein Christ sollte anders handeln.
Was mich extrem stört ist das die Großkirchen bei der Agenda 2010, sowie deren sinnlosen Maßnahmen mitgewirkt haben. Normalerweise hätten Sie sagen müssen: "Nein. "Wir machen da nicht mit."

Von Hesekiel am .

Ich muss der Autorin recht geben: alle politischen Entscheidungen haben einen Einfluss auf uns. Seien es nun Steuererhöhungen, Erhöhung der Abgeordnetendiäten, die immer wiederkehrenden billionenschweren und rechtswidrigen Rettungen von Pleitebanken und Pleitestaaten, gigantische Schulden, Gender Mainstreaming und frühkindliche Sexualisierung, Klimakult als Staatsreligion, Islamisierung und Demontage der Grundrechte - all diese gegen das Volk gerichteten Entscheidungen haben mittelbare mehr

Von Gast am .

Das Reich von Jesus Christus ist ein anderes Reich als das der Weltbeherrscher. Ein Christ soll nur für Jesus leben und bereit sein für seine Wiederkunft. Man kann für Politiker beten das Gott Ihnen den rechten Weg zeigt und sie umkehren, damit Deutschland wieder ein christliches Land wird. Mehr kann man nicht tun.

Von Roland P. am .

Dieser Beitrag kommt für mich zur Rechten Zeit , weil ich mir auch darüber oft den Kopf zermartrere, ob ich jetzt meine Meinung aus christlicher Sicht sagen soll!
Aber wir müssen es

Von David am .

Die Thematik des Kommentars liegt mir schon lange auf dem Herzen. Vielen Dank für die mutigen Worte!
Politische Ignoranz und Passivität ist einer der Gründe, warum Christen ihre Glaubwürdigkeit und Relevanz heutzutage verlieren. Christen sind oft in ihren christlichen Strukturen (Hauskreis, Gebetskreis, Gottesdienst) gebunden, da bleibt selbstverständlich keine Zeit politisch aktiv zu werden oder sich überhaupt eine politische Meinung zu bilden. Und wenn sich Christen mal für Politik mehr

Von hildegard am .

Danke für diese mutmachende Herausforderung aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen.
Aktiv bedeutet für mich und meinen Mann genau hinzuhören und hinzuschauen und dann erst mal glaubensvoll zu beten.. denn Gott erhört Gebet und greift ins politische Geschehen, auch durch das Gebet seine Kinder, ein..zu SEINER Zeit. ER ist HERR der Herren, sonst niemand.

Von Norbert D. am .

Ich gestehe ein, dass ich zu der Kategorie Mensch gehöre, an Politik und Zeitgeschehen vorbei zu leben. Mit den Entscheidungen der Parlamentarier muss ich mich arrangieren und das ist schon eine Herausforderung. Meine politische Bühne ist das Wort Gottes. Ich wohne ja nicht hinter dem Mond, denn in der Bibel wird klar benannt, dass mein Leben auf das meines Nachbarn Einfluss hat. Ob ich will oder nicht. Für mich ist das Politik oder Einmischung genug.


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