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Kirche wächst trotz Verfolgung

Der Kongress "Christenverfolgung heute": Ein weltweiter Lagebericht.

 

 

Christen in der gesamten Welt leiden und werden wegen ihres Glaubens verfolgt. Das wird nicht weniger, sondern die Lage spitzt sich für viele Christen immer weiter zu. Das macht es zu einem Thema, über das mehr gesprochen werden muss. Im Tagungs- und Freizeitzentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd wurde das in der vergangenen Woche getan. Dort hat ein Kongress zum Thema weltweite Christenverfolgung stattgefunden.

Dazu kamen Vertreter verschiedenster Organisationen zusammen. Die Besucher konnten sich an deren Ständen über die Hilfsprojekte informieren und ins Gespräch kommen. Mitveranstalter war die evangelische Nachrichtenagentur idea. Zu den knapp 30 Kooperationspartnern zählten neben ERF Medien auch Open Doors, die Evangelische Karmelmission, der Barnabasfund, die Hilfsaktion Märtyrerkirche, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Die Vielzahl der Organisationen macht sichtbar: Die verfolgten Christen sind nicht alleine oder vergessen. Da sind viele Menschen, die sich für sie einsetzen, um praktische, humanitäre Hilfe zu leisten, um für ihre Rechte einzutreten und um – ganz wichtig – auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Die verfolgten Christen sind nicht alleine oder vergessen. Da sind viele Menschen, die sich für sie einsetzen, um praktische, humanitäre Hilfe zu leisten, um für ihre Rechte einzutreten und um – ganz wichtig – auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

 

Internationale Redner berichten über Christenverfolgung in ihren Ländern

Auf dem Kongress gab es nicht nur Infostände. Auch zahlreiche Pastoren und Kirchenleiter aus den verschiedensten Ländern konnten nach Schwäbisch Gmünd anreisen, beispielsweise aus dem Irak, Indien, Nigeria, Syrien, aus der Türkei und sogar aus China. Sie haben allgemein über den Stand der Christen im Land und speziell über die Situation ihrer Gemeinden berichtet. Eine Menschenrechtsaktivistin hat über ihren Kampf für die Rechte der Christen in Pakistan berichtet.

In Pakistan ist die Lage für Christen und andere religiöse Minderheiten besonders dramatisch, denn dort gilt ein sehr strenges Blasphemie-Gesetz. Das heißt, selbst wenn jemand nur unter Verdacht steht, etwas Kritisches gegen den Islam oder den Koran gesagt zu haben, kann das schon Gefängnis- und Todesstrafe bedeuten. Am weltweit bekannt gewordenen Fall von Asia Bibi ist das Ausmaß des Blasphemie-Gesetzes exemplarisch deutlich geworden. Das sei aber kein Einzelfall, berichtete die Anwältin.
 

Signale der deutschen Politik

Auch Vertreter aus der deutschen Politik waren mit dabei. Der CDU-Politiker Volker Kauder hat einen der Eröffnungsvorträge gehalten. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, stand direkt zum Auftakt des Kongresses am Rednerpult. Als dritter politischer Vertreter war der Beauftragte der Evangelischen Allianz am Bundestag, Uwe Heimowski, anwesend. Sie alle machten deutlich, dass sie die Verantwortung der deutschen Politik hinsichtlich religiös verfolgter Gruppen wahrnehmen und das Thema im Bundestag verstärkt voran bringen wollen. Ein Schritt auf politischer Ebene wurde schon während des Kongresses gemacht: Alle Teilnehmer waren dazu aufgefordert, eine Resolution zu unterschreiben. Diese fordert, dass zum Christentum konvertierte Muslime nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden dürfen, wenn ihnen dort die Todesstrafe oder ernsthafte Verfolgung droht.
 

Ein Herz für den Iran

Mir selbst ist besonders der Vortrag von Dr. Mike Ansari in Erinnerung geblieben. Er ist der Leiter von Heart4Iran und hat die Arbeit des TV-Senders mit Sitz in San Francisco, USA, vorgestellt. Dieser Sender produziert Programme speziell für Iraner, durch die sie Jesus und die Botschaft der Bibel kennenlernen.

Um deutlich zu machen, wie viele Menschen das Angebot des TV-Senders erreicht, hat Mike Ansari eine Landkarte erstellt. Dort hat er alle Orte mit einem roten Fähnchen markiert, aus denen Rückmeldungen zu den Programmen eintreffen. Daran konnte man sehen, dass Unzählige aus dem Iran selbst kommen, quasi aus jeder Stadt. Aber mit den Flüchtlingsströmen kommen auch viele Rückmeldungen aus Europa und den USA. Der Iran ist auf dem Weltverfolgungsindex des Hilfswerks Open Doors auf Platz 9. Aber tatsächlich wächst die christliche Gemeinde dort am schnellsten. Das zeigt: Die Iraner suchen nach Jesus. Durch Smartphones und Social Media sind solche großartigen Entwicklungen erst möglich geworden. Denn im Iran selbst sind die Programme von Heart4Iran meistens die einzige Quelle, durch die sich die iranischen Christen in ihrer Muttersprache über den Glauben informieren, darin weiter wachsen und sich untereinander vernetzen können. Der Gottesdienstbesuch in einer Untergrund-Hauskirche ist sehr gefährlich.
 

Wachstum trotz Verfolgung

Nachdem ich die vielen Eindrücke verarbeiten konnte, ist besonders eine Emotion hängengeblieben: Ich bin in besonderer Weise beeindruckt. Denn trotz der wirklich schrecklichen Berichte über Verfolgung, Gewalt und Unterdrückung vieler Christen, beispielsweise in Nigeria, in China oder im Jemen – die Kirche wächst! Die ermutigenden Berichte auf dem Kongress stellten immer wieder das Engagement und die Freude der bedrängten Christen in den Vordergrund. Dabei hat sich herausgestellt: Überall dort, wo Christen stark verfolgt werden, ist die Gemeinde im Aufbruch. Dort passiert richtig viel, Gott wirkt und gibt den Menschen Hoffnung und Freude.

Ich selbst habe höchsten Respekt vor dem Mut dieser furchtlosen Christen, die jeden Tag zum Teil unter Lebensgefahr ihren Weg weiter mit Jesus gehen und Gemeinde bauen. Der Kongress hat allen deutlich vor Augen geführt: Die Freiheit der Christen hier in Deutschland und in Europa ist überhaupt nicht selbstverständlich! Ich habe für mich große Dankbarkeit mit nach Hause genommen.
 

Beten, unterstützen, darauf hinweisen

An dieser Stelle möchte ich Mut machen: Wegen unserer Glaubensfreiheit ist es umso wichtiger, dass sich Christen hier in Deutschland stark machen für jene Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt und mit dem Tode bedroht werden. Das kann jeder Einzelne zum Beispiel durch Gebet tun. Auch können deutsche Christen bewusst Organisationen unterstützen, die sich für verfolgte Christen einsetzen und die frohe Botschaft von Jesus in verschlossene Länder bringen. Außerdem ist es wichtig, immer wieder in der Öffentlichkeit auf die prekäre Lage der weltweiten Christenheit hinzuweisen.

Yassir Eric war einer der Redner. Bild: ERF Medien
Yassir Eric war einer der Redner. Bild: ERF Medien

Zum Schluss noch eine Ermutigung aus der Ansprache von Yassir Eric, dem Leiter des Europäischen Institutes für Migration, Integration und Islamthemen: „Keine menschlichen Machthaber oder Regime können die Gemeinde Jesu vernichten. Denn am Ende ist Gott der Herr der Geschichte.“

Keine menschlichen Machthaber oder Regime können die Gemeinde Jesu vernichten. Denn am Ende ist Gott der Herr der Geschichte. – Yassir Eric

 


Info: ERF Medien unterstützt christliche Radioarbeit in Ländern, in denen Christen unter Druck und Beobachtung stehen. Dabei hilft uns Ihre Spende. Erfahren Sie mehr über ERF-Projekte für verfolgte Christen.


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