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Integration mit Nudeln

Mit dem Projekt Saatkorn erfahren junge Migranten eine Integration, die christlich, sozial und nachahmenswert ist.


In Korntal werden aus Fremden Freunde. Mit Rat und Tat bringt man hier – in der Tat – Integration auf den Tisch. Saatkorn heißt das Projekt, mit dem Zusatz „…damit Integration gelingt“. Das Projekt trägt schon erste Früchte und ist nachahmenswert. Denn in Sachen Integration muss noch viel mehr getan werden, weiß Monika Klotz, die Projektleiterin, die sich mit der Situation der jungen Migranten intensiv auseinandersetzt.
 

Junge Männer brauchen Hilfe

Die Flüchtlingswelle hat viele Menschen in unser Land gebracht. Sie sind auf Unterstützung angewiesen. Maßnahmen des Staates können in zahlreichen Einzelfällen nicht ausreichend greifen. Hier sind Christen gefordert, effektive Hilfe zum Leben anzubieten. So können biblische Maßstäbe der Nächstenliebe im Alltag umgesetzt werden.

In Korntal bei Stuttgart haben beherzte Christen die Situation erfasst. Mit dem Projekt, das sie bezeichnenderweise „Saatkorn“ genannt haben reagieren sie auf die prekäre Situation. Beispielhaft zeigen sie, wie man Flüchtlingen helfen kann.

Es ist wichtig, dass über die staatliche Unterstützung hinaus Migranten betreut werden. Familien und unbegleitete Jugendliche werden in der Regel recht gut betreut. „Es sind die vielen volljährigen jungen Männer, die auf sich alleine gestellt sind. Sie sind in der Regel mit Wohnraum, Arbeit, Sprache, Kultur, mit eigentlich allem überfordert. Um sie kümmert sich niemand wirklich. Sie brauchen Hilfe“, sagt Monika Klotz.


 

Nächstenliebe und Heimat

In einem Zwei-Jahres-Programm helfen die Korntaler Christen den jungen Migranten, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen, sich ein eigenverantwortliches, selbständiges Leben aufzubauen und christlich-ethische Grundwerte verstehen zu lernen. In sozialbetreuten Wohngemeinschaften erfahren sie unter anderem Zuwendung und Sprachförderung. Die Mitarbeit in der projekteigenen Nudelmanufaktur und einem angeschlossenen Begegnungs-Café hilft bei der kultursensiblen Integration in den Arbeitsmarkt.

Nur einige Gehminuten vom Arbeitsplatz entfernt ist die Unterkunft der jungen Männer. Auf dem Weg dorthin begegnen sie Nachbarn und gehen an Läden vorbei, in denen noch schnelle Besorgungen für den Alltag erledigt werden können. Auf zwei Etagen eines Mehrfamilienhauses gibt es Wohn- und Schlafzimmer und ein Büro. In der Gemeinschaftsküche geht es interkulinarisch zu. Gerne werden dazu auch mal Gäste eingeladen, mit denen dann munter über Land und Leute diskutiert wird. Auch interreligiöse Themen werden heiß diskutiert.

Das Projekt läuft nun seit zwei Jahren und die Resultate sind gut. „Eigentlich wurden unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Monika Klotz. Es hat sich so entwickelt, wie es die Initiatoren erhofft hatten.

Die ersten Teilnehmer, die vor anderthalb bis zwei Jahren kamen, haben das Projekt durchlaufen. Sie haben eine sehr gute Sprachfähigkeit erlangt und sich in Korntal super eingelebt. Für einige von ihnen konnten gute Studien- bzw. Ausbildungsplätze gefunden werden. Einige sind noch im Bewerbungsprozess.
 

Schreckliche Einzelschicksale

Seit Oktober / November kommen neue Teilnehmer an. Die meisten sind Schwarzafrikaner. „Leider haben sie in Deutschland viel weniger Chancen auf ein Bleiberecht. Sie sind auch viel weniger gebildet. Einige wurden im Projekt alphabetisiert. Sie haben teilweise Schreckliches auf der Flucht – meist übers Mittelmeer – erlebt und sind davon seelisch sehr beeinträchtigt. Aber jeder Einzelne ist wichtig. Wir schauen, wie wir ihnen Gutes tun können. Wir beten, dass sie die Gegenwart Gottes in ihren Leben erleben und dass sie Gott als den fürsorgenden Gott kennenlernen, der ihre Not kennt und wenden kann“, erklärt die Projektleiterin und fügt hinzu: „Erfreulicherweise hat sich die Zusammenarbeit mit den Behörden, die für die jungen Männer zuständig sind, sehr gut entwickelt.“

Jeder Einzelne ist wichtig. Wir schauen, wie wir ihnen Gutes tun können. Wir beten, dass sie die Gegenwart Gottes in ihren Leben erleben und dass sie Gott als den fürsorgenden Gott kennenlernen, der ihre Not kennt und wenden kann. – Monika Klotz, Projektleiterin Saatkorn

 

Die Arbeit und die Initiative wird mit viel Hochachtung bewertet. Sie werden unterstützt mit Infos und gutem Rat. Im August konnte ein weiteres Gebäude mit fünf Wohnungen angemietet werden. Das wurde Zug um Zug renoviert. Seit November konnten weitere junge Männer einziehen. Darüber freuen sich die Projektverantwortlichen.

Es gibt noch so unglaublich viele junge allein gereiste Männer in deutschen Städten, die niemand will und um die sich kaum gekümmert wird. Monika Klotz sagt, sie sei erschüttert über die große Not in den Leben der einzelnen jungen Männer, und auch über die Aussichtslosigkeit, mit der sie sich herumschlagen müssen. Sie hofft, dass ihnen die Zeit im Korntaler Projekt Saatkorn zum Segen wird und sich ihr Leben dadurch stabilisiert.

Sie ist auch erschrocken über die viele Arbeit, die man hat, wenn man effektiv helfen will. „Wir arbeiten unheimlich viel und trotzdem ist diese Hilfe nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, erzählt Monika Klotz seufzend. Doch sie ist froh, dass sie wenigstens etwas tun kann, in einem Projekt, das nachahmenswert ist.


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